VonMaximilian Gangschließen
Lange trennte der Tagebau Hambach die Kommunen im Umkreis. Doch bald soll die Region wieder zusammenwachsen – unter anderem durch einen riesigen See.
Hambach – „Wir haben uns lange genug definiert über das Loch, das uns trennt. Jetzt geht es um den See, der uns vereinen wird.“ Mit diesen Worten beschreibt Jürgen Frantzen (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Titz im Kreis Düren, den „Rahmenplan Hambach“. Darin führen die sechs Anrainerkommunen auf, wie es nach dem Braunkohleausstieg ab 2030 mit dem Tagebau Hambach und seinem Umfeld weitergehen soll. So sollen verschiedene Nutzungen, wie Tourismus, Landwirtschaft und die Produktion erneuerbarer Energien zusammenkommen. Die Tagebaugrube selbst soll sogar zum tiefsten See Deutschlands werden.
Strukturwandel am Tagebau Hambach in NRW ist ein „Jahrhundertprojekt“
„Nur selten hat man die Chance, einem Jahrhundertprojekt beim Entstehen und Wachsen zuzusehen“, heißt es im Rahmenplan Hambach, der am Donnerstag (22. Februar) in Niederzier von der Neuland Hambach GmbH vorgestellt wurde. Und tatsächlich handelt es sich bei dem geplanten Strukturwandel im rheinischen Revier um eine wahre Mammutaufgabe. Zahlreiche Projekte sollen in den nächsten Jahrzehnten auf der rund 8.500 Hektar großen Fläche rund um den Tagebau umgesetzt werden. Der Rahmenplan soll nun dafür sorgen, dass alle Beteiligten einer gemeinsamen Strategie folgen.
Neuland Hambach GmbH
Die Neuland Hambach GmbH wurde von den sechs Anrainerkommunen Elsdorf, Jülich, Kerpen, Merzenich, Niederzier und Titz ins Leben gerufen. Die Gesellschaft vertritt die Interessen der Bürgerinnen und Bürger im Umkreis, kümmert sich um die strukturpolitische Entwicklung und die Koordination der Zukunftsperspektiven sowie um die Akquise von Fördermitteln und Investitionen.
Tagebau Hambach soll zum zweitgrößten See Deutschlands werden
Zweitgrößter See Deutschlands geplant: Bilder zeigen, wie es dort mal aussehen könnte




Im Zentrum der Planungen für die Tagebauregion steht der geplante Hambachsee. Nachdem der letzte Braunkohlebagger ab 2030 stillsteht, soll das „größte Loch Europas“, wie der Tagebau Hambach auch genannt wird, mit Wasser aus dem Rhein geflutet werden. Insgesamt werden für den See 4,3 Milliarden Kubikmeter Wasser benötigt, was das Gewässer zum nach dem Volumen zweitgrößten See in ganz Deutschland machen würde. Selbstredend, dass ein solches Projekt viele Jahre in Anspruch nehmen wird. 2030 wird mit der Flutung begonnen, 2070 soll der See schließlich vollgelaufen sein.
- 2024/2025: Baubeginn der Transportleitung, durch die das Wasser aus dem Rhein bei Dormagen in den Tagebau Hambach gepumpt werden soll.
- 2030: Beginn der Flutung des Tagebaus
- 2040: Erste Zugänge bis zum Wasser können entstehen & man kann im Hambachsee schwimmen
- 2045: Hambachsee wird zum größten See in NRW
- 2070: Fertigstellung des Hambachsees als zweitgrößter See Deutschlands
Was rund um den Tagebau Hambach entstehen soll
Rund um den sich füllenden See soll ein 42 Kilometer langer Radweg entstehen, der sogenannte „Hambach Loop“. Entlang der Strecke sollen verschiedene „besondere Orte“ entstehen. Dazu gehört auch die sogenannte „Höllentreppe“, die Besucherinnen und Besucher beispielsweise vom Fuß bis auf die Sophienhöhe führen soll. „Wir würden uns über eine Seilbahn freuen, die über die Sophienhöhe führt“, sagte Axel Fuchs (Parteilos), Bürgermeister der Gemeinde Jülich, bei der Vorstellung des Rahmenplans. Die Gemeinde Elsdorf soll sich mit der Zeit immer weiter zu dem künftigen See hinentwickeln, mit einem neuen Wohnquartier am Ufer.
Ein weiterer zentraler Aspekt der Nutzung sind nachhaltige Energiekonzepte. In einem Teil der Grube könnte in der Zeit der Flutung die derzeit größte Solaranlage Deutschlands entstehen. Auch Windräder sind angedacht. Nach ersten planerischen Betrachtungen könnten im gesamten Tagebau so weit über 200 Megawatt durch erneuerbare Energien erzeugt werden. Damit lassen sich rund 60.000 Haushalte mit Strom versorgen – das wären nahezu alle 153.000 Menschen in den sechs Mitgliedskommunen der Neuland Hambach GmbH.
Menschen in der Region sollen über ihre Heimat entscheiden
Die Bürgermeister aus den Anrainerkommunen betonten bei der Vorstellung ihre Einigkeit über den Rahmenplan. Wichtig ist den Verantwortlichen, dass es die Menschen aus der Region sind, die über die zukünftigen Nutzungen entscheiden. „Es kommt auch darauf an, dass der Fördermittelgeber uns die Umsetzung zutraut“, sagte Georg Gelhausen (CDU), Chef im Rathaus von Merzenich, in Richtung der Landespolitik. Denn für die Menschen vor Ort bedeutet der Rahmenplan Hambach vor allen Dingen eines: Nach Jahrzehnten, in denen der Kohleabbau die Region unausweichlich prägte, bekommen sie ein Stück Heimat zurück. (mg. mit dpa)
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