VonAnnette Schleglschließen
Die Riedbahn ist jetzt für fünf Monate gesperrt. Wie der erste Tag des Schienenersatzverkehrs zwischen Mannheim und Frankfurt verlaufen ist.
Frankfurt – Es lief sehr gut – wenn auch noch nicht ganz rund. Das ist das Fazit des ersten Tages der fünfmonatigen Sperrung der Riedbahn-Strecke zwischen Mannheim und Frankfurt. Manchmal funktionierten Anzeigetafeln an Bussen nicht, ab und zu fehlten Durchsagen im Bus – und doch hätten die Probleme im Schienenersatzverkehr bei den vielen hundert Busfahrten am Dienstag durchaus größer sein können.
Der Personaleinsatz der Deutschen Bahn (DB) war aber auch enorm: An den großen Haltestellen der Ersatzbusse standen zahlreiche Reisendenlenker, die weiterhalfen, wenn Fahrgäste hilflos waren oder nicht mehr weiterwussten. Betriebslenker:innen schauten sich dort auch an, ob und wie die Busfahrer zurecht kamen.
Ich muss viel früher los als bisher, muss mit dem Rad erst von Wolfskehlen nach Goddelau, um dort in den Regiobus einzusteigen. Ich fahre dann 50 Minuten statt bisher 30 Minuten.
Sperrung der Riedbahn-Strecke hat begonnen
Alle 5 bis 15 Minuten kam am Dienstag ein DB-Ersatzbus an der Haltestelle Mannheimer Straße vor dem Frankfurter Hauptbahnhof an. Vor allem in den Morgenstunden waren die auffälligen purpurnen Busse „gut gefüllt“, wie sich Felix Thielmann, Projektleiter DB Regio, ausdrückte.
„Bei der Systemanmeldung im Fahrgastverkehr ruckelt es noch“, stellte er am Vormittag vor Ort fest. Dennoch sei der Ersatzverkehr „sehr stabil und zuverlässig“ angelaufen. Über die Pünktlichkeit könne man erst nach 24 Stunden eine Bilanz ziehen.
Ich habe eine Dreiviertelstunde mehr Zeit für die Fahrt nach Mörfelden eingeplant. Ich habe vorher im Internet nach der Verbindung geschaut.
Das Hauptansinnen der „Riesenmannschaft“, die die Bahn im Schienenersatzverkehr auffährt, sei es, dass die Reisenden nicht auf das Auto ausweichen, sagte Thielmann. Nicht jeder denkt nämlich so wie Claudia Beyreuther aus Mörfelden-Walldorf: „Autofahren ist für mich keine Option, weil die Autobahnen morgens voll sind und ich bei meinem Arbeitgeber in Frankfurt auch keinen Parkplatz habe.“
Ich bin positiv überrascht. Die Fahrtzeit zum Frankfurter Hauptbahnhof betrug 25 Minuten. Normalerweise dauert es 35 bis 40 Minuten.
Ersatzverkehr für Riedbahn-Sperrung: Es ist noch Luft nach oben
Ziel sei es auch, „dass keine Fragen an die Busfahrer gestellt werden“. Sie kommen nämlich aus mehr als 15 Ländern, verstehen meist kein Deutsch. Für die Bahn habe die Streckenkunde Vorrang gehabt, man habe mit den 400 Frauen und Männern wochenlang die Strecken abgefahren, obwohl ihnen Navigationssysteme zur Verfügung stehen. Dennoch wird es für sie schwierig, wenn mal eine Strecke gesperrt ist, wie es gestern Morgen wegen eines Feuerwehreinsatzes der Fall war.
Der erste Bus fuhr nur bis Niederrad. Nach 20 Minuten kam dann der Bus S7, in dem mir der Fahrer aber kein Ticket verkauft hat. Ich wollte eine Fahrkarte nach Bad Homburg.
Die Busfahrer:innen können laut Thielmann auch mit der Leitstelle in Kontakt treten, wo ihnen Muttersprachler zur Verfügung stehen. Teambetreuer:innen sorgen dafür, dass sie der deutschen Sprache mächtig werden. „Wir bieten ihnen auch Deutschkurse an und geben ihnen eine Liste mit FAQ mit.“
Rizwan und Jessica, die den Reisenden am Dienstag an der Haltestelle am Frankfurter Hauptbahnhof Auskunft geben sollten, hatten in ihrer Schicht von 6 bis 13 Uhr nur wenig zu tun. „Es war kaum war los heute Morgen“, sagte Rizwan. Ein Beweis dafür, dass sich die meisten Fahrgäste schon vorher über die Fahrpläne informiert hatten.
Die Reisendenlenker:innen stehen den Fahrgästen während aller Ferien und noch zwei Wochen danach zur Verfügung. Es sind hauptsächlich mehrsprachige Studierende.
Eine hr-Reporterin, die um 6.56 Uhr von Lampertheim nach Frankfurt unterwegs war, hatte auf die Bahn-App vertraut, die sie allerdings „kreuz und quer“ leitete. Sie musste viermal umsteigen, brauchte statt 70 Minuten 130 Minuten. Es ist also noch Luft nach oben, auch wenn Martin Smith aus Mörfelden-Walldorf begeistert war: „Wlan, Auflademöglichkeit und Klimaanlage im Bus.“
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