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Für 4.900 Mitarbeiter der ZF Friedrichshafen wurden betriebsbedingte Kündigungen bis 2028 ausgeschlossen. Laut CEO Klein bleibt die Möglichkeit für Stellenabbau aber offen.
Friedrichshafen - Dass die Situation beim inzwischen drittgrößten Autozulieferer der Welt sehr ernst ist, wird wohl kaum jemand leugnen. Aufgrund von milliardenschweren Übernahmen ist die ZF Friedrichshafen hoch verschuldet und hatte zu Beginn des Jahres angekündigt, massiv an Kosten einsparen zu wollen. Neben dem Verkauf ganzer Sparten rücken dabei die Personalkosten in den Fokus; in den Sommermonaten schickt der Stiftungskonzern 1.500 Mitarbeiter in Friedrichshafen in die Kurzarbeit. Dennoch gab es in den vergangenen Wochen auch gute Nachrichten vom Bodensee.
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Erst Mitte Juni hat die ZF Friedrichshafen nämlich eine Vereinbarung geschlossen, die rund 4.900 Mitarbeiter am Stammsitz betrifft. Konkret wurde damit für die Belegschaft des Betriebs Z, also die Zentralbereiche sowie die Forschung und Entwicklung in der Zeppelinstadt, eine Vereinbarung beschlossen, die betriebsbedingte Kündigungen bis zum 30. Juni 2028 ausschließt. Dass dies einer konkreten Beschäftigungsgarantie gleichkommt, verneinte ZF-Chef Holger Klein allerdings in einem aktuellen Interview mit dem Manager Magazin. Im Notfall kann die Anzahl der Mitarbeiter in Friedrichshafen demnach weiterhin gesenkt werden.
ZF Friedrichshafen hat mehrere Maßnahmen ergriffen, um Personalkosten zu senken
Aktuell hat die ZF Friedrichshafen gleich mit mehreren Herausforderungen zu kämpfen. Neben dem notwendigen Sparkurs zum Abbau der Schulden verläuft die Transformation zur Elektromobilität schleppend, da die Nachfrage sinkt und die Autohersteller weniger Autos verkaufen. Um Personalkosten zu senken, hat der Technologiekonzern eine ganze Reihe an Maßnahmen ergriffen. „Wir haben unser Altersteilzeitangebot noch einmal ausgeweitet. Wir nutzen die Fluktuation, besetzen Stellen nicht nach“, erklärte CEO Holger Klein im Gespräch mit dem Manager Magazin. „Wir brauchen die Bereitschaft unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, andere Aufgaben zu übernehmen, wenn ihre bisherigen Stellen wegfallen.“
| Name | ZF Friedrichshafen AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1915 |
| Hauptsitz | Friedrichshafen, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme |
| Geschäftsbereiche | Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik |
| Mitarbeiterzahl | 168.738 (Stand: 2023) |
| Produktionsstandorte | 168 in 32 Staaten |
| Hauptentwicklungsstandorte | 19 in neun Ländern |
| Umsatz | 46,6 Milliarden Euro (2023) |
| Geschäftsführung | Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender) |
| Anteilseigner | 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung |
Zudem betonte der Vorstandsvorsitzende, der den Autozulieferer seit Januar 2023 leitet, dass es im ein oder anderen Fall auch Aufhebungsverträge geben werde. Eine Beschäftigungsgarantie für 4.900 Mitarbeiter bis Mitte 2028 passt dabei nicht wirklich ins Bild. Laut CEO Klein ist die Vereinbarung aber nicht als solche zu verstehen. „Wir haben laut der Vereinbarung die Flexibilität, die Zahl auf bis zu 4.150 zu senken, wenn es erforderlich ist“, erklärte er. „Das ist die Untergrenze des Korridors. Wir werden in den nächsten Monaten Gespräche führen.“
ZF-Mitarbeiter sollen für mehr Urlaub auf Gehalt verzichten – „solidarisch einen Beitrag leisten“
Neben den genannten Maßnahmen bietet die ZF ihren Mitarbeitern auf allen Ebenen – also inklusive des Vorstands – im Jahr 2024 sechs Tage mehr Urlaub, die jedoch nicht bezahlt werden. Konzernchef Holger Klein machte in dem Interview deutlich, dass für ihn aktuell nicht an mehr Urlaub zu denken sei. „Auch viele Kolleginnen und Kollegen aus dem Topmanagement werden den zusätzlichen Urlaub nicht nehmen und trotzdem einmal auf rund ein Viertel ihres Monatsgehalts verzichten“, sagte er. „Das ist ein wichtiges Zeichen: Wir alle sind bereit, solidarisch einen Beitrag zu leisten.“
Neben den Einsparungen im Personalbereich hat der schwäbische Autozulieferer in den vergangenen Monaten ganze Werke auf den Prüfstand gestellt. Der ZF-Standort Gelsenkirchen soll Ende des Jahres, das Werk in Eitorf bis spätestens Ende 2027 geschlossen werden. „Wir haben großes Interesse daran, unsere Werke zu erhalten“, betonte Holger Klein zwar, erklärte aber, dass alle Standorte auf ihre Wettbewerbsfähigkeit hin analysiert werden würden. Im Falle des ZF-Werks Gelsenkirchen gab es aber keine Alternative; von der Schließung sind 200 Mitarbeiter betroffen.
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