Kosten werden wohl übernommen

Merz-Regierung plant erstmals Afghanen-Einreise über Pakistan – mehr als 2000 warten

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Deutschland führt das Aufnahmeprogramm für Afghanen weiter. Der erste Flug unter der schwarz-roten Regierung steht offenbar unmittelbar bevor.

Berlin – Anscheinend nimmt die Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) noch im August das Aufnahmeprogramm für Afghanen wieder auf. Einem Bericht von Focus online zufolge sollen womöglich an diesem Freitag (29. August) mehrere in Pakistan wartende Familien einreisen. Dabei wird jedoch kein Charterflug aus Islamabad genutzt, vielmehr sollen Menschen per Linienflug über Dubai oder Istanbul nach Deutschland kommen. Vermutlich sei die Zahl der einreisenden Afghanen zu gering, um einen eigenen Flieger einzusetzen.

Das Aufnahmeprogramm schutzbedürftiger Afghanen läuft wieder an: Außenminister Johann Wadephul (l.) und Innenminister Alexander Dobrindt schauen genau nach Islamabad, wo die Menschen warten.

Zwar hatten Politiker aus CDU und CSU gerade im Wahlkampf gegen die Aufnahmeprogramme und die Flüge zu Ampel-Zeiten gewettert. Das Versprechen aus der Union, diese Aktionen im Falle der Machtübernahme zu beenden, ist jedoch offenbar nicht haltbar. Wie Welt vor wenigen Tagen berichtete, droht dem Auswärtigen Amt ein Zwangsgeld in Höhe von 2500 Euro, sollte es keine konkreten Schritte unternehmen, um Afghanen mit einer Aufnahmezusage für Deutschland Visa zu erteilen. Demnach setzte das Verwaltungsgericht Berlin eine Deadline bis zum 10. September fest.

Merz-Regierung holt Afghanen nach Deutschland: Organisation und Kosten werden übernommen

Jüngst hatten Dutzende Organisationen wie Amnesty International, der Caritasverband, Reporter ohne Grenzen und Medico International auf Initiative des Deutschen Anwaltsvereins (DAV) einen Offenen Brief an Außenminister Johann Wadephul (CDU) und Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) unterzeichnet, in dem Sofortmaßnahmen für den Schutz gefährdeter Afghanen gefordert wurden. Noch mehr als 2000 Menschen sollen in Pakistan darauf warten, in die Bundesrepublik geholt zu werden, die Initiative Kabul Luftbrücke spricht sogar von 2300. Es handelt sich um Ortskräfte, Menschenrechtler oder Journalisten mit Familien.

Focus-Informationen zufolge übernimmt die Merz-Regierung die Organisation und die Kosten der Reise nach Deutschland komplett. Dazu sei die Politik von den Richtern jedoch nicht verpflichtet worden. Auch auf die Afghanen kommen demnach aber immense Kosten zu: Ein Visum für Pakistan koste bis zu 1000 Dollar, hinzu komme womöglich ein neuer Pass, für den bis zu 2500 Dollar aufgerufen werden.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Schwarz-Rot und Aufnahmeprogramm: Sicherheitsüberprüfung der Afghanen wieder aufgenommen

Das Auswärtige Amt bestätigte laut dem Bericht, dass die Bundesregierung wieder die Sicherheitsüberprüfung der Afghanen aufgenommen habe: „Personal der zuständigen Behörden ist vor Ort in Pakistan, um die Aufnahmeverfahren fortzuführen.“ Zwar würden die Überprüfungen einige Zeit in Anspruch nehmen, Schwarz-Rot gehe aber davon aus, dass noch ein Großteil der Afghanen in den Aufnahmeprogrammen nach Deutschland kommen darf.

Noch im Koalitionsvertrag hatten die Unions-Parteien und die SPD festgehalten: „Wir werden freiwillige Bundesaufnahmeprogramme soweit wie möglich beenden (zum Beispiel Afghanistan) und keine neuen Programme auflegen.“ Nun wurden sie aber offensichtlich von der Realität eingeholt.

Übt heftige Kritik am Vorgehen der Bundesregierung: Ex-Grünen-Chef Omid Nouripour beurteilt das ausgesetzte Aufnahmeprogramm als „rechtliches und moralisches Versagen“.

Afghanen auf dem Weg nach Deutschland: Nouripour kritisiert Verhalten der Merz-Regierung

Der ehemalige Grünen-Chef Omid Nouripour hatte zuletzt heftige Kritik am Vorgehen der Merz-Regierung geübt. Der Nachrichtenagentur Agence France-Presse (afp) sagte der Bundestagsvizepräsident: „Es ist das Zeugnis eines zweifelhaften Rechtsverständnisses, wenn erst mehrere Gerichtsentscheidungen die Bundesregierung dazu zwingen müssen, ihre eigenen Aufnahmezusagen einzuhalten.“

Seit Monaten würden in Pakistan über 2000 Menschen festsitzen, „die von Deutschland ein Schutzversprechen erhalten haben, weil sie wegen ihrer Hilfe für Deutschland bedroht sind“. Nouripour warf der Regierung „rechtliches und moralisches Versagen“ vor. Das bisherige Verhalten werfe „ein sehr schlechtes Licht auf die Verlässlichkeit Deutschlands“.

Die Lage vor Ort hatte sich in den vergangenen Tagen zugespitzt. So teilte das Auswärtige Amt vor einigen Tagen mit, Pakistan habe 211 Menschen aus dem deutschen Aufnahmeprogramm für besonders gefährdete Afghanen in ihr Herkunftsland abgeschoben. Zuvor seien rund 450 Menschen aus dem Programm von den pakistanischen Behörden festgenommen worden, gemeinsam mit der deutschen Botschaft in Islamabad habe das Wadephul-Ministerium jedoch erreicht, dass 245 dieser in Abschiebelagern Festgesetzten wieder freigekommen seien. (mg)

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