VonConstantin Blaßschließen
Landrat Joachim Bläse fühlt sich falsch verstanden. Er attackiert den Landtagsabgeordneten Winfried Mack hinsichtlich dessen Kritik an den kürzlich vorgestellten Zukunftsplänen für die Kliniken Ostalb.
Aalen. Kein Tag ohne weitere Reaktionen zu den Kliniken Ostalb: Vor sechs Tagen hatte Landrat Dr. Joachim Bläse (CDU) gemeinsam mit Klinikvorstand Christoph Rieß die Mitglieder des alten und neugewählten Kreistags über die „harten Einschnitte“, die vor allem die Virngrundklinik in Ellwangen betreffen, informiert.
Darunter war auch der Landtagsabgeordnete Winfried Mack (CDU). Der 58-Jährige setzte sich im Nachgang an die Spitze der Protestler, die offen gegen die Gedankenspiele des Landrats und des Klinikvorstands sind. Seine Reaktion ist verständlich, denn Mack ist in Ellwangen geboren. Dass die Virngrundklinik zum „1i“-Versorger geschrumpft werden soll, trifft ihn.
Lesen Sie hier zwei Kommentare zu den Kliniken Ostalb: Sparen, wo es wehtut – Warum nicht schon längst? und Wer braucht schon eine Notaufnahme in der Virngrundklinik?
Demzufolge fiel auch seine Reaktion aus. Mack sprach offen an, dass „die Vorschläge des Landrats nicht akzeptabel“ seien und er kein Verständnis dafür aufbringt, das „Krankenhaus praktisch stillzulegen“. Mack kritisierte zudem die Vorgehensweise des Landrats. „Historisch einmalig“ sei sie und habe „sehr viel Vertrauen zerstört“.
Kliniken Ostalb: Bläse schickt Schreiben an Mack – und an gesamten Kreistag
Die Replik des Landrats – rechtzeitig vor der Sitzung des Verwaltungsrats der Kliniken Ostalb am kommenden Montag (24. Juni) – ließ nicht lange auf sich warten. In einem Schreiben, das Bläse dem gesamten Kreistag in Kopie schickte, machte er seinem Ärger Luft.
„Vor dem Hintergrund Ihrer jüngst getätigten öffentlichen Äußerungen bin ich schon sehr verwundert, dass Sie auf der Klausurtagung (…) keine Äußerung getätigt und nicht eine einzige Frage zur Sache gestellt haben“, schreibt er. Der Landrat wirft Mack zudem „polemische Stimmungsmache“, „unrichtige und irreführende Aussagen in der Öffentlichkeit“ vor, die die Menschen verunsichern und Ängste schüren würden.
Wegen Klinik-Plänen: Landrat Bläse fühlt sich angegriffen
Bläse stellt in dem Schreiben klar, dass er eine komplette Schließung der Virngrundklinik verhindern will. Ein derartiges Szenario könnte drohen, wenn sich der Ostalbkreis für eine private Trägerschaft der Kliniken entscheiden würde. Was den Landrat trifft, ist die Kritik, angeblich „ohne Beschlüsse des Kreistags“ zu handeln. „Das ist schlicht falsch, und das weise ich entschieden zurück“, schreibt Bläse. Der Kreistagsbeschluss werde schließlich gerade vorbereitet.
Zum Ende des dreiseitigen Schreibens bittet Landrat Bläse Mack trotz der unterschiedlichen Ansichten, sich dafür einzusetzen, dass der Ostalbkreis auch seitens der Landespolitik die notwendige Rückendeckung und Unterstützung erhält, um die Kliniken Ostalb langfristig zukunftssicher aufstellen zu können. Winfried Mack kündigte auf Nachfrage unserer Redaktion an, "alsbald eine Antwort" zu verfassen.
Die Reaktion des Landrats wirkt etwas dünnhäutig
Fazit und kommentierende Einordnung: Dass die von Klinikvorstand Christoph Rieß erarbeiteten und gemeinsam mit Landrat Bläse vorgestellten Maßnahmen nicht auf kreisweite Zustimmung treffen würden, war zu erwarten. Emotional schlägt die lokale Sichtweise oftmals die des Kreises.
Das Schreiben von Bläse an Mack, übrigens zwei Duz-Freunde, überrascht trotzdem. Es wirkt wie eine Überreaktion, dünnhäutig und wenig souverän, selbst wenn Bläse darauf aufmerksam macht, dass sich Mack möglicherweise an ein paar Stellen zu ungenau oder sogar inhaltlich falsch geäußert haben mag.
Entscheidend ist ohnehin, wie der neu gewählte Kreistag am 23. Juli in einer Sondersitzung entscheidet. Bis dahin ist noch ein Monat Zeit, um die Meinungen auszutauschen, zu erläutern, dem unabhängigen Zuschauer in der gewählten Form aber auch unterhaltsames "Popcorn-Kino" zu liefern.
