Keine Beschäftigungsgarantie

Vereinbarung für 4.900 ZF-Mitarbeiter hält Möglichkeit für Stellenabbau offen

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Für 4.900 Mitarbeiter der ZF Friedrichshafen wurden betriebsbedingte Kündigungen bis 2028 ausgeschlossen. Laut CEO Klein bleibt die Möglichkeit für Stellenabbau aber offen.

Friedrichshafen - Dass die Situation beim inzwischen drittgrößten Autozulieferer der Welt sehr ernst ist, wird wohl kaum jemand leugnen. Aufgrund von milliardenschweren Übernahmen ist die ZF Friedrichshafen hoch verschuldet und hatte zu Beginn des Jahres angekündigt, massiv an Kosten einsparen zu wollen. Neben dem Verkauf ganzer Sparten rücken dabei die Personalkosten in den Fokus; in den Sommermonaten schickt der Stiftungskonzern 1.500 Mitarbeiter in Friedrichshafen in die Kurzarbeit. Dennoch gab es in den vergangenen Wochen auch gute Nachrichten vom Bodensee.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Erst Mitte Juni hat die ZF Friedrichshafen nämlich eine Vereinbarung geschlossen, die rund 4.900 Mitarbeiter am Stammsitz betrifft. Konkret wurde damit für die Belegschaft des Betriebs Z, also die Zentralbereiche sowie die Forschung und Entwicklung in der Zeppelinstadt, eine Vereinbarung beschlossen, die betriebsbedingte Kündigungen bis zum 30. Juni 2028 ausschließt. Dass dies einer konkreten Beschäftigungsgarantie gleichkommt, verneinte ZF-Chef Holger Klein allerdings in einem aktuellen Interview mit dem Manager Magazin. Im Notfall kann die Anzahl der Mitarbeiter in Friedrichshafen demnach weiterhin gesenkt werden.

ZF Friedrichshafen hat mehrere Maßnahmen ergriffen, um Personalkosten zu senken

Aktuell hat die ZF Friedrichshafen gleich mit mehreren Herausforderungen zu kämpfen. Neben dem notwendigen Sparkurs zum Abbau der Schulden verläuft die Transformation zur Elektromobilität schleppend, da die Nachfrage sinkt und die Autohersteller weniger Autos verkaufen. Um Personalkosten zu senken, hat der Technologiekonzern eine ganze Reihe an Maßnahmen ergriffen. „Wir haben unser Altersteilzeitangebot noch einmal ausgeweitet. Wir nutzen die Fluktuation, besetzen Stellen nicht nach“, erklärte CEO Holger Klein im Gespräch mit dem Manager Magazin. „Wir brauchen die Bereitschaft unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, andere Aufgaben zu übernehmen, wenn ihre bisherigen Stellen wegfallen.“

Für 4.900 Mitarbeiter des Betriebs Z (Zentralbereiche und Forschung und Entwicklung) sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Eine Beschäftigungsgarantie ist das aber nicht.
Name ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr 1915
Hauptsitz Friedrichshafen, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme
Geschäftsbereiche Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik
Mitarbeiterzahl 168.738 (Stand: 2023)
Produktionsstandorte 168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte 19 in neun Ländern
Umsatz 46,6 Milliarden Euro (2023)
Geschäftsführung Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung

Zudem betonte der Vorstandsvorsitzende, der den Autozulieferer seit Januar 2023 leitet, dass es im ein oder anderen Fall auch Aufhebungsverträge geben werde. Eine Beschäftigungsgarantie für 4.900 Mitarbeiter bis Mitte 2028 passt dabei nicht wirklich ins Bild. Laut CEO Klein ist die Vereinbarung aber nicht als solche zu verstehen. „Wir haben laut der Vereinbarung die Flexibilität, die Zahl auf bis zu 4.150 zu senken, wenn es erforderlich ist“, erklärte er. „Das ist die Untergrenze des Korridors. Wir werden in den nächsten Monaten Gespräche führen.“

ZF-Mitarbeiter sollen für mehr Urlaub auf Gehalt verzichten – „solidarisch einen Beitrag leisten“

Neben den genannten Maßnahmen bietet die ZF ihren Mitarbeitern auf allen Ebenen – also inklusive des Vorstands – im Jahr 2024 sechs Tage mehr Urlaub, die jedoch nicht bezahlt werden. Konzernchef Holger Klein machte in dem Interview deutlich, dass für ihn aktuell nicht an mehr Urlaub zu denken sei. „Auch viele Kolleginnen und Kollegen aus dem Topmanagement werden den zusätzlichen Urlaub nicht nehmen und trotzdem einmal auf rund ein Viertel ihres Monatsgehalts verzichten“, sagte er. „Das ist ein wichtiges Zeichen: Wir alle sind bereit, solidarisch einen Beitrag zu leisten.“

ZF-Chef Holger Klein muss den angeschlagenen Weltkonzern wieder auf Kurs bringen. Dafür sind personelle Einsparungen notwendig.

Neben den Einsparungen im Personalbereich hat der schwäbische Autozulieferer in den vergangenen Monaten ganze Werke auf den Prüfstand gestellt. Der ZF-Standort Gelsenkirchen soll Ende des Jahres, das Werk in Eitorf bis spätestens Ende 2027 geschlossen werden. „Wir haben großes Interesse daran, unsere Werke zu erhalten“, betonte Holger Klein zwar, erklärte aber, dass alle Standorte auf ihre Wettbewerbsfähigkeit hin analysiert werden würden. Im Falle des ZF-Werks Gelsenkirchen gab es aber keine Alternative; von der Schließung sind 200 Mitarbeiter betroffen.

Rubriklistenbild: © ZF Friedrichshafen AG

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