Nach tausenden Verlusten: Ukrainische Armee kämpft mit Putins Vorzeigepanzer
VonKonstantin Ochsenreiter
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Selenskyjs Streitkräfte haben einen russischen T-90AK erbeutet: Der Panzer kämpft im Ukraine-Krieg erfolgreich gegen seinen ehemaligen Besitzer Putin.
Kiew – Der russische Präsident Wladimir Putin hatte sich den Verlauf des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 anders vorgestellt: Nicht zuletzt die Innovationskraft der ukrainischen Armee stellt ihn seitdem immer wieder auf die Probe. Diese Fertigkeit stellt die Ukraine nun erneut unter Beweis: Den Streitkräften des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gelang es nach Medienberichten eine Ausführung jenes Panzers zu erbeuten, den Putin selbst einst als „besten Panzer der Welt“ bezeichnete.
Ein russischer Panzer T-90 feuert während des internationalen militärtechnischen Forums „ARMY-2015” im Park „Patriot” der russischen Streitkräfte in Kubinka, Region Moskau, Russland, am 18. Juni 2015 im Rahmen der Feldvorführungsprogramme. (Symbolbild)
Auf X schildert das Verteidigungsministerium der Ukraine den Fronteinsatz des 2022 erbeuteten russischen Panzers: „Jetzt leistet der Panzer in einer der Einheiten gute Dienste. Er hat wiederholt gegen die Besatzer gekämpft – und ist immer als Sieger hervorgegangen.“
Russlands Stolz erobert – T-90AK im ukrainischen Einsatz
Gemäß der ukrainischen Regierungsplattform United24Media, gelang es dem Panzerbataillon der 5. Separaten Sturmbrigade der Ukraine einen T-90 AK Panzer zu erbeuten. „Dies ist erst die zweite öffentlich bestätigte Eroberung eines T-90AK während des gesamten Krieges“, schreibt das regierungsnahe Medium.
Weiter wird berichtet, dass das serienmäßige Infrarotvisier des Richtschützen beibehalten wurde. Der T-90M verfügt über ein modernes Feuerleitsystem: Der Panzerkommandant benutzt ein Wärmebild-Panoramavisier. Visiert er ein Ziel an, schwenkt das Geschütz automatisch darauf. Der Richtschütze führt den gesamten Ziel- und Feuervorgang durch. Außerdem sei die vordere rechte Laufrolle nicht original, sondern stamme von einem T-72A/T-72M1.
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Anhand der Schilderungen kann davon ausgegangen werden, dass die ukrainische Armee selbst den Panzer instandsetzte, da der T-90 technisch das Chassis eines T-72, mit dem Turm eines T-80 kombiniert. Die Streitkräfte setzten Medienberichten zufolge bereits im April sowjetische Tochka-U Kurzstreckenraketen instand und beschossen damit die russische Armee.
Ukraine-Front reibt Putins moderne Panzer auf
Der T-90 Kampfpanzer besitzt mehrere Ausführungen. Laut ntv handle es sich bei dem T-90AK um eine Version, welche weniger auf den Kampf, sondern mehr auf die Koordination der Streitkräfte fokussiert sei. Dementsprechend seien unter anderem auf dem Turm mehrere Antennen montiert, wie das Medium unter Berufung auf das Militärportal Armyrecognition berichtet.
Eine andere Ausführung – der T-90M – wurde von Putin als bester Panzer der Welt bezeichnet und ist der modernste Panzer der russischen Armee. Der Reserveverband der Bundeswehrschreibt, dass der Panzer mit einer Reihe an Gegenmaßnahmensystemen ausgestattet sei. Diese lösen reaktiv den Abschuss von Rauchgranaten aus, sobald der Panzer anvisiert wird. Dies sei besonders hinsichtlich gegnerischer Panzerwaffen mit halbautomatischer Lenkung effektiv.
Was die schlussendliche Performance an der Front anbelangt, so eilte der Panzer seinem Ruf eher hinterher als voraus: Recherchen der niederländischen Investigativgruppe Oryx zufolge habe Putins Armee im Verlauf des ersten Kriegsjahres 100 der modernen Kampfpanzer verloren.
Der T-90M in Zahlen: Putins „bester Panzer“
Fahrzeugtyp
Kampfpanzer
Hauptbewaffnung
125 mm Glattrohrkanone
Besatzung
Je ein Kommandant, Fahrer und Richtschütze
Reichweite
500km
Geschwindigkeit
60 km/h
Breite
3,78 m
Länge
6,86 m, 9,53 m mit Kanone
Höhe
2,23 m
Quelle: Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr
Putins Panzerverluste in der Ukraine: Ukrainische Drohnen zerstören T-90
Putins Panzermacht geriet bereits zu Beginn des Ukraine-Krieges unter Druck: Damals ermittelte Oryx, dass die russischen Streitkräfte zwischen Februar 2022 und Anfang Oktober 2023 nachweislich mehr als 2400 Panzer verloren haben. Darunter 34 T-90A, sieben T-90S, 46 T-90M und einen T-90AK – mutmaßlich jener, der nun vom Verteidigungsministerium präsentiert wird.
The occupiers are quite proud of their T-90 tanks. Watch how one of them is destroyed by a Ukrainian FPV drone.
Russlands Wirtschaft unter Druck: Einnahmen aus Ölexporten im freien Fall
Durch Drohenangriffe gelang es der ukrainischen Armee außerdem, der Wirtschaft des russischen Präsidenten große Schäden zuzufügen: Die Einnahmen Russlands aus Ölexporten sind nach Angaben der Internationalen Energieagentur auf den niedrigsten Stand seit dem Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 gefallen. Im November hätten die Einnahmen mit elf Milliarden Dollar (rund 9,4 Milliarden Euro) um 3,6 Milliarden Dollar unter dem Vorjahresniveau gelegen.
Der russische Energiesektor steht unter dem Druck westlicher Sanktionen, die darauf abzielen, die Finanzierung des Krieges in der Ukraine zu erschweren. Zudem fokussierte die ukrainische Armee seit dem Sommer ihre Angriffe auf russische Raffinerien und Infrastruktur der Ölbranche. (Quellen: afp, dpa, X, United24Media, ntv, Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr, Armyrecognition, Oryx, International Institute for Strategic Studies, frühere Berichterstattung) (kox)