Neustart mit kleinerer Mannschaft

Insolventer Maschinenbauer aus Baden-Württemberg hat neuen Eigentümer – wie geht es weiter?

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Der insolvente Maschinenbauer Illig hat einen neuen Eigentümer und wagt damit einen Neustart. So geht es für die Mitarbeiter und das Unternehmen weiter.

Heilbronn - Die Anzahl an Unternehmensinsolvenzen in Baden-Württemberg steigt aktuell wieder an, doch nicht immer muss eine solche Anmeldung auch mit einer Geschäftsaufgabe enden. Ein Investor übernahm im Frühjahr beispielsweise einen insolventen Autozulieferer aus dem Südwesten, wodurch 220 Mitarbeiter aufatmen konnten. Ende April hatte auch der traditionsreiche Maschinenbauer Illig mit Stammsitz in Heilbronn Insolvenz angemeldet, wovon über 500 Mitarbeiter in der Käthchenstadt in Baden-Württemberg betroffen waren. Nachdem ein großer Teil der Belegschaft das Unternehmen verlassen musste, wagt Illig unter einem neuen Eigentümer einen Neustart.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Seit der Insolvenzanmeldung haben rund 200 Mitarbeiter den Maschinenbauer Illig in Heilbronn verlassen, sodass die Neuaufstellung nun mit einer deutlichen reduzierten Belegschaft einhergeht. Das Unternehmen hatte bereits Ende Juli verkündet, das Ende 2023 gestartete Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung durch den Einstieg eines deutschen Mittelstandsinvestors erfolgreich abgeschlossen zu haben. Die Eigentumsübertragung ist inzwischen ebenfalls abgeschlossen. Ein anderer Maschinenbauer aus Baden-Württemberg hat jüngst rund 400 Arbeitsplätze abgebaut, dabei aber komplett auf Kündigungen verzichtet.

Maschinenbauer Illig wagt Neustart unter neuem Namen – Produktion bleibt in Heilbronn

In der Mitteilung von Ende Juli hatte Illig bereits erklärt, dass der Investor – dessen Name zunächst nicht genannt wurde – das gesamte Produktportfolio übernehmen und alle Geschäfte der Gruppe weltweit fortführen werde. Im August sollte zudem eine neue Gesellschaft die Aufgaben der bisherigen Illig Maschinenbau GmbH & Co. KG übernehmen, was inzwischen abgeschlossen ist. In einer weiteren Mitteilung erklärte Illig zum einen, dass es sich bei dem Investor um das Beratungsunternehmen Orlando Capital aus München handelt und zum anderen, dass die Geschäfte fortan von der Illig Packaging Solutions GmbH weitergeführt werden.

Name Illig Packaging Solutions GmbH
Gründung 1946
Hauptsitz Heilbronn, Baden-Württemberg
Branche Maschinenbau
Mitarbeiter 596 (Ende 2022)
Umsatz 116,8 Millionen Euro (2022)

Durch die Neustrukturierung mussten zwar Mitarbeiter den Maschinenbauer verlassen, der Mitteilung zufolge wird sich durch die Übernahme aber ansonsten wenig ändern. Die Thermoform- und Verpackungssysteme, auf die Illig seit jeher spezialisiert ist, werden weiterhin am Stammsitz in Heilbronn sowie im rumänischen Sibiu produziert. Zudem soll durch das von Orlando Capital investierte Barmittel auch die Ausbildung am Stammsitz weitergeführt werden. Darüber hinaus erwartet Illig, dass das Geschäft mit Neumaschinen, das während der Sanierung stark abgeflacht war, eine deutliche Belebung erfährt.

Abbau von 200 Arbeitsplätzen bei Illig war offenbar Voraussetzung für Investoreneinstieg

Der Abbau von 200 Arbeitsplätzen am Standort im Heilbronner Stadtteil Sontheim war offenbar eine Vorgabe des Investors; die betroffenen Mitarbeiter kritisierten laut der Heilbronner Stimme vor allem die mangelnde Wertschätzung und einen hohen Zeitdruck. Dieser Schritt war jedoch notwendig, um das Traditionsunternehmen aus Baden-Württemberg langfristig zukunftsfähig aufzustellen. Auch bei der Rettung der insolventen Modekette Peter Hahn mussten dennoch 400 Mitarbeiter gehen. Illig selbst sieht die Weiterführung des Geschäftsbetriebs aber auch als wichtiges Signal für die Kunden und Geschäftspartner des Unternehmens.

Maschinenbauer Illig wagt mit einem Investor einen Neustart. In Heilbronn werden künftig aber weniger Mitarbeiter angestellt sein.

Obwohl Illig durch den Einstieg des Unternehmens aus der Insolvenz gerettet wurde, ist die große Neustrukturierung offenbar doch noch nicht vollständig abgeschlossen. „Wir werden unsere Vertriebsaktivitäten in den weltweiten Märkten wieder intensivieren und die Beziehungen zu unseren Kunden stärken“, erklärte die Geschäftsführung. „Gleichzeitig müssen wir unsere Prozesse und die Supply Chain am Hauptsitz in Heilbronn noch effizienter ausrichten, um nachhaltig wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Mit dem Rückenwind sei eine stärkere Investition in die Entwicklung neuer Technologien und Innovationen möglich. BW24 hat jüngst auch über den Stellenabbau bei einem Autozulieferer mit Sitz in Heilbronn berichtet.

Rubriklistenbild: © ILLIG

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