„Energiezentrale Kranlöchl“

Zwei Bürgerentscheide in Weilheim am 8. Oktober: Das müssen Sie dazu wissen

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Auf diesem Areal soll nach Willen der Stadt und der Stadtwerke Weilheim im Rahmen des Fernwärmeausbaus die „Energiezentrale Kranlöchl“ entstehen. Links sieht man die Kranlöchl-Allee, rechts den Weg zum Tennisclub, auf dem Holzlieferungen geplant sind.
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Am 8. Oktober können knapp 18.000 Stimmberechtigte in Weilheim in Sachen „Energiezentrale Kranlöchl“ entscheiden. Hier sind die wichtigsten Informationen dazu - und ein Pro & Contra.

Weilheim – Zwei Jahre ist es her, dass in Weilheim erstmals öffentlich von der Errichtung eines Heizkraftwerkes am Kranlöchl gesprochen wurde. Im November 2021 stellte Stadtwerke-Chef Peter Müller im Stadtrat entsprechende Pläne für das ehemalige Gärtnereigelände zwischen Tennishalle und Gut Dietlhofen vor, und das Gremium beschloss, den Flächennutzungsplan dafür zu ändern. Vor allem Restholz aus dem Stadtwald, so hieß es damals, würde dort für das noch aufzubauende Fernwärmenetz in Weilheim verheizt.

Insgesamt fünf „Energiezentralen“ sind für Fernwärme in Weilheim geplant

Seitdem haben sich die Fernwärme-Planungen weiter entwickelt und ausgeweitet. Insgesamt fünf „Energiezentralen“ wolle man bauen, um ganz Weilheim mit Fernwärme versorgen zu können, teilten die Stadtwerke Anfang 2023 mit. Jene für „Weilheim Mitte“ kommt ins Parkhaus an der Krumpperstraße und ist schon in Bau. Die Anlage am Kranlöchl – für „Weilheim Nord-Ost“ – soll die zweite sein. Loslegen wolle man in der Kreisstadt mit 30.000 Schüttraummetern Hackschnitzel pro Jahr, erklärte Müller zwischenzeitlich; diese Menge habe man sich bereits langfristig vertraglich bei der Gutsverwaltung Gossenhofen gesichert. Etwa dreimal so viel sei im Endausbau nötig. Auch aus Geothermie und Biomethan soll in den Energiezentralen Wärme und Strom erzeugt werden.

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Blick von oben auf das Gelände am Kranlöchl, das jahrzehntelang von einer Gärtnerei genutzt wurde.

Gegen ein Kraftwerk am Kranlöchl bildete sich indessen bald Protest. Im September 2022 übergab die Weilheimerin Eva Maria Engel im Rathaus Unterschriften von über 300 Bürgern, die sich für den Erhalt des dortigen „Naherholungsidylls“ einsetzten. Viele fühlten sich zudem zu wenig über die Pläne informiert. Praktisch zeitgleich brachte der Stadtrat in öffentlichen Sitzungen die Bauleitplanung auf den Weg. Das Heizkraftwerk solle ein „Vorzeigeprojekt“ werden, wurde dabei versichert – für „eines der wichtigsten Zukunftsprojekte unserer Stadt“.

So könnte das Heizkraftwerk Kranlöchl aussehen, eine von fünf Energiezentralen, die für Weilheims Fernwärmenetz geplant sind.

Anfang 2023 startete das neu gegründete „Aktionsbündnis Grüngürtel Weilheim“ ein Bürgerbegehren: „Für eine zukunftsweisende Energieversorgung in Weilheim – aber an einem vernünftigen Standort“. Man befürworte „ausdrücklich eine Wärmeversorgung mit erneuerbaren Energien“, betonten die Initiatoren, denen auch Stadtratsmitglied Ullrich Klinkicht (WM Miteinander) angehört. Doch das Heizkraftwerk solle nicht im Naherholungsgebiet, sondern am Narbonner Ring situiert werden. Die Stadtwerke gingen daraufhin in die Offensive für ihr Projekt, unter anderem mit Info-Tagen in der Hochlandhalle.

Das sind die beiden Bürgerentscheide am 8. Oktober

Anfang Juli hatte das Aktionsbündnis die nötige Zahl an Unterstützern für einen Bürgerentscheid in Weilheim beisammen (mindestens acht Prozent der Stimmberechtigten müssen dafür unterschreiben). So beschloss der Stadtrat, am 8. Oktober einen Bürgerentscheid durchzuführen – und setzte zugleich ein Ratsbegehren dagegen.

Der Standort Kranlöchl (oben), für den das Ratsbegehren kämpft – und zwei Alternativen am Narbonner Ring, die das Bürgerbegehren favorisiert.

Nun sind die Weilheimer doppelt gefragt. Entscheid 1 (Ratsbegehren): „Sind Sie dafür, dass die Stadt Weilheim die Bauleitplanverfahren (26. Änderung des Flächennutzungsplanes und Aufstellung eines Bebauungsplanes für die Sonderbaufläche ,Energiezentrale Kranlöchl’) betreffend eine Anlage zur Strom- und Wärmeerzeugung durch die Stadtwerke Weilheim am Standort Kranlöchl (Gelände der ehemaligen Gärtnerei) fortführt?“
Entscheid 2 (Bürgerbegehren): „Sind Sie dafür, dass die Stadt Weilheim alle rechtlich zur Verfügung stehenden Maßnahmen ergreift, um die 26. Änderung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellung des Bebauungsplanes für eine Sonderfläche ,Energiezentrale Kranlöchl’ zu verhindern und darauf hinwirkt, dass das geplante Bauvorhaben der Stadtwerke Weilheim an einem Standort auf einem anderen städtischen Grundstück unmittelbar am Narbonner Ring vorangetrieben wird?“

Zudem gibt es eine Stichfrage für den Fall eines nicht eindeutigen Ergebnisses.

Contra Standort Kranlöchl: „Wir sagen: Kein Heizkraftwerk im Naherholungsgebiet!“

Liebe Weilheimerinnen und Weilheimer, am 8. Oktober haben Sie die Möglichkeit, über ein wichtiges Infrastruktur-Projekt in unserer Stadt zu entscheiden. In einem Bürgerbegehren und einem Ratsbegehren können Sie über den Standort eines von fünf geplanten Heizkraftwerken abstimmen. Wir sind „Für eine zukunftsweisende Energieversorgung in Weilheim – aber an einem vernünftigen Standort“. Wir sagen: Kein Heizkraftwerk im Naherholungsgebiet!

Von den Befürwortern des Ratsentscheides wird versucht, massiv Stimmung für den Standort Kranlöchl zu machen. Dabei wird auch vor Falschinformationen, Halbwahrheiten und Verdrehungen nicht zurückgeschreckt. Ein paar Fakten: Sowohl das Grundstück am Kranlöchl als auch der Standort am „Bolzplatz“ sind im Eigentum der Stadt – beide Grundstücke sind groß genug für die Heizzentrale. Es wurde von uns nie behauptet, dass das Grundstück Kranlöchl in einem Naturschutz- oder Landschaftschutzgebiet liegt, sondern in einem für Weilheim sehr wichtigen Naherholungsgebiet. Außerdem ist der Bereich ein Vorranggebiet für die Trinkwasserversorgung.

Dass der Standort am Kranlöchl bei der Versorgung der Anlagen mit Hackschnitzeln keinerlei Beeinträchtigung für die Anwohner bringt, ist ebenfalls falsch, da die Ver- und Entsorgung aller Standorte über den Narbonner Ring erfolgen muss. Die Anwohner am Narbonner Ring sind bei einem Standort am Bolzplatz durch einen etwa acht Meter hohen und 250 Meter langen Erdwall effektiv geschützt.

Ausbau der vorhandenen Wege nicht nötig? Unwahrscheinlich, da die Belieferung der Anlagen mit Hackschnitzeln durch schwere Lkw erfolgt, ist ein Ausbau des Feldweges am Tennisplatz nach kürzester Zeit zu erwarten. Es sollen pro Brennkammer drei Lkw pro Tag fahren, bei zwei Anlagen sind das sechs Lkw-Fahrten für die Anlieferung – natürlich fahren die Laster auch zurück –, also zwölf Fahrten pro Tag, 360 Fahrten pro Monat. Wie lange halten das die teilweise nicht asphaltierten Feldwege aus?

Dass der Bade- und Erholungsbereich des Dietlhofer Sees gestört wird, wurde nie von uns behauptet. Auch der „Rodelhügel“ als möglicher Standort wurde von uns nie ins Spiel gebracht. Es soll Angst erzeugt werden – wer für das Bürgerbegehren stimme, nehme unseren Kindern ihre Freizeitfläche. Dass sich die Stadt um den Bolzplatz sorgt, ist reinste Heuchelei. Im Jahr 2022 wurde das Grundstück als potenzielle Gewerbefläche an die Planungsregion Oberland gemeldet – natürlich, um es mittelfristig als Gewerbefläche zu nutzen.

Eine Gefahr für die Bäume der Kranlöchl-Allee ist durch die Leitungen und den zunehmenden Schwerlastverkehr nicht auszuschließen. Die Behauptung, dass die Bürger „weiterhin ohne jede Beeinträchtigung am Kranlöchl unterwegs sein“ könnten, wie Stadtwerke-Chef Müller schreibt, ist bei 360 großen Lkw pro Monat und den sehr schmalen Wegen reinstes Wunschdenken.

Stimmen Sie deshalb am 8. Oktober für das Bürgerbegehren „Für eine zukunftsweisende Energieversorgung in Weilheim – aber an einem vernünftigen Standort“.

Ullrich Klinkicht, „Aktionsbündnis Grüngürtel Weilheim“

Pro Standort Kranlöchl: „Fernwärmenetz ist Weilheims größtes Klimaschutzprojekt seit Jahrzehnten“

Immer noch heizen über 90 Prozent der Weilheimer ihre Wohnung/ihr Haus mit Öl oder Gas – das wollen Stadt und Stadtwerke Weilheim i.OB. Energie GmbH endlich ändern. Es ist höchste Zeit für die Energiewende Weilheim, viele bayerische Städte sind bereits deutlich weiter. Nach dem Flop der Geothermiebohrung 2015 setzen Stadt und Stadtwerke jetzt auf die in Europa seit über 100 Jahren bewährte Fernwärme.

Die Fernwärme wird verteilt in Rohrleitungen, darin fließt heißes Wasser zu den Kunden, gibt dort per Wärmetauscher seine Wärme ans Heizungssystem ab und fließt abgekühlt wieder zurück. Start- und Zielpunkt der Fernwärme sind die Energiezentralen: die erste im Parkhaus Krumpperstraße, die zweite für den Nordosten am Kranlöchl, die dritte auf dem Gelände der Kläranlage und – aktuell noch nicht im Detail geplant – zwei für Weilheims Süden.

In den Energiezentralen kommen regenerative Energieträger in einem Energiemix zum Einsatz: Holzhackschnitzel aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung, ergänzt um Solarthermie, Biomethan, Klärgas und oberflächennahe Geothermie per Wärmepumpe. Alle entstehenden Rauchgase werden gefiltert. Die erzeugte Wärme wird per Wärmetauscher ans Fernwärmenetz-Wasser übertragen. Fernwärme ist zukunftsfähig für viele viele Jahrzehnte.

Diesen Plan zur überfälligen Energiewende Weilheim will jetzt eine Bürgerinitiative stoppen, sie lehnt die Energiezentrale am Kranlöchl ab und will sie stattdessen auf „Alternativgrundstücken“ direkt am Narbonner Ring platzieren, z.B. dem Bolzplatz – nur 50 Meter entfernt von den dort wohnenden Nachbarn. Die dort wohnenden Anlieger haben bereits angekündigt, sich das nicht bieten lassen zu wollen.

Für den Standort Kranlöchl sprechen alle Argumente:

- Das Grundstück gehört der Stadt, ist groß genug, durch den langjährigen Gärtnerei-Pächter erheblich versiegelt und ohne Nachbarn.

- Das Kranlöchl liegt nicht in einem Natur-, Landschafts- oder Wasserschutzgebiet.

- Die Erschließung ist gesichert: für die Anlieferung von Hackschnitzeln und für den Ablieferverkehr z.B. von Asche. Die Straße vorbei am Tennisverein zum Kranlöchl kann die täglich drei zusätzlichen Restholz-Anlieferungen problemlos aufnehmen.

- Testgrabungen ergaben keine Wurzeln unterm Straßenboden. Die Leitungsverlegung hinüber zu den Haushalten am Narbonner Ring ist also vom Untergrund her völlig problemlos – und zudem im Fernwärme-Gesamtbudget mit ca. 2 Prozent gut darstellbar.

- Energieverluste durch die Strecke rüber zum Narbonner Ring liegen bei 2 Promille (!).

- Unsere Kinder können ihren Bolzplatz, Rodelhügel und Skaterpark behalten, insbesondere der Bolzplatz steht auch weiterhin für soziale und dem Gemeinwohl dienende Nutzungen offen, insbesondere im Hinblick auf die Nachbarbebauung durch die Handwerkskammer.

- Der Dietlhofer See ist so weit entfernt, dass keiner dort gestört wird.

- Alle Spaziergänger und Jogger können weiterhin in Ruhe rund ums Kranlöchl unterwegs sein. Zu den heute schon dort verkehrenden landwirtschaftlichen Fahrzeugen kommen einfach im Schnitt noch drei pro Tag hinzu.

Kurzum: Der Standort Kranlöchl ist ideal für die Energiezentrale Weilheim Nord-Ost.

Peter Müller, Vorstand Stadtwerke Weilheim

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