Landtagswahl in Hessen

Hessischer Bauernverband: „Mindestkonsens wäre eine Obergrenze für den Wolf“

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Volker Lein ist der Wolfsbeauftragte beim Bauernverband.
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Themencheck Naturschutz: Volker Lein ist Rinderhalter im Vogelsberg und Vizepräsident des Hessischen Bauernverbands. Beim Konflikt um den Wolf wünscht er sich mehr Entgegenkommen der anderen Seite – sprich der Naturschützerinnen und Naturschützer.

Herr Lein, haben Sie persönlich Sorge um Ihre Rinder auf der Weide?

Die Angst ist da, aber noch zieht der Wolf nur durch bei uns hier im Vogelsberg. Wir hatten hier zwar mal einen ansässigen, aber zum Glück hat sich kein Rudel gebildet.

Warum ruft der Wolf bei Tierhaltenden Angst hervor?

Er ist ein Generalist. Ein intelligenter Jäger. Ein eingesperrtes Tier ist für ihn leichtere Beute als ein Wildschwein oder ein Reh, dem man hinterherjagen muss. Wir als Tierhalter sind nach Jahrzehnten entwöhnt, mit einem Feind der Nutztiere umzugehen. Jetzt sollen wir uns damit arrangieren.

Warum nicht damit arrangieren?

In diese dichtbesiedelte Region gehört er nicht hin. Wenn der Wolf in eine Herde einbricht, wird die ganze Herde scheu, durcheinander, rennt auf Straßen, Schienen. Da können deutlich mehr Unfälle geschehen als in der Wildnis, wo der Wolf hingehört.

Aber Sie sichern Ihre Tiere doch mit Zäunen. Für mehr als den Grundschutz gibt es vom Land Beratung und Zuschüsse.

Die vermeidlichen Tierschützer behaupten, ein Zaun schützt. Wir sind in Hessen noch bei einer Anforderung von 90 Zentimeter für Schafe und Ziegen. Für Rinden und Pferde sollte man mehrere Drähte spannen und unter Strom stellen. Ein intelligentes Tier wie der Wolf springt darüber oder kriecht unten durch.

Und bei Schafen und Ziegen?

Da findet eine Wettrüsten statt, der Zaun muss korrekt sein. Hier im Vogelsberg gibt es Gräben, Mulden, Büsche. Da kann man nur unter immens hohem Aufwand hundert Prozent sicher einzäunen.

Landtagswahl in Hessen

Am  8. Oktober wählt Hessen einen neuen Landtag. Die Frankfurter Rundschau bündelt ihre umfangreiche Berichterstattung in ihrem Onlinedossier zur Hessenwahl.

Die FR führt Interviews mit den Spitzenkandidat:innen. Zwei Podiumsdiskussionen überlegen, wie die Politik auf die aktuellen Krisen reagieren sollte, und wie sich Hessen engagiert in der Entwicklungszusammenarbeit, im fairen Handel und in der Integration von Menschen aus dem globalen Süden. Schließlich bringen wir Themenchecks zu zentralen Fragen der Hessenwahl.

Bei einem Wolfsriss kommt das Land für Schäden auf. Reicht das nicht?

Man versucht, die Ängste der Tierhalter mit dem Scheckbuch zu besänftigen. Aber gerade beim Pferd oder Rind kann der monetäre Wert eines Tieres nie den wirklichen darstellen. Es steckt viel Zuchtarbeit dahinter, die Tiere sind top betreut.

Also muss der Wolf weg aus Hessen?

Ministerin Priska Hinz sagt uns: Sie werden lernen müssen, mit dem Wolf zu leben. Ich als Lobbyist sage, der Wolf muss Grenzen aufgezeigt bekommen. Da gehört auch die Bejagung dazu. Nicht die Ausrottung. Das findet in vielen anderen Ländern auch statt – legal oder illegal. Außer in Deutschland, da stellt man ihn über alle anderen Tiere – das ist unfair.

Auch in Deutschland darf ein auffälliger Wolf getötet werden.

Mit ganz extremen Auflagen und Nachweisen. So einfach ist es nicht, in Hessen erst gar nicht. Finden Sie mal einen Jäger, der unter diesem gesellschaftlichen Druck, der durch die Naturschutzverbände aufgebaut wird, einen Wolf erschießt.

Warum ist das Thema so emotional besetzt?

Weil die Naturschützer sich keinen Zentimeter bewegen. Wir sind bereit zum Kompromiss – das wäre eine Obergrenze als Mindestkonsens, wie es ihn auch in anderen EU-Staaten gibt. Die andere Seite ist stur, das ist unvernünftig und puscht die Stimmung hoch.

Landtagswahl in Hessen: Themencheck Naturschutz

Diese Zusammenstellung erscheint im Rahmen eines Themenchecks zur Hessenwahl. Weitere Texte dazu:

Themencheck zur Hessenwahl: Wie umgehen mit dem Wolf? Das wollen die Parteien.

Unterwegs mit Biologinnen beim Wolf-Monitoring: Das Informationsbedürfnis der Bevölkerung ist groß, die Mythen sind zahlreich. Der Wolf ist ein Aufregerthema, wissen Laura Hollerbach und Susanne Jokisch vom Wolfszentrum in Gießen.

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