Statt Witwenrente

Wie wirkt sich das Ehegattensplitting auf deine Rente aus?

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Alle reden darüber, das Ehegattensplitting abzuschaffen. Wir verraten dir, was die Steuervorteile für deine spätere Rente eigentlich bedeuten.

Seit der SPD-Chef Lars Klingbeil vorgeschlagen hat, statt der Elterngeld-Kürzung, die der FDP ein Dorn im Auge ist, das Ehegattensplitting abzuschaffen, streitet sich die Ampel-Koalition über dieses Thema. Die FDP wettert lautstark dagegen, die SPD verteidigt den Vorstoß, die Grünen zeigen sich offen. Die Union (CDU/CSU) warnt, dass Ehen gegenüber nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften benachteiligt würden.

Im Netz zeigen die Menschen gespaltene Reaktionen auf die mögliche Abschaffung des Ehegattensplittings. Einerseits sehen viele darin, wie Klingbeil auch, ein „antiquiertes Steuermodell“, das Gleichstellung langfristig verhindert. Andererseits befürchten sie, dass eine Abschaffung viele verheiratete Familien einiges an Steuergeldern kosten würde. Nicht diskutiert wird über die Frage, was das Ehegattensplitting eigentlich für deine Rente bedeutet. BuzzFeed News Deutschland liefert Antworten.

Ehegattensplitting: Das steckt den Steuervorteilen bei großem Gehaltsunterschied

Das Ehegattensplitting wurde 1958 auf Veranlassung des Bundesverfassungsgerichts ins Einkommensteuergesetz geschrieben. Es bewirkt, dass das gemeinsame Einkommen eines verheirateten Paares halbiert wird und die darauf entfallende Einkommensteuer auf das halbierte Einkommen berechnet wird. Verdient ein Partner beispielsweise 60.000 Euro und der oder die andere ist nicht erwerbstätig, so werden beide besteuert, als verdienten sie 30.000 Euro.

Sie zahlen auf diese Weise etwa 5000 Euro weniger Steuern im Jahr. Der Steuervorteil wird maximal, wenn der Gehaltsunterschied zwischen den beiden maximal groß ist, eine Person also sehr viel und eine sehr wenig verdient. Die mit viel Gehalt zahlt dann in Steuerklasse drei verhältnismäßig sehr wenig Steuern, die andere in Steuerklasse fünf sehr viel. Doch welche Auswirkungen hat das auf die Rente von Frauen, die häufig die Person mit weniger Verdienst sind?

Welchen Einfluss hat das Ehegattensplitting auf meine Rente?

Direkt hat die Steuerklasse keinen Einfluss auf deine spätere Rente, da die sich am Bruttolohn bemisst. Zahlst du also mehr Steuern, weil du in Steuerklasse fünf steckst und dein Partner weniger, hat das erst mal keinen Einfluss. Es sei denn, du arbeitest aufgrund dieser Steuerersparnisse bewusst weniger (Teilzeit) oder in einem schlechter bezahlten Job. Dann hat das Splitting eine indirekte Auswirkung, denn du verdienst nicht nur netto, sondern auch brutto weniger.

Wenn die Partner:innen mit weniger Einkommen (oft Frauen) brutto noch weniger verdienen, weil sie mehr Teilzeit arbeiten, stabilisiert dies nicht nur den Gender-Pay-Gap, der bei mehr Berufserfahrung größer wird, sondern hat auch Auswirkungen auf die Rente von Frauen. Denn: Wer aufgrund von Steuervorteilen im Hier und Jetzt weniger verdient, zahlt weniger Rentenbeiträge für die Zukunft ein und sammelt weniger Rentenpunkte. Dies wirkt sich dann auf deine Rentenhöhe aus, die du an deiner Renteninformation ablesen kannst.

Großer Gehaltsunterschied bringt auch bei Witwenrente Vorteile

Ein großer Unterschied im Gehalt der Eheleute bringt also während der Berufstätigkeit Steuervorteile – wirkt sich auf die Rente von der Person, die weniger verdient (oft die Frau), jedoch negativ aus. Jedenfalls, bis ihr:e Partner:in stirbt. Stirbt der Hauptverdiener, ist die überlebende Person entweder über die Hinterbliebenenrente, auch Witwer- oder Witwenrente genannt, oder über das sogenannte Rentensplitting abgesichert.

Auch bei der Witwenrente ist der finanzielle Vorteil dann am größten, wenn einer der beiden Partner keinerlei eigene Ansprüche, also nie gearbeitet hat. Weil das ungerecht für Partnerschaften ist, in denen beide viel gearbeitet haben, spricht sich die Ökonomin Monika Schnitzer dafür aus, die Witwenrente zu beenden und das Rentensplitting zur Pflicht zu machen.

Für das Rentensplitting können sich Eheleute entweder nach dem Tod ihrer besseren Hälfte oder schon zu Lebzeiten entscheiden. Sie teilen ihre Rentenansprüche, zu denen auch Betreuungszeiten gehören, aus der Zeit der Ehe oder der Lebenspartnerschaft zu gleichen Teilen auf. Die Person mit den höheren Rentenansprüchen gibt dabei einen Teil ihrer Ansprüche ab, nachdem beide aufgehört haben zu arbeiten. 

Beispiele für Rentensplitting

Person A sammelt während der Ehe Rentenansprüche von 2000 Euro im Monat. Sie und ihr:e Partner:in erhalten schon zu Lebzeiten beide 1000 Euro. Diese bezieht Partner:in B nach dem Tod von A weiter.

Person A sammelt vor und während der Ehe Rentenansprüche von 1000 Euro im Monat, zusammengerechnet also 2000 Euro. Sie erhält zu Lebzeiten also 1500 Euro Rente, ihr:e Partner:in 500 Euro (die Hälfte des Betrags, der in der Ehe entstanden ist). Diese bezieht Partner:in B nach dem Tod von A weiter.

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Ökonomin fordert Rentensplitting statt Witwenrente

Eine solche Regelung würde die Quersubventionierung des Alleinverdiener-Modells in der Ehe durch alleinstehende Beitrags- und Steuerzahler:innen beenden, so die Ökonomin Schnitzer zum Spiegel. Wenn Paare sich weiterhin für eine traditionelle Rollenverteilung entscheiden, müssten sie den nicht erwerbstätigen Partner beim Rentensplitting dann jedoch mehr durch private Altersvorsorge absichern als bislang.

„Die jetzige Regelung reduziert die Anreize, eine eigene Beschäftigung aufzunehmen“, sagte die Vorsitzende des Sachverständigenrats dem Spiegel. „Außerdem tragen so alleinstehende Beitragszahlende zur Finanzierung von Rentenansprüchen für nicht erwerbstätige Partner bei, die selbst nicht in das System einzahlen.“

Dies widerspreche dem Äquivalenzprinzip, wonach sich die Auszahlungen grundsätzlich nach den selbst geleisteten Beiträgen bemessen, sagte Schnitzer dem Spiegel. Die Witwenrente sei also ebenso unfair, wie das Ehegattensplitting, von dem auch Paare mit einem Hauptverdiener hauptsächlich profitieren würden.

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(Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Pond5/IMAGO, Collage

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