- VonLisa Mahnkeschließen
Nach der umstrittenen Präsidentenwahl in Venezuela ist Oppositionskandidat Edmundo González untergetaucht. Er beantragte nun Asyl in Spanien.
Caracas – Etwa sechs Wochen nach der umstrittenen Präsidentenwahl in Venezuela ist Oppositionskandidat Edmundo González geflohen. Er ließ sich per Flugzeug der spanischen Luftwaffe nach Spanien bringen. Das teilte der spanische Außenminister José Manuel Albares auf der Plattform X mit.
Venezuelas Vizepräsidentin Delcy Rodríguez schrieb auf Instagram, dass González sich seit Tagen in Spaniens Botschaft in der Hauptstadt Caracas aufgehalten habe. Er habe das EU-Land um Asyl gebeten und die venezolanische Regierung habe ihm im Interesse des politischen Friedens freies Geleit gewährt. Die Opposition machte dazu zunächst keine öffentlichen Angaben.
González wird in Venezuela mit Haftbefehl gesucht – Oppositionskandidat verlor bei Wahlen gegen Maduro
Der Anwalt von González, José Vicente Haro, bestätigte die Informationen der Vizepräsidentin. Laut dem Außenministerium in Madrid sei González mit einer Maschine der spanischen Luftwaffe nach Spanien geflogen. Der Oppositionspolitiker war zuletzt zwei Tage nach der Wahl öffentlich aufgetreten und dann untergetaucht. Verschärft wurde seine Situation durch einen Haftbefehl wegen angeblicher Amtsanmaßung, Urkundenfälschung und Verbindungen zu Geldgebern des „Terrorismus“. González ließ drei Vorladungen verstreichen und zeigte sich weiterhin nicht öffentlich.
Am 28. Juli hatte die weitestgehend regierungstreue Wahlbehörde den seit 2013 regierenden autoritären Staatschef Nicolás Maduro zum Sieger erklärt, kurz darauf bestätigt durch den ebenfalls regierungstreuen Oberste Gerichtshof. Die Regierung veröffentlichte allerdings nicht die aufgeschlüsselten Resultate.
Maduro gewinnt erneut: Vorwurf von Wahlbetrug zur Venezuela-Wahl
So warf die Opposition ihr Wahlbetrug vor und reklamiert den Sieg für González. Der 75-Jährige war Kandidat geworden, nachdem Oppositionsführerin María Corina Machado wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten aus ihrer Zeit als Abgeordneter die Ausübung öffentlicher Ämter für 15 Jahre untersagt worden war. Mehrere südamerikanische Staaten, die USA und die EU zweifelten das offizielle Wahlergebnis an.
Schon die Wiederwahl Maduros im Jahr 2018 war von vielen Ländern nicht anerkannt worden. Im Jahr 2019 erklärte sich der Parlamentspräsident Juan Guaidó zum Interimspräsidenten, konnte sich aber im Land nicht durchsetzen – vor allem, weil das Militär hinter Maduro stand. Bei den diesjährigen Wahlen gab es die Hoffnung, die Opposition hätte realistische Gewinnchancen. Im Zuge der Wahl kam es zu Protesten, die von der staatlichen Exekutive gewaltsam niedergeschlagen wurden. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Provea kamen 25 Menschen ums Leben, mehr als 2400 wurden festgenommen. (lismah/dpa/AFP)
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