Merz wegen Ost-CDU nervös? Experte fordert AfD-Klarstellung – „Das ist seine Aufgabe“
VonFranziska Schwarz
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Warum hat sich CDU-Chef Friedrich Merz so interpretationsbedürftig zur AfD geäußert? Ein Politikwissenschaftler sieht mehrere Gründe.
Berlin – So hat sich Friedrich Merz das Nachspiel seines „ZDF-Sommerinterviews“ bestimmt nicht vorgestellt. Seit zwei Tagen debattiert die breite Öffentlichkeit nun, ob sich der CDU-Chef an die AfD annähert – oder nicht. Nach den Einschätzungen der Politiker selbst kommen jetzt die der Politologen.
Zum Beispiel vom Politikwissenschaftler Uwe Jun von der Universität Trier. Merz hatte mit interpretationsbedürftigen Äußerungen zur AfD – die in Teilen als gesichert rechtsextrem gilt – Verwirrung gestiftet und für Unmut gesorgt. Jun führt die Äußerungen Merz‘ zum Umgang mit der AfD auf kommunaler Ebene auf Nervosität zurück.
Es stehe die Frage im Raum, warum die CDU nicht von den schwachen Umfragewerten der Bundesregierung profitiere, sagte Jun im Deutschlandfunk. Die AfD befindet sich aktuell im Umfragehoch. Zudem setze Merz die Situation in den ostdeutschen Landesverbänden unter Druck, die besorgt seien, dass ihnen bei einer zu klaren Abgrenzung von der AfD Ungemach drohe. Das führe dazu, dass Merz rhetorisch „unglücklich reagiert hat“.
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Die CDU und die AfD: Eher Zuspruch für Kooperation im Osten?
Der CDU-Parteivorsitzende müsse nun für Klarheit sorgen, sagte Jun. Merz schließe zwar direkte Formen der Kooperationen mit der AfD aus, indirekte aber nicht. „Da müsste er noch mal verdeutlichen, welche indirekten Formen er für möglich erachtet, und welche er für unmöglich erachtet“, sagte Jun.
Eine Klarstellung sei wichtig, weil es in der Partei sehr unterschiedliche Ansätze zum Umgang mit der AfD gebe: Manche CDU-Politiker forderten, auch mit den Linken zu reden, um die AfD nicht an die Macht kommen zu lassen. Andere CDU-Politiker aus Ostdeutschland sprächen sich für eine verstärkte Kooperation mit der AfD aus, analysierte Jun.
„Da ist es eben die Aufgabe von Friedrich Merz, auch den ostdeutschen Landesverbänden, auch auf der kommunalen Ebene deutlich zu machen, wie jetzt damit umzugehen ist.“ Die CDU verliere sonst an Glaubwürdigkeit. Auch er SPD-Politiker Ralf Stegner warnte die CDU in einem Fr.de-Interview vor einem falschen Umgang mit der AfD – räumte aber auch Fehler der SPD ein.
Union debattiert über Umgang mit AfD: „Müssen wissen, wofür die CDU steht“
Die Kritik aus der CDU scheint allerdings zu überwiegen. „Gerade in Brandenburg besteht kein Zweifel, wes Geistes Kind die AfD ist“, erklärte etwa Brandenburgs CDU-Landevorsitzender Jan Redmann. „Wer Extremisten in den eigenen Reihen duldet und fördert, kann kein Partner der CDU sein.“
Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag von Sachsen-Anhalt, Guido Heuer, schloss „jede Art von strategischer oder konstituierter Kooperation“ aus. Der Thüringer CDU-Chef Mario Voigt rief seine Partei auf, sich nicht auf Debatten um die AfD zu konzentrieren. „Die Menschen müssen wissen, wofür die CDU steht“, sagte Voigt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
Ärger über Merz‘ AfD-Äußerungen – Amthor springt CDU-Chef bei
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Philip Amthor verteidigte den CDU-Chef. „Friedrich Merz war aus meiner Sicht zu keinem Zeitpunkt so zu verstehen, dass er eine kommunale Zusammenarbeit von CDU und AfD befürworten würde, sondern er hat lediglich auf den Umgang mit gewählten kommunalen Amtsträgern hingewiesen“, sagte Amthor der Welt. „Mancher mag über Kommunikation streiten, aber eine sachliche Grundlage hat dieser vermeintliche Streit aus meiner Sicht nicht.“
Andere CDU-Politiker sehen aktuell Parallelen zu den unschönen Zeiten des Bundestagswahlkampfs 2021 unter dem damaligen Kanzlerkandidaten Armin Laschet, hieß es in dem Bericht weiter. „Wir müssten nach vorn schauen, stattdessen verfolgen wir jedes Chef-Interview mit Schweißperlen auf der Stirn, das ist ein Gefühl wie Laschet 2.0“, zitierte die Welt einen Top-CDU-Mann. „Es ist gut für Friedrich Merz, dass wir in diesem Jahr keinen ordentlichen Parteitag mehr haben.“
Merz zu seinen AfD-Äußerungen: „Habe schlicht die Wirklichkeit beschrieben“
Nach der breiten Kritik sah Merz sich am Montag zu einer Klarstellung veranlasst. „Es wird auch auf kommunaler Ebene keine Zusammenarbeit der CDU mit der AfD geben“, twitterte er. „Ich habe von dem, was ich gestern Abend gesagt habe, nichts zurückzunehmen“, sagte er am selben Tag der Nachrichtenagentur dpa.
„Ich habe schlicht und ergreifend die Wirklichkeit beschrieben, dass nämlich in Sachsen-Anhalt ein Bürgermeister und in Thüringen ein Landrat gewählt worden ist von der Mehrheit der Bevölkerung. Und dass alle Parteien jetzt in dieser Stadt und in diesem Landkreis mit diesem Wahlergebnis umgehen müssen.“