Debatte um eingefrorene Russland-Gelder für die Ukraine: Brantner fordert von Merz Führungsstärke
VonPaula Völkner
schließen
Konstantin Ochsenreiter
schließen
Grünen-Chefin Brantner nimmt Friedrich Merz in die Pflicht, und appelliert an die EU: „Europa steht nicht an der Seitenlinie, Europa handelt“
Berlin – Es zog Bundeskanzler Friedrich Merz in der Vergangenheit häufig ins Ausland, wenn seine Umfragewerte sanken. Auch derzeit stehen die Zeichen schlecht: Laut jüngster Umfrage des Forsa-Instituts sind 76 Prozent der Befragten mit seiner Arbeit unzufrieden. Ausgerechnet jetzt fordert eine Oppositionspolitikerin demonstrativ eine weitere Auslandsreise von dem Bundeskanzler ein.
Die Grünen-Politikerin Franziska Brantner behält das eingefrorene russische Vermögen im Blick, und erhöht den Druck auf Kanzler Merz. Wladimir Putins Regierung droht bereits mit Reaktionen. (Montage)
Die Grünen-Politikerin Franziska Brantner fordert CDU-Bundeskanzler Friedrich Merz zum Handeln auf: Merz müsse beweisen, „dass er europäisch denkt und handelt“. Der Kanzler müsse sein „ganzes Gewicht in die Waagschale werfen“, damit die EU-Kommission das eingefrorene russische Staatsvermögen für einen Reparationsfonds der Ukraine freigibt. Die Entscheidung wird bislang jedoch von einem anderen europäischen Akteur blockiert. Auch die Regierung unter Kremlchef Wladimir Putin beobachtet die Situation genau, und droht bereits jetzt scharf.
Russisches Vermögen: EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen plant Milliardenhilfe für Ukraine
Das vom belgischen Finanzinstitut Euroclear verwaltete russische Zentralbankvermögen wird auf rund 185 Milliarden Euro beziffert. Die belgische Regierung forderte mehrfach eine Beteiligung anderer EU-Staaten. Auf diese Weise soll das Risiko vermindert werden, dass Belgien alleiniges Ziel möglicher Vergeltungsmaßnahmen des russischen Präsidenten Wladimir Putin wird.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
„Europa steht nicht an der Seitenlinie, Europa handelt“ – Franziska Brantner nimmt den Kanzler in die Pflicht
Auf Anfrage der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media erklärt Franziska Brantner: „Es kann nicht sein, dass die Ukraine unter unvorstellbaren Zerstörungen leidet, während russisches Staatsgeld ungenutzt auf europäischen Konten liegt.“ Vor diesem Hintergrund sei es ein „wichtiges und längst überfälliges Signal“, dass die EU-Kommission einen „konkreten und rechtssicheren Vorschlag zur Nutzung der eingefrorenen russischen Gelder vorgelegt hat“. Russland habe den völkerrechtswidrigen Ukraine-Krieg begonnen – nun müsse das Land auch für die Schäden bezahlen, erklärt Brantner weiter.
Doch mit von der Leyens Vorstoß erhöhe sich auch der Handlungsdruck auf den Bundeskanzler. Franziska Brantner erklärt: „Jetzt ist es an Friedrich Merz zu beweisen, dass er europäisch denkt und handelt.“ Der 70-jährige Kanzler müsse sein ganzes Gewicht in die Waagschale werfen, damit der Europäische Rat in zwei Wochen mit einer Stimme spreche. „Gerade in einer Situation, in der Russland und die USA über die Köpfe der Ukraine und Europas hinweg verhandeln, braucht es ein unmissverständliches Zeichen: Europa steht nicht an der Seitenlinie, Europa handelt.“
EU plant Milliardenhilfe: Merz und von der Leyen reisen nach Belgien
Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte bereits an, am Freitag kurzfristig nach Belgien zu reisen – dafür sagte er einen eigentlich geplanten Besuch in Norwegen ab. An einem Abendessen „im privaten Rahmen“ wird er laut Bundesregierung gemeinsam mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und dem belgischen Regierungschef De Wever Pläne zur Nutzung des eingefrorenen russischen Vermögens für die Ukraine besprechen.
Russische Gelder für Ukraine: Merz will russisches Zentralbankgeld aktivieren
Wie viel russisches Zentralbankgeld in Deutschland liegt, hält die Bundesregierung bislang geheim. Kommuniziert wurde zuletzt nur, dass insgesamt Vermögenswerte in Höhe von rund 3,5 Milliarden Euro im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine eingefroren oder immobilisiert wurden. (Quellen: Eigene Recherchen, Forsa-Institut, Welt, die Bundesregierung, dpa, afp)