Kommunalwahl 2025 in Bergkamen

Wer ist Oliver Schröder? Im Garten mit dem Bürgermeister-Kandidaten für Die Linke

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Ganz entspannt: In seinem Kleingarten kann Oliver Schröder wunderbar abschalten.
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In unserer Serie besuchen wir die Bürgermeisterkandidaten für Bergkamen in ihrem Zuhause oder an einem Ort, der sich wie ihr Zuhause anfühlt. Ziel ist es, die Bewerber als Menschen zu ergründen. Wer steckt hinter den Namen, die zur Kommunalwahl am 14. September auf den Wahlzetteln stehen?

Es ist ein kleines Paradies, in das Oliver Schröder abtaucht, so oft es ihm möglich ist. Die Kleingartenanlage Haus Aden liegt im Naturschutzgebiet am Fuß der Halde Großes Holz und ist eingerahmt von üppigem Grün. Zwar führt die Bahnlinie daran vorbei, doch die Züge unterbrechen die herrliche Ruhe kaum. Kein Wunder, dass der Bürgermeisterkandidat der Partei Die Linke dorthin zum Pressegespräch einlädt. Der Artikel soll eine „Homestory“ werden, und zu Hause fühlt sich der 39-Jährige in seinem Garten.

450 Quadratmeter groß ist seine Parzelle, so wie die der anderen Vereinsmitglieder. Schröder nennt sie Gartenfreunde, denn tatsächlich kommen sich die Hobbygärtner über Pflanzensaat, Gemüseernte und gemeinsame Arbeitseinsätze schnell näher. Gemeinschaft – die wird hier gelebt. Die Gartennachbarn kommen aus acht verschiedenen Herkunftsländern. „Jeder bringt etwas von seiner Kultur mit“, schätzt der Kommunalpolitiker die Vielfalt. Überhaupt: „Wer in Bergkamen aufgewachsen ist, ist multikulti aufgewachsen. Das hat schon die Bergbauvergangenheit mit sich gebracht, und das war immer in Ordnung“, so Oliver Schröder. Warum das nun plötzlich ein Problem sein soll, wie es die Rechten gern glauben machen, versteht er nicht.

„Offline“ im Gemüsebeet

Der Garten, das ist Schröders Rückzugsort, wie der Familienvater sagt. Bis vor ein paar Jahren gab es dort kein Internet.„Man war also völlig raus.“ Auch jetzt legt er das Handy beiseite, genießt den „Offline-Modus“. Langweilig wird ihm dabei sicher nicht, schließlich gibt es im Garten immer etwas zu tun. „Unkraut ziehen ist für mich wie Meditation“, erzählt er und lacht. Dabei könne er wunderbar abschalten.

Unkrautzupfen ist wie Meditation, findet der Linken-Politiker. Übertrieben pingelig ist er in seinem Garten damit aber nicht.

Oliver Schröder baut Obst und Gemüse an, Zwiebeln, Tomaten, Kräuter und Beeren etwa. Dazwischen wachsen bunte Blumen. „Ich achte darauf, dass es nur Arten sind, die Insekten Nahrung bieten“, erklärt er. Geschlossene Blüten kommen für ihn daher nicht infrage. Dass sich außerdem andere Tiere den einen oder anderen Leckerbissen aus seinem Garten mopsen, stört ihn nicht. „Wir haben hier viele Rehe, die wissen schon, was ihnen schmeckt“, bemerkt er entspannt.

Tierfreund und Fernsehkoch

Tier- und Naturschutz sind ihm wichtiger als ein perfektes Beet und hohe Ernteerträge, obwohl er das eigene Obst und Gemüse natürlich gerne verwertet. Der Personalreferent der International School of Management (ISM) in Dortmund ernährt sich nämlich rein pflanzlich. Seit 13 Jahren lebt er vegan. „Als Tierfreund Tiere essen, das ging für mich nicht mehr. Und wenn schon ideologische Gründe dahinterstecken, dann auch konsequent.“ Missionieren will er nicht. „Wenn jemand neben mir sein Schnitzel isst, bitte! Hauptsache, es landet nicht auf meinem Teller.“

Dass dort regelmäßig etwas landet, dafür sorge hauptsächlich seine Frau, gibt Schröder zu. „Ich bin mehr der ‚Fernsehkoch‘, der alles klein schneidet. Das mache ich total gerne, meiner Frau bin ich beim Kochen aber zu langsam.“ Deshalb sei sie in der Familie die Hauptköchin. Wenn es um den Garten gehe, dann sei allerdings in erster Linie er gefragt.

Punkrock und Wein auf der Terrasse

Gerade jetzt im Hochsommer ist der Bergkamener fast täglich dort. Die Viereinhalb-Zimmer-Wohnung in Oberaden, in der er mit seiner Familie lebt, liegt zum Glück nur knapp einen Kilometer von der Anlage entfernt. Sie hat zwar eine Dachterrasse, doch die habe ihm irgendwann nicht mehr gereicht. „Mein Opa hatte früher Grabeland. Da habe ich als Kind immer mitgeholfen“, berichtet Schröder, woher seine Liebe zur Gartenarbeit kommt. Seinen eigenen Kindern wollte er zeigen, dass das Gemüse nicht im Supermarktregal wächst. So kam er vor sieben Jahren an die Parzelle.

Ein halbes Jahr später wurde Schröder zum Vorsitzenden des Kleingartenvereins gewählt. Ein andere habe sich nicht gefunden. Zeitaufwendig sei das Ehrenamt schon, räumt der 39-Jährige ein. „Aber wir teilen uns die Arbeit im Vorstand.“ Und einer müsse nun mal den Hut aufhaben und zum Beispiel darauf achten, dass die Vereinssatzung eingehalten wird. Allzu streng ist die nicht, dafür familientauglich „Bei uns darf auch ein Trampolin und ein Pool im Garten stehen.“ In der Anlage sollen sich auch junge Familien mit Kindern wohlfühlen.

Ein kleines Paradies hat Oliver Schröder sich geschaffen. Natürlich steckt auch eine Menge Arbeit dahinter.

Seine eigenen Söhne kommen inzwischen nicht mehr zum Spielen in den Garten, sie sind 25, 16 und 13 Jahre alt. „Wir sind eine Patchwork-Familie“, kennt er den fragenden Blick bei der Altersangabe seines ältesten Sohnes längst. Aus dem „Gröbsten raus“ sind alle drei. Das genießt Oliver Schröder. Der perfekte Sommerabend ist für ihn zum Beispiel einer auf der Dachterrasse oder im Garten, zu zweit mit seiner Frau, einem Glas Wein und Musik aus den 1990er Jahren. Er mag Punkrock, „ehrliche, akustische Musik“, mit elektronischer könne er wenig anfangen.

Geduldig und gut informiert

Das Lesen der umfangreichen Beschlussvorlagen für die Fachausschüsse oder den Rat gehört dagegen wohl kaum zu seinen Lieblingsbeschäftigungen, ist aber unbedingt notwendig, weiß der Ratsherr. „Politik ist nicht einfach. Man muss sich immer gut informieren.“ Und man brauche Geduld. „Das haben Gartenarbeit und Politik gemeinsam.“ Nichts wächst schneller, wenn man daran zieht. Das bedeutet nicht, dass er sich nicht mit voller Kraft für das einsetzt, was ihm für seine Heimatstadt wichtig ist. „Bergkamen ist so viel besser als ihr Ruf“, findet Schröder. Seit 2020 sitzt er für die Linke im Stadtparlament, davor war er als Sachkundiger Bürger in zwei Ausschüssen – für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Kurz geantwortet

Entweder oder Fragen an Oliver Schröder:
Hund oder Katze? Katze
Sommer oder Winter? Team Sommer
Strand oder Berge? Strand
Süß oder salzig? Süß
Bier oder Wein? Bier
Zum Konzert oder ins Stadion? Konzert
Buch oder Film? Film
Facebook oder Instagram? Instagram
Bestellen oder vor Ort kaufen? Vor Ort
Auto oder Fahrrad? Auto
Verbrenner oder E-Auto? Verbrenner
Ein Tag als Millionär oder ein Tag als Präsident? Unter dem Aspekt direkt und konkret Menschenleben mit langfristiger Wirkung zu verbessern: ein Tag Millionär
Freiheit oder Sicherheit? Freiheit
Zeit oder Geld? Zeit

Von Grün nach links? Wie kam es dazu? „Mein politischer Werdegang ist nicht ganz so klassisch“, sagt Schröder. Das fängt damit an, dass er acht Jahre lang bei der Bundeswehr war – nicht unbedingt der typische Arbeitgeber für einen Linken-Politiker. „Für mich war von Anfang an klar, dass die Bundeswehrzeit nur ein Lebensabschnitt ist.“ Danach wollte er sich weiter für die Gesellschaft einbringen, so der Bergkamener. Besonders direkt geht das in der Kommunalpolitik. „Und so bin ich dazu gekommen.“

Von Grün nach links gewechselt

Da ihm die grüne Ideologie am nächsten stand, trat er der Partei Bündnis 90/Die Grünen bei. Der Kurs, den die Grünen nach der Bundestagswahl 2017 eingeschlagen haben, um Teil einer Jamaika-Koalition zu werden, gefiel ihm jedoch nicht. „Sie haben so viel von ihrem Programm über Bord geschmissen, um in die Regierung zu kommen. Da konnte ich nicht mehr mitgehen.“ Schon immer eher linksorientiert, sei der Schritt in die Links-Partei für ihn daher nur logisch gewesen.

Dass er nichtsdestotrotz weiter an Themen wie Klima- und Umweltschutz festhält, ist für den Familienvater kein Widerspruch. Umweltpolitik muss aber sozialverträglich gestaltet, die Menschen beim Klimaschutz mitgenommen werden. Wie schön der sein kann, lässt sich beim Blick auf Schröders Oase schnell feststellen, denn so ein Kleingarten leistet auch seinen Anteil.

Kommunalwahl 2025 in Bergkamen: Diese Kandidaten möchten Bürgermeister werden

Insgesamt sechs Kandidaten gibt es für das Bürgermeisteramt von Bergkamen:

Sie alle können bei der Kommunalwahl am 14. September gewählt werden. Sollte es im Kreis Unna zur Stichwahl kommen, ist diese am 28. September.

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