Offener Brief an OB Dieter Reiter

Nach Todes-Drama: Surfer fordern Eisbachwelle zurück – „Symbol Münchener Lebensart“

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Die Eisbachwelle im Englischen Garten ist bis auf Weiteres gesperrt.
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Rund 3600 Surfer haben sich in einem offenen Brief an OB Dieter Reiter gewandt. Sie wollen die Eisbachwelle zurück. Der OB will aber noch abwarten.

München – Eine Gruppe von rund 3600 Surfern hat sich in einem offenen Brief an Münchens OB Dieter Reiter (SPD) gewandt. Die Sportler fordern den Rathauschef auf, die „Eisbachwelle unverzüglich und wieder dauerhaft für den Surf-Betrieb freizugeben“.

Eisbachwelle im Englischen Garten: 33-jährige Surferin verunglückt und stirbt im Krankenhaus

Wie berichtet, war eine 33-jährige Surferin im Eisbach verunglückt und dann im Krankenhaus gestorben. Die Untersuchungen zur Unfallursache laufen noch. Zwei Tage nach dem Unglück war die Stelle gesperrt und mit Gittern abgeriegelt worden. Bisher war das Surfen dort auf eigene Gefahr erlaubt. Die Stadt hat nun per neuer Allgemeinverfügung das Surfen dort „bis auf Weiteres verboten“.

Die Surfer schreiben nun in ihrem offenen Brief, sie nähmen das Unglück und die laufenden Untersuchungen sehr ernst. Zudem sprechen sie Angehörigen „unser tiefstes Mitgefühl aus“. Gleichzeitig würden sie aber eine Sperrung weder für verhältnismäßig noch für zielführend halten. Bei der Suche nach der Unfallursache im Eisbach sei laut Aussage der Polizei kein größeres Hindernis gefunden, in dem sich womöglich die am Bein der Surferin befestigte Sicherheitsleine oder das Brett hätten verhaken können.

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Surfer wollen Eisbachwelle zurück: Prinzip der Selbstverantwortung habe über Jahre funktioniert

Surfen an der Eisbachwelle erfolge seit jeher, spätestens aber auf Basis der Allgemeinverfügung von 2010, ausdrücklich auf eigene Gefahr. Die Stadt sei bislang nicht haftbar und werde es auch künftig nicht sein, heißt es in dem Schreiben weiter. „Dieses Prinzip der Selbstverantwortung hat über Jahrzehnte funktioniert und ist Kern des urbanen Surfspirits, der München weltweit einzigartig macht.“

Seit 40 Jahren sei die Eisbachwelle im Englischen Garten ein unverwechselbares Symbol Münchener Lebensart – ein Treffpunkt für geübte Surfer und Sportbegeisterte, ein Magnet für Besucher aus aller Welt und ein Ausdruck urbaner Freizeitkultur.

Eisbachwelle im Englischen Garten: OB Dieter Reiter will Ergebnis der Untersuchung abwarten

Der Appell der Surfer: „Im Sinne der sportlichen Förderung, der kulturellen Identität unserer Stadt und der lokalen Wirtschaft bitten wir Sie, die bestehenden Beschränkungen umgehend aufzuheben und die Allgemeinverfügung für das Brettsurfen am Eisbach nördlich der Prinzregentenbrücke“vom 28. Mai 2010 wieder in Kraft zu setzen.“

OB Reiter zeigte Verständnis für die Forderung, dass „die Surfer möglichst schnell wieder surfen möchten. Ich bitte aber auch um Verständnis dafür, dass ich, bevor die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen nicht vollständig abgeschlossen hat, eine solche Entscheidung einfach nicht treffen kann.“

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