NACH DISKUSSION UM WANDGEMÄLDE

SPD fordert Aufarbeitung: „Geschichtswerkstatt“ soll NS-Vergangenheit von Miesbach klären

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Auslöser der Diskussion: Braumeister Adolf Wiedemann (l.) und Zeitungsredakteur Emil Hinterdobler (r.) sollen laut Miesbachs Stadtkurator Alexander Langheiter Mitglieder der NSDAP gewesen sein. Abgebildet sind beide auf einem Wandgemälde von Josef Stallhofer im ehemaligen Gasthof Altwirt im Ortsteil Parsberg.
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Für die Miesbacher SPD ist die Diskussion um den NS-Hintergrund des Wandgemäldes „Miesbacher Honoratioren beim Kartenspiel“, das der Kunstmaler Josef Stallhofer im ehemaligen Gasthof Altwirt in Parsberg geschaffen hat, ein Zeichen dafür, dass die Zeit des Nationalsozialismus in der Kreisstadt gründlich aufgearbeitet werden muss.

In einer Pressemitteilung stellt der Ortsverein fest, dass die Rolle der zur NS-Zeit in der Öffentlichkeit handelnder Personen „nicht verharmlost werden darf“.

Im Zuge der Diskussion um das Wandgemälde, auf dem zwei abgebildete Personen Parteimitglieder der NSDAP waren (wir berichteten), hätten sich laut SPD Fragen ergeben, die zu klären seien: „Was wurde aus Menschen mit jüdischen Wurzeln? Gab es Euthanasieopfer? Lebten Sinti und Roma hier und was wurde aus ihnen? Wer von den Sozialdemokraten, Gewerkschaftlern, Kommunisten oder Angehörigen von Religionsgemeinschaften wurde verfolgt und ins KZ gebracht? Und nicht zuletzt: Was mussten die Familien der Betroffenen erleiden?“ Dabei stelle sich auch die Frage nach den in der NS-Zeit verantwortlich handelnden Personen.

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„Diese vielen ungeklärten Themen zeigen deutlich, dass die Stadt Miesbach dringend eine Aufarbeitung der Geschehnisse der NS-Zeit braucht“, heißt es in der Stellungnahme weiter. Dazu solle auch die Rolle „wichtiger Institutionen, öffentlicher Einrichtungen, großer ortsansässiger Unternehmen und der Presse“ beleuchtet werden. Diese Diskussion sei wichtig für die Stadtgesellschaft.

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Die SPD fordert nun von der Stadt Miesbach zeitnah die Einrichtung einer „Geschichtswerkstatt“ mit professioneller Anleitung und Begleitung, an der sich interessierten Gruppierungen der Gesellschaft – unter anderem Vereine, Schulen und Kirchen – und Bürger allgemein beteiligen können. „Gemeinsam soll über die NS-Zeit in Miesbach geforscht werden“, so die Vorstellung des Ortsvereins.

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Das Ergebnis dieser Geschichtswerkstatt könne in Ausstellungen gezeigt, in Publikationen dokumentiert und für die Nachwelt festgehalten werden. Der 90. Jahrestag zum Ermächtigungsgesetz von 1933 am 24. März 2023 wäre „ein guter Anlass, auch in Miesbach mit der Aufarbeitung der Zeit zwischen 1933 und 1945 zu beginnen“.

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Für das Bild der „Honoratioren“ kommt für die SPD nur ein Ausstellungsort infrage, „an dem es in einem historisch kritisch erläuternden Kontext gezeigt werden kann“. Ein geeigneter Ort wäre ein Museum, das es in Miesbach aber nicht gebe. Die Grundschule in Parsberg scheidet damit für die SPD aus. Zuvor hatte sich bereits Zweite Bürgermeisterin Astrid Güldner (Grüne) gegen die Grundschule ausgesprochen.

ddy

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