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Paula Völkner
Stephanie Munk
Felix Durach
Die Merz-Regierung ist im Streit um Wehrdienst und Musterung. Verteidigungsminister Boris Pistorius schlägt versöhnliche Töne an.
Update, 21:55 Uhr: Nach der ersten Lesung im Bundestag zeigt sie die SPD im Wehrdienst-Streit versöhnlich: Verteidigungsminister Boris Pistorius, Fraktionsvize Siemtje Möller und der Abgeordnete Falko Droßmann schreiben in einem gemeinsamen Brief an ihre Fraktion: „Wir wollen nach der Diskussion in der Fraktionssitzung am Dienstag gemeinsam einige Dinge zum neuen Wehrdienst klarstellen.“
„Der Grundsatz der Freiwilligkeit steht an erster Stelle und bleibt leitend für unser weiteres Handeln“, erklären Möller, Pistorius und Droßmann weiter, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Für den Fall, dass sich nicht ausreichend Freiwillige für den Wehrdienst melden, „müssen wir klare gesetzliche Regelungen für etwaige Verpflichtungen schaffen“. Und darüber müsse der Bundestag entscheiden. Möller, Pistorius und Droßmann zeigen sich überzeugt, gemeinsam mit der Union einen zeitgemäßen Wehrdienst entwickeln zu können.
Update, 17:31 Uhr: Die Debatte zum neuen Wehrdienst im Bundestag ist beendet. Während Vertreterinnen und Vertreter von Union und SPD das vorgeschlagene Losverfahren verteidigten, kritisieren die Grünen die Idee. Der Abgeordnete Niklas Wagener erklärte etwa im Parlament: „Der Wehrdienst ist keine Niete aus der Lostrommel.“ In der SPD bemühte man sich um versöhnliche Töne. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Siemtje Möller erklärte, dass nun im Gesetzgebungsverfahren gemeinsam die offenen Fragen geklärt würden. Auch Verteidigungsminister Boris Pistorius zeigte sich „offen“, über unterschiedliche Vorstellungen bei der Wehrdienst-Frage zu sprechen.
Debatte zum neuen Wehrdienst: Pistorius verteidigt seinen Entwurf
Update, 16:35 Uhr: Im Bundestag läuft die Debatte zum neuen Wehrdienst: Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) machte den Auftakt. Der Sozialdemokrat verteidigte seinen Gesetzentwurf und stellte klar: „Reicht Freiwilligkeit nicht, wird es keinen Weg vorbei geben an einer verpflichtenden Heranziehung.“ Mit Blick auf den Streit über die Ausgestaltung des neuen Wehrdienstes zeigt sich der Verteidigungsminister gelassen: „Alles weniger als eine leidenschaftliche, offene und auch hitzige Debatte wäre für mich eine Enttäuschung gewesen.“ Dass es andere Ideen gibt, finde er „okay“.
Auf den verteidigungspolitischen Sprecher der AfD-Fraktion, Rüdiger Lucassen, folgt in der Debatte Unionsfraktionsvorsitzende Norbert Röttgen (CDU). Der CDU-Politiker war an der Ausarbeitung des Los-Modells beteiligt und hatte bereits infolge der geplatzten Debatte deutliche Vorwürfe an den Verteidigungsminister gerichtet. Im Bundestag richtet er seine Kritik insbesondere an die Grünen und wirft ihnen Polemik vor: „Sie haben keine Lösung.“ Stand jetzt sei das Losverfahren der einzige Vorschlag: „Alle sind aufgefordert, für neue Lösungen.“ Und weiter: „Mit Polemik werden wir nicht verteidigungsfähig.“
Wehrdienst-Debatte: So sieht das Losverfahren in Dänemark aus
Update, 13:50 Uhr: Während in Deutschland ab 16.15 Uhr im Bundestag über den Wehrdienst debattiert werden wird, lohnt sich ein Blick nach Dänemark. Dort existiert ein System, das ein Losverfahren mit militärischen Erfordernissen kombiniert und möglicherweise auch in Deutschland Anwendung finden könnte. Alle jungen Dänen müssen sich Untersuchungen zu ihrer militärischen Eignung unterziehen. Dann können 18-Jährige sich freiwillig für den Wehrdienst melden – wenn junge Leute fehlen, entscheidet das Los. Pistorius soll ein ähnliches Modell für die Bundeswehr allerdings ablehnen. Wie er sich zur Wehrdienstdebatte äußern wird, wird sich am Nachmittag herausstellen.
Fakten zum geplanten Wehrdienst-Gesetz
Ereignis: Erste Lesung des Wehrdienst-Modernisierungsgesetzes
Datum: Donnerstag, 16. Oktober 2025
Uhrzeit: 16:15 Uhr
Personen im Fokus: Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
Sonstiges: 104 Seiten umfassendes Gesetzesvorhaben, Ziel: Vergrößerung der Bundeswehr um 80.000 Soldaten
Protest gegen Wehrdienst und Losverfahren vor dem Bundestag
Update, 12:13 Uhr: Während die Fraktionen im Bundestag im Parlament zum neuen Wehrdienst debattieren, protestieren Friedensaktivisten vor dem Bundestag dagegen. Sie fordern die Bundesregierung auf, die Pläne zu stoppen und warnen vor einer Aufrüstungsspirale. Die Aktivisten schredderten bei ihrem Protest den Gesetzentwurf wie auch den geplanten Fragebogen zum freiwilligen Wehrdienst. Ein Losverfahren für die Einladung zur Musterung lehnen die beteiligten Organisationen wie Greenpeace, Pax Christi und die Deutsche Friedensgesellschaft ab.
Wehrdienst-Streit im Bundestag: Spahn kontert Grünen-Abrechnung mit Merz
Update, 11:02 Uhr: Unionsfraktionschef Jens Spahn hat die Attacken der Grünen auf Kanzler Merz im Wehrdienst-Streit zurückgewiesen: „Sie erzählen Märchen“, sagte er im Bundestag an Grünen-Fraktionschefin Dröge gewandt, die Merz vorgeworfen hatte, er sei ein „Kanzler ohne Mehrheit“. Spahn konterte: „Dass wir gelegentlich diskutieren, dass wir debattieren, dass wir – ja auch hart – verhandeln: Das gehört dazu. Entscheidend ist, dass wir am Ende zu Entscheidungen kommen. Und das wird diese Koalition.“
Update, 10:45 Uhr: Die Debatte zum Wehrdienst heute im Bundestag wurde laut Bundestag gekürzt. Obwohl das Thema innerhalb der Koalition höchst umstritten ist, bleibt nun nur eine halbe Stunde Zeit für die Diskussion im Parlament. Ab 16.15 Uhr beginnt die Debatte zum Wehrdienst-Modernisierungsgesetz laut Tagesordnung. Verteidigungsminister Boris Pistorius blieben nur drei Minuten Zeit, um seine Bedenken anzuführen, heißt es in einem Bericht der Bild. Begründet sei die Verkürzung der Wehrdienst-Debatte wegen der ebenfalls heute stattfindenden Diskussion um die Rente im Bundestag.
Update, 10:38 Uhr: Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge warf Kanzler Friedrich Merz (CDU) heute im Bundestag absolutes Chaos beim geplanten Wehrdienst vor. „Keiner weiß, wie es jetzt weitergeht“, so Dröge als Antwort auf eine Regierungserklärung von Merz im Parlament. „Sie reisen jetzt nach Brüssel als ein Kanzler, der die Lage nicht im Griff hat.“ Die Fraktionen der Koalition hätten ihrem Kanzler jetzt schon wiederholt die Mehrheit verweigert: „Ein Kanzler ohne Mehrheit, der kann keine Regierung führen“, so das vernichtende Urteil der Grünen-Politikerin.
Update, 10:10 Uhr: Thomas Röwekamp (CDU), Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im Bundestag, hat zurückgewiesen, dass die Union habe beim Wehrdienst-Streit die Koalition gefährde. Pistorius‘ Gesetzentwurf habe Überarbeitung benötigt. Union und SPD entwickelten nun gemeinsam eine „Nachschärfung“ beim Wehrdienst mit dem umstrittenen Losverfahren, so Röwekamp im Deutschlandfunk.
Vom Schützen bis zum General: Das sind die Dienstgrade der Bundeswehr




Update, 16. Oktober, 9:30 Uhr: Bevor das neue Wehrdienst-Gesetz am Donnerstag in erster Lesung in den Bundestag kommt, gibt es ein vernichtendes Urteil aus der Schweiz über den Streit darüber in der Merz-Regierung. Das „Gezerre um die Wehrpflicht“ erinnere „in ihrer Streitlust an die schlimmsten Zeiten der Ampel“, schreibt die Neue Zürcher Zeitung in einem Kommentar. „Den Umgang mit der Wehrdienstfrage kann man nur als mutlos und konfus bezeichnen“, schreibt das Blatt und listet die Blockade durch Wadephul, das Dazwischengrätschen von Pistorius und die öffentlichen Schuldzuweisungen auf. Geeinigt hätten sich SPD und Union „bisher nur auf eine vierstufige Wehrdienst-Lotterie, die mehr Fragen offenließ, als Probleme zu lösen (…). So schreckt Deutschland keinen einzigen Russen ab.“
Losverfahren für Wehrdienst sorgt für Streit in Koalition – Fronten im Bundestag verhärtet
Update, 16. Oktober, 6:25 Uhr: Insgesamt 80.000 Soldaten mehr – das ist die Zielmarke von Verteidigungsminister Boris Pistorius für die Bundeswehr. Um das zu erreichen, setzt er zunächst auf Freiwilligkeit. Aber was, wenn sich nicht genügend Freiwillige finden? Um diese Frage gibt es seit Tagen Krach in der Koalition. Für Unmut sorgte unter anderem die Idee eines Losverfahrens bei der Auswahl von Wehrdienstleistenden. Ein erster Kompromiss war am Dienstag geplatzt, nun scheinen die Fronten verhärtet. Dennoch befasst sich heute der Bundestag mit dem Thema. Der Gesetzentwurf soll in der vom Kabinett im August beschlossenen Fassung eingebracht werden. Ausgang der parlamentarischen Beratungen: ziemlich offen.
Bundestag berät heute erstmals über das Wehrdienst-Gesetz
Berlin – Am Donnerstagnachmittag steht ein brisantes Thema auf der Tagesordnung des Deutschen Bundestags: Die Abgeordneten beraten erstmals über das umstrittene Wehrdienst-Modernisierungsgesetz von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Obwohl die Meinungsverschiedenheiten zwischen Union und SPD nicht aus der Welt geräumt wurden, soll die erste Lesung wie geplant um 16:15 Uhr stattfinden – der Streit der Merz-Regierung könnte sich im Parlament fortsetzen.
Das 104 Seiten umfassende Gesetzesvorhaben sorgte vor allem in den letzten Wochen für erhebliche Spannungen in der schwarz-roten Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Während Pistorius sein auf Freiwilligkeit basierendes Fragebogen-System für alle Männer durchsetzen will, favorisiert die Union ein Losverfahren für den Fall, dass sich nicht genügend Freiwillige melden. Dann könnten junge Männer, die per Los ausgewählt wurden, zum Ableisten eines Wehrdiensts verpflichtet werden. Diese grundsätzliche Meinungsverschiedenheit eskaliert bei Beratungen am Dienstag für alle ersichtlich. Vertreter von Union und SPD mussten am Ende gar eine groß angekündigte Pressekonferenz mangels Einigung wieder absagen.
Hintergrund der Debatte ist Pistorius‘ ambitioniertes Ziel, die Bundeswehr um rund 80.000 auf insgesamt 260.000 Soldaten zu vergrößern. Der SPD-Verteidigungsminister sieht in seinem Gesetzentwurf die Grundlage, um die Einsatzfähigkeit der Truppe angesichts der russischen Bedrohung zu sichern. Die Union bezweifelt jedoch, dass über Freiwilligkeit genug Wehrdienstleistende angeworben werden können und fordert klare Zielmarken sowie konkrete Mechanismen für den Fall, dass diese nicht erreicht werden – unter anderem ein Losverfahren.
Der Koalitionsstreit hat bereits zu scharfer Kritik geführt. CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen erklärte gegenüber der Süddeutschen Zeitung mit Blick auf Pistorius, er habe in über 30 Jahren im Bundestag noch nie erlebt, dass ein Bundesminister „ein wichtiges Gesetzgebungsverfahren frontal torpediert und die eigene Fraktion in Chaos stürzt“. Unions-Fraktionschef Jens Spahn richtete ebenfalls deutliche Worte an den Verteidigungsminister und betonte, dass Gesetze in Deutschland vom Parlament verhandelt und beschlossen werden, nicht von Ministern.
Merz-Regierung mit „politische Bruchlandung“ bei Wehrdienstgesetz – Klingbeil beschwichtigt
Auch aus den Reihen der SPD kommt Kritik: Juso-Chef Philipp Türmer warf der Koalition eine „politische Bruchlandung“ wie in Ampelzeiten vor und bezeichnete den Streit als „katastrophal“, weil er die ohnehin bestehende Unsicherheit bei jungen Menschen noch steigere, wie er dem Spiegel sagte. Die bislang vor allem über die Medien hitzig geführte Debatte wird also am Donnerstag im Bundestag öffentlich fortgesetzt.
Kompromiss-Signale kommen unterdessen aus Bayern von CSU-Chef Markus Söder, der es für wichtig hält, mit Freiwilligkeit zu beginnen, aber auch Pflichtelemente für notwendig erachtet. SPD-Parteichef Lars Klingbeil versuchte die Wogen zu glätten und erklärte am Mittwochabend, es sei „völlig ok“, dass über Sachfragen diskutiert werde. Die Koalition sei stabil, betonte der Vizekanzler provisorisch. Entscheidend sei, dass das Gesetz diese Woche erstmals im Bundestag beraten werde.
Bundestag entscheidet über Zukunft der Wehrpflicht – Pistorius will trotz Streit am Zeitplan festhalten
Die Opposition reagierte empört auf das Vorgehen der Regierungskoalition. Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann bezeichnete das Scheitern des Kompromisses als „total amateurhaft“ und kritisierte die Pläne für eine zufällige Auswahl von Kandidaten im ZDF mit den Worten: „Die Bundeswehr ist doch keine Losbude, der Wehrdienst keine Lotterie“. Linken-Chef Jan van Aken sprach von einem „Koalitionstheater“ und nannte das Losverfahren „makaber“.
Trotz aller Kontroversen hält Regierungssprecher Stefan Kornelius am Zeitplan fest. Die Bundesregierung habe nach wie vor das Ziel, den Gesetzgebungsprozess bis zum Jahresende abzuschließen. Auch Pistorius sieht den Zeitplan für das Vorhaben nicht gefährdet und versuchte, den Koalitionsstreit herunterzuspielen. Dass es bei Fragen zu Inhalten oder Verfahren „mal rumpelt“, sei „doch völlig normal“, so der Verteidigungsminister laut Zeit.
Die Bundestagsdebatte am Donnerstag wird zeigen, ob die schwarz-rote Koalition trotz der grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten einen Weg für das umstrittene Wehrdienst-Gesetz findet oder ob der Streit weiter eskaliert. Von der Entscheidung hängt nicht nur die Zukunft der deutschen Verteidigungspolitik ab, sondern auch die Stabilität der Merz-Regierung für die kommenden Monate. (Quellen: dpa, afp, Zeit, Süddeutsche Zeitung, Spiegel) (fdu)
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