VonGiorgia Grimaldischließen
Würde die Altersvorsorge in Schulen besser thematisiert, könnten wir früher in Rente gehen und hätten mehr Geld. Doch auch wer spät dran ist, kann jetzt noch etwas tun.
Wie unzufrieden die Deutschen mit dem aktuellen Rentensystem sind, hat eine Studie erst kürzlich gezeigt. Die Bürger:innen wollen eine Reform und erwarten konkrete Maßnahmen für eine kostengünstige private Altersvorsorge.
Bettina Willeke, die als unabhängige Rentenberaterin tätig ist, versteht die Befürchtung vieler Menschen, dass die gesetzliche Rentenversicherung nicht ausreicht, denn das System komme aufgrund fehlender Beitragszahler:innen an seine Grenzen. Laut der Expertin gibt es eine Lösung, um Altersarmut vorzubeugen: sich mehr Wissen über die Altersvorsorge aneignen, vor allem die jüngere Generation, deren Fehler häufig darin besteht, sich nicht zu informieren. Zwar habe sie auch junge Menschen in der Beratung, aber „es kommen viel zu wenige und wenn, dann meist nur im Rahmen einer selbstständigen Beschäftigung.“
„Wenn man bestimmte Sachen weiß, kann man früher in Rente gehen“
Willeke erklärt, sie habe selbst Kinder im Alter von 16 und 18 Jahren, die ohne ihr Zutun von den wichtigen Begriffen rund um die Rente „keine Ahnung“ hätten. „Es ist schade, dass man nicht mal einen Grundkurs über Finanzen und Sozialversicherung in der Schule durchnimmt.“ Die Expertin würde einen solchen Kurs im Rahmen des schulischen Lehrplans „absolut befürworten“. Nicht nur, um mit dem nötigen Wissen in das Arbeitsleben zu starten, sondern auch, weil man sich durch die Wissenslücke „einiges verbauen“ könne.
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Wie man schon als Teenager planen kann, früh in Rente zu gehen
Als Beispiel nennt Willeke die geringfügige Beschäftigung, die viele junge Menschen als Schüler:in oder während des Studiums ausüben. Wer im Rahmen dieser Beschäftigung volle Rentenbeiträge zahlt (und dies nicht nur dem Arbeitgeber überlässt), „kann sich die Wartezeitmonate erarbeiten“, erklärt die Rentenberaterin. Konkret bedeutet das: Wenn ein 16-Jähriger im Supermarkt aushilft und im Monat 200 Euro verdient, zahlt er aktuell sieben Euro Rentenbeitrag (3,6 Prozent). „Das steigert natürlich nicht die Rente im Alter großartig“, sagt Willeke, „aber man hat dadurch die Chance, früher in Rente zu gehen.“
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„Unwissenheit bei den Eltern ist extrem groß“
Doch nicht nur, weil das Thema in der Schule viel zu kurz komme, plädiert Willeke für eine bessere Vermittlung von Basiswissen über Rente und Sozialversicherung. Auch bei den Eltern sei das Wissen oft begrenzt. „Wenn ich das Beispiel mit der geringfügigen Beschäftigung im Freundeskreis erzähle und sage ‚lass deine Tochter doch die 3,6 Prozent zahlen, egal ob das jetzt sieben Euro kostet, das ist wichtig für später‘, dann sagen immer alle: ‚Ach, echt? Das muss ich sofort meinem Kind sagen‘.“
Allgemein empfiehlt die Rentenexpertin: So früh wie möglich, doch spätestens vor dem 45. Geburtstag sollte sich jeder mindestens einmal zur persönlichen Rentensituation beraten haben lassen, denn das sei „eine Altersgrenze, da kann man auch noch was machen“, beispielsweise Beiträge nachzahlen, um die Zeitspanne bis zum Renteneintritt zu verkürzen. Dies sei etwa für nicht angerechnete Ausbildungsjahre (Fachhochschule, Bachelor-Studium) der Fall.
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