Website „Expose Charlie’s Murderers“

Jagd auf Kirk-Kritiker: Anhänger rächen sich mit Online-Pranger

  • schließen

Wer sich in den USA auf Social Media kritisch zum Mord an Charlie Kirk äußert, muss um seinen Job bangen. Der Grund: Doxxing-Aktionen.

Washington D.C. – Nach dem tödlichen Anschlag auf den ultrarechten US-Aktivisten und Influencer Charlie Kirk weht in den sozialen Medien ein rauer Ton. Viele Kirk-Anhänger betrachten ihn als „Märtyrer“. Sie empören sich über Personen, vor allem auf X, die Kirk und sein Wirken kritisch oder abfällig kommentieren. Um diese Personen zu melden, wurde die neu registrierte Website „Expose Charlie’s Murderers“ gegründet, auf der sogenanntes Doxxing betrieben wird. 

Attentat auf Charlie Kirk: Bilder zeigen das Entsetzen – und den mutmaßlichen Täter

Nach dem Attentat auf Charlie Kirk veröffentlichte das FBI Bilder und ein Video des mutmaßlichen Täters. Die Trauer in den USA ist groß nach dem Tod des US-Aktivisten.
Nach dem Attentat auf Charlie Kirk veröffentlichte das FBI Bilder und ein Video des mutmaßlichen Täters. Die Trauer in den USA ist groß nach dem Tod des US-Aktivisten. Eine Chronologie der Ereignisse. © FBI (2)/IMAGO / SOPA Images
Diese Aufnahme entstand nur Minuten vor dem tödlichen Attentat. Charlie Kirk beantwortet gerade Fragen aus dem Publikum - eine Routine, die ihm zum Verhängnis werden sollte.
Diese Aufnahme entstand nur Minuten vor dem tödlichen Attentat. Charlie Kirk beantwortet gerade Fragen aus dem Publikum - eine Routine, die ihm zum Verhängnis werden sollte. © Tess Crowley
Die letzten Minuten von Charlie Kirk: Der 31-Jährige wirft noch Baseballkappen in die Menge, bevor der tödliche Schuss fällt.
Die letzten Minuten von Charlie Kirk: Der 31-Jährige wirft noch Baseballkappen in die Menge, bevor der tödliche Schuss fällt.  © Tess Crowley/dpa
Auf diesem Campus der Utah Valley University in Orem ereignete sich das tödliche Attentat auf Charlie Kirk. Der 31-jährige Aktivist wurde vor 3000 Zuschauern von einem Scharfschützen erschossen, der sich auf einem nahegelegenen Dach positioniert hatte.
Auf diesem Campus der Utah Valley University in Orem ereignete sich das tödliche Attentat auf Charlie Kirk. Der 31-jährige Aktivist wurde vor 3000 Zuschauern von einem Scharfschützen erschossen, der sich auf einem nahegelegenen Dach positioniert hatte. © Lindsey Wasson/dpa
Charlie Kirk galt als einer der einflussreichsten konservativen Aktivisten der USA.
Charlie Kirk galt als einer der einflussreichsten konservativen Aktivisten der USA.  © IMAGO/Charles-McClintock Wilson
Sekunden vor seinem Tod wurde Charlie Kirk von einem Zuschauer nach Waffengewalt gefragt. Seine letzte Antwort „Zählt man Bandengewalt mit oder nicht?“ sollten seine letzten öffentlichen Worte werden.
Sekunden vor seinem Tod wurde Charlie Kirk von einem Zuschauer nach Waffengewalt gefragt. Seine letzte Antwort „Zählt man Bandengewalt mit oder nicht?“ sollten seine letzten öffentlichen Worte werden. © IMAGO/Charles McClintock-Wilson
Diese dramatischen Szenen spielten sich ab, als Charlie Kirk erschossen wurde. Augenzeugen berichten von Panik unter den 3000 Zuschauern, die sofort zu Boden gingen und um ihr Leben rannten.
Diese dramatischen Szenen spielten sich ab, als Charlie Kirk erschossen wurde. Augenzeugen berichten von Panik unter den 3000 Zuschauern, die sofort zu Boden gingen und um ihr Leben rannten. © Tess Crowley/dpa
Schock und Fassungslosigkeit auf dem Campus der Utah Valley University: Studenten und Besucher können nicht glauben, was sie gerade miterlebt haben. Viele weinen und trösten sich gegenseitig nach dem brutalen Attentat.
Schock und Fassungslosigkeit auf dem Campus der Utah Valley University: Studenten und Besucher können nicht glauben, was sie gerade miterlebt haben. Viele weinen und trösten sich gegenseitig nach dem brutalen Attentat. © IMAGO/Charles McClintock Wilson
Was als normale Universitätsveranstaltung begann, endet mit einem Großaufgebot von Rettungskräften.
Was als normale Universitätsveranstaltung begann, endet mit einem Großaufgebot von Rettungskräften. © Tyler Tate/dpa
Falsche Spur: Diese Festnahme erwies sich als Fehlgriff der Ermittler. Der Mann wurde nach stundenlangen Verhören wieder freigelassen - der wahre Charlie Kirk-Attentäter ist weiterhin auf der Flucht.
Falsche Spur: Diese Festnahme erwies sich als Fehlgriff der Ermittler. Der Mann wurde nach stundenlangen Verhören wieder freigelassen - der wahre Charlie Kirk-Attentäter ist weiterhin auf der Flucht. © IMAGO/Charles McClintock-Wilson
Spurensicherung am Schauplatz der Tragödie: Polizeibeamte durchkämmen das Gelände rund um das „American Comeback Tour“-Zelt, unter dem Charlie Kirk erschossen wurde. Jeder Zentimeter wird nach Hinweisen auf den flüchtigen Täter abgesucht.
Spurensicherung am Schauplatz der Tragödie: Polizeibeamte durchkämmen das Gelände rund um das „American Comeback Tour“-Zelt, unter dem Charlie Kirk erschossen wurde. Jeder Zentimeter wird nach Hinweisen auf den flüchtigen Täter abgesucht. © Tess Crowley/dpa
Stille Trauer hinter Absperrband: Auch die Polizeiabsperrung kann die Menschen nicht davon abhalten, Charlie Kirk die letzte Ehre zu erweisen.
Stille Trauer hinter Absperrband: Auch die Polizeiabsperrung kann die Menschen nicht davon abhalten, Charlie Kirk die letzte Ehre zu erweisen.  © IMAGO/Joe Rondone/The Republic
Symbole der Trauer und des Patriotismus: Die Gedenkstätte wird zum Wallfahrtsort für konservative Amerikaner.
Symbole der Trauer und des Patriotismus: Die Gedenkstätte wird zum Wallfahrtsort für konservative Amerikaner. © IMAGO/Joe Rondone/The Republic
Nationale Trauer im Yankee Stadium: Charlie Kirks Portrait erstrahlt auf der riesigen Videowand, während tausende Fans eine Schweigeminute einhalten.
Nationale Trauer im Yankee Stadium: Charlie Kirks Portrait erstrahlt auf der riesigen Videowand, während tausende Fans eine Schweigeminute einhalten.  © IMAGO/Vincent Carchietta
Tatort-Rekonstruktion unter der Brücke: Forensiker arbeiten daran, den genauen Ablauf des Attentats zu verstehen.
Tatort-Rekonstruktion unter der Brücke: Forensiker arbeiten daran, den genauen Ablauf des Attentats zu verstehen.  © Lindsey Wasson/dpa
Trauernde halten große Portraits von Charlie Kirk in die Höhe und gedenken des erschossenen Aktivisten.
Trauernde halten große Portraits von Charlie Kirk in die Höhe und gedenken des erschossenen Aktivisten.  © Madeleine Kelly/dpa
Blumen, Ballons und Bibelverse: Diese bewegende Gedenkstätte zeigt Charlie Kirk als christlichen Märtyrer.
Blumen, Ballons und Bibelverse: Diese bewegende Gedenkstätte zeigt Charlie Kirk als christlichen Märtyrer. © Ross D. Franklin/dpa
Hunderte junge Menschen versammelten sich zu einer spontanen Gedenkfeier für Charlie Kirk.
Hunderte junge Menschen versammelten sich zu einer spontanen Gedenkfeier für Charlie Kirk. © Tess Crowley/dpa
Vor dem Hauptquartier von Turning Point USA wird die Tragödie greifbar.
Vor dem Hauptquartier von Turning Point USA wird die Tragödie greifbar. © Ross D. Franklin/dpa
Charlie Kirks Büros: Die Zentrale seiner politischen Organisation wird zum Symbol einer Bewegung ohne Anführer.
Charlie Kirks Büros: Die Zentrale seiner politischen Organisation wird zum Symbol einer Bewegung ohne Anführer. © Ross D. Franklin/dpa
Nationale Trauer im Herzen der Macht: Die amerikanische Flagge weht auf halbmast vor dem Weißen Haus zu Ehren von Charlie Kirk.
Nationale Trauer im Herzen der Macht: Die amerikanische Flagge weht auf halbmast vor dem Weißen Haus zu Ehren von Charlie Kirk. © Mark Schiefelbein/dpa
Stiller Protest nach der Tragödie: Ein Charlie Kirk-Anhänger steht mit seinem „Pray for America“-Schild am Straßenrand.
Stiller Protest nach der Tragödie: Ein Charlie Kirk-Anhänger steht mit seinem „Pray for America“-Schild am Straßenrand. © Alex Goodlett/dpa
Nächtliche Kerzenwache für Charlie Kirk: Die Mischung aus amerikanischen Flaggen und christlichen Botschaften macht deutlich, wie seine Anhänger Patriotismus und Glauben miteinander verbinden.
Nächtliche Kerzenwache für Charlie Kirk: Die Mischung aus amerikanischen Flaggen und christlichen Botschaften macht deutlich, wie seine Anhänger Patriotismus und Glauben miteinander verbinden. © Ross D. Franklin/dpa
Anhänger Charlie Kirks versammeln sich vor dem Krankenhaus, in das der schwer verletzte Aktivist eingeliefert wurde. Die Nachricht seines Todes trifft sie wie ein Schlag.
Anhänger Charlie Kirks versammeln sich vor dem Krankenhaus, in das der schwer verletzte Aktivist eingeliefert wurde. Die Nachricht seines Todes trifft sie wie ein Schlag. © IMAGO/Madeleine Kelly
Auch Donald Trump ist auf einem Foto der Kirk-Gedenkstätte vor dem Timpanogos Regional Hospital zu sehen.
Auch Donald Trump ist auf einem Foto der Kirk-Gedenkstätte vor dem Timpanogos Regional Hospital zu sehen. © Lindsey Wasson/dpa
Donald Trump reagiert mit scharfen Worten auf Charlie Kirks Tod. Der US-Präsident macht die „radikale Linke“ für das Attentat verantwortlich und verspricht, alle Beteiligten zur Rechenschaft zu ziehen. (Archivbild)
Donald Trump reagiert mit scharfen Worten auf Charlie Kirks Tod. Der US-Präsident macht die „radikale Linke“ für das Attentat verantwortlich und verspricht, alle Beteiligten zur Rechenschaft zu ziehen. (Archivbild) © Manuel Balce Ceneta/dpa
US-Fahnder veröffentlichten Bilder einer „Person von Interesse“ – sie sollen den miutmaßlichen Täter zeigen.
US-Fahnder veröffentlichten Bilder einer „Person von Interesse“ – sie sollen den miutmaßlichen Täter zeigen. © FBI (2)
Beamte stehen auf einem Dach mit Blick auf den Tatort. Das FBI hat neue Überwachungsaufnahmen vom mutmaßlichen Attentäter auf Charlie Kirk veröffentlicht.
Beamte stehen auf einem Dach mit Blick auf den Tatort. Das FBI hat zwei Tage nach der tat Überwachungsaufnahmen vom mutmaßlichen Attentäter auf Charlie Kirk veröffentlicht.  © IMAGO / UPI Photo/ FBI (Collage)
US-Medien berichten über den Tatverdächtigen im Fall Charlie Kirk.
Zwei Tage nach der Tat verkündete Donald Trump live im TV die Festnahme des mutmaßlichen Täters im Fall Charlie Kirk. Es handelt sich um einen 22-Jährigen aus Utah. © Patrick T. Fallon/AFP

Doxxing ist die Praxis, private oder persönliche Informationen über eine Person ohne deren Zustimmung im Internet zu veröffentlichen. Der Begriff leitet sich von „documents“ (Dokumente) ab. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, listet die Webseite bereits 41 Namen von Personen auf, die angeblich „politische Gewalt im Internet unterstützen“. Außerdem sollen wohl bereits 30.000 weitere Personen gemeldet worden sein.

Angeheizt durch ultrarechte: Nach Kirk-Attentat werden Kritiker Opfer von Racheaktionen

Angeheizt werden Kirk-Fans noch von rechten Politikern und Meinungsmachern, darunter Regierungsmitglieder und die ultrarechte Verschwörungs-Influencerin Laura Loomer. Sie fordert ihre Mitbürger auf, kritische Online-Beiträge über Kirk öffentlich zu brandmarken und die Entlassung der Autoren zu fordern.

Von dieser Kampagne sind unter anderem Lehrer, Feuerwehrleute und Angehörige des US-Militärs betroffen. Mehrere Personen haben bereits aufgrund der Aktion ihre Anstellung verloren. Kirk-Unterstützer durchforsten systematisch das Internet nach negativen Kommentaren über den ermordeten Aktivisten und geben Gleichgesinnten Ratschläge.

Der Tod von Charlie Kirk spaltet die USA.

„Wenn sie ihr Foto auf ihrem Profil haben, selbst wenn kein Name dabei steht, ladet das Foto herunter“, empfiehlt der rechtskonservative Influencer Joey Mannarino. Dann könne das Bild mit LinkedIn, dem beruflichen Netzwerk, abgeglichen werden, um den Arbeitsplatz der Betreffenden zu ermitteln und sie dort zu denunzieren. „Ruft beim Arbeitgeber an, hinterlasst Google-Bewertungen“, instruiert Mannarino seine Anhänger.

Attentat auf rechtskonservativen Podcaster Kirk spaltet USA: Trump beschuldigt „radikale Linke“

Der 31-jährige Kirk, der bereits als Jugendlicher die einflussreiche rechtskonservative Organisation Turning Point USA mitbegründet hatte, wurde am Mittwoch (10. September) bei einem Auftritt auf dem Campus der Utah Valley University erschossen. Am Freitag (12. September) gaben die Behörden die Festnahme des mutmaßlichen Täters Tyler R. bekannt.

Überblick: Fakten zum Attentat auf Charlie Kirk

DatumMittwoch, 10. September 2025
Ort des AnschlagsUtah Valley University in Orem südlich von Salt Lake City
OpferCharlie Kirk (rechter US-Aktivist, Podcaster, Trump-Unterstützer)
WaffeHochleistungs-Bolzengewehr
Täter-StatusGefasst
Mutmaßlicher TäterTyler R., 22 Jahre, Student

Da in der Nähe des Tatorts zwei Patronenhülsen mit antifaschistischen Parolen gefunden wurden, sprechen viele Rechte in den USA von einem linksextremen Mörder. Schon bevor der mutmaßliche Schütze gefasst wurde, hatte US-Präsident Donald Trump die „radikale Linke“ für den Anschlag verantwortlich gemacht. Die Gewalttat wurde nicht nur von den Republikanern, sondern auch von führenden Demokraten umgehend verurteilt. Doch der gewaltsame Tod von Kirk, der mit seinen Millionen Followern zu Trumps Wahlsieg im vergangenen Jahr beitrug, verschärft die politische Spaltung des Landes.

Laura Sosh-Lightsy, Vize-Dekanin der Middle Tennessee State University, schrieb zu Kirks Tod im Online-Netzwerk Facebook: „Hass erzeugt Hass. Null Mitgefühl.“ Die republikanische US-Senatorin Marsha Blackburn aus Tennessee prangerte dies umgehend an: „Diese Person sollte sich schämen für ihren Post. Sie sollte aus ihrem Amt entfernt werden“, schrieb sie über Sosh-Lightsy. Noch am selben Abend teilte die Universität mit, dass sie eine Mitarbeiterin wegen eines „herzlosen“ Kommentars über Kirks Ermordung entlasse.

Lehrer und Mitarbeiter von US-Behörden betroffen: Kirk‑Kritiker werden wegen Social-Media‑Posts entlassen

Auch für einen Lehrer in Oklahoma hat sein kritischer Kommentar über Kirk Konsequenzen. Er hatte nach dem Anschlag in Online-Netzwerken geschrieben: „Charlie Kirk ist genauso gestorben, wie er gelebt hat: Das Schlechteste aus den Menschen hervorbringend.“ Das Bildungsministerium von Oklahoma erklärte, wegen dieser „verabscheuenswerten“ Äußerung sei gegen den Lehrer eine Untersuchung eingeleitet worden.

Doch nicht nur negative Kommentare über Kirk selbst, sondern auch Kritik am Umgang mit seinem Tod wollen Rechtsaußen-Aktivisten nicht dulden. So wies Influencerin Loomer ihre vielen Anhänger auf Äußerungen eines Mitarbeiters der US-Katastrophenschutzbehörde Fema hin. Er hatte kritisiert, dass Trump Trauerbeflaggung für den „rassistischen, homophoben, frauenfeindlichen“ Aktivisten Kirk angeordnet hatte. (Quellen: Reuters, dpa) (bg)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Dave Decker

Kommentare