„Überdurchschnittlich schlechtes Jahr“

Fliegen nicht mehr sicher? Fatale Flugzeug-Unglücke häufen sich – Experten sehen düstere Tendenz

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Washington, Aqtau (Kasachstan), Philadelphia: Weltweit liegt die Zahl der Flugzeug-Unfälle seit 2024 über dem Durchschnitt.
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82 Todesopfer innerhalb weniger Wochen. In den USA folgt aktuell ein Flugzeug-Unglück auf das andere. Daten zeigen jedoch: Es ist ein weltweites Phänomen.

Frankfurt – Ist Fliegen unsicherer geworden? In den vergangenen Monaten häufen sich die Unfälle mit Flugzeugen weltweit. Bei IPPEN.MEDIA ordnet der Berufsverband Vereinigung Cockpit e. V. die aktuelle Entwicklung ein.

Tödliche Flugzeug-Unglücke seit 2024: USA erlebt ganze Reihe fataler Abstürze

Zu Jahresbeginn 2025 ereigneten sich innerhalb weniger Wochen gleich mehrere tödliche Flug-Vorfälle mit US-amerikanischer Beteiligung. 64 Menschen starben am 29. Januar beim Zusammenstoß eines Militär-Helikopters mit einer Passagiermaschine in Washington, nur zwei Tage später stürzte ein Learjet in Philadelphia ab. Am 6. Februar verunglückte eine Maschine mit zehn Personen in Alaska und am 11. Februar krachte der Privatjet eines US-Musikers in Scottsdale in ein geparktes Flugzeug.

Bilder zeigen Moment des Flugzeug-Unglücks in Washington – Weltmeister-Duo stirbt

Aufnahmen zeigen die Momente vor der Kollision des Helikopters mit dem Passagierflugzeug in Washington: Der Hubschrauber fliegt geradewegs in Richtung des Flugzeuges, bis er mit diesem zusammenkracht.
Aufnahmen zeigen die Momente vor der Kollision des Helikopters mit dem Passagierflugzeug in Washington: Der Hubschrauber fliegt geradewegs in Richtung des Flugzeuges, bis er mit diesem zusammenkracht. © Eli Zusman/X/Screenshot
Mitarbeiter des Amerikanischen Roten Kreuzes treffen am Ronald Reagan Washington National Airport ein, um bei der Rettung nach dem Flugezugabsturz zu helfen.
Mitarbeiter des Amerikanischen Roten Kreuzes treffen am Ronald Reagan Washington National Airport ein, um bei der Rettung nach dem Flugezugabsturz zu helfen. © Julio Cortez/dpa
Videos auf X zeigen, wie der Hubschrauber in das Flugzeug kracht und dieses in Flammen aufgeht.
Videos auf X zeigen, wie der Hubschrauber in das Flugzeug kracht und dieses in Flammen aufgeht. © Eli Zusman/X/Screenshot
Ein Boot arbeitet nach dem Crash auf dem Potomac River. Der Fluss gleiche aktuell einem „großen schwarzen Fleck“, erklärt Feuerwehrchef John Donnelly.
Ein Boot arbeitet nach dem Crash auf dem Potomac River. Der Fluss gleiche aktuell einem „großen schwarzen Fleck“, erklärt Feuerwehrchef John Donnelly. © Alex Brandon/dpa
Zahlreiche Boote sind am frühen Morgen an den Such- und Rettungsmaßnahmen auf dem Potomac River im Einsatz.
Zahlreiche Boote sind am frühen Morgen an den Such- und Rettungsmaßnahmen auf dem Potomac River im Einsatz. © Mark Schiefelbein/picture alliance/dpa
Wenige Stunden später dann die dramatische Nachricht von Feuerwehrchef John Donnelly: Die Rettungsaktion ging zu einer reinen Bergungsaktion über – das heißt, dass keine Überlebenden erwartet werden.
Wenige Stunden später dann die dramatische Nachricht von Feuerwehrchef John Donnelly: Die Rettungsaktion ging zu einer reinen Bergungsaktion über – das heißt, dass keine Überlebenden erwartet werden. © Mark Schiefelbein/picture alliance/dpa/AP
Der Ronald Reagan Washington National Airport wurde nach dem Absturz der Passagiermaschine gesperrt. „Alle Starts und Landungen wurden am DCA gestoppt“, teilte der Flughafen auf der Plattform X mit.
Der Ronald Reagan Washington National Airport wurde nach dem Absturz der Passagiermaschine gesperrt. „Alle Starts und Landungen wurden am DCA gestoppt“, teilte der Flughafen auf der Plattform X mit. © Bonnie Cash/imago
Auch ein Hubschrauber ist nach dem schweren Crash in Washington im Einsatz. Mit einem Scheinwerfer sucht er den Potomac River in der Nähe des Ronald Reagan Washington National Airport ab.
Auch ein Hubschrauber ist nach dem schweren Crash in Washington im Einsatz. Mit einem Scheinwerfer sucht er den Potomac River in der Nähe des Ronald Reagan Washington National Airport ab. © Alex Brandon/dpa
Rettungskräfte arbeiten auf dem Potomac River in der Nähe des Ronald Reagan Washington National Airport. Es wird von zahlreichen Toten ausgegangen.
Rettungskräfte arbeiten auf dem Potomac River in der Nähe des Ronald Reagan Washington National Airport. Es wird von zahlreichen Toten ausgegangen. © Julio Cortez/dpa
Ein Mitglied des National Transportation Safety Board (NTSB) bewacht eine Tür des Ronald Reagan Washington National Airport, nachdem dieser wegen des Unglücks gesperrt werden musste.
Ein Mitglied des National Transportation Safety Board (NTSB) bewacht eine Tür des Ronald Reagan Washington National Airport, nachdem dieser wegen des Unglücks gesperrt werden musste. © Julio Cortez/dpa
Medienberichten zufolge haben Einsatzkräfte bereits mehrere Leichen aus dem Fluss geborgen.
Medienberichten zufolge haben Einsatzkräfte bereits mehrere Leichen aus dem Fluss geborgen. © Alex Brandon/dpa
Evgenia Shishkova und Vadim Naumow sind beim Flugzeugunglück in Washington gestorben.
Evgenia Shishkova und Vadim Naumow sind beim Flugzeugunglück in Washington vermutlich unter den Opfern.  © Imago/Montage
Flugzeugabsturz über US-Hauptstadt Washington
Nach dem Flugzeugunglück in Washington haben die Rettungskräfte keine Hoffnung mehr, noch Überlebende zu finden. © Hu Yousong/XinHua/dpa
USA, Arlington: Ein Hubschrauber der US-Park Police überfliegt den Potomac River in der Nähe des Ronald Reagan Washington National Airport.
USA, Arlington: Ein Hubschrauber der US-Park Police überfliegt den Potomac River in der Nähe des Ronald Reagan Washington National Airport.  © Carolyn Kaster/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Nach dem tödlichen Flugzeugunglück in der US-Hauptstadt Washington soll der Flughafen noch heute wieder öffnen. „Es ist sicher“, sagte Jack Potter von der Flughafenbehörde der Metropolregion Washington. Die Bergungsarbeiten, die auf dem Gelände durchgeführt würden, fänden im Wasser statt. Daher werde der Flugverkehr am Vormittag um 11.00 Uhr (Ortszeit) wieder aufgenommen.
Nach dem tödlichen Flugzeugunglück in der US-Hauptstadt Washington soll der Flughafen noch heute wieder öffnen. „Es ist sicher“, sagte Jack Potter von der Flughafenbehörde der Metropolregion Washington. Die Bergungsarbeiten, die auf dem Gelände durchgeführt würden, fänden im Wasser statt. Daher werde der Flugverkehr am Vormittag um 11.00 Uhr (Ortszeit) wieder aufgenommen.  © ANDREW CABALLERO-REYNOLDS / AFP
Flugzeugabsturz über US-Hauptstadt Washington
Nach Angaben von US-Verkehrsminister Sean Duffy gab es vor dem Flugzeugabsturz in Washington keine Abweichung von Standardprozedere im Flugverkehr rund um den Airport. © Mark Schiefelbein/AP/dpa
American-Airlines CEO Robert Isom bei einer Pressekonferenz in Washington: In einer Videoerklärung sprach er den Angehörigen den Opfer bereits zuvor sein „tiefstes Mitgefühl“ aus.
American-Airlines CEO Robert Isom bei einer Pressekonferenz in Washington: In einer Videoerklärung sprach er den Angehörigen den Opfer bereits zuvor sein „tiefstes Mitgefühl“ aus. © Mark Schiefelbein/picture alliance/dpa/AP
Ein tragisches Bild, das wohl in die Luftfahrtgeschichte der USA eingehen wird: Das Wrack des abgestürzten Flugzeugs vor dem Kapitol in Washington.
Ein tragisches Bild, das wohl in die Luftfahrtgeschichte der USA eingehen wird: Das Wrack des abgestürzten Flugzeugs vor dem Kapitol in Washington. © Carolyn Kaster/picture alliance/dpa/AP
Passierte in diesem Tower des Reagan National Airport die fatale Panne?
Passierte in diesem Tower des Reagan National Airport die fatale Panne? Neue US-Berichte legen einen Fehler bei den Fluglotsen nahe. © Oliver Contreras / AFP
Auf diesem von der US-Küstenwache zur Verfügung gestellten Bild sind Wrackteile im Potomac River in der Nähe des Ronald Reagan Washington National Airport zu sehen.
Auf diesem von der US-Küstenwache zur Verfügung gestellten Bild sind Wrackteile im Potomac River in der Nähe des Ronald Reagan Washington National Airport zu sehen. © Petty Officer 2nd Class Taylor B/U.S. Coast Guard/AP/dpa
Nach dem Flugzeugabsturz in Washington laufen die Bergungsarbeiten weiter. Noch immer sind nicht alle Leichen geborgen.
Nach dem Flugzeugabsturz in Washington laufen die Bergungsarbeiten auch am 1. Februar weiter. Noch immer sind nicht alle Leichen geborgen. © Alex Brandon//dpa
Flugzeugabsturz über US-Hauptstadt Washington
Die US-Luftfahrtbehörde nimmt die Hubschrauberrouten in Washington ins Visier. Ermittler haben nun Unstimmigkeiten bei den Angaben zur Flughöhe der beteiligten Maschinen entdeckt. Die Unfallermittlungsbehörde NTSB erklärte, dass laut Flugschreiberdaten die Passagiermaschine beim Zusammenprall eine Höhe von 325 Fuß, also etwa 99 Metern, erreicht habe, mit einer möglichen Abweichung von 25 Fuß, also 7,6 Metern. Daten aus dem Kontrollturm zeigten hingegen, dass der Militärhubschrauber sich auf einer Höhe von 200 Fuß, etwa 61 Metern, befunden habe. Wie es zu dieser Diskrepanz bei den Flughöhenangaben gekommen sei, sei bisher unklar.  © Petty Officer 1st Class Brandon/U.S. Coast Guard/AP/dpa
Jo Ellis ist nicht tot und war nicht am Steuer des Helikopters, der über dem Potomac River mit einem Flugzeug kollidierte.
Jo Ellis ist nicht tot und war nicht am Steuer des Helikopters, der über dem Potomac River mit einem Flugzeug kollidierte. Die Trans-Pilotin wurde fälschlicherweise für den Absturz in Washington verantwortlich gemacht. Nun äußert sich die angeblich tote Soldatin in einem Video. © Screenshot/ZUMA Press Wire/Imago
DC AA Flight 5342 Army Helicopter Crash: 67 Dead washington dc absturz
Ein Flugzeug startet, dahinter zu sehen die Absturzstelle eines American-Airlines-Flugzeugs und eines Black-Hawk-Hubschraubers der US-Armee, die am 30. Januar 2025 in Washington zusammenstießen.  © IMAGO/Carol Guzy / ZUMA Press Wire

Außerhalb der USA erregten zwei Zwischenfälle in Südkorea (28. Januar 2025 und 29. Dezember 2024) große Aufmerksamkeit. Außerdem der mutmaßliche Abschuss der aserbaidschanischen Passagiermaschine Embrear 190AR über Kasachstan (25. Dezember 2024) sowie der Absturz eines DHL-Frachtflugzeugs in Litauen (25. November 2024).

Zahl der Flugzeug-Unfälle steigt – „2024 ein überdurchschnittlich schlechtes Jahr“

Ein Medien-Phänomen oder ereignen sich wirklich mehr Flugunfälle als sonst? „Grundsätzlich stimmt das“, schreibt die Vereinigung Cockpit. „Gemessen an den Kriterien der International Air Transport Association (IATA) gab es sowohl qualitativ als auch quantitativ im Jahr 2024 einen Anstieg um 10 Prozent (im Vergleich zu 2023).“

Das heißt: Flugzeug-Unfälle haben 2024 in der Gesamtzahl zugenommen und sind durchschnittlich tödlicher ausgegangen als im Vorjahr. Die schwerwiegenden Vorfälle 2025 sind hier noch nicht einmal eingerechnet.

Nimmt die Flugsicherheit global ab? Auch hier stimmt die Vereinigung Cockpit grundsätzlich zu. Betont allerdings: „Es ist festzuhalten, dass 2024 ein überdurchschnittlich schlechtes Jahr für die zivile kommerzielle Flugsicherheit war. Denn langfristig ist festzuhalten, dass das Sicherheitsniveau beständig steigt.“

2025 bereits 82 Todesopfer bei Flugzeug-Unglücken in den USA

Das zeigen auch die Daten der IATA. Die Zahl der Unfälle pro Millionen Flüge sank von 3,72 im Jahr 2005 auf 1,09 im Jahr 2023. Ein vollständiger Datensatz für 2024 ist momentan noch nicht vorhanden, der Safety Report wird Ende Februar, Anfang März erwartet.

2025 droht allerdings schon jetzt ebenfalls überdurchschnittlich schlecht zu verlaufen. In Washington, Philadelphia, Alaska und Scottsdale starben insgesamt 82 Menschen. Zum Vergleich: Laut IATA-Zahlen verunglückten 2023 insgesamt 72 Menschen bei Flugzeug-Unfällen tödlich.

Flugsicherung in der Krise: Vereinigung Cockpit spricht über „bekanntes Problem“ in den USA

Die Behauptung von US-Präsident Donald Trump, der Diversitäts-Kurs der Flugaufsichtsbehörde FAA habe der Qualität der Flugsicherung in den USA geschadet, lässt sich anhand der Zahlen nicht erkennen. Belege dafür fehlen komplett. Zumal die USA mit bekannten Schwierigkeiten im Luftverkehr kämpfen.

„Der Mangel an Fluglotsen in allen Bereichen der amerikanischen Flugsicherung ist seit Jahren ein bekanntes Problem“, so der deutsche Berufsverband. „Darüber hinaus gibt es in den USA Verfahren zur Flugzeugsteuerung, die in anderen Teilen der Welt nicht angewendet werden.“ Ob das oder andere Flugsicherungsaspekte beim Unglück in Washington eine Rolle gespielt haben, ist aktuell allerdings unklar. Grundsätzlich gilt die hohe Auslastung des US-amerikanischen Luftraums als große Herausforderung.

Flug-Aufkommen nimmt auch in Europa zu – „Deutschland bildet dabei jedoch leider eine Ausnahme“

Und wie steht es um die Flugsicherheit in Europa? Auch hier nimmt das Verkehrsaufkommen zu. „In den meisten europäischen Ländern ist das Vor-Corona-Niveau wieder erreicht oder liegt darüber. Deutschland bildet dabei jedoch leider eine Ausnahme“, heißt es von der Vereinigung Cockpit. Die Flight-Safety-Abteilung arbeite beständig an Verfahren, die eine Steigerung der Kapazität bei gleichzeitiger Steigerung des Sicherheitsniveaus ermöglichen.

Welche Ursachen die ausschlaggebende Rolle beim weltweiten Anstieg der Flugzeug-Unfälle gespielt haben, lässt sich pauschal nicht sagen. Die Vereinigung Cockpit betont: „Auf einzelne Faktoren lässt sich so ein komplexes System wie die Zivilluftfahrt nicht herunterbrechen.“ Die Unfallursache sei in den allermeisten Fällen eine Verkettung mehrerer Umstände. (moe)

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