Schwere Vorwürfe

Atomwaffen-Vertrag: Putin will Verlängerung – Kritik am Westen

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Russland bietet eine Verlängerung des New Start-Vertrags an. Putin betrachtet den Westen als Verantwortlichen für die Lage. Die USA müssen zustimmen.

Moskau – Russlands Präsident Wladimir Putin hat den USA eine Verlängerung des atomaren Abrüstungsvertrags New START vorgeschlagen. Damit könnte Russland sich für ein weiteres Jahr zur Einhaltung Abrüstungsvertrags verpflichten, der 2026 auslaufen sollte. Gleichzeitig hat Putin dem Westen während eines Treffens des UN-Sicherheitsrates schwere Vorwürfe gemacht.

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Man wolle ein neues Wettrüsten bei strategischen Atomwaffen zu verhindern und Sicherheit zu gewährleisten. „Darum ist Russland bereit, sich nach dem 5. Februar 2026 ein Jahr lang an die zahlenmäßig zentralen Beschränkungen des Vertrags zu halten“, sagte Putin laut der dpa während einer im staatlichen Fernsehen übertragenen Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats. Eine komplette Ablehnung des Abkommens halte Putin laut Medienberichten für „kurzsichtig“.

Russlands Präsident Putin macht Westen schwere Vorwürfe: „Destruktives“ Vorgehen

Bedingung sei jedoch, dass sich auch die USA ebenfalls zu einer Verlängerung verpflichteten. Putin betonte laut der russischen Nachrichtenagentur Tass, dass sich Waffenabkommen zwischen Russland und den USA „fast vollständig aufgelöst“ hätten. Die Schuld daran gibt Putin offenbar dem Westen.

Der habe „destruktive“ Schritte unternommen, die „die Grundlagen für konstruktive Beziehungen und praktische Zusammenarbeit zwischen Atomwaffenstaaten“ untergraben hätten, sagte Putin laut der staatlichen Nachrichtenagentur der Türkei, Anadolu Agency.

Schwere Vorwürfe gegen den Westen: Russlands Präsident Putin nimmt am UN-Sicherheitsrat die Opferrolle ein.

Der russische Präsident warf dem Westen außerdem vor, „absolute, überwältigende Überlegenheit“ in der globalen Arena erzielen zu wollen. Russland selbst präferiere angeblich „politische und diplomatische Methoden, um internationalen Frieden zu erhalten“. Der Ukraine-Krieg läuft seit nun mehr drei Jahren, diplomatische Initiativen waren bisher nicht von Erfolg gekrönt.

Putin droht Westen mit militärischer Reaktion – NATO-Mitgliedsstaaten antworten mit scharfer Kritik

Bei der Rede im Nationalen Sicherheitsrat drohte Putin: Russland sei vorbereitet, Drohungen „nicht mit Wörtern, sondern mit militärischen und technologischen Maßnahmen“ zu begegnen. Ob beispielsweise auch das von der EU geplante 19. Sanktionspaket unter solche Drohungen fallen könnte, ist unklar. Angeblich sei der russische Präsident allerdings „nicht daran interessiert, die Spannungen weiter zu verschärfen oder ein Wettrüsten anzuheizen“.

Anders sah das die britische Außenministerin Yvette Cooper. Vor dem Hintergrund der kürzlichen russischen Luftraumverletzungen fand sie laut The Guardian im UN-Sicherheitsrat scharfe Worte: „Russlands imperialistische Kriegstreiberei ist eine Bedrohung für den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit.“ Der polnische Außenminister Radosław Sikorski forderte Moskau auf, „nicht zu jammern“, wenn Polen das nächste Mal Kriegsgerät abschieße, das in den polnischen Luftraum eindringt.

Russland setzte Teilnahme an Atomwaffen-Vertrag schon kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs aus

Der Vertrag New START wurde 2010 von Moskau und Washington geschlossen. Er begrenzt die Zahl strategischer Nuklearsprengköpfe auf jeweils 1.550 sowie die Zahl der Interkontinentalraketen und ihrer Trägersysteme. Zudem enthält er Regelungen für gegenseitige Kontrollen. New Start setzt den früheren START-Vertrag fort, den Sowjetpräsident Michail Gorbatschow und US-Präsident George Bush unterzeichnet hatten.

Offiziell läuft New START 2026 aus. Russland hat seine aktive Teilnahme jedoch seit 2023 ausgesetzt – rund ein Jahr nach Beginn von Putins Ukraine-Krieg. Zur Begründung verwies Putin darauf, dass Inspekteure der NATO die russischen Atomwaffenarsenale nicht mehr überprüfen könnten, da der Westen die ukrainischen Angriffe auf strategische Ziele in Russland steuere.

Gleichzeitig betonte er, dass sich Russland weiterhin an die vereinbarten Obergrenzen halte. Laut der Federation of American Scientists lag die Anzahl strategischer Nuklearsprengköpfe im Juni 2025 bei 1.718 für Russland und 1.670 für die USA. Dabei handelt es sich allerdings um Schätzungen, da die genaue Anzahl nicht öffentlich bekanntgegeben ist. (Quellen: dpa, Anadolu Agency, Tass, The Guardian, eigene Recherche)(lismah)

Rubriklistenbild: © Mikhail Metzel/dpa

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