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Marvin K. Hoffmann- Frank Osiewacz
Katharina Bellgardt
Deutschlandweit gab es in den vergangenen Tagen Demonstrationen gegen rechts. Am Montag, 22. Januar, auch in Hamm. Rund 5500 Menschen kamen auf den Platz vor der Pauluskirche.
Hamm - „Bunt statt braun – Zusammen gegen Rassismus“: Rund 5500 Menschen setzten am frühen Montagabend in Hamm auf dem Marktplatz an der Pauluskirche eindrucksvoll ein Zeichen gegen die AfD, gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Die Kundgebung mit mehreren Redebeiträgen und Live-Musik von „Kapelle Petra“ verlief friedlich.
Mit rund 2000 Teilnehmern hatten die Veranstalter der Demo vorsichtig gerechnet. „Dass es am Ende so viel mehr Teilnehmer waren, war natürlich umso schöner und ein klares Zeichen“, sagte eine der Initiatorinnen von den beiden Alevitischen Gemeinden in Hamm.
Ansprachen auf dem Podest auf der Südseite der in Regenbogenfarben angestrahlten Kirche hielten die Stellvertretende Vorsitzende des Alevitischen Kulturvereins Hohe Straße, Cansel Kaplan, Oberbürgermeister Marc Herter und Pfarrerin Astrid Taudien als Sprecherin des Interreligiösen Friedensgebets. Aus der Bürgerschaft sprachen Mahmoud El Azin (Fuge), der seit 2015 in Hamm lebt, und Cellestino Kraus, Jugendsprecher der Sinti-Allianz Deutschland.
Hamm zeigt Flagge - Demo gegen Rechts




Unterstützung aus vielen Einzel-Bereichen
Breite Unterstützung gab es von Privatpersonen, Gemeinden, Vereinen, Verbänden, Organisationen, Gewerkschaften und Parteien, die buchstäblich Flagge und Transparente zeigten.
„Ich sehe, dass wir gemeinsam etwas bewegen können“, sagte Auftaktrednerin Cansel Kaplan. „Das macht mir Mut.“ Mit Blick auf die Migrationsgeschichte so vieler Menschen in Hamm sagte sie: „Wir sind und bleiben Teil dieser Stadtgesellschaft und betrachten Deutschland als unsere Heimat.“
Das viel zitierte ,Nie wieder’ sei „genau jetzt“, sagte Oberbürgermeister Marc Herter. „Wir lassen uns nicht aus der Mitte verdrängen, nur weil ein paar Durchgeknallte der Auffassung sind, dass sie aus der Geschichte nichts lernen müssten.“ Dies sei der Aufstand der Anständigen. Neben einem klaren Nein zu Faschismus und Rassismus stehe ein klares Ja zu Demokratie und Vielfalt. „Die Mehrheit gewährt euch Sicherheit in diesem Land“, sagte er den Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. „Wir stehen zusammen und erteilen Deportationsfantasien eine klare Absage.“
Pfarrerin Astrid Taudien sagte, es sei unerheblich, wer wir seien und woher wir kämen. „Es ist ein Wert, der uns tragen muss: Menschlichkeit.“
Immer wieder Applaus während Redebeiträgen
Immer wieder brandete lauter Applaus während der Redebeiträge auf. So auch bei Mahmoud El Azin, der aus Syrien nach Deutschland kam und inzwischen deutscher Staatsbürger ist, die Sprache gelernt und eine Ausbildung absolviert hat und sich ehrenamtlich engagiert. „Ich wünsche mir, dass Hamm bunt bleibt“, sagte er. Jeder Mensch sei gefragt, um eine friedvolle Welt zu gestalten.
Cellestino Kraus, Jugendsprecher der Sinti-Allianz Deutschland, sagte: „Mir geht das Herz auf, wenn ich sehe, dass Hunderttausende auf die Straße gehen. Das gibt mir Hoffnung. Es liegt an jedem von uns, die Nazis aus den Parlamenten zu holen.“
Zwischenzeitlich untermauerte die Hammer Band „Kapelle Petra“ mit den Songs „Keine Lieder für böse Menschen“ und „An irgendeinem Tag wird die Welt untergehen“ musikalisch die Botschaft des Abends gegen Hass, Rassismus und Antisemitismus.
Größere Demos und Umzüge in Hamm mit vierstelligen Teilnehmerzahlen hatte es in den vergangenen Jahren zuletzt im September 2019 auf Initiative von „Fridays For Future“ gegeben. Rund 2000 Personen hatten sich damals auf dem Marktplatz versammelt, davor lange nicht.
Demo gegen rechts in Hamm - Live-Ticker zum Nachlesen:
Update vom 22. Januar, 20.26 Uhr: Auch in anderen NRW-Städten ist es zu Demos gegen rechts gekommen. In Paderborn demonstrierten nach Angaben der Polizei 5000 Menschen unter dem Motto „Afd auf Eis legen“ gegen eine AfD-Veranstaltung mit vier Bundestagsabgeordneten der Partei, die am Abend in der Innenstadt stattfand. Aufgerufen hatten das „Bündnis gegen Rechts“ und das „Bündnis für Demokratie und Toleranz“. Ursprünglich waren nur 300 Teilnehmer angemeldet gewesen. Einige Straßen in der Innenstadt mussten gesperrt werden. Die Veranstaltung verlief friedlich.
In Soest nahmen fast 3.500 Personen an einer Demonstration teil. Angemeldet hatte diese der SPD-Ortsverein der Stadt. Nach massiver Kritik an seiner Ankündigung, nicht an der für Montagabend, 22. Januar, 18 Uhr in Soest geplanten Demonstration gegen Rechtsextremismus teilnehmen zu wollen, hat der CDU-Stadtverband dort am frühen Nachmittag eine Rolle rückwärts gemacht, wie soester-anzeiger.de berichtet.
Am Wochenende hatten sich deutschlandweit nach Polizeiangaben mehr als 900.000 Menschen an entsprechenden Protesten beteiligt. Auslöser für die Demonstrationen waren Enthüllungen des Recherchezentrums Correctiv über ein Treffen von Rechtsextremisten am 25. November, an dem einige AfD-Politiker sowie einzelne Mitglieder der CDU und der sehr konservativen Werteunion in Potsdam teilgenommen hatten. Der frühere Kopf der rechtsextremen Identitären Bewegung in Österreich, Martin Sellner, hatte bei dem Treffen nach eigenen Angaben über „Remigration“ gesprochen. Wenn Rechtsextremisten den Begriff verwenden, meinen sie in der Regel, dass eine große Zahl von Menschen ausländischer Herkunft das Land verlassen soll - auch unter Zwang.
Polizei zieht erstes Fazit zur Demo in Hamm
Update vom 22. Januar, 20 Uhr: Die Polizei spricht von einer „friedlich und störungsfrei verlaufenden Versammlung“. Das deckt sich mit den Eindrücken unserer Reporter vor Ort.
„Am Montag, 22. Januar, kamen ab 18 Uhr etwa 5.500 Menschen auf dem Marktplatz zusammen, um an einer angemeldeten Versammlung mit dem Motto ‚Bunt statt Braun - Zusammen gegen Rassismus‘ teilzunehmen“, fasst die Polizei zusammen und erklärt: „Nach mehreren Rede- und Musikbeiträgen auf einer Bühne wurde die friedliche und störungsfrei verlaufende Versammlung gegen 19.05 Uhr beendet. Bereits ab 16 Uhr wurden mehrere Straßen rund um den Versammlungsort gesperrt. Es kam nur zu geringen Verkehrsbehinderungen.“
5.500 Menschen demonstrieren in Hamm gegen rechts
Update vom 22. Januar, 19.58 Uhr: Die Zahl der demonstrierenden Menschen in Hamm wurde noch einmal nach oben korrigiert – offiziell haben über 5.500 Personen ein Zeichen gegen rechts gesetzt.
Update vom 22. Januar, 19.04 Uhr: Die Demonstration endet mit in die Höhe gestreckten, leuchtenden Handys - und „Schrei nach Liebe“ von Die Ärzte.
Update vom 22. Januar, 18.43 Uhr: Kapelle Petra spielt „Keine Lieder für böse Menschen“. Zugleich ließen die Teilnehmer zahlreiche Luftballons fliegen.
Hamms Oberbürgermeister Herter: „Das ist der Aufstand der Anständigen“
Update vom 22. Januar, 18.23 Uhr: Oberbürgermeister Marc Herter nennt eine erste Zahl der Teilnehmer: 5000 Menschen haben sich gegen rechts versammelt. „Das ist der Aufstand der Anständigen“, sagt der SPD-Politiker.
Update vom 22. Januar, 18.14 Uhr: Es geht los! Die Versammlung ist gestartet. Auf den Schildern ist „AfD wählen ist so 1933“, „Kein Mensch ist illegal“ und „Don‘t Nazi be happy“ neben vielem anderen zu lesen. Der Oberbürgermeister, die Pfarrerin der Pauluskirche und die stellvertretende Vorsitzende des Alevistischen Kulturvereins haben das Podest betreten.
Update vom 22. Januar, 17.53 Uhr: Der Platz an der Pauluskirche füllt sich. Wie unsere Reporterin vor Ort berichtet, sind viele Fahnen, Ballons und Schilder zu sehen. Tausende versammeln sich zur Demo gegen Rechtsextreme in Hamm.
Update vom 22. Januar, 17.28 Uhr: Langsam sammeln sich die Menschen an der Pauluskirche. Um 18 Uhr startet die Demonstration gegen rechts.
Update vom 22. Januar, 17.07 Uhr: Die Polizei meldet, dass die Widumstraße ebenfalls gesperrt wurde. Die ersten mobilen Einsatzkräfte der Polizei sammeln sich seit circa 17 Uhr am Santa-Monica-Platz. Der nördliche Teil des Parkplatzes wurde für die Polizisten und Rettungskräfte bereits am Vormittag abgesperrt.
Die Pauluskirche erstrahlt in Regenbogenfarben. Pfarrerin Astrid Taudien wird als Teil des Interreligiösen Friedensgebet bei der Demonstration gegen rechts sprechen. Geplant sind zudem Reden der stellvertretenden Vorsitzenden des Alevitischen Kulturvereins, Cansel Kaplan, Oberbürgermeister Marc Herter, Mahmoud El Azin von Fuge, der seit 2015 in Hamm lebt, und Cellestino Kraus, Jugendsprecher der Sinti-Allianz Deutschland.
Update vom 22. Januar, 16.47 Uhr: Die Absperrungen rund um den Marktplatz in Hamm stehen. Die Martin-Luther-Straße ist mit Pöllern gesichert.
Update vom 22. Januar, 16.33 Uhr: Das Wetter bleibt unberechenbar. Jetzt hagelt es in Hamm. Den aktuellen Wetterbericht finden Sie im Video:
Update vom 22. Januar, 15.38 Uhr: Ab 16 Uhr beginnen die Straßensperren für die Demonstration gegen rechts „Bunt statt Braun“ in Hamm. Ab diesem Zeitpunkt sind auch die Busse kostenlos. Demo-Teilnehmer sollen auf den öffentlichen Nahverkehr ausweichen, um Verkehrschaos in der Innenstadt zu verhindern.
Gesperrt wird zunächst die Martin-Luther-Straße zwischen Sternstraße und Gutenbergstraße.
Demo gegen Rechtsextremismus in Hamm: Tausende Teilnehmer erwartet - Straßen gesperrt
Erstmeldung vom 22. Januar: Hamm – In Hamm gibt es am Montag, 22. Januar, eine Demonstration gegen rechts, nachdem Pläne öffentlich wurden, zahlreiche Menschen abzuschieben. Die Kundgebung auf dem Platz vor der Pauluskirche ab 18 Uhr findet unter dem Motto „Bunt statt braun“ statt.
Kirchen, Parteien und Verbände riefen auch am Wochenende dazu auf, zur Kundgebung an der Pauluskirche zu kommen. In sozialen Netzwerken teilten zahlreiche Bürger den Aufruf. Gemeldet sind aktuell zunächst 350 Teilnehmer - die Polizei erwartet aber mehrere Tausend Teilnehmer.. Mit einem Blick auf die Situation in ganz Deutschland, kann man davon ausgehen, dass es deutlich mehr werden. Selbst der Blick in den Nachbarort Drensteinfurt zeigt, dass das Thema mobilisiert: 800 Menschen kamen hier auf den Marktplatz.
Die Alevistischen Gemeinden hatten die Demo gegen rechts in Hamm angemeldet. „Wir stehen für eine freiheitsliebende und friedliche Gesellschaft“, erklärte auch Anne Böse für die AG Hammer Frauenverbände. Am Wochenende gingen nach Enthüllungen über sogenannte „Remigrations“-Pläne Rechtsextremer deutschlandweit Hunderttausende Menschen auf die Straße. Auch in NRW waren sehr viele Menschen bei den Demos gegen rechts, etwa in Dortmund.
„Nach derzeitigem Stand geht die Polizei von mehreren tausend Versammlungsteilnehmern aus“, sagte Daniel Siegesmund, Pressesprecher der Polizei Hamm auf Anfrage von wa.de. Die Veranstalter rechnen mit rund 2000 Teilnehmern. „Wir haben viele Rückmeldungen bekommen“, sagt eine der Initiatorinnen von den beiden Alevitischen Kulturvereinen in Hamm. „Sollten es mehr Teilnehmer werden, wäre das natürlich umso schöner.“
Demo gegen rechts in Hamm: Dieser Ablauf ist geplant
Für die Demonstration sind mehrere Redner angekündigt und die Kapelle Petra wird ein musikalisches Statement geben. Ein Umzug ist nicht vorgesehen.
Reden werden die Stellvertretende Vorsitzende des Alevitischen Kulturvereins Roonstraße, Cansel Kaplan, Oberbürgermeister Marc Herter und Pfarrerin Astrid Taudien als Vertreterin des Interreligiösen Friedensgebets. Möglicherweise kommen weitere Redner und Rednerinnen aus der Bürgerschaft hinzu. Breite Unterstützung und Aufrufe zur Teilnahme gebe es von Privatpersonen, Vereinen, Verbänden, Gemeinden, Organisationen, Gewerkschaften und Parteien.
Das Podest für Redner und Band steht auf der Südseite der Kirche, gegenüber vom Supermarkt.
Demo gegen rechts in Hamm: Straßensperrungen sind möglich
Aufgrund der Demonstration gegen rechts sollen in Hamm laut Polizei ab 16 Uhr Straßen gesperrt werden. Teile des Santa-Monica-Platzes sind bereits gesperrt, sie sind Standort für Einsatzkräfte belegt und stehen nicht als Parkplätze zur Verfügung.
Die Sperrungen in Hamm:
- Nordteil Santa-Monica-Parkplatz
- Martin-Luther-Straße zwischen Sternstraße und Gutenbergstraße
Es kann noch zu weiteren Straßensperren kommen. Das Ordnungsamt ist an den Zulaufstraßen zum Marktplatz (Museumstraße, Stadthausstraße, Oststraße, Widumstraße, Gutenbergstraße, Südstraße, Martin-Luther-Straße und Weststraße im Einsatz und wird je nach Lage handeln.
Demo gegen rechts in Hamm: Busse sind kostenlos
Die Stadtwerke Hamm haben angekündigt, dass die Busse im Stadtgebiet zwischen 16 und 22 Uhr kostenlos genutzt werden können. Die Stadtwerke versuchen so eine reibungslose An- und Abfahrt für die Demonstrationsteilnehmer ermöglichen und Verkehrschaos vorbeugen.
Die Veranstalter rufen dazu auf, nicht mit dem Auto in die Stadt zu kommen, sondern den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen.
Demo gegen Rechtsextremismus in Hamm: Wetter bleibt schwierig - kommt ein Sturm?
Zudem ist die Wetterlage in Hamm am Demo-Tag schwierig. „Wir sind im engen Austausch mit den Veranstaltern“, sagte der Sprecher der Polizei. Es geht darum, abschätzen zu können, ob der mögliche Sturm am Montag eine Gefahr für die Versammlungsteilnehmer darstellt.
Demo gegen rechts in Hamm: Zahlreiche Teilnehmer gemeldet
Aufgerufen zur Demonstration haben bereits zahlreiche Vereine, die Kirchen und Parteien. Auch die Musiker von Kapelle Petra riefen zur Demo gegen Rechtsextremismus auf. Mit „Keine Lieder für schlechte Menschen“ vom neuen Album „Hamm“ liefern sie einen der Soundtracks zur aktuellen Entwicklung.
Stellvertretender Bürgermeister Karsten Weymann (Bündnis 90/Die Grünen) sagte: „Ich begrüße und unterstütze die geplante Demo ausdrücklich. Gut das sich demokratisch orientierte Bürger unserer Stadt zusammengefunden haben und gegen AfD, Rassisten und Faschisten zu demonstrieren.“ Die Demo sei ein wichtiges Zeichen der Zivilgesellschaft. Der Bürgermeister hofft auf möglichst viele Teilnehmer: „Hamm ist bunt und muss bunt bleiben.“
In Dortmund demonstrierten am Samstag rund 30.000 Menschen gegen Rechtsextremismus. Unter den Demoteilnehmern war auch Ex-BVB-Spieler Neven Subotić. „Dortmund ist bunt – das ist Fakt“, so der Fußballer. Die Demonstrationen in Hamburg und München mussten abgebrochen werden - weil zu viele Teilnehmer kamen.
Rubriklistenbild: © Andreas Rother










