Invasive Art

Asiatische Hornisse breitet sich aus – fast 100 Sichtungen in NRW

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Die Asiatische Hornisse hat sich längst in NRW eingerichtet, in den vergangenen Monaten gab es fast 100 Sichtungen. Das sei kaum überraschend, sagen Kritiker.

Recklinghausen – Sie ist inzwischen nicht mehr aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland wegzudenken: Die Asiatische Hornisse breitet sich in Nordrhein-Westfalen weiter aus. In diesem Jahr gab es von Ende April bis Anfang dieser Woche landesweit bereits 95 bestätigte Sichtungen der Hornisse, sagte eine Sprecherin des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) der Deutschen Presse-Agentur dpa. So hat sich die Asiatische Hornisse inzwischen in NRW festgesetzt. Bei den Sichtungen handele es sich sowohl um einzelne Tiere als auch um Nester, heißt es weiter.

Asiatische HornisseEuropäische Hornisse
KopfSchwarz, mit orangefarbener StirnRötlich bis schwarz
Thorax (Bereich zwischen Kopf und Hinterleib)SchwarzRotbraun mit schwarzer v-förmiger Zeichnung
HinterleibSchwarz, mit orangefarbener SpitzeRotbraun und Schwarz, mit wespentypischer schwarz-gelber Spitze

Woran erkennt man die Asiatische Hornisse?

„Um wirksame und effiziente Maßnahmen zur Bekämpfung durchführen zu können, ist es wichtig, jede Sichtung zu melden“, hieß es vom Lanuv bereits im Mai. Denn die invasive Art gilt als Gefahr für heimische Bienen, Sprich: Wer eine Asiatische Hornisse in NRW sieht, sollte seine Beobachtung den Behörden melden. Doch woran erkennt man die Insekten? Tatsächlich gibt es klare Merkmale, anhand derer die Asiatische Hornisse von einheimischen Arten unterschieden werden kann:

  • Während bei der Europäischen Hornisse der Kopf rötlich bis schwarz gefärbt ist, hat die Asiatische Hornisse einen schwarzen Kopf mit orangefarbener Stirn. 
  • Der sogenannte Thorax, also der Bereich zwischen Kopf und Hinterleib, ist bei der Europäischen Hornisse rotbraun mit einer schwarzen, v-förmigen Zeichnung. Der Thorax der Asiatischen Hornisse ist komplett schwarz.
  • Der Hinterleib der Asiatischen Hornisse ist dunkler als bei der heimischen Art. Die vorderen Segmente sind schwarz und nur die Spitze ist orangegelb gefärbt. Bei der Europäischen Art sind die vorderen Segmente rotbraun und schwarz, und zur Spitze hin weist sie die wespentypische schwarze Zeichnung auf gelbem Grund auf.
Unter anderem am sogenannten Thorax, also dem Bereicht zwischen Kopf und Hinterleib, kann man die Asiatische Hornisse als solche erkennen. (Archivbild)

Ist die Asiatische Hornisse gefährlich?

Für Menschen besteht durch die Hornisse laut keine unmittelbare Gefahr. „Nur im unmittelbaren Nestbereich verteidigt sie sich und die Brut mit Stichen, insbesondere bei Erschütterungen des Nests“, heißt es beim Lanuv. „Die Stiche sind für Nicht-Allergiker ungefährlich und vergleichbar mit Wespen- oder Bienenstichen“.

Stiche der Asiatischen Hornisse – sind sie giftig?

Die Hornissenstiche sind laut dem Lanuv für Nichtallergiker zwar ungefährlich und mit Bienen- oder Wespenstichen vergleichbar, für die hiesigen Bienenbestände könnte die Einwanderung der Insektenart aber Folgen haben. „Die Asiatische Hornisse, die etwas kleiner und dunkler ist als die Europäische Hornisse, ernährt sich während der Brutaufzucht von anderen Insekten. Dazu zählen Honigbienen“, teilt die Deutsche Presse-Agentur dpa mit.

Aber die Hornisse gilt als potenzielle Bedrohung für heimische Bienenvölker, sie steht zudem auf der EU-Liste der prioritären gebietsfremden invasiven Arten. Die Asiatische Hornisse jagt einheimische Bienen. „Da die heimische Honigbiene im Gegensatz zu der asiatischen Honigbiene keine besonderen Abwehrmechanismen gegen das Eindringen in den Bienenstock entwickeln konnte, wird die Asiatische Hornisse als potenzielle Bedrohung für die Imkerei angesehen“. Gerade Bienenvölker, die bereits als geschwächt gelten, sind gefährdet.

Die erste Sichtung in NRW stammt aus dem Jahr 2020. Dabei handelte es sich um einen Einzelfund im Kreis Heinsberg im Grenzbereich zu den Niederlanden. Die ersten Nester sind im Jahr 2022 in NRW gefunden worden. Insgesamt gab es 2022 neun bestätigte Beobachtungen in NRW.

Die Asiatische Hornisse ist inzwischen längst in NRW heimisch geworden und wird zur Gefahr für heimische Bienenvölker. (Archiv)

Asiatische Hornisse kam vor rund 20 Jahren nach Europa – starke Vorkommen in Belgien

In den vergangenen Wochen gingen etwa Sichtungsmeldungen aus Waltrop im Kreis Recklinghausen, aus Wuppertal und aus Mönchengladbach ein, die bestätigt sind. Die bisher nordöstlichste bestätigte Sichtung in NRW stammt aus der Gemeinde Hüllhorst im Kreis Minden-Lübbecke. Die Vespa Velutina stammt aus Südostasien, vor etwa 20 Jahren kam sie nach Europa. Von Südfrankreich aus breitete sie sich auch in anderen Regionen aus. Recht starke Vorkommen gibt es in Belgien – dass die Insekten auch nach NRW kommen, war nur eine Frage der Zeit.

Imkerbund kritisiert Regierung wegen „Versäumnissen in der staatlichen Bekämpfung“ der Hornisse

Aus Sicht des Deutschen Imkerbundes ist die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse nicht überraschend. Sie resultiere aus Versäumnissen in der staatlichen Bekämpfung in der Vergangenheit und aus dem Klimawandel, erklärte ein Sprecher. Es gelte hohe Populationsdichten hierzulande zu verhindern. Der Imkerbund fordert Unterstützung bei der Bekämpfung der Asiatischen Hornisse, die eine relativ kostspielige Angelegenheit sei. In den bereits betroffenen Regionen gebe es einige sehr engagierte Imkerinnen und Imker der dortigen Landesverbände, die Nester aufspürten und beseitigten. (dpa/mo) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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