82 Todesopfer innerhalb weniger Wochen. In den USA folgt aktuell ein Flugzeug-Unglück auf das andere. Daten zeigen jedoch: Es ist ein weltweites Phänomen.
Frankfurt – Ist Fliegen unsicherer geworden? In den vergangenen Monaten häufen sich die Unfälle mit Flugzeugen weltweit. Bei IPPEN.MEDIA ordnet der Berufsverband Vereinigung Cockpit e. V. die aktuelle Entwicklung ein.
Tödliche Flugzeug-Unglücke seit 2024: USA erlebt ganze Reihe fataler Abstürze
Zahl der Flugzeug-Unfälle steigt – „2024 ein überdurchschnittlich schlechtes Jahr“
Ein Medien-Phänomen oder ereignen sich wirklich mehr Flugunfälle als sonst? „Grundsätzlich stimmt das“, schreibt die Vereinigung Cockpit. „Gemessen an den Kriterien der International Air Transport Association (IATA) gab es sowohl qualitativ als auch quantitativ im Jahr 2024 einen Anstieg um 10 Prozent (im Vergleich zu 2023).“
Das heißt: Flugzeug-Unfälle haben 2024 in der Gesamtzahl zugenommen und sind durchschnittlich tödlicher ausgegangen als im Vorjahr. Die schwerwiegenden Vorfälle 2025 sind hier noch nicht einmal eingerechnet.
Nimmt die Flugsicherheit global ab? Auch hier stimmt die Vereinigung Cockpit grundsätzlich zu. Betont allerdings: „Es ist festzuhalten, dass 2024 ein überdurchschnittlich schlechtes Jahr für die zivile kommerzielle Flugsicherheit war. Denn langfristig ist festzuhalten, dass das Sicherheitsniveau beständig steigt.“
2025 bereits 82 Todesopfer bei Flugzeug-Unglücken in den USA
Das zeigen auch die Daten der IATA. Die Zahl der Unfälle pro Millionen Flüge sank von 3,72 im Jahr 2005 auf 1,09 im Jahr 2023. Ein vollständiger Datensatz für 2024 ist momentan noch nicht vorhanden, der Safety Report wird Ende Februar, Anfang März erwartet.
2025 droht allerdings schon jetzt ebenfalls überdurchschnittlich schlecht zu verlaufen. In Washington, Philadelphia, Alaska und Scottsdale starben insgesamt 82 Menschen. Zum Vergleich: Laut IATA-Zahlen verunglückten 2023 insgesamt 72 Menschen bei Flugzeug-Unfällen tödlich.
Flugsicherung in der Krise: Vereinigung Cockpit spricht über „bekanntes Problem“ in den USA
Die Behauptung von US-Präsident Donald Trump, der Diversitäts-Kurs der Flugaufsichtsbehörde FAA habe der Qualität der Flugsicherung in den USA geschadet, lässt sich anhand der Zahlen nicht erkennen. Belege dafür fehlen komplett. Zumal die USA mit bekannten Schwierigkeiten im Luftverkehr kämpfen.
„Der Mangel an Fluglotsen in allen Bereichen der amerikanischen Flugsicherung ist seit Jahren ein bekanntes Problem“, so der deutsche Berufsverband. „Darüber hinaus gibt es in den USA Verfahren zur Flugzeugsteuerung, die in anderen Teilen der Welt nicht angewendet werden.“ Ob das oder andere Flugsicherungsaspekte beim Unglück in Washington eine Rolle gespielt haben, ist aktuell allerdings unklar. Grundsätzlich gilt die hohe Auslastung des US-amerikanischen Luftraums als große Herausforderung.
Flug-Aufkommen nimmt auch in Europa zu – „Deutschland bildet dabei jedoch leider eine Ausnahme“
Und wie steht es um die Flugsicherheit in Europa? Auch hier nimmt das Verkehrsaufkommen zu. „In den meisten europäischen Ländern ist das Vor-Corona-Niveau wieder erreicht oder liegt darüber. Deutschland bildet dabei jedoch leider eine Ausnahme“, heißt es von der Vereinigung Cockpit. Die Flight-Safety-Abteilung arbeite beständig an Verfahren, die eine Steigerung der Kapazität bei gleichzeitiger Steigerung des Sicherheitsniveaus ermöglichen.
Welche Ursachen die ausschlaggebende Rolle beim weltweiten Anstieg der Flugzeug-Unfälle gespielt haben, lässt sich pauschal nicht sagen. Die Vereinigung Cockpit betont: „Auf einzelne Faktoren lässt sich so ein komplexes System wie die Zivilluftfahrt nicht herunterbrechen.“ Die Unfallursache sei in den allermeisten Fällen eine Verkettung mehrerer Umstände. (moe)