VonMaximilian Gangschließen
Aktuell ist der Möhnesee der größte See in NRW. Doch RWE will den Tagebau Hambach mit Wasser fluten – und so einen viel größeren See entstehen lassen.
Köln – Im deutschlandweiten Vergleich kann NRW nicht unbedingt mit großen Seen punkten. Keiner der Gewässer im Westen Deutschlands kann sich unter den Top zehn der größten Seen in Deutschland positionieren. Mit einer Wasseroberfläche von 10,67 Quadratkilometern ist der Möhnesee im Kreis Soest der größte seiner Art in NRW. Dieser landet im deutschlandweiten Ranking nur auf Rang 34. Doch zukünftig könnte sich das ändern: Nach dem Ende des Braunkohleabbaus in NRW ab 2030 will RWE den Tagebau Hambach zu dem nach Volumen zweitgrößten See Deutschlands umfunktionieren.
RWE will Tagebau Hambach zum zweitgrößten See Deutschlands machen
Laut den Planungen des Energiegiganten RWE soll sich der nach Volumen zweitgrößte See Deutschlands zukünftig auf rund 42 Quadratkilometer erstrecken. Das ist zum größten Teil auf die Tiefe des „größten Lochs Europas“ zurückzuführen, schon jetzt ist der Tagebau Hambach der tiefste Punkt in NRW. Mit einer Tiefe von bis zu 360 Metern soll der Hambachsee schlagartig den aktuell tiefsten See Deutschlands – den Bodensee (254 Meter) – ablösen. Betrachtet man nur die Wasseroberfläche, würde der geplante Hambachsee auf Rang sieben in Deutschland landen.
Nach Wasseroberfläche: Das sind die zehn größten Seen Deutschlands
- Bodensee (535,9 Quadratkilometer)
- Müritz (109,2 Quadratkilometer)
- Chiemsee (79,9 Quadratkilometer)
- Schweriner See (61,5 Quadratkilometer)
- Starnberger See (56, 4 Quadratkilometer)
- Ammersee (46,6 Quadratkilometer)
- Plauer See (38,4 Quadratkilometer)
- Kummerower See (32,5 Quadratkilometer)
- Steinhuder Meer (29,1 Quadratkilometer)
- Großer Plöner See (29,1 Quadratkilometer)
Quelle: Statistisches Bundesamt
Wasser für neuen Hambachsee soll aus dem Rhein kommen
Bei solchen Ausmaßen, bedarf es einer ganzen Menge Wasser, um die Kraterlandschaften des Tagebaus Hambach zu fluten. Insgesamt sollen bis 2070 4,3 Milliarden Kubikmeter Wasser vornehmlich aus dem Rhein in den Tagebau fließen. Bereits ab 2040 soll das Loch dann so weit gefüllt sein, dass man darin schwimmen kann.
Damit das Mammutprojekt funktioniert, sind drei unterirdische Rohre vorgesehen, die das Flusswasser aus dem Dormagener Stadtteil Rheinfeld in das rund 26 Kilometer entfernte Grevenbroich-Frimmersdorf leiten. Dort befindet sich der Tagebau Garzweiler. Von dort soll das Wasser dann in den Tagebau Hambach weitergeleitet werden – doch nicht nur dorthin. Auch die Tagebaue Inden und Garzweiler sollen zu riesigen Seen umfunktioniert werden. Das Wasser für den Tagebausee Inden soll – anders als in Garzweiler und Hambach – aus der Rur gewonnen werden.
Riesige Tagebauseen in NRW: Kritik an dem Vorhaben
Die Entnahme des Wassers für die Tagebauseen aus dem Rhein sorgte gleich von mehreren Seiten für Kritik: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fürchtet, dass der Rhein zukünftig sowieso schon zu wenig Wasser führen könnte und zweifelt an der Durchführbarkeit des Projekts. Auch Anwohner zeigten sich mit dem Vorhaben von RWE rund um den Tagebau Hambach unzufrieden. In Dormagen sorgt das Vorhaben, den zweitgrößten See Deutschlands in NRW entstehen zu lassen, für reichlich Unmut.
Strukturwandel im Rheinischen Braunkohlerevier – was dort passieren soll
Die Flutung der Tagebaue ist Teil des Strukturwandels im rheinischen Reviers. RWE ist zur Renaturierung der Braunkohleregion verpflichtet. Deshalb werden sich nicht nur die Tagebaue stark verändern, zahlreiche Menschen arbeiten schon jetzt daran, auch das Umfeld für nachfolgende Generationen aufzuwerten. So soll in der Anrainerkommune Elsdorf beispielsweise ein Wohnquartier direkt am Ufer des sich füllenden Sees entstehen. Rund um das geplante Gewässer in Hambach ist zudem ein riesiger Radweg geplant, mit „besonderen Orten“ entlang der Strecke. (mg) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf & NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.
Rubriklistenbild: © Hans Blossey/Imago



