VonJonah Reuleschließen
Schon seit Monaten gibt es immer wieder Kritik an der Übung Air Defender. Jetzt verdichtet sich der Protest: Kurz vor dem Start soll es am Fliegerhorst Wunstorf Aktionen geben.
Wunstorf – Noch wenige Tage, dann startet mit Air Defender die bis dato größte Luftoperationsübung seit Bestehen der Nato. 220 Flugzeuge aus 25 Ländern nehmen an Air Defender teil. Erste Flugzeuge kamen für die Luftwaffen-Übung bereits in Deutschland unter anderem in Jagel/Hohn in Schleswig-Holstein und Wunstorf in Niedersachsen an. Doch kurz vor Beginn der Nato-Großübung am 12. Juni formiert sich nun Protest. Friedensinitiativen aus Wunstorf und Bremen halten die Air Defender-Übung und ihre Ziele für ein falsches Signal. Am Samstag (10. Juni) soll es am Fliegerhorst Wunstorf eine Demo geben.
Air Defender 2023
► Mit Air Defender 2023 findet im Sommer die bis dato größte Luftoperationsübung seit Bestehen der Nato im deutschen Luftraum statt. Hunderte Militärflugzeuge und Kampfjets werden dabei vom 12. bis 23. Juni fast zwei Wochen lang über Deutschland fliegen.
► Während Air Defender werden die Kampfjets in drei Gebieten über Deutschland fliegen. Geplant sind Flüge allerdings nur zu bestimmten Zeiten.
► Das Manöver findet gleich in mehreren Regionen statt. Dafür wurden die Flugzeuge und Kampfjets an sechs Standorten stationiert. Auch an der Nato Airbase Geilenkirchen.
► Air Defender wird auch Auswirkungen auf den zivilen Luftverkehr haben. Durch Luftraumsperrungen sind Verspätungen im Reiseflugverkehr denkbar, unter Umständen auch in NRW. Ob es durch Air Defender zu Flugausfällen kommt, ist noch unklar.
Kritik an Air Defender: Friedensinitiative befürchtet weitere Eskalation im Ukraine-Krieg
Eine der Gruppen, die die Air Defender-Übung kritisieren, ist die Friedensgruppe Neustadt/Wunstorf. Sie stammt also genau aus dem Ort, in dem mit dem Fliegerhorst Wunstorf einer der zentralen Schauplätze des diesjährigen Air Defender-Programms liegt. Die Gruppe glaubt: „Air Defender 23 soll offiziell der Abschreckung dienen, kann jedoch zugleich, bei einer weiteren Zuspitzung des Ukraine-Krieges, aktiv zum Ukrainekrieg genutzt werden“ – so heißt es in einem Flyer der Initiative. Wochen zuvor hatte die Bundeswehr erklärt, die Air Defender-Übung sei wichtig, um Übungszenarien so realistisch wie möglich darstellen zu können und so den Ernstfall zu trainieren.
Eine zweite Initiative nennt sich Bremer Friedensforum. Sie sieht die politische Lage als „hochgefährlich“ an und spricht von einer großen Eskalationsgefahr durch Air Defender. Die riesige Luftwaffen-Übung sei nicht nur ein Klimakiller, sondern auch ein weiterer Teil der Eskalationsspirale im Ukraine-Krieg, sagte Ekkehard Lentz, Sprecher des Friedensforums gegenüber dem NDR. Aus diesem Grund fordert das Forum: „Abrüsten statt aufrüsten“.
Friedensinitiative will lieber Diplomatie statt Air Defender
Diplomatie sei die bessere Lösung, heißt es bei der Initiative aus Wunstorf: „Nicht das Zusammenspiel im Krieg sollten die 25 Nationen trainieren, sondern im Zusammenspiel mögliche diplomatische Lösungen erarbeiten“, lautet der Aufruf auf dem Flyer der Friedensinitiative Neustadt/Wunstorf. Um ihrem Protest noch mehr Ausdruck zu verleihen, planen die Friedensvertreter eine Demonstration samt Kundgebung vor dem Haupttor des Fliegerhorstes Wunstorf. Diese soll am Samstag (10. Juni) unter dem Motto „fünf vor zwölf“ um exakt 11:55 Uhr starten.
Boris Pistorius verteidigt Air Defender-Übung
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius betonte indes die Wichtigkeit des Luftwaffenmanövers für die Sicherheit Deutschlands und der Verbündeten. Deutschland als Gastgeber beweise, „dass wir nicht nur von internationaler Verantwortung reden, sondern diese als logistische Drehscheibe in Europa und Führungsnation bei so einer großen Übung auch übernehmen“, sagte Pistorius der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Die Auswirkungen der Air Defender-Übung sollen sich für die Menschen in Deutschland in Grenzen halten. „Natürlich tun wir alles, um die Auswirkungen für die Bevölkerung und den zivilen Luftverkehr so gering wie möglich zu halten. Dafür stimmen wir uns seit Monaten ganz eng mit allen Beteiligten ab“, so Pistorius.
Flughäfen planen Maßnahmen, um Flugausfall zu vermeiden
Derweil bereiten sich die Bundesländer mit ihren Landesregierungen und den Betreibern von Flughäfen auf mögliche Beeinträchtigungen im Flugverkehr während der Nato-Großübung vor. So soll beispielsweise das Nachtflugverbot am Flughafen Düsseldorf während Air Defender gelockert werden. Zuvor wurde bereits das Nachtflugverbot am Flughafen Frankfurt für die Dauer von Air Defender gelockert. (jr) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.
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