VonDieter Dorbyschließen
Es war zu befürchten: Miesbachs Finanzsituation ist so angespannt, dass die Kreisstadt keine Freigabe vom Landratsamt bekommt, um mittelfristig die Kredite für die Freibadsanierung aufzunehmen. Damit wird das Bauprojekt weiter verschoben. Der Badbetrieb soll aber aufrecht erhalten werden.
Miesbach – Die Ansage aus dem Landratsamt ist so deutlich wie nie: Der Kreisstadt Miesbach fehlt auf längere Sicht die positive Leistungsfähigkeit, wenn die Sanierung des Warmfreibads wie geplant 2024 begonnen wird. Wie Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) am Donnerstagabend im Finanzausschuss erklärte, ist diese bereits im laufenden Jahr nicht gegeben. Statt ausreichend Geld vom Verwaltungs- in den Vermögenshaushalt zu transferieren, um den Schuldendienst zu gewährleisten, müssen knapp 90.000 Euro in entgegengesetzter Richtung fließen, um den Verwaltungshaushalt auszugleichen. Die Konsequenz: Der Badumbau muss zurück in die Warteschleife – die Stadt darf die dafür nötigen Darlehen nicht abschließen.
Was die Lage für Miesbach so drastisch verschärft hat, ist der allgemeine Preisanstieg durch Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg: explodierende Energiekosten, eine Stromausschreibung über den Gemeindetag mit überhöhtem Abschluss über drei Jahre, Mondpreise am Bausektor, absehbare Steigerungen bei den Personalkosten, dazu die stetig kletternden Zinsen. All das belastet den Verwaltungshaushalt, der die Überschüsse erwirtschaften soll für die Investitionen und den Schuldenabbau.
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Dabei ist Miesbachs Vermögenshaushalt wie schon in den beiden vergangenen Jahren von sehr hohen Ausgaben durch Baumaßnahmen geprägt. 10,8 Millionen Euro werden heuer verbaut. So fließen 2,3 Millionen in den Straßenbau, 821.000 Euro in die Wasserversorgung, 2,9 Millionen in den Umbau des Kinderhauses im Kloster und 1,5 Millionen in den Breitbandausbau. Hinzu kommen 320.000 Euro für die Bekämpfung des Asiatischen Laubholzbockkäfers und 10,5 Millionen Umlage an den Landkreis. Schon früher hatte man im Stadtrat festgestellt: Miesbach hat kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem (lesen Sie weiter nach der Infobox zu den Haushaltszahlen).
Miesbachs Haushalt 2023 in Zahlen
Gesamtvolumen: 48 841 911 Euro
Verwaltungshaushalt: 35 182 291 Euro
Vermögenshaushalt: 13 659 620 Euro
davon Investitionen: 11 803 300 Euro
Einnahmen
Gewerbesteuer brutto: 9 500 000 Euro
Einkommens-/Umsatzsteuerbeteiligung: 10 385 000 Euro
Schlüsselzuweisung: 0 Euro
Sonstige allgemeine Zuweisungen: 1 336 500 Euro
Ausgaben
Kreisumlage 10 513 260 Euro
Personalausgaben 7 504 180 Euro
Zuschüsse (mit Kinderbetreuung): 5 517 960 Euro
Baumaßnahmen: 10 819 400 Euro
Straßenbau/Beleuchtung: 2 300 000 Euro
Kinderbetreuung: 3 383 000 Euro
Breitbandausbau: 1 464 000 Euro
Wasserwerk: 821 000 Euro
Zuführung vom Vermögenshaushalt: 89 930 Euro
Kreditaufnahme: 6 000 000 Euro
Kredittilgung: 1 727 790 Euro
Rücklagenentnahme: 2 007 000 Euro
Schuldenstand Januar 2023: 29 121 957 Euro
Schuldenstand Dezember 2023: 33 394 167 Euro
Pro-Kopf-Verschuldung: 1736,44 Euro
plus Wasserversorgung: 687,85 Euro
Landesdurchschnitt: 958 Euro
Dazu kommt die hohe Verschuldung. Auf 33,3 Millionen Euro wird der Schuldenstand bis zum Jahresende klettern. Bei der aktuellen Zinsentwicklung ist das immer weniger zu kontrollieren. Und mangels Rücklagen ist bis 2026 auch kein Spielraum vorhanden, ergänzte Braunmiller. Alles zusammen hat dazu geführt, dass die Rechtsaufsicht am Landratsamt den Haushalt mit dem Badumbau abgelehnt hat. Ohne wird er genehmigt.
Den Badbetrieb am Laufen halten
Für das Bad bedeutet das, noch ein paar Sommer im bestehenden Zustand zu überstehen. 300.000 Euro müssen nun in Ertüchtigung und Planungskosten gesteckt werden – Geld, das die Aufsichtsbehörde genehmigt. Werterhalt, Nutzbarkeit – eine Gratwanderung.
Sechs-Punkte-Plan als Sofortmaßnahme
Braunmiller hat dem Ausschuss daher einen Sechs-Punkte-Plan vorgelegt, mit dem die finanzielle Situation der Stadt konsolidiert werden soll. Dazu gehören Grundstücksverkäufe, die mit elf Millionen Euro angesetzt werden.
Der Ausschuss empfahl dem Stadtrat, die gefassten Beschlüsse zum Bad aufzuheben, das Badprojekt zurückzustellen, den Haushalt zu genehmigen und auch dem Sechs-Punkte-Plan zuzustimmen – allerdings erst nach kontroverser Diskussion (Bericht folgt).
ddy
