Russlands „Rote Linie“

Einsatz von Putins Atomwaffen im Ukraine-Krieg: „Risiko nicht von der Hand zu weisen“

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Droht selbst mit dem Einsatz von Atomwaffen: Russlands Präsident Wladimir Putin.
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Ein Ende im Ukraine-Krieg ist nicht in Sicht. Stattdessen ordnen manche Experten die Gefahr eines Atomkriegs durch Wladimir Putin als sehr real ein.

München – Der Ukraine-Krieg hat viele Ängste zurück an die Oberfläche gespült. Seit Beginn der von Wladimir Putin angeordneten „Spezialoperation“ von Russland in der Ukraine nehmen allerdings zwei Schreckensszenarien wieder Raum in den Köpfen der Menschen ein: der Einsatz von Atomwaffen und die Angst vor einem Atomkrieg.

Szenarien, die seit dem Ende des Kalten Kriegs keineswegs mehr so real erschienen. Dann schockte Putin vor gute einem Jahr damit, dass er seine Atomstreitkräfte in Alarmbereitschaft versetzte.

Einsatz von Putins Atomwaffen: „Atomkrieg“ als Mittel der psychologischen Kriegsführung

Putin Freunde wie Ex-Präsident Dmitri Medwedew drohen seit Monaten immer wieder mit „Vergeltung“ und wecken so alte Ängste. Dieses beliebte Narrativ ist zu gleichen Teilen russische Abschreckung und Mittel der psychologischen Kriegsführung gegen die Ukraine und den Westen, welches Putin selbst in seiner Rede zum Gedenken der Schlacht von Stalingrad befeuerte.

„Diejenigen, die hoffen, Russland auf dem Schlachtfeld zu besiegen, verstehen nicht, dass ein moderner Krieg gegen Russland ganz anders aussehen wird. Wir schicken nicht unsere Panzer an ihre Grenzen – wir haben andere Antworten …“ Ist der Kreml-Chef also gewillt, im Ukraine-Krieg einen nuklearen Schlag zu befehlen? Wo zieht Putin möglicherweise die „Rote Linie“ für den Einsatz von Atomwaffen?

Einsatz von Putins Atomwaffen im Ukraine-Krieg: „Risiko ist nicht von der Hand zu weisen“

Zuletzt äußerte sich der ehemalige US-General David Petraeus im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) zu dem Thema. Dort gab der ehemalige CIA-Chef seine Einschätzung zu einem möglichen Einsatz von Atomwaffen durch Russlands Machthaber Wladimir Putin ab.

„Das Risiko ist nicht von der Hand zu weisen“, sagte Petraeus dem RND auf die Frage, ob die Gefahr bei einer weiteren Zunahme der westlichen Waffentransfers zu einer unvorhersehbaren Eskalation des Ukraine-Kriegs und schließlich zu einem russischen Nuklearschlag führen könnte?

Dennoch lieferte der ehemalige Befehlshaber der Multi-National-Force im Irak gleich eine Relativierung seiner Aussage zu Putins möglichem Einsatz von Atomwaffen in der Ukraine oder gegen den Westen mit. „Ich glaube jedoch, dass die USA und andere Länder dem Kreml wirksam zu verstehen gegeben haben, dass die Folgen für Russland katastrophal wären. Diese Warnungen haben die Risiken ausreichend gemildert.“

Einsatz von Putins Atomwaffen im Ukraine-Krieg: Ex-Siko-Chef warnt vor „erhöhtem Risiko“ für Atomkrieg

Während Petraeus seine Aussage über das Risiko eines Einsatzes von Putins Atomwaffen im Ukraine-Krieg im Nachgang deutlich abmildert, gibt es jedoch Stimmen, die die Gefahr eines Atomkriegs als sehr real einschätzen. So real, dass sie ihrer Angst Worte verleihen und diese direkt in einem Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz richten.

Eine dieser Stimmen ist der ehemalige Chef der Münchner Sicherheitskonferenz. Zusammen mit 34 früheren hochrangigen Politikern schrieb Wolfgang Ischinger in einem Brief an den Bundeskanzler von einem „erhöhtem Risiko“ eines Atomkriegs. Zu den Unterzeichnern des Briefs gehören auch der frühere britische Verteidigungsminister Des Browne und der ehemalige russische Außenminister Igor Iwanow.

„Heutzutage wächst die Gefahr, dass in einem Moment der Krise eine schreckliche Entscheidung zum Einsatz von Atomwaffen getroffen wird – basierend auf falschem Urteilsvermögen, falschen Angriffswarnungen oder anderen Fehlkalkulationen“, heißt es in dem Aufruf, der auch abseits des Ukraine-Kriegs nicht vor dem Einsatz von Putins Atomwaffen warnt.

Einsatz von Putins Atomwaffen im Ukraine-Krieg: „Rutschbahn Richtung Atomkrieg“

Weitere prominente Persönlichkeiten wiesen alarmierend auf eine mögliche Eskalation im Ukraine-Krieg in Form eines Einsatzes von Putins Atomwaffen hin. Vor einem Atomkrieg warnten beispielsweise auch Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht sowie die prominente Journalistin Alice Schwarzer. In ihrem „Friedens-Manifest“ forderten sie Scholz auf, die Waffenlieferung zu stoppen und auf Verhandlungen zu setzen.

Sie verwiesen darauf, dass spätestens, wenn die ukrainischen Streitkräfte die Krim angreifen sollten, die ein Ex-General als „Schlüssel“ Russlands Niederlage bezeichnet, könnte der russische Präsident Wladimir Putin „zu einem maximalen Gegenschlag“ ausholen. Anstatt ein Ende des Ukraine-Kriegs herbeizuführen, in dem „Putins Niederlage höchstens eine Frage der Zeit“ ist, weil die Verluste auf dem Schlachtfeld und „zu Hause in Russland unhaltbar“ sind, gehen Wagenknecht und Schwarzer von einem anderen Szenario aus. Denn ihrer Ansicht nach könne man, in eine „Rutschbahn Richtung Weltkrieg und Atomkrieg“ geraten. (mst)

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