Jagd auf Kirk-Kritiker: Anhänger rächen sich mit Online-Pranger
VonBabett Gumbrecht
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Wer sich in den USA auf Social Media kritisch zum Mord an Charlie Kirk äußert, muss um seinen Job bangen. Der Grund: Doxxing-Aktionen.
Washington D.C. – Nach dem tödlichen Anschlag auf den ultrarechten US-Aktivisten und Influencer Charlie Kirk weht in den sozialen Medien ein rauer Ton. Viele Kirk-Anhänger betrachten ihn als „Märtyrer“. Sie empören sich über Personen, vor allem auf X, die Kirk und sein Wirken kritisch oder abfällig kommentieren. Um diese Personen zu melden, wurde die neu registrierte Website „Expose Charlie’s Murderers“ gegründet, auf der sogenanntes Doxxing betrieben wird.
Attentat auf Charlie Kirk: Bilder zeigen das Entsetzen – und den mutmaßlichen Täter
Doxxing ist die Praxis, private oder persönliche Informationen über eine Person ohne deren Zustimmung im Internet zu veröffentlichen. Der Begriff leitet sich von „documents“ (Dokumente) ab. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, listet die Webseite bereits 41 Namen von Personen auf, die angeblich „politische Gewalt im Internet unterstützen“. Außerdem sollen wohl bereits 30.000 weitere Personen gemeldet worden sein.
Angeheizt durch ultrarechte: Nach Kirk-Attentat werden Kritiker Opfer von Racheaktionen
Angeheizt werden Kirk-Fans noch von rechten Politikern und Meinungsmachern, darunter Regierungsmitglieder und die ultrarechte Verschwörungs-Influencerin Laura Loomer. Sie fordert ihre Mitbürger auf, kritische Online-Beiträge über Kirk öffentlich zu brandmarken und die Entlassung der Autoren zu fordern.
Von dieser Kampagne sind unter anderem Lehrer, Feuerwehrleute und Angehörige des US-Militärs betroffen. Mehrere Personen haben bereits aufgrund der Aktion ihre Anstellung verloren. Kirk-Unterstützer durchforsten systematisch das Internet nach negativen Kommentaren über den ermordeten Aktivisten und geben Gleichgesinnten Ratschläge.
„Wenn sie ihr Foto auf ihrem Profil haben, selbst wenn kein Name dabei steht, ladet das Foto herunter“, empfiehlt der rechtskonservative Influencer Joey Mannarino. Dann könne das Bild mit LinkedIn, dem beruflichen Netzwerk, abgeglichen werden, um den Arbeitsplatz der Betreffenden zu ermitteln und sie dort zu denunzieren. „Ruft beim Arbeitgeber an, hinterlasst Google-Bewertungen“, instruiert Mannarino seine Anhänger.
Der 31-jährige Kirk, der bereits als Jugendlicher die einflussreiche rechtskonservative Organisation Turning Point USA mitbegründet hatte, wurde am Mittwoch (10. September) bei einem Auftritt auf dem Campus der Utah Valley University erschossen. Am Freitag (12. September) gaben die Behörden die Festnahme des mutmaßlichen Täters Tyler R. bekannt.
Überblick: Fakten zum Attentat auf Charlie Kirk
Datum
Mittwoch, 10. September 2025
Ort des Anschlags
Utah Valley University in Orem südlich von Salt Lake City
Opfer
Charlie Kirk (rechter US-Aktivist, Podcaster, Trump-Unterstützer)
Waffe
Hochleistungs-Bolzengewehr
Täter-Status
Gefasst
Mutmaßlicher Täter
Tyler R., 22 Jahre, Student
Da in der Nähe des Tatorts zwei Patronenhülsen mit antifaschistischen Parolen gefunden wurden, sprechen viele Rechte in den USA von einem linksextremen Mörder. Schon bevor der mutmaßliche Schütze gefasst wurde, hatte US-Präsident Donald Trump die „radikale Linke“ für den Anschlag verantwortlich gemacht. Die Gewalttat wurde nicht nur von den Republikanern, sondern auch von führenden Demokraten umgehend verurteilt. Doch der gewaltsame Tod von Kirk, der mit seinen Millionen Followern zu Trumps Wahlsieg im vergangenen Jahr beitrug, verschärft die politische Spaltung des Landes.
Laura Sosh-Lightsy, Vize-Dekanin der Middle Tennessee State University, schrieb zu Kirks Tod im Online-Netzwerk Facebook: „Hass erzeugt Hass. Null Mitgefühl.“ Die republikanische US-Senatorin Marsha Blackburn aus Tennessee prangerte dies umgehend an: „Diese Person sollte sich schämen für ihren Post. Sie sollte aus ihrem Amt entfernt werden“, schrieb sie über Sosh-Lightsy. Noch am selben Abend teilte die Universität mit, dass sie eine Mitarbeiterin wegen eines „herzlosen“ Kommentars über Kirks Ermordung entlasse.
Lehrer und Mitarbeiter von US-Behörden betroffen: Kirk‑Kritiker werden wegen Social-Media‑Posts entlassen
Auch für einen Lehrer in Oklahoma hat sein kritischer Kommentar über Kirk Konsequenzen. Er hatte nach dem Anschlag in Online-Netzwerken geschrieben: „Charlie Kirk ist genauso gestorben, wie er gelebt hat: Das Schlechteste aus den Menschen hervorbringend.“ Das Bildungsministerium von Oklahoma erklärte, wegen dieser „verabscheuenswerten“ Äußerung sei gegen den Lehrer eine Untersuchung eingeleitet worden.
Doch nicht nur negative Kommentare über Kirk selbst, sondern auch Kritik am Umgang mit seinem Tod wollen Rechtsaußen-Aktivisten nicht dulden. So wies Influencerin Loomer ihre vielen Anhänger auf Äußerungen eines Mitarbeiters der US-Katastrophenschutzbehörde Fema hin. Er hatte kritisiert, dass Trump Trauerbeflaggung für den „rassistischen, homophoben, frauenfeindlichen“ Aktivisten Kirk angeordnet hatte. (Quellen: Reuters, dpa) (bg)