„Pippi-Langstrumpf-Politik“: Streit um die Zukunft der Großmarkthalle in München
VonSascha Karowski
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Der Stadtrat München hat einen runden Tisch beschlossen, um die Zukunft des Großmarkts neu zu planen. Um die Standortfrage gibt es aber Streit.
München – Wenn ich mal nicht weiter weiß, gründe ich einen Arbeitskreis. Beim Thema Großmarkt in München ist genau das passiert. Der Stadtrat hat am Mittwoch (26. November) zugestimmt, einen runden Tisch einzurichten. Dort sollen Händler und Vertreter der Stadt unter Federführung von Bürgermeisterin Verena Dietl Ideen entwickeln, wo ein Großmarkt entstehen kann – und was dann – sollte der Standort in Sendling aufgegeben werden – mit der Fläche passiert, ob sie nicht besser für den Wohnungsbau, ein neues Quartier gar, genutzt werden kann. Nötig geworden war der Beschluss, nachdem sich Investor Ralf Büschl („Paketposthalle“) überraschend aus dem Projekt Neubau Großmarkthalle zurückgezogen hatte.
Bleibt die Großmarkthalle in Sendling: FDP schimpft über 16 verlorene Jahre
Die Idee nun, das Areal für den Wohnungsbau zu nutzen, komme 16 Jahre zu spät, schimpfte FDP-Chef Jörg Hoffmann. 2009 hätten die Liberalen genau das beantragt. „Damals schon standen ganze Fichtenhändler in den Kellern, um die Hallen zu stützen. Und man hat uns gesagt, das geht allenfalls noch drei Jahre gut.“
Wenn nun das Areal neu gedacht werde, solle auch die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, dort in Sendling ein Kulturviertel zu errichten – als Alternative zum Konzertsaal im Werksviertel und zur Sanierung des Gasteigs. Auch das hatte die FDP bereits beantragt.
Zukunft der Großmarkthalle in Sendling weiter offen: Sind Alternativstandorte vorhaben?
Die CSU favorisiere weiterhin einen Großmarkt in Sendling, sagte Stadtrat Andreas Babor. Schließlich habe das Gelände mit dem Lebensmittelhandel entsprechend Charme. Es sei jedoch richtig, sich mit Varianten zu beschäftigen, falls der Standort aufgegeben werden müsste. „Ich finde, Charme kann sich deutlicher zeigen – in bezahlbarem Wohnraum vor Ort.“ Andere Städte wie Paris oder Barcelona hätten bereits vor Jahrzehnten entschieden, ihre großen Lebensmittelmärkte an den Stadtrand zu verlegen. „Die Händler hängen nicht an dem Standort“, so Smolka.
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CSU-Chef Manuel Pretzl schimpfte, die Grünen betrieben Pippi-Langstrumpf-Politik: „Ihr macht Euch die Welt, wie sie Euch gefällt.“ Seit 20 Jahren hätten alle Fraktionen schon beantragt, einen Alternativstandort für den Großmarkt zu suchen. „Komischerweise hat niemand einen neuen gefunden.“
Großmarkthalle in Sendling: Bürgermeisterin verspricht ehrlichen, ergebnissoffenen Prozess
Das habe an der politischen Mehrheit gelegen, erwiderte Hoffmann. „Die war nämlich der Meinung, dass der Großmarkt nicht verlegt werden soll.“ Smolka: „Wir sollten jetzt keine Zeit verschwenden, wenn schon der Investor den Großmarkt an dieser Stelle nicht für umsetzbar gehalten hat.“ Standorte im Landkreis und durchaus weiter draußen seien im Rahmen des Möglichen.
Dietl: „Wir hätten uns einiges anders vorgestellt, aber es ist nun, wie es ist.“ Sie sehe jedenfalls die Chance, hier noch mal anders zu denken – in einem ehrlichen Prozess, der ergebnisoffen sein sollte. „Ganz selbstverständlich gehört dazu, dass wir mit den Händlern sprechen, und auch die Menschen aus den Bezirksausschüssen mit einbeziehen.“