VonJürgen Steckschließen
Die Ostalb plant in Essingen eine neue Klinik bis 2032. Übergangsmaßnahmen sollen die Versorgung sichern und das Defizit reduzieren.
Aalen. Bis zum Jahr 2032 soll, wenn alles glattläuft, in Essingen die neue große Klinik, der zentrale Regionalversorger, gebaut sein. Doch auf dem Weg dorthin gibt's einiges zu tun, um für die Zeit des Übergangs eine gute klinische Versorgung der Bürgerinnen und Bürger im Ostalbkreis sicherzustellen. Und gleichzeitig das gewaltige Defizit, zuletzt 60 Millionen Euro, zu schmälern. Denn das Minus, das die Kliniken jedes Jahr erwirtschaften, schränkt die finanziellen Spielräume im gesamten Ostalbkreis gewaltig ein.
Anpassungen Schritt für Schritt
Im Betriebsausschuss für Klinikimmobilien gab der Vorstandsvorsitzende der Kliniken Ostalb, Christoph Rieß, den Ausschussmitgliedern einen Überblick darüber, was schon getan ist – und was noch getan werden muss. "Wir haben einen klaren Fahrplan für die zukunftsfähige Weiterentwicklung unserer Kliniken." Die baulichen Anpassungen würden "Schritt für Schritt" angegangen, "damit wir unsere Patienten auch in Zukunft in höchster Qualität und nach modernen Standards versorgen können".
Entscheidungen mit "Blick auf das große Ganze"
Im Mittelpunkt dabei stehen laut Rieß auf der einen Seite Baumaßnahmen, um moderne Standards in den Kliniken zu erfüllen, aber auch der Blick auf die Führungskultur mit dem Ziel, eine leistungsfähige Organisation und ein attraktives Arbeitsumfeld zu gewährleisten. Mutige Entscheidungen mit dem Blick "auf das große Ganze", eine konsequente Umsetzung mit Beteiligung der Betroffenen, aber auch gegebenenfalls eine Anpassung der Pläne nach Bedarf seien dabei Erfolgsfaktoren.
Restrukturierungsmaßnahmen in der Zeit des Übergangs
Rieß stellte in der Präsentation nochmals dar, was für die drei Klinikstandorte im Ostalbkreis für die Zeit des Übergangs beschlossen wurde – also für die Zeit, bis der Regionalversorger in Essingen seine Arbeit aufnimmt.
Mutlangen ist das onkologische Zentrum, hat die Endoprothetik und hat eine Grund- und Regelversorgung für Notfälle.
Aalen ist der zentrale Notfallversorger für den gesamten Ostalbkreis, hat das Herz- und Kopfzentrum und die Kinderklinik. Der Standort wird dafür gezielt zum Notfallschwerpunkt für Herz-, Kopf- und Trauma-Patienten ausgebaut.
Ellwangen behält eine internistische Basisversorgung, eine unfallchirurgische Ambulanz, die Kinder- und Jugendpsychiatrie und die Schmerztherapie. Zudem hat ein Konsortium von Medizinern am Dienstag (22. Juli) den Betrieb eines ambulanten OP-Zentrums in Ellwangen angekündigt.
Was schon getan ist
Bereits im vergangenen Jahr wurde die Geburtshilfe in Ellwangen geschlossen. Das Herzkatheterlabor ist in Mutlangen seit dem 1. April nur noch im Tagesbetrieb. Seit dem 15. Juli ist der Bereich Gyn-Krebs in Mutlangen konzentriert. Zum April 2026 sollen die Urologie und die Belegärzte von Ellwangen nach Mutlangen und Aalen verlegt werden – und die stationäre Unfallchirurgie von Ellwangen nach Mutlangen und Aalen. 2027 werden die Kinderkliniken am Standort Aalen zusammengelegt und der Herzkatheterbereich von Mutlangen nach Aalen verlegt.
Neuer OP für Aalen im Jahr 2026
Ein wichtiges Datum ist das vierte Quartal 2026, wenn in Ellwangen der OP-Betrieb eingestellt wird. Bis dahin, so der Plan, muss der OP-Bereich in Aalen saniert und erweitert werden. Wie Rieß berichtet, sind die Ausschreibungen für den Aufbau der neuen OP-Module für das vierte Quartal in diesem Jahr vorgesehen. Aktuell werden verschiedene Varianten geprüft. Am Standort Aalen würden laut Rieß bereits jetzt die Leistungsgruppen vor, die später im Neubau Essingen zusammengeführt werden sollen.
"Wir erweitern und sanieren den Zentral-OP, die Zentrale Notaufnahme und die Intensivstation und stellen so sicher, dass wir weiterhin ausreichend Kapazitäten für die Schwerpunktversorgung von Notfallpatienten aus dem gesamten Ostalbkreis haben", erklärt Rieß. Zudem würden die baulichen und technischen Voraussetzungen für das Leistungsspektrum der Neuroradiologie und die invasive Behandlung von Schlaganfällen geschaffen. "Damit stellen wir die Weichen für die Konzentration der Akutversorgung lebensbedrohlicher Notfälle am Standort Aalen", so der Klinikchef.
Was in Aalen investiert werden soll
Die Erweiterung und Sanierung des Zentral-OPs soll rund 22,2 Millionen Euro kosten, für die Erweiterung der Notaufnahme werden 2,79 Millionen Euro und für Intensivstation 2,1 Millionen Euro veranschlagt. Rieß rechnet mit einer Förderquote von 25 Prozent durch das Land Baden-Württemberg.
Was für Mutlangen vorgesehen ist
In Mutlangen wird für die Zeit des Übergangs die Urologie angesiedelt. Dafür werden die Räume der ehemaligen Notaufnahme vorbereitet. Zudem wird ein weiterer OP-Saal umfassend modernisiert, um, so das Ziel, künftig eine höhere Auslastung – etwa durch die urologische Onkologie, die Endoprothetik und dieonkologische Chirurgie – bewältigen zu können. Für Mutlangen wird mit Kosten von insgesamt drei Millionen Euro gerechnet.
Wie die Ausschussmitglieder die Pläne kommentieren
Dr. Gunter Bühler (CDU) sprach von einem "schlüssigen Eindruck" , den die Präsentation vermittelt habe, Zustimmung gab's auch von den anderen Fraktionen. Herbert Witzany (FW) mahnte an, beim OP-Raum in Aalen müsse "Gas gegeben" werden.

