Höhe des Stellenabbaus

Lockerung des Verbrenner-Verbots könnte bei ZF Arbeitsplätze retten

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Die ZF Friedrichshafen hat den Abbau von 11.000 bis 14.000 Stellen bis 2028 angekündigt. Die Höhe hängt laut Konzernchef Klein unter anderem vom Verbrenner-Aus ab.

Friedrichshafen - Der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen hat vor wenigen Tagen eine Neuaufstellung der deutschen Standorte angekündigt und erklärt, bis 2028 zwischen 11.000 und 14.000 Mitarbeiter weniger in Deutschland zu beschäftigten. Bei der Bilanzpressekonferenz am 1. August erklärte Konzernchef Holger Klein, dass die Differenz an mehreren Faktoren liege. Darunter die Volatilität der Märkte und die unterschiedlich schnelle Transformation zur E-Mobilität in den einzelnen Regionen. Als Getriebespezialist profitiert der Stiftungskonzern vom Bodensee zudem von der Renaissance der Plug-in-Hybride und damit indirekt vom Verbrenner.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Bei der Pressekonferenz bestätigte ZF-Chef Klein den geplanten Abbau von bis zu 14.000 Arbeitsplätzen bis 2028 und betonte, dass diese Maßnahme möglichst sozialverträglich gestaltet werden soll. „Natürlich ist hier keiner begeistert“, machte er deutlich. „Wir würden alle lieber wachsen.“ Für die Zukunft des zweitgrößten deutschen Autozulieferers ist die Neustrukturierung aber offenbar notwendig. Auf eine Frage bestätigte Klein allerdings auch, dass eine Lockerung des geplanten Verbrenner-Aus bis 2035 bei ZF Arbeitsplätze retten könnte.

ZF Friedrichshafen: Lockerung des Verbrenner-Aus könnte bis zu 3.000 Arbeitsplätze retten

Bislang sieht eine Entscheidung der EU-Kommission vor, dass in Europa ab 2035 nur noch CO₂-neutrale Fahrzeuge neu zugelassen werden dürfen, was de facto einem Verbot der klassischen Verbrennungsmotoren gleichkommt. Das belastet die großen Autozulieferer, die die Entscheidung bereits deutlich kritisiert haben. Eine Lockerung des Verbrenner-Aus bis 2035 würde bei der ZF Friedrichshafen für eine Entlastung sorgen; laut Holger Klein wäre dies einer der Faktoren, der darüber entscheidet, ob bei ZF bis 2028 11.000 oder 14.000 Arbeitsplätze entfallen. Konkret könnte ein Aufschub des Verbrenner-Verbots demnach bis zu 3.000 Stellen in Deutschland retten.

Name ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr 1915
Hauptsitz Friedrichshafen, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme
Geschäftsbereiche Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik
Mitarbeiterzahl 168.738 (Stand: 2023)
Produktionsstandorte 168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte 19 in neun Ländern
Umsatz 46,6 Milliarden Euro (2023)
Geschäftsführung Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung

Der Grund, warum sich der Traditionskonzern aus Friedrichshafen überhaupt neu aufstellen muss, ist neben der groß angelegten Transformation der Abbau von Schulden. Die Übernahmen der Konkurrenten TRW und Wabco haben den Konzern zwar stark verschuldet – weswegen ZF bereits angekündigt hat, in den kommenden zwei Jahren rund sechs Milliarden Euro einsparen zu wollen – das Unternehmen laut Klein aber auch vor Schlimmerem bewahrt. „Ohne die Übernahmen ständen wir bedeutend schlechter da“, sagte er bei der Pressekonferenz. Wie ernst die Lage aber dennoch ist, zeigt der Rückgang des Konzernergebnisses um 5,6 Prozent.

Als Getriebehersteller würde die ZF Friedrichshafen von einer Lockerung des Verbrenner-Aus profitierten. Das könnte Arbeitsplätze retten.

Stellenabbau bei ZF: Verteilung auf die deutschen Standorte wird noch festgezurrt

Nach der Ankündigung des drastischen Stellenabbaus hat der Betriebsrat der ZF Friedrichshafen erbitterten Widerstand angekündigt. Der Konzern betonte in der Pressekonferenz zum einen den engen Austausch mit den Arbeitnehmervertretern, erklärte zum anderen aber auch, dass die Verteilung auf die einzelnen Standorte erst in den kommenden Wochen konkretisiert wird. Ziel sei es, die deutschen Standorte zu konsolidieren und sie „dauerhaft wettbewerbsfähig“ zu machen, sagte Konzernchef Klein. Für zwei deutsche Standorte der ZF gibt es aber keine Zukunft mehr: Das ZF-Werk Gelsenkirchen soll bereits Ende des Jahres, der Standort Eitorf bis spätestens Ende 2027 geschlossen werden.

Rubriklistenbild: © ZF FRIEDRICHSHAFEN AG

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