Massiver Schlag gegen Atomeinrichtungen

„Waffe an der Schläfe“: Warum greift Israel gerade jetzt Iran an?

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Israel hat militärische Ziele im Iran angegriffen. Die gezielte Tötung hochrangiger Kommandanten sorgt für Spannungen.Teheran droht mit Vergeltung.

Teheran – „Wir haben eine Waffe an der Schläfe“, sagt ein hoher Vertreter der israelischen Armee. „Wenn wir nicht jetzt handeln, sind wir an einem point of no return“. Es ist 3.45 Uhr morgens in Jerusalem. Während der Offizier zur Presse spricht, fliegen israelische Kampfjets im iranischen Luftraum Angriffe an mehreren Orten zugleich. Rasch ist klar: Dieser israelische Schlag im Iran ist mit nichts Dagewesenem vergleichbar.

Dutzende militärische Ziele und strategische Orte der nuklearen Aufrüstung im Iran sind seit der Nacht auf Freitag im Visier der israelischen Luftwaffe. Mit mehr als 200 Jets und Drohnen griff Israel allein in den Morgenstunden an. Freitagmittag zog die Armee eine erste Bilanz: Der Angriff sei soweit „erfolgreich“ verlaufen. „Alle unsere Piloten sind heil zurückgekehrt.“ Berichten zufolge wurden im Iran mindestens 96 Menschen getötet. Auch tagsüber kam es am Freitag zu israelischen Angriffen.

Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern 

Vor 60. Gründungstag von Israel
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen entschied 1947 über die Teilung Palästinas in zwei Staaten, einen jüdischen und einen arabischen. Im Teilungsplan wurde auch festgelegt, dass die Briten ihr Mandat für Palästina bis August 1948 niederlegen. Großbritannien hatte nach dem Ersten Weltkrieg das Gebiet besetzt und war 1922 offiziell mit dem Mandat über Palästina beauftragt worden. Am 14. Mai 1948 wurde auf Grundlage des UN-Beschlusses der jüdische Staat gegründet. © dpa
Proklamation des Staates Israel
Nach der Unterzeichnung der Proklamationsurkunde am 14. Mai 1948 im Stadtmuseum von Tel Aviv hält eine nicht identifizierte Person das Schriftstück mit den Unterschriften in die Höhe. Links ist David Ben Gurion zu sehen, der erste Ministerpräsident Israels. © dpa
Israelischer Unabhängigkeitskrieg
Ein historisches Datum für den Staat Israel. Doch die arabischen Staaten Libanon, Syrien, Jordanien, Ägypten und Irak erkannten die Gründung nicht an und überschritten nur einen Tag später mit ihren Armeen die Grenzen. So begann der Palästina-Krieg, der im Januar 1949 mit dem Sieg Israels endete. Das Foto zeigt israelische Mitglieder der paramilitärischen Organisation Haganah im August 1948.  © AFP
Operation Yoav
Die israelische Armee konnte während des Krieges 40 Prozent des Gebiets erobern, das eigentlich laut dem ursprünglichen UN-Plan zur Teilung für die arabische Bevölkerung vorgesehen war. So wurde auch der westliche Teil von Jerusalem von Israel besetzt.  © Imago
Waffenstillstand Israel Palästina 1949
Die Vereinten Nationen vermittelten zwischen Israel und Ägypten, und so kam es zwischen den beiden Ländern am 24. Februar 1949 zu einem Waffenstillstandsvertrag. Andere arabische Kriegsgegner folgten mit Waffenstillständen bis Juli 1949. Laut Schätzungen starben bei dem Krieg, den die arabischen Länder gestartet hatten, mehr als 6000 Israelis und 6000 Araber.  © ACME Newspictures/afp
Arafat. Geschichte des Krieges in Israel
Jassir Arafat gründete 1959 die Fatah, eine Partei in den palästinensischen Autonomiegebieten. Laut ihrer Verfassung war ihr Ziel, auch mit terroristischen Mitteln die Israelis aus Palästina zu vertreiben und Jerusalem als Hauptstadt zu installieren. Ebenfalls als Ziel rief die Fatah die „Ausrottung der ökonomischen, politischen, militärischen und kulturellen Existenz des Zionismus“ aus.  © PPO/afp
Arafat
1993 erkannte die Fatah mit ihrem Vorsitzenden Jassir Arafat das Existenzrecht Israels im Osloer-Friedensprozess an, und wollte den Terror als Waffe nicht mehr nutzen. Allerdings gab es immer wieder Bombenattentate in Israel. 2011 suchte Arafat den Schulterschluss mit der Hamas. Gemeinsam planten sie, eine Übergangsregierung zu bilden, was bis heute nicht umgesetzt wurde. Innerhalb der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) ist die Fatah die stärkste Fraktion. © Aleksander Nordahl/Imago
1974 Arafat vor UN
Im Oktober 1974 erkannte die Vollversammlung der Vereinten Nationen die PLO als Befreiungsbewegung an. Daraufhin wurde Arafat als Vertreter eingeladen. Am 13. November 1974 eröffnete Arafat die Debatte in der Vollversammlung. Er beendete die Rede mit dem Satz: „Ich bin mit einem Olivenzweig in der einen und dem Gewehr des Revolutionärs in der anderen Hand hierhergekommen. Lasst nicht zu, dass der grüne Zweig aus meiner Hand fällt!“ © dpa
Kampfflugzeug im Sechs-Tage Krieg
Vom 5. Juni bis 10. Juni 1967 fand der Sechstagekrieg zwischen Israel auf der einen und Ägypten, Jordanien und Syrien auf der anderen Seite statt. Auslöser war die ägyptische Blockade der Seestraße von Tiran für die Israelis, die so abgeschnitten waren. Außerdem hatte der ägyptische Präsident den Abzug der Blauhelme erzwungen, die die nördliche Grenze Israels sicherten. Als Drohung schickte Ägypten dann 1000 Panzer und 100.000 Soldaten an die Grenzen zu Israel. Als Reaktion auf die Bedrohung flogen die Israelis einen Präventiv-Schlag. Auf dem Foto sieht man ein ägyptisches Kampfflugzeug. Während des Krieges konnte Israel die Kontrolle über den Gazastreifen, die Sinai-Halbinsel, die Golanhöhen, das Westjordanland und Ostjerusalem erlangen. Weil Israel seine Angreifer besiegen konnte, machte der Staat am 19. Juni 1967, neun Tage nach seinem Sieg, Ägypten und Syrien ein Friedensangebot. Darin enthalten die Aufforderung, Israel als Staat anzuerkennen. © AP/dpa
Arabisch-israelischer Krieg
Am 6. Oktober 1973, dem höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, startete eine arabische Militärkoalition unter Führung Ägyptens und Syriens einen Überraschungsangriff, gleichzeitig auf die Sinai-Halbinsel und die Golanhöhen. Nach anfänglichem Erfolg der arabischen Kriegsparteien gelang es Israel, sich zu behaupten. Erst mit dem Friedensvertrag sechs Jahre später am 26. März 1979, normalisierten sich die Beziehungen zwischen Ägypten und Israel. Ägypten war der erste arabische Staat, der das Existenzrecht Israels anerkannte. © afp
Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten, Jimmy Carter schüttelt dem ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat die Hand.
Das Friedensabkommen vom 26. März. 1979 war ein wichtiger Meilenstein. US-Präsident Jimmy Carter gratulierte damals dem ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat und dem israelischen Premierminister Menachem Begin vor dem Weißen Haus. Nach den Camp-David-Verhandlungen unterzeichneten sie den Friedensvertrag zwischen den beiden Ländern dort. © Consolidated News Pictures/afp
Beschuss im Libanonkrieg
1982 begann mit dem Libanonkrieg der erste große israelisch-arabische Konflikt, der von Israel gestartet wurde. Die Kriegsparteien waren die israelische Armee und verbündete Milizen auf der einen, die PLO und Syrien auf der anderen Seite. Israel besetzte im Rahmen des Krieges zwischen 1982 und 1985 den Süden Libanons. Später richtete Israel daraufhin dort eine „Sicherheitszone“ ein, die aber Angriffe der Hisbollah aus dem Libanon auf nordisraelische Städte nicht verhindern konnte. Am 25. Mai 2000 zog die israelische Armee aus dem Südlibanon ab.  © Dominique Faget/afp
Soldaten und Kinder bei der Intifada 1987
Am 8. Dezember 1987 brach im Westjordanland und im Gazastreifen ein gewaltsamer Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung aus. Diesen Aufstand nennt man Intifada. Auf dem Foto ist zu sehen, wie israelische Soldaten Kinder anweisen, das Gebiet zu verlassen, als Hunderte von Demonstranten Steine und Flaschen schleudern.  © Esaias Baitel/afp
Hamas-Kundgebung im Gaza-Streifen
Die PLO (Palästinensische Befreiungsorganisation), die ihre Zentrale in Tunis hatte, wollte einen eigenen palästinensischen Staat ausrufen, hatte aber keine Kontrolle über die entsprechenden Gebiete. Im Zuge dessen kam es zu einem Gewaltausbruch, der erst 1991 abnahm. 1993 wurde schließlich mit dem Osloer Abkommen die erste Intifada beendet. © Ali Ali/dpa
Der PLO-Führer Yasser Arafat und der israelischen Premierminister Yitzahk Rabin schütteln sich 1993 die Hände.
Nach Jahrzehnten von Gewalt und Konflikten unterschrieben am 13. September 1993 Israels Außenminister Shimon Peres und Mahmoud Abbas, Verhandlungsführer der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), unter Aufsicht der russischen und amerikanischen Außenminister die „Osloer Verträge“. Das Foto des Händedrucks zwischen Palästinenservertreter Jassir Arafat und dem israelischen Ministerpräsident Yitzhak Rabin und US-Präsident Bill Clinton wurde weltberühmt. © J. David Ake/afp
Yasir Arafat, Shimon Peres und Yitzhak Rabin erhalten den Friedensnobelpreis
Nach der Unterzeichnung der Osloer Verträge bekamen Jassir Arafat, Schimon Peres und Yitzhak Rabin den Friedensnobelpreis für 1994. Hier die Preisträger zusammen mit ihrer Medaille und ihrem Diplom im Osloer Rathaus. Die Friedensverträge wurden damals als wichtiger Startpunkt für Frieden in der Region gesehen. © Aleksander Nordahl/Imago
Bill Clinton, König Hussein und Rabin bei der Friedenssitzung
1994 folgten Friedensverhandlungen zwischen Jordanien und Israel 1994 im Weißen Haus. Auf dem Foto ist zu sehen, wie der jordanische König Hussein und der israelische Premierminister Yitzahk Rabin bei der Friedenssitzung sich die Hände schütteln. © Imago/ ZUMA Press
Sarg von Yitzhak Rabin, Geschichte des Kriegs in Israel
Mit der Hoffnung auf Frieden in der Region wurde der Hass von israelischen Extremisten größer. Diese wollten Abkommen mit den arabischen Staaten und der PLO nicht akzeptieren. So wurde Yitzhak Rabin zur Zielscheibe und wurde 1995 im Anschluss an eine große Friedenskundgebung in Tel Aviv von einem rechtsextremen Juden ermordet. Das Foto zeigt den Sarg des Premierministers in Jerusalem bei seiner Beerdigung.  © Jim Hollander/dpa
Junge schießt mit Katapult bei der zweiten Intifada, Geschichte des Krieges in Israel
Obwohl es in den 1990er Jahren mit den Osloer Verträgen große Hoffnung auf Frieden gab, hatte sich die Situation nach der Ermordung von Yitzhak Rabin massiv aufgeheizt. 2000 kam es zur zweiten Intifada, dem gewaltvollen Aufstand der Palästinenser mit Straßenschlachten. Die zweite Intifada dauerte bis 2005. © Imago/UPI Photo
Israelische Soldaten 2006, Geschichte des Krieges in Israel
2006 kam es wieder zwischen Israel und dem Libanon zum Krieg. Die Auseinandersetzung wird auch 33-Tage-Krieg oder zweiter Libanon-Krieg genannt, weil sie nach gut einem Monat am 14. August 2006 mit einem Waffenstillstand endete. Das Foto zeigt einen israelischen Soldaten im Libanon-Krieg im Jahr 2006. Eine israelische Artillerieeinheit hatte soeben an der libanesisch-israelischen Grenze in den Libanon gefeuert. Fast 10.000 israelische Soldaten kämpften in der Nähe von etwa einem Dutzend Dörfern im Südlibanon gegen Hisbollah-Kämpfer.  © Menahem Kahana/afp
Israelisches Militär feuert auf Ziele im Libanon
Auslöser des Libanon-Kriegs waren anhaltende Konflikte zwischen der Terrororganisation Hisbollah und der israelischen Armee. Um die Angriffe zu stoppen, bombardierte die israelische Luftwaffe die Miliz aus der Luft und verhängte eine Seeblockade. Die Hisbollah antwortete mit Raketenbeschuss auf den Norden Israels. Später schickte Israel auch Bodentruppen in den Süden von Libanon.  © Atef Safadi/dpa
Angriff im Süden von Beirut
Die libanesische Regierung verurteilte die Angriffe der Hisbollah und forderte internationale Friedenstruppen, um den Konflikt zu beenden. Am 14. August 2006 stimmten schließlich nach einer UN-Resolution die Konfliktparteien einem Waffenstillstand zu. Sowohl die Hisbollah als auch Israel sahen sich als Sieger.  © Wael Hamzeh/dpa
Krieg in Israel
2014 startete die israelische Armee (IDF) mit der Operation Protective Edge am 8. Juli eine Militäroperation, weil die Hamas aus dem Gazastreifen immer wieder Israel beschoss. Ab dem 26. Juli 2014 folgte eine unbefristete Waffenruhe, die kanpp neun jahre währte.  © Abir Sultan/dpa
Jahrestag der Angriffe auf Israel am 7. Oktober
Am 7. Oktober 2023 startete die Hamas einen Überraschungsangriff auf Israel mit Raketenbeschuss und Bodeninfiltrationen aus dem Gazastreifen, was zu schweren Verlusten und der Entführung zahlreicher Geiseln führte. Hier ist eine Gesamtansicht der zerstörten Polizeistation in Sderot nach den Angriffen der Hamas-Terroristen zu sehen.  © Ilia Yefimovich/dpa
Jahrestag der Angriffe auf Israel am 7. Oktober
Bei dem Überfall der Hamas und anderer extremistischer Gruppierungen auf Israel wurden rund 1200 Menschen getötet und mehr als 250 Israelis als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Seitdem wurden laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen Zehntausende Menschen getötet, darunter auch viele Frauen und Minderjährige. © Ilia Yefimovich/dpa

Israel feiert nach Iran-Angriff Erfolg: Hochrangige Kommandanten getötet

Ein Erfolg war aus israelischer Sicht vor allem die gezielte Tötung iranischer Kommandanten und Wissenschaftler, die die nukleare Aufrüstung vorantrieben – mutmaßlich mit dem Ziel, den Staat Israel auszulöschen. Unter den getöteten Kommandanten: Der Führer der Revolutionsgarden, Hossein Salami, aber auch der Generalstabschef der iranischen Armee, Mohammed Bagheri.

Zudem soll die gesamte oberste Kommandolinie der iranischen Luftwaffe nicht mehr am Leben sein. Während die Armee noch die iranischen Verluste auswertet, spricht Verteidigungsminister Israel Katz bereits von einer „Mehrheit der hochrangigen Vertreter der Revolutionsgarden“, die bei einem Schlag auf ein Untergrund-Kommandozentrum getroffen worden seien. Und es ist noch nicht vorbei.

Die israelische Operation werde „so viele Tage andauern, wie es eben nötig ist“, sagt Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in einer Videobotschaft. Es gehe darum, eine „unmittelbare existenzielle Bedrohung“ für Israel zu beseitigen. Manche sprechen sogar von einer zwei Wochen andauernden Operation. Die Dauer hängt vor allem davon ab, wie der Iran auf den Angriff – Israel spricht von einem Präventivschlag – reagieren wird. Am Freitagabend gab es Berichte über neue israelische Angriffe nahe Teheran sowie bei der Atomanlage Fordo rund 100 Kilometer südwestlich der Hauptstadt. 

Höchste Alarmstufe in Israel: Absperrungen und Sicherheitskräfte am Jaffator in Jerusalem, kurz nach den ersten Angriffen auf den Iran.

Iran droht mit Vergeltung: Israels Angriff als „Kriegserklärung“ gelesen

Irans Außenminister Abbas Araghtschi bezeichnete den israelischen Angriff als „Kriegserklärung“. Der neue Kommandeur der Revolutionsgarden, Mohammed Pakpur, drohte laut der Nachrichtenagentur Isna: „Als Vergeltung für das vergossene Blut von Kommandeuren, Wissenschaftlern und unschuldigen Menschen werden sich schon bald die Tore der Hölle für dieses kindermörderische Regime öffnen.“

Die Zivilbevölkerung in Israel müsse jetzt auf alles gefasst sein, heißt es im Militär. „Der Iran hat Tausende ballistische Raketen“, sagt ein hoher Offizier. Freitagvormittag griff der Iran mit mehr als Hundert Kampfdrohnen an, die jedoch abgewehrt werden konnten – zum Teil schon im jordanischen Luftraum. Kaum jemand in Israel rechnet damit, dass das schon alles war. Die iranische Antwort werde „signifikant“ sein, sagt Experte Raz Zimmt der Universität Tel Aviv.

Ein Feuerwehrmann ist am Ort einer Explosion in einer Wohnanlage im Einsatz.

Der Iran setzt auf eine Überforderungsstrategie: Drohnen und Raketen sollen Israel zugleich angreifen

Während beim zweiten iranischen Angriff im Oktober 2024 rund 200 ballistische Raketen eingesetzt wurden, die sich auf militärische Ziele im Süden Israels konzentrierten, müssten jetzt auch „strategische Ziele in dichter besiedelten Zonen“ Raketenangriffe aus dem Iran befürchten, sagt Zimmt. Für Israels hochmoderne Luftwaffe ist das durchaus herausfordernd.

Zwar brauchen Drohnen mehrere Stunden, bis sie im israelischen Luftraum ankommen. Doch der Iran setzt offenbar auf eine Überforderungsstrategie: „Während Dutzende Drohnen auf dem Weg sind, wird zugleich mit ballistischen Raketen angegriffen“, sagt der Militärexperte Eyal Pinko – und sie brauchen nur sieben bis elf Minuten.

Versammlungen wurden in Israel untersagt, hochrangige israelische Vertreter an einen sicheren Ort gebracht. Schulen geschlossen, die Menschen in Israel wurden aufgerufen, nicht dringend notwendige Wege zu vermeiden. Die Armee hat nach eigenen Angaben begonnen, Reservistinnen und Reservisten in allen Teilen Israels zu stationieren. Bis Freitagnachmittag blieb es in Israel jedoch ruhig.

Israel nutzt günstigen Zeitpunkt für Iran-Angriff: Milizen beschäftigt, Legitimation durch Atomwaffen-Vorwurf

Warum hat Israel ausgerechnet jetzt angegriffen? Pläne für einen Schlag gegen die Infrastruktur des iranischen Atomprogramms gibt es in Israel schon lange. Die Vorbereitungen dafür liefen seit Jahren. Nie waren die Voraussetzungen dafür aber so gut wie jetzt. Vor dem Krieg in Gaza hätte jeder israelische Schlag im Iran das große Risiko einer koordinierten Attacke von Hisbollah, der Hamas und irantreuen Milizen in Syrien, dem Irak und Jemen mit sich gebracht.

Heute sind Hisbollah und Hamas stark geschwächt, die Milizen im Irak vor allem „mit sich selbst beschäftigt“, sagt Zimmt. Daher hat Israel es jetzt praktisch nur mit dem Iran zu tun – die Huthi-Angriffe aus dem Jemen sind ohnedies längst Alltag geworden. Dass Israel nicht die – wenngleich stockenden – Gespräche zwischen USA und Iran abgewartet hat, sondern kurz vor der nächsten Verhandlungsrunde im Oman angegriffen hat, begründet man in Israel mit schlichter Notwehr. „Das iranische Regime hat genügend angereichertes Material, um binnen weniger Tage 15 Atomwaffen bereit zu haben“, sagt ein hoher Militärvertreter. Netanjahu spricht von neun Atomwaffen in einigen Monaten.

Das Zeitfenster war aus israelischer Sicht vor allem aus einem anderen Grund günstig: Erstmals in zwanzig Jahren des iranischen Atomprogramms hat die Internationale Atomenergiebehörde dem Iran offiziell Verstöße gegen seine Verpflichtung zur Nichtverbreitung von Atomwaffen vorgeworfen. Dieses Faktum öffnet für Israel ein Fenster der internationalen Legitimation, genau jetzt solche Schritte zu ergreifen.

Der Mossad agiert tief im Feindesland: Israel mit Drohnenbasis im Iran

Dazu kommen militärtaktische Gründe: In dem Angriff spielten sich Israels Luftwaffe und der Auslandsgeheimdienst Mossad die Bälle zu. Schon seit einiger Zeit hatte der Mossad Vorbereitungen dafür getroffen und eine eigene Basis an Drohnen mit explosivem Material aufgebaut – mitten im Iran. Während des Schlags am Freitag sollen die Drohnen gezielt auf Raketen-Abschusseinrichtungen gerichtet worden sein. Das gab der Luftwaffe Handlungsfreiheit, es senkt aber auch das Risiko massiver Gegenschläge auf Israel – zumindest für kurze Zeit.

Je länger man mit der Nutzung der Mossad-Infrastruktur im Iran abgewartet hätte, desto größer das Risiko, dass die verdeckte Aktion auffliegt, sagt der frühere Nationale Sicherheitsberater der israelischen Regierung, Yaakov Amidror. Es könnte also der Mossad gewesen sein, der auf ein baldiges Handeln gedrängt hat – noch vehementer als die Armee oder die politische Führung. In Israels politischer Landschaft sorgte der Schlag gegen das iranische Atomprogramm jedenfalls kaum für Differenzen: Die Opposition stellte sich fast geschlossen hinter die Offensive der ansonsten scharf kritisieren rechts-religiösen Koalition.

Israel greift Iran in Wellen an: Nukleares Projekt soll gebremst werden

Bei ihrem Angriff ging Israels Armee in Wellen vor: Die erste Welle galt den Kommandanten, die offenbar an verschiedenen Orten getötet worden sein sollen. Eine weitere Welle fokussierte auf einschlägig aktive Wissenschaftler. Ein Schlag in der Aufbereitungsanlage in Natans soll die nukleare Anreicherung massiv geschwächt haben. Und vor allem im Westen des Irans sollen zahlreiche Abwurfsysteme für ballistische Raketen zerstört worden sein.

Das Ziel der israelischen Luftschläge war jedenfalls nicht, das iranische Atomprogramm zu stoppen – das sei allein mit militärischen Mitteln nicht möglich, meint Amidror. Vielmehr gehe es darum, das nukleare Projekt zu bremsen. „Wenn es uns gelungen ist, es um zwei, drei oder fünf Jahre hinauszuzögern, ist das gut genug“, sagt Amidror.

Rubriklistenbild: © Vahid Salemi/dpa

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