Equal-Care-Day

Nicht alte weiße, sondern junge Männer gefährden die Zukunft der Care-Arbeit

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Frauen leisten jährlich 72 Milliarden Stunden unbezahlte Sorgearbeit. In Führungspositionen haben sie ja auch nichts verloren, finden 34 Prozent der Männer.

Wer mit dem Kind Hausaufgaben macht oder einen Kuchen für die nächste Kita-Feier backt, muss mehrere Stunden einplanen. Zeit, die in Deutschland immer noch hauptsächlich Mütter aufbringen. Laut einer Studie des Forschungsinstituts Prognos, die BuzzFeed News Deutschland, vorliegt, verrichten Frauen jährlich 72 Milliarden Stunden, also 62 Prozent der Care-Arbeit.

Ein Grund dafür ist, dass Mütter viel öfter Teilzeit (66 Prozent) arbeiten als Väter (sieben Prozent). Wenn Arbeitnehmer:innen wieder mehr Zeit am Arbeitsplatz verbringen, weil Unternehmen weniger Home-Office anbieten, könne es sein, dass Care-Arbeit in Deutschland „wieder unsichtbar“ werde, warnt die Expertin Eileen Peters vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI).

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Equal-Care-Day: Neue Ergebnisse laut Expertin „problematisch“

Das WSI untersucht zum Equal-Care-Day am 29. Februar, wie sich geschlechtsspezifischen Rollenbilder auf die Verteilung der Sorgearbeit auswirken. Die Ergebnisse sind laut Peters „problematisch“. 24 Prozent aller befragten Männer finden, „es ist für alle Beteiligten viel besser, wenn der Mann voll im Berufsleben steht und die Frau zu Hause bleibt und sich um den Haushalt und die Kinder kümmert“. 34 Prozent der befragten Männer stimmten der Aussage zu, dass „Männer als Führungskräfte in der Wirtschaft besser geeignet seien als Frauen.

Dabei waren die Zustimmungswerte in der Gruppe der 20- bis 35-Jährigen besonders hoch. „Unsere Umfrage zeigt, dass bei den Einstellungen zu Frauen und Männern in Führungspositionen das Vorurteil der alten weißen Männer nicht bedient wird“, sagt Peters BuzzFeed News Deutschland.

Eher junge Männer (und auch Frauen, Stichwort Trad-Wife) seien heutzutage traditionell eingestellt. Auf diese Entwicklung weisen andere Wissenschaftler:innen immer wieder hin. Einer von ihnen ist der Generationenforscher Rüdiger Maas. Er ist der Meinung, dass die Generation Z konservativer ist und deswegen älter wirkt.

Equal-Care-Day

Das Paar Almut Schnerring und Sascha Verlan führten 2016 einen neuen Feiertag, den „Equal Care Day“, ein und legte ihn bewusst auf den 29. Februar. Dieser Tag werde nämlich, genau wie unbezahlte Care-Arbeit, die meiste Zeit (also in diesem Fall in drei von vier Jahren) einfach übergangen.

Die beiden ziehen gemeinsam drei Kinder groß und beschäftigen sich seit Jahren mit dem sogenannten „Gender Care Gap“, also der Tatsache, dass Frauen mehr Care-Arbeit leisten als Männer. Sie haben zu diesem Thema bereits mehrere Bücher geschrieben.

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Care-Arbeit in Deutschland: „Der Fortschritt ist auch hier eine Schnecke“

Leni Breymaier, Sprecherin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend der SPD-Bundestagsfraktion, „ärgert“ sich, dass die Aufteilung der Care-Arbeit nicht gerechter wird. „Der Fortschritt ist auch hier eine Schnecke“, sagt sie bei BuzzFeed News Deutschland.

Es sei „sehr, sehr wertvoll“, dass es den Equal-Care-Day gebe, um auf die Dinge aufmerksam zu machen, die zu dieser „Schräglage“ führen. „Care-Arbeit muss Thema sein“, sagt Breymaier. Es brauche Kita-Plätze und Ganztagsbetreuung in der Grundschule, eine Reform von frauenfeindlichen Steuerklassen und eine Neudefinition von Vollzeitarbeit, vielleicht um die Vier-Tage-Woche. Auch freie Tage für Väter nach der Geburt und eine gleichmäßige Verteilung von Elternzeit seien wichtig, um Care-Arbeit gerecht zu verteilen

Was davon hat Priorität? „Ich glaube, hier gibt es viele Gleichzeitigkeiten. Das mit den Steuerklassen kann man kurzfristig erledigen, die Arbeitszeitdebatte dürfte ein Langstreckenlauf werden“, sagt Breymaier.

Besonders Männer zwischen 20 und 35 Jahren sind der Meinung, dass sie als Führungskräfte in der Wirtschaft besser geeignet sind. (Symbolbild)

FDP setzt sich für „Abschaffung der Steuerklassen 3 und 5“ ein

Nicole Bauer, Sprecherin für Frauenpolitik & Diversity der FDP-Bundestagsfraktion, will eine ausgeglichenere Verteilung der Sorgearbeit in der Familie „nicht politisch erzwingen“. Sie könne sich aber vorstellen, die Bedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch flexiblere Arbeitszeitmodelle zu verbessern.

Gehaltsunterschieden zwischen Männern und Frauen (Gender-Pay-Gap) und hohen Teilzeitquoten wolle die FDP entgegenwirken, indem der Steuervorteil aus dem Ehegattensplitting „gerechter“ verteilt werde.

„Wir werden die Abschaffung der Steuerklassen 3 und 5 und die Einführung des Faktorverfahrens in der Steuerklasse 4 vorantreiben. Abschließende Gespräche und Abstimmungen laufen derzeit noch, doch wie im Koalitionsvertrag vereinbart, soll dieser Aspekt in einem der nächsten Gesetzgebungsverfahren umgesetzt werden“, teilt Bauer BuzzFeed News Deutschland mit.

Auch Marcel Fratzscher äußert sich im Interview mit BuzzFeed News Deutschland zum Ehegattensplitting.

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