Anstieg von 8 auf 20

Asiatische Hornisse setzt sich in NRW fest – Experte: „Problem wird sich verschärfen“

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Die Asiatische Hornisse breitet sich weiter aus. Immer öfter wird das Tier gesichtet. Experten sind nun in Sorge.

Essen – Die von Imkern als Bedrohung empfundene Asiatische Hornisse beschäftigt Menschen in NRW bereits seit einigen Wochen – nun ist klar, dass sie so schnell nicht mehr verschwinden wird. Demnach teilte das NRW-Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz auf dpa-Anfrage mit, dass es nach acht Sichtungen im Vorjahressommer in diesem Jahr bereits 20 Sichtungen Asiatischer Hornissen gegeben habe. Zudem dürfte es sehr viel mehr bisher unentdeckte Ansiedlungen in ganz NRW geben. „Eine weitere Ausbreitung ist daher zu vermuten“, heißt es weiter.

Asiatische Hornisse: Fast 100 Sichtungen in NRW

Ende September 2023 gab es seit Anfang April desselben Jahres knapp unter 100 Sichtungen der Asiatischen Hornisse in NRW, wie das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) mitteilt. Das sorgt unter anderem für Kritik des Imkerverbands an der Regierung; man hätte in der staatlichen Bekämpfung des Insekts „Versäumnisse“ gemacht, hieß es dort.

Asiatische Hornisse in NRW – bisher bestätigte Funde in Köln, Düsseldorf, Duisburg

Die Einwanderung kommt vom Süden und Westen. Das nordöstlichste Vorkommen in NRW, das verifiziert wurde, gibt es bisher in Ibbenbüren. Bestätigte Funde gibt es mittlerweile aber auch in den Städten Köln, Düsseldorf, Duisburg, sowie im Kreis Heinsberg und im Kreis Viersen. Für Imker sind die Asiatischen Hornissen Anlass zur Besorgnis. Christoph Otten vom Fachzentrum Bienen und Imkerei in Mayen (Rheinland-Pfalz) berichtet davon, dass die Bienen ihre Sammelaktivitäten wegen der Asiatischen Hornisse reduzieren.

Asiatische Hornisse – wo sie her- und vorkommt, wie gefährlich sie ist

Wissenschaftlicher Name: Vespa velutina

► Die Verspa velutina stammt aus Südostasien, vor etwa 20 Jahren kam sie nach Europa. Von Südfrankreich aus breitete sie sich schrittweise auch in anderen Regionen aus. Recht starke Vorkommen gibt es in Belgien – dass die Insekten auch nach NRW kommen, war nur eine Frage der Zeit.

► Die Hornissenstiche sind für Nichtallergiker zwar ungefährlich und mit Bienen- oder Wespenstichen vergleichbar, für die hiesigen Bienenbestände könnte die Einwanderung der Insektenart aber Folgen haben. Denn die Asiatische Hornisse - die etwas kleiner und dunkler ist als die Europäische Hornisse - lauert Bienen an ihrem Stock auf und tötet sie im Flug.

► Die Asiatische Hornisse hat ihre Nester häufig in Baumkronen, wo sie von unten schlecht zu sehen und auch schwierig zu bekämpfen sind. Als invasive Art sollen diese Hornissen nach ihrer Sichtung eliminiert werden.

► Aufgrund der Färbung könnte die Asiatische Hornisse unter Umständen auch mit der sogenannten „Schwarzen Hornisse“, die sich in NRW breit macht, verwechselt werden – diese ist allerdings eigentlich eine Biene und ungefährlich

Asiatische Hornisse bedroht Bienen in NRW – „bleiben zum Selbstschutz im Bienenstock“

„Wenn eine Hornisse am Bienenstock lauert, bleiben die Bienen zum Selbstschutz drinnen“, so Otten. Die Bienenvölker werden beeinträchtigt, und es gebe Schäden, die genauen Ausmaße seien aber noch unklar. Es gebe Meldungen aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland, denen zufolge Bienenvölker sehr stark dezimiert worden seien. Otten kann die Sorgen von Imkern daher nachvollziehen. „Das Problem wird sich verschärfen“, sagte Otten. „Wie weit, kann allerdings noch nicht gesagt werden.“

Die Asiatische Hornisse breitet sich immer weiter in NRW aus (Symbolbild).

Asiatische Hornisse an bestimmten Merkmalen gut zu erkennen – „Auszurotten ist sie nicht mehr“

Anhand bestimmter Merkmale ist die Hornisse gut zu erkennen, die Ankunft der asiatischen Hornisse könnte nun gar eine Kettenreaktion auslösen. Deshalb gehe es jetzt darum, einen effektiven und zugleich pragmatischen Umgang mit der invasiven Art zu finden. „Auszurotten ist die Vespa velutina höchstwahrscheinlich nicht mehr bei uns in Deutschland.“ Dennoch sei es wichtig, Sichtungen zu melden, damit die Nester entfernt werden und das Ausmaß des Schadens für die Imkerei und das Ökosystem begrenzt werden könne.

Ich habe eine asiatische Hornisse gesehen – was muss ich tun?

Dafür soll laut Lanuv am besten ein Foto von der Hornisse an das Neobiota-Portal gesendet werden.

Alternativ kann auch eine entsprechende Smartphone-App genutzt werden.

Wer seine Sichtung nicht dem Lanuv direkt melden möchte, kann Sichtungen der Asiatischen Hornisse auch der zuständigen Naturschutzbehörde vor Ort melden.

►Wichtig ist laut Lanuv dabei, den genauen Standort und die Flugrichtung der Tiere zu nennen.

Asiatische Hornisse und weitere Insekten in NRW – Nosferatu-Spinne, Eichenprozessionsspinner und Co.

Erst 2022 sorgte die Nosferatu-Spinne in NRW für Aufsehen. Bei anderen Insekten ist hingegen jedes Jahr aufs Neue Vorsicht geboten: so zum Beispiel bei den Raupen des Eichenprozessionsspinners. Und in Köln wurde im Sommer eine weitere Schmetterlingsart gesichtet, die in Zukunft öfter in NRW auftauchen könnte – sie ist allerdings harmlos. (dpa/mo) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © Wirestock/Imago

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