Kurzes Hoch, dann wieder Wende

„Prognosen haben es in sich“: Nächste Vb-Lage kommt auf Deutschland zu – Wetter vor Totalausfall

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Das Wetter in Deutschland macht, was es will. Und lockt in den nächsten Tage mit Sonne, nur um dann wieder komplett abzustürzen.

Frankfurt – Wenn man den aktuellen Prognosen Glauben schenkt, mag der Sommer dieses Jahr einfach nicht kommen. Schon zum Start in das Wochenende rauschten Unwetter-Zellen über Deutschland. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) prognostizierte bis in den Freitagabend hinein eine erhöhte Unwettergefahr. Laut Meteorologe Kai Zorn bleibt es bis Juli weiter wechselhaft. Im gleichen Zuge warnt er vor einer möglichen Vb-Lage, die bereits Ende Mai hierzulande Hochwasser verursacht hat.

Vb-Lage könnte „sehr gefährlich“ werden: Durch Unwetter droht Deutschland erneut Hochwasser

„So kurios das auch klingen mag, wir stehen mit der nächsten Woche eigentlich vor dem schönsten und wärmsten Sommerblock des gesamten Sommerhalbjahres bisher“, leitet Zorn seine Prognose ein. „Danach schließt sich dieses Fenster wieder und es geht wechselhafter und kühler weiter.“ Grund dafür ist ein Tief, das erst „seine Kreise über Italien dreht“ und dann Richtung Mitteleuropa zieht. „Dann haben wir ruckzuck eine Vb-Wetterlage“, erklärt er in seinem YouTube-Video.

Was ist eine Vb-Wetterlage?

Eine Vb-Wetterlage (gesprochen: Fünf-B-Wetterlage) ist eine spezielle Großwetterlage, bei der ein Tiefdruckgebiet von Italien über die Alpen nach Norden zieht. Diese bringt oft intensive Niederschläge, besonders in den östlichen Teilen Deutschlands und in Mitteleuropa. Das Tiefdruckgebiet führt dabei feuchte Luftmassen mit sich, die zu starken Regenfällen führen können. Solche Wetterlagen sind bekannt für ihre potenzielle Hochwassergefahr.

Quelle: Deutscher Wetterdienst

Abgebildet wird die Vb-Lage vom deutschen Wettermodell „Icon“. Zorn weist darauf hin, dass es sich dabei lediglich um Berechnungen handle, die es aber in sich haben und „sehr gefährlich“ wären. Im Fall der Fälle wurde nächste Woche Samstag (29. Juni) in Franken, Baden-Württemberg sowie in der Pfalz zum Teil „deutlich über 100 Liter Regen pro Quadratmeter“ fallen, prognostiziert der Meteorologe und mahnt zur Skepsis: „Wir müssen im Konjunktiv bleiben.“

Wechselhaftes Wetter in Deutschland hält an: „Prognosen haben es in sich“

Alles in einem seien die „Aussichten zwischen mau und unter aller Kanone“, erklärt Zorn und verleiht seinem Video entsprechende Überschrift. Denn zum Wochenstart wird es zwar wieder trocken und schön, aber ab Mittwoch soll es wieder bergab gehen.

Ähnlich sieht es der Meteorologe Dominik Jung von wetter.net voraus: „Die beiden Prognosen haben es in sich“, sagt er mit Blick auf CMS- und das ECMF-Modell. Das Hoch bringe ab Sonntag (23. Juni) vermehrt sonniges und trockenes Wetter, aber „der Sommer kommt wahrscheinlich nicht so richtig auf Touren“.

Überflutungen, Erdrutsche, kaputte Häuser: Unwetter verwüsten Alpenraum – Bilder zeigen Ausmaß

Seit Donnerstag (22. Juni) zieht eine Regen- und Gewitterfront über den Alpenraum. Zudem sind die Böden wegen der Schneeschmelze mit Wasser gesättigt. Das führte zu starken Überflutungen und Erdrutschen.
Seit Donnerstag (22. Juni) zieht eine Regen- und Gewitterfront über den Alpenraum. Zudem sind die Böden wegen der Schneeschmelze mit Wasser gesättigt. Das führte zu starken Überflutungen und Erdrutschen. © Kanton Wallis
Der Pegel der Rhône erreichte am Freitag (21. Juli) seinen Höchststand. Das Wallis war von den Alpen-Unwettern am stärksten betroffen. Vor allem der bekannte Ferienort Zermatt.
Der Pegel der Rhône erreichte am Freitag (21. Juli) seinen Höchststand. Das Wallis war von den Alpen-Unwettern am stärksten betroffen. Vor allem der bekannte Ferienort Zermatt. © Kanton Wallis
Zermatt in Trümmern: „Hunderte Häuser wurde praktisch zerstört“, schreibt ein Twitter-User. Laut Zivilschutz mussten im Wallis rund 230 Menschen ihr Häuser verlassen.
Zermatt in Trümmern: „Hunderte Häuser wurde praktisch zerstört“, schreibt ein Twitter-User. Laut Zivilschutz mussten im Wallis rund 230 Menschen ihr Häuser verlassen. © Screenshot/X
Dramatische Szenen mitten in Zermatt. Im Ortskern der Schweizer Gemeinde entwickelte sich die Mattervispa zur reißenden Flut. Mit einem Bagger versuchen Einsatzkräfte, den Schaden zu begrenzen.
Dramatische Szenen mitten in Zermatt. Im Ortskern der Schweizer Gemeinde entwickelte sich die Mattervispa zur reißenden Flut. Mit einem Bagger versuchen Einsatzkräfte, den Schaden zu begrenzen. © Screenshot/X
Braune Flut im Ferienort. Die Mattervispa überschwemmte Straßen und Fußgängerwege in Zermatt. Einsatzkräfte hatten alle Hände voll zu tun, die Wassermassen in Grenzen zu halten.
Braune Flut im Ferienort. Die Mattervispa überschwemmte Straßen und Fußgängerwege in Zermatt. Einsatzkräfte hatten alle Hände voll zu tun, die Wassermassen in Grenzen zu halten. © Screenshot/X
Bei Gewitter und Starkregen traten Flüsse im Wallis über die Ufer und richteten Zerstörung an. Hier hängt ein Auto in Zermatt gerade noch so an der in Teilen weggebrochenen Straßen.
Bei Gewitter und Starkregen traten Flüsse im Wallis über die Ufer und richteten Zerstörung an. Hier hängt ein Auto in Zermatt gerade noch so an der in Teilen weggebrochenen Straßen. © Screenshot/X
Mit provisorischen Sperren und Sandsäcken stoppte die Kantonsverwaltungen die Fluten im Wallis etwas. Dennoch kam es zu großen Schäden. Und im Bündner Südtal Misoux sogar zu vier Vermissten.
Mit provisorischen Sperren und Sandsäcken stoppte die Kantonsverwaltungen die Fluten im Wallis etwas. Dennoch kam es zu großen Schäden. Und im Bündner Südtal Misoux sogar zu vier Vermissten. © Screenshot/X
Auch in Südtirol richteten die Unwetter große Schäden an. Der Landesfeuerwehrverband berichtet von über 200 Einsätzen in der Nacht auf Samstag (22. Juni).
Auch in Südtirol richteten die Unwetter große Schäden an. Der Landesfeuerwehrverband berichtet von über 200 Einsätzen in der Nacht auf Samstag (22. Juni).  © Landesfeuerwehrverband Südtirol
Dauereinsatz für die Feuerwehr in Südtirol. Bäume wurden entwurzelt, Äste auf die Straßen geschleudert und etliche Verkehrswege musste befreit werden.
Dauereinsatz für die Feuerwehr in Südtirol. Bäume wurden entwurzelt, Äste auf die Straßen geschleudert und etliche Verkehrswege musste befreit werden. © Landesfeuerwehrverband Südtirol
Die Alpen-Unwetter zerrissen in Südtirol auch ganze Häuser, deckten Dächer ab und überfluteten Keller. Dazu ging teils großer Hagel nieder.
Die Alpen-Unwetter zerrissen in Südtirol auch ganze Häuser, deckten Dächer ab und überfluteten Keller. Dazu ging teils großer Hagel nieder. © Landesfeuerwehrverband Südtirol
Im strömenden Regen erlebt die Feuerwehr eine schlaflose Nacht. Immerhin scheint sich die Unwetter-Lage am Samstag (22. Juni) zumindest vormittags etwas beruhigt zu haben.
Im strömenden Regen erlebt die Feuerwehr eine schlaflose Nacht. Immerhin scheint sich die Unwetter-Lage am Samstag (22. Juni) zumindest vormittags etwas beruhigt zu haben.  © Landesfeuerwehrverband Südtirol
Häuser in der Gemeinde Lostallo nach einem Erdrutsch, der durch das schlechte Wetter und den starken Regen im Misox-Tal verursacht wurde.
Häuser in der Gemeinde Lostallo nach einem Erdrutsch, der durch das schlechte Wetter und den starken Regen im Misox-Tal verursacht wurde. © Samuel Golay/dpa
Massive Schäden nach Unwetter in der Schweiz: Bei einem Erdrutsch sind 200 Meter Autobahn eingestürzt.
Massive Schäden nach Unwetter in der Schweiz: Bei einem Erdrutsch sind 200 Meter Autobahn eingestürzt.  © Samuel Golay/KEYSTONE/dpa
Nach Unwettern in Schweiz ist die A13 zwischen San Vittore und dem San Bernardino Tunnel Nordportal gesperrt.
Nach Unwettern in Schweiz ist die A13 zwischen San Vittore und dem San Bernardino Tunnel Nordportal gesperrt.  © Graubünden Polizei

Demnach gibt es am Sonntag Höchsttemperaturen von maximal 19 bis 24 Grad. Am Montag (24. Juni) und Dienstag (25. Juni) bleibt es weiterhin „sehr freundlich“, abgesehen von ein paar dichteren Wolken im Süden. Nach Angaben von Jung sind da in Richtung Alpenrand auch schon wieder Schauer und Gewitter möglich. Am Mittwoch soll es im Südwesten bis zum Abend „brodeln“, so der Meteorologe. Spätestens am Donnerstag wird es in Deutschland dann wieder kühler.

Lang ersehnter Sommer in Deutschland lässt auf sich warten: Droht Totalausfall?

In seiner Prognose verweist Jung auf die Ensemble-Vorhersage, die wechselhaftes Wetter bis zum 7. Juli voraussagt. Hoffnung macht hingegen der August, denn laut dem Climate Forecast System (CFS) könnte der Monat wärmer ausfallen als üblich. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die Badehosen dieses Jahr doch noch das Licht der Sonne erblicken. In den meisten Landesteilen könne es zu trocken werden, erklärt Jung. Nur in den Alpen sei es mal wieder etwas zu nass.

Diesen Sommer hat Deutschland mit heftigen Unwettern und Regenschauern zu kämpfen. Nun warnt die Wetterprognose vor einem Totalausfall.

Der Meteorologe fasst zusammen: „Ein Hin und Her.“ Während es im Juli noch nicht sonderlich warm sei und mehr Regen als üblich falle, soll es einen Monat später zu trocken werden. „Es läuft wahrscheinlich alles irgendwie auf einen Durchschnittssommer hinaus“, meint er. „Am Ende sind vielleicht einige zufrieden, einige werden es nicht sein. Aber wir wissen ja, beim Wetter recht machen kann man es sowieso nie“, bringt Jung auf den Punkt. Es droht also kein Totalausfall des Sommers, aber der Juni geht Baden. (cln)

Rubriklistenbild: © Wolfgang Maria Weber/Imago/Dominik Jung/wetter.net

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