HAUSHALT 2023

Landratsamt sagt nein: Keine Freigabe für Freibad in Miesbach - Zu viele Schulden

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Triste Aussichten: Das Warmfreibad muss weiter auf seine Sanierung warten. Bis die Stadt das Projekt finanziell stemmen kann, soll der Betrieb der in die Jahre gekommenen Anlage weiterlaufen.
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Es war zu befürchten: Miesbachs Finanzsituation ist so angespannt, dass die Kreisstadt keine Freigabe vom Landratsamt bekommt, um mittelfristig die Kredite für die Freibadsanierung aufzunehmen. Damit wird das Bauprojekt weiter verschoben. Der Badbetrieb soll aber aufrecht erhalten werden.

Miesbach – Die Ansage aus dem Landratsamt ist so deutlich wie nie: Der Kreisstadt Miesbach fehlt auf längere Sicht die positive Leistungsfähigkeit, wenn die Sanierung des Warmfreibads wie geplant 2024 begonnen wird. Wie Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) am Donnerstagabend im Finanzausschuss erklärte, ist diese bereits im laufenden Jahr nicht gegeben. Statt ausreichend Geld vom Verwaltungs- in den Vermögenshaushalt zu transferieren, um den Schuldendienst zu gewährleisten, müssen knapp 90.000 Euro in entgegengesetzter Richtung fließen, um den Verwaltungshaushalt auszugleichen. Die Konsequenz: Der Badumbau muss zurück in die Warteschleife – die Stadt darf die dafür nötigen Darlehen nicht abschließen.

Was die Lage für Miesbach so drastisch verschärft hat, ist der allgemeine Preisanstieg durch Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg: explodierende Energiekosten, eine Stromausschreibung über den Gemeindetag mit überhöhtem Abschluss über drei Jahre, Mondpreise am Bausektor, absehbare Steigerungen bei den Personalkosten, dazu die stetig kletternden Zinsen. All das belastet den Verwaltungshaushalt, der die Überschüsse erwirtschaften soll für die Investitionen und den Schuldenabbau.

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Dabei ist Miesbachs Vermögenshaushalt wie schon in den beiden vergangenen Jahren von sehr hohen Ausgaben durch Baumaßnahmen geprägt. 10,8 Millionen Euro werden heuer verbaut. So fließen 2,3 Millionen in den Straßenbau, 821.000 Euro in die Wasserversorgung, 2,9 Millionen in den Umbau des Kinderhauses im Kloster und 1,5 Millionen in den Breitbandausbau. Hinzu kommen 320.000 Euro für die Bekämpfung des Asiatischen Laubholzbockkäfers und 10,5 Millionen Umlage an den Landkreis. Schon früher hatte man im Stadtrat festgestellt: Miesbach hat kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem (lesen Sie weiter nach der Infobox zu den Haushaltszahlen).

Miesbachs Haushalt 2023 in Zahlen

Gesamtvolumen: 48 841 911 Euro

Verwaltungshaushalt: 35 182 291 Euro

Vermögenshaushalt: 13 659 620 Euro

davon Investitionen: 11 803 300 Euro

Einnahmen

Gewerbesteuer brutto: 9 500 000 Euro

Einkommens-/Umsatzsteuerbeteiligung: 10 385 000 Euro

Schlüsselzuweisung: 0 Euro

Sonstige allgemeine Zuweisungen: 1 336 500 Euro

Ausgaben

Kreisumlage 10 513 260 Euro

Personalausgaben 7 504 180 Euro

Zuschüsse (mit Kinderbetreuung): 5 517 960 Euro

Baumaßnahmen: 10 819 400 Euro

Straßenbau/Beleuchtung: 2 300 000 Euro

Kinderbetreuung: 3 383 000 Euro

Breitbandausbau: 1 464 000 Euro

Wasserwerk: 821 000 Euro

Zuführung vom Vermögenshaushalt: 89 930 Euro

Kreditaufnahme: 6 000 000 Euro

Kredittilgung: 1 727 790 Euro

Rücklagenentnahme: 2 007 000 Euro

Schuldenstand Januar 2023: 29 121 957 Euro

Schuldenstand Dezember 2023: 33 394 167 Euro

Pro-Kopf-Verschuldung: 1736,44 Euro

plus Wasserversorgung: 687,85 Euro

Landesdurchschnitt: 958 Euro

Dazu kommt die hohe Verschuldung. Auf 33,3 Millionen Euro wird der Schuldenstand bis zum Jahresende klettern. Bei der aktuellen Zinsentwicklung ist das immer weniger zu kontrollieren. Und mangels Rücklagen ist bis 2026 auch kein Spielraum vorhanden, ergänzte Braunmiller. Alles zusammen hat dazu geführt, dass die Rechtsaufsicht am Landratsamt den Haushalt mit dem Badumbau abgelehnt hat. Ohne wird er genehmigt.

Den Badbetrieb am Laufen halten

Für das Bad bedeutet das, noch ein paar Sommer im bestehenden Zustand zu überstehen. 300.000 Euro müssen nun in Ertüchtigung und Planungskosten gesteckt werden – Geld, das die Aufsichtsbehörde genehmigt. Werterhalt, Nutzbarkeit – eine Gratwanderung.

Sechs-Punkte-Plan als Sofortmaßnahme

Braunmiller hat dem Ausschuss daher einen Sechs-Punkte-Plan vorgelegt, mit dem die finanzielle Situation der Stadt konsolidiert werden soll. Dazu gehören Grundstücksverkäufe, die mit elf Millionen Euro angesetzt werden.

Der Ausschuss empfahl dem Stadtrat, die gefassten Beschlüsse zum Bad aufzuheben, das Badprojekt zurückzustellen, den Haushalt zu genehmigen und auch dem Sechs-Punkte-Plan zuzustimmen – allerdings erst nach kontroverser Diskussion (Bericht folgt).

ddy

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