VonMichael Knippenkötterschließen
Die Zukunft der Innenstädte ist ein heißes Thema – auch in Hamm. Aber was funktioniert gut? Und was bereitet den lokalen Akteuren Kopfzerbrechen? Eine Umfrage.
Hamm – Wie gern verbringen Sie eigentlich Zeit in der Hammer Innenstadt? Wie häufig verabreden Sie sich mit Freunden auf ein Mittagessen, einen Kaffee, vielleicht ein Bierchen am Abend? Die Attraktivität von Innenstädten ist in den vergangenen Jahren immer wieder Thema gewesen. Auch in Hamm wird diskutiert, ob auch hier „früher alles besser war“, wie der Volksmund oft behauptet, oder ob das Angebot – insbesondere kulinarisch – derzeit so vielfältig ist wie eigentlich nie.
Umfrage unter City-Akteuren: Wo liegen die Probleme in der Hammer Innenstadt?
Mit Frühlingsbeginn, wo naturgemäß wieder mehr Leben einzieht zwischen Hauptbahnhof und Musikschule, wollen Michael Knippenkötter und Jakob Tröster von wa.de gemeinsam mit Ute Hien und Rainer Wilkes von Radio Lippewelle den Blick auf die Hammer Fußgängerzone richten. Dafür haben Sie bei den City-Protagonisten und bei Bürgern nachgefragt. Bis einschließlich Sonntag, 30. März, schauen wir in unserer Berichterstattung täglich auf eine neue Frage.
Die Frage heute: Wo liegen die Probleme, was läuft nicht gut?
Markus Haas (Allee-Center): „Besuchsgründe fehlen“
„Ich habe das Gefühl, dass deutlich weniger Menschen in der City sind, weil Besuchsgründe fehlen, weil manche Dinge einfach nicht mehr da sind, die in der Vergangenheit mal da waren. Nehmen wir das Beispiel Kaufhof-Schließung. Ich glaube, da hätte man schon früher reagieren müssen, hätte sich die Stadt etwas schneller bemühen müssen, in irgendeiner Form anderweitig zu vermieten, sodass da auch wieder eine Einzelhandelsdestination entstanden wäre. Ob es ein Primark gewesen wäre, der zu der Zeit noch sehr expansiv war, oder auch ein TK Maxx, den wir jetzt hier im Allee-Center haben – sowas hätte sicherlich noch mal mehr Besuchsgründe geschaffen.“
Das sagen die Hammer über ihre City: „Muss deutlich mehr passieren“




Frederick Müller (Altes Brauhaus Henin): „Zehnte Barbershop oder das fünfzehnte Nagelstudio“
„Sicherheit, Sauberkeit und ein System, das gegen die Leerstände hilft, dass diese nicht ausufern und dass die Nachnutzung von Leerständen nicht durch Gewerbetreibende geschieht, die nicht weiter zur Attraktivitätssteigerung beitragen. Man kann es häufig nachlesen, wie Bürgerinnen und Bürger darauf reagieren, wenn der zehnte Barbershop oder das fünfzehnte Nagelstudio aufmachen: All das sind Gewerbe, die eben nicht zur Attraktivitätssteigerung der Innenstadt beitragen, und da müssen wir gegen ankämpfen.“
Das große Meinungsbild
Frage vom Freitag: Wie hat sich aus Ihrer Sicht die Innenstadt in den vergangenen Jahren entwickelt?
Karsten Plaß (Pirates und Anker & Herz): „Bettel-Szene ist teilweise sehr problematisch“
„Zum einen ist es sicherlich fehlende Kaufkraft. Und zum anderen sehr viel, wie soll ich das sagen, ‚Gesindel‘, was sich so rumtreibt. Einbrüche, Autoaufbrüche, diese ganze Bettel-Szene, die ist teilweise sehr problematisch, weil es halt auch teilweise sehr frech wird. Das sind so die offensichtlichen Probleme. Es gibt sicherlich noch viel mehr und insgesamt ist das schon sehr vielschichtig. Aber mit meinem Blick hier auf die zentrale Innenstadt muss ich sagen, zumindest vor meiner eigenen Haustür, ist es in den letzten Monaten, auch durch Kontrollen und Überwachungen, durchaus besser geworden.“
Andreas Müller (Cineplex): „Da gibt es ganz viele Faktoren“
„Das ist ein weites Feld. Wir haben irgendwann unsere Einkaufsgewohnheiten geändert, wir haben den Bevölkerungswandel, wir haben verschiedene Einflüsse von außen, von Politik und Wirtschaft. Nehmen wir die wirtschaftliche Lage: Es gibt gerade viele Nachrichten von Entlassungen und sowas, das ist natürlich alles etwas, was sich auch in einer Stadt bemerkbar macht und sich in der Attraktivität niederschlägt.
Da gibt es ganz viele Faktoren, die man sicherlich berücksichtigen muss. Das kann man wahrscheinlich am Ende des Tages auch nur mit einem großen gemeinschaftlichen Kraftakt verändern. Aber ich glaube, eine Stadt wie Hamm hat sicherlich Möglichkeiten und Wege, das auch langfristig in den Griff zu kriegen.“
Sezen Bozdogan (Extrablatt, Sissi & Franz, R-Café): „Stühle nach unseren Mitarbeiter geworfen“
„Es ist überhaupt nicht gut, dass es sich immer mehr verschärft. Gebettelt wurde immer schon, nun wird es aggressiver, sowohl verbal als auch körperlich. Es wurden auch schon Gläser und Stühle nach unseren Mitarbeitern geworfen. Da fühlen wir uns etwas alleingelassen.“
Was halten Sie von der City?
Wir freuen uns auch über Ihre Meinung: Was denken Sie in Bezug auf die Attraktivität der Hammer Innenstadt? Schreiben Sie uns gerne an lokales-hamm@wa.de.
Johanna Lichtblau (Café im Klosterdrubbel): „Ich wäre für mehr Sicherheitsmaßnahmen“
„Ich wäre für mehr Sicherheitsmaßnahmen, gerade in den hinteren Bereichen der Stadt, die ja trotzdem zur City gehören. Da wird zum Beispiel keine Patrouille von der Polizei gemacht. Unser Café ist ja recht am Rande und wir kriegen hier davon nichts mit. Als Nächstes müssen definitiv mehr Läden zurückkommen. Das würde die Attraktivität auf jeden Fall steigern, wenn man diese zwei Probleme gelöst oder zumindest besser in den Griff bekommt.“
Frank Jäschke (Enge Weste): „Frauen, die sich abends kaum allein nach Hause trauen“
„Da ist zum einen das Thema Sicherheit. Vor meiner Kneipe ist es kein großes Problem, aber vor allem deswegen, weil ich mich persönlich darum kümmere. Wir kooperieren mit einem lokalen Taxiunternehmen – die holen unsere Gäste direkt vor dem Laden ab. Das ist gerade für Frauen wichtig, die sich abends kaum allein nach Hause trauen. Regelmäßig sagen weibliche Gäste mir: ‚Hier fühl’ ich mich wohl und sicher.‘
Auch die steigenden Preise spielen aus meiner Sicht eine Rolle. Die Kaufkraft vieler hier in Hamm ist halt einfach nicht so hoch. Dann hat die Corona-Pandemie das Online-Shopping groß gemacht und seitdem haben sich die meisten daran gewöhnt. Es ist auch einfach bequemer – ein paar Klicks und die Bestellung ist teilweise am nächsten Tag da. Ich versuche so gut es geht lokal zu kaufen, aber das wird eben immer schwieriger.“
Klaus Osiewacz (Westend): „Wirklich was ändern, tut sich am Ende doch nicht“
„Klar hat sich was verändert hier in der City. Drogenabhängige in der Innenstadt, Müll in der Innenstadt, keine grüne Innenstadt: es sind viele Dinge, die nicht so richtig laufen, wo die Stadtobersten auch mal ansetzen müssen. Wir sitzen da immer in Diskussionsrunden und reden und reden und alle gehen da mit einem guten Gefühl raus. Aber wirklich was ändern tut sich am Ende dann doch nicht.“
Rubriklistenbild: © Robert Szkudlarek









