VonNadja Katzschließen
Für Russland ist die 19 Kilometer lange Krim-Brücke als Lieferweg strategisch wichtig. Jetzt ist sie beschädigt und gesperrt. Moskau kontert mit Luftangriffen.
Kiew/Moskau – Nach einem Angriff auf die für Russland strategisch wichtige Krim-Brücke haben die russischen Truppen schnell zum Gegenschlag ausgeholt. Im Süden der Ukraine griff Russland am Dienstag (18. Juli) mehrfach die Hafenstädte Odessa und Mykolajiw an. Die ukrainischen Streitkräfte wehrten nach eigenen Angaben circa 30 russische Marschflugkörper und Drohnen ab.
Moskau erklärte, der Beschuss habe unter anderem einer Werft für ferngesteuerte Kampfboote gegolten. Diese Art von Booten sei beim Angriff auf die Krimbrücke zum Einsatz gekommen. Russland hat die ukrainische Halbinsel im Schwarzmeer bereits lange vor dem Ausbruch des Ukraine-Krieges – nämlich vor fast zehn Jahren – besetzt.
Russlands Rache: Ukrainische Hafenstädte beschossen – Getreideausfuhr untersagt
Moskau verlängerte zudem das internationale Abkommen zur Ausfuhr von Getreide aus der Ukraine nicht. Die Regelung hatte es Kiew seit Sommer 2022 erlaubt, trotz des andauernden Ukraine-Krieges Millionen Tonnen Getreide zu exportieren. Der Kreml warnte nun, weitere Exporte ohne eine Zustimmung durch Russland seien riskant.
Nach dem Aus für den Vertrag könnten nun global Lebensmittelpreise steigen. Die Folgen wären vor allem für arme Länder fatal. Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) appellierte daher an den Kreml: „Hören Sie auf, Hunger als Waffe zu benutzen.“ Abhilfe schaffen teils von der EU und der Ukraine ausgebaute Handelswege, die über Flüsse, Schienen und Straßen verlaufen.
Ukraine-Krieg: Krim-Brücke für Russland wegen Nachschub-Route wichtig
Fachleute im Westen vermuten, dass die Schäden an der 19 Kilometer langen Krim-Brücke die russische Armee vor beachtliche logistische Probleme im Süden der Ukraine stellen. Die Versorgung vieler Truppen sei nun von einer anderen Nachschubroute abhängig, hieß es in der Analyse des US-Instituts für Kriegsstudien, ISW. Diese führe aber durch die umkämpften Gebiete Donezk, Saporischschja und Cherson.
Schon jetzt müssen die russischen Besatzungstruppen nach Analyse britischer Militärexperten ihre Artilleriemunition rationieren. Den Ukrainern sei es aber dennoch bisher nicht gelungen, die vordersten Verteidigungslinien der russischen Truppen zu durchbrechen, hieß es in einem Bericht des Verteidigungsministeriums in London.
Nachschub knapp: Auch Ukraine fehlt Munition von Nato-Partnern
Und auch die Ukraine steht vor einem Nachschub-Problem. Denn nicht nur bei der deutschen Bundeswehr klaffen große Lücken im Munitionsbestand. Die Truppe hat den Rüstungskonzern Rheinmetall mit der Lieferung Hunderttausender Artilleriegeschosse im Wert von 1,3 Milliarden Euro beauftragt. Auch die USA sieht für schnellen Munitionsnachschub schwarz.
Es werde noch „Jahre“ dauern, bis die Munition in akzeptablen Mengen hergestellt werden könne, sagte der nationale Sicherheitsberater der USA, Jake Sullivan, am Sonntag (16. Juli) CNN. Man habe ursprünglich gehofft, dass sich die Ukraine zu diesem Zeitpunkt bereits weniger auf die Artillerie und mehr auf kombinierte Waffenmanöver verlassen könnten. Stattdessen habe der Artilleriebeschuss der ukrainischen Streitkräfte auf Russlands Truppen seit Kriegsbeginn kaum nachgelassen. (na/dpa)
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