VonJutta Rippegatherschließen
In Hessen gibt es genau drei sesshafte Rudel und drei Einzeltiere. Trotzdem findet sich der Wolf in allen Wahlprogrammen wieder. Fast.
Frankfurt am Main - Rund sechs Wochen dauert es noch, bis in Hessen eine neue Regierung gewählt wird. Längst läuft der Wahlkampf der Parteien vor der Hessen-Wahl, die sich vorab mit ihren Programmen inhaltlich positionieren. Die FR blickt auf verschiedene Aspekte innerhalb der Wahlprogramme. Heute geht es um den Naturschutz im Allgemeinen und den Wolf im Speziellen.
Wahlprogramm zur Hessen-Wahl: SPD will „zukunftsorientiertes Wolfsmanagement“
Für den Erhalt der Artenvielfalt und Biotope sei die Bewirtschaftung und Beweidung der Kulturlandschaft unerlässlich, konstatiert die SPD in ihrem Wahlprogramm zur Hessen-Wahl. Insbesondere die Mähwiesen und Weideflächen in FFH-Gebieten und Biosphärenreservaten seien zu schützen. Auch auf den Wolf kommt die SPD zu sprechen. „Daher setzen wir auf ein zukunftsorientiertes Wolfsmanagement mit einer auskömmlichen Finanzierung von Weideschutzmaßnahmen und klare Entschädigungsregelungen“, steht es im Wahlprogramm der Sozialdemokraten.
Themenchecks zur Landtagswahl in Hessen
Die Frankfurter Rundschau veröffentlicht zur Landtagswahl acht Themenchecks mit Problemaufrissen und Positionen der Parteien dazu.
Bisher erscheinen:
- Polizei und Sicherheit
- Nahverkehr
- Armut
- Rassismus
- Gesundheit
- Bildung
Kommende Folge:
- Energiewende
CDU will die Menschen in Hessen vor dem Wolf schützen
Für die Union ist der Wolf in Deutschland inzwischen keine gefährdete Art mehr. Eine Koexistenz und die Akzeptanz der Bevölkerung machten es erforderlich, Menschen und Weidetiere wirksam vor Übergriffen zu schützen. „Wir setzen uns dafür ein, dass die Bundesregierung dieser Tatsache Rechnung trägt und umgehend bei der EU beantragt, den Wolf in Anhang V der FFH-Richtlinie zu überführen“, steht im Wahlprogramm der CDU geschrieben. Sobald der Bund die nötigen rechtlichen Grundlagen geschaffen habe, werde Hessen den Wolf in das Jagdrecht übernehmen und eine „aktive Bestandsregulierung“ ermöglichen.
Die Grünen starten mit „Regierungsprogramm“ in die Hessen-Wahl
Landtagswahl in Hessen
Am 8. Oktober wählt Hessen einen neuen Landtag. Die Frankfurter Rundschau bündelt ihre umfangreiche Berichterstattung in ihrem Onlinedossier zur Hessenwahl.
Die FR führt Interviews mit den Spitzenkandidat:innen. Zwei Podiumsdiskussionen überlegen, wie die Politik auf die aktuellen Krisen reagieren sollte, und wie sich Hessen engagiert in der Entwicklungszusammenarbeit, im fairen Handel und in der Integration von Menschen aus dem globalen Süden. Schließlich bringen wir Themenchecks zu zentralen Fragen der Hessenwahl.
Die Rückkehr ausgerotteter Arten wie Biber, Fischotter oder Wolf führe zu Konflikten, heißt es in dem „Regierungsprogramm“ der Grünen zur Landtagswahl. „Wir setzen dabei nicht auf populistische Schein-lösungen, sondern helfen den Betroffenen im Schadensfall und mit Präventionsangeboten.“ Dessen ungeachtet werde es Fälle geben, in den verhaltensauffällige Wölfe geschossen werden müssten.
Kein Wort zum Wolf im Wahlprogramm der Linken
Im Wahlprogramm der Linken finden sich keine Aussagen zum Thema Wolf.
FDP sieht vor Hessen-Wahl in Sachen Wolf keinen Handlungsbedarf
Für die FDP ist das „unkontrollierte Wachstum der Wolfspopulation in Hessen“ nicht mit der Weidetierhaltung vereinbar. Nicht wünschenswert sei, immer höherer Zäune zum Schutz gegen die Wildtiere zu bauen. „Der günstige Erhaltungszustand des Wolfs ist aus unserer Sicht in Hessen längst erreicht“, heißt es weiter in dem Programm zur Landtagswahl. Sobald der Bund die angekündigten rechtlichen Möglichkeiten geschaffen habe, solle es zu einem „aktiven Bestandsmanagement des Wolfs in Hessen“ kommen. Um ein realistisches Bild über die sesshaften Exemplare zu bekommen, will die FDP das Wolfsmonitoring in Hessen professionalisieren und eine Populationsstudie in Auftrag geben. „Problemwölfe müssen als solche benannt werden. Ihre Entnahme ist rechtlich bereits jetzt möglich.“
Landtagswahl in Hessen: Themencheck Naturschutz
Diese Zusammenstellung erscheint im Rahmen eines Themenchecks zur Hessenwahl. Weitere Texte dazu:
Interview mit Volker Lein, Vizepräsident des Hessischen Bauernverbands und Rinderhalter im Vogelsberg. Er sagt: „Mindestkonsens wäre eine Obergrenze für den Wolf“
Unterwegs mit Biologinnen beim Wolf-Monitoring: Das Informationsbedürfnis der Bevölkerung ist groß, die Mythen sind zahlreich. Der Wolf ist ein Aufregerthema, wissen Laura Hollerbach und Susanne Jokisch vom Wolfszentrum in Gießen.
AfD will in Hessen den Wolf jagen gehen
Die AfD sieht „die Notwendigkeit, einen Akzeptanzbestand mit Entnahmequoten festzulegen und die ordnungsgemäße Bejagung des Wolfes rechtssicher zu ermöglichen“. Ein besseres Monitoring soll eine realistische Zahl der Tiere liefern.
Die Klimaliste Hessen sieht in Luchs und Wolf einen wichtigen Bestandteil des Ökosystems Wald, der die Gesundheit der Wildbestände fördert. Professionelles Wolfsmanagement beinhalte auch die Entnahme einzelner auffälliger Tiere.
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