Nach Trump-Drohung

Nato-Ostflanke: Warum Europa stark auf eigene Waffen setzen muss

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Unter dem Begriff „Dragoon Ride“ lief 2015 eine Militärübung der US-Armee und der Nato, bei der Ausrüstung und Personal aus dem Baltikum über Polen und die Tschechische Republik nach Deutschland transportiert wurden – mit dabei auch US-Soldaten mit ihren Stryker-Dragoon-Schützenpanzern, die in Lettland bei Jelgavkrasti bewundert wurden. Jetzt könnten sie wieder in Bewegung geraten: Auf ihrem Rückzug aus Europa (Archivfoto).
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Um frei zu bleiben, wird ihnen geraten, sich ausschließlich auf sich selbst zu stützen: Die Balten streben danach, dass ihre Ängste Beachtung finden.

Brüssel – „Aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Ukraine versetzt sich jedes einzelne Land an der Ostflanke in die Lage der Ukraine und stellt die Frage: Wäre es anders, wenn wir dort wären, wo die Ukraine heute ist?“, sagt Gabrielius Landsbergis gegenüber Newsweek. Aktuell thematisiert das Magazin die Frage, ob die Nato-Partner der Ostflanke immer noch US-Waffen wollen. Der ehemalige Außenminister Litauens spricht sich aus für eine möglichst große Autonomie gegenüber Wladimir Putins Invasionstruppen – beispielsweise in der Luft.

„Die Umsetzung von Sky Shield wäre ein wichtiger Bestandteil der europäischen Bemühungen, die Sicherheit der Ukraine effektiv und effizient zu gewährleisten“, sagt Landsbergis. Er gehört zu den Befürwortern eines Schutzschirms im ukrainischen Luftraum – einer „Luftpolizei“, wie sie der Guardian kürzlich ausgemalt hat: Eine „internationale Luftwaffe“ soll helfen; mit bis zu 120 europäischen Maschinen. Die regionale Besonderheit der drei baltischen Staaten bestehe darin, dass sie im Kriegsfall als ein gemeinsames Operationsgebiet agieren müssen, hat Arnis Cimermanis jüngst klargestellt.

Nato-Angst: US-Verteidigungsministerium überlegt, 10.000 US-Kräfte aus Osteuropa abzuziehen

Cimermanis erörtert das Thema für den Thinktank Foreign Policy Research Institute (FPRI) im Zusammenhang mit der geplanten Reduzierung von US-Truppen in Europa. Wie der US-Sender NBC kürzlich berichtet hatte, würde im US-Verteidigungsministerium überlegt, 10.000 US-Kräfte aus Osteuropa abzuziehen. Laut den NBC-Autoren Gordon Lubold, Dan De Luce und Courtney Kube führe das sogar unter US-Offiziellen zu der Befürchtung, dieses Signal könne Wladimir Putins Expansions-Gelüste schüren. Allerdings besteht in diesem Teilabzug noch keine substanzielle Schwächung des US-Kontingent.

„Der Abbau des sogenannten ,nuklearen Schutzschirms‘ der USA würde eine erhebliche Lücke im kollektiven europäischen Atomarsenal hinterlassen, die Russland leicht ausnutzen könnte.“

Molly Carlough, Benjamin Harris, Abi McGowan, Council von Foreign Relations

In Europa stünden weiterhin die bereits vor dem Krieg hier stationierten 80.000 Kräfte. Wie der Tagesspiegel schreibt, gehören die 10.000 zur Debatte stehenden Kräfte zum Extra-Kontingent von 20.000, um die die US-Präsenz unter Präsident Joe Biden in Europa nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs aufgestockt worden war.

„Tiefschlagskapazität und Luftabwehr sind Schlüsselressourcen, die den Europäern fehlen, und die Ukraine hat gezeigt, dass Luftverteidigung für jede Operation von größter Bedeutung ist. Die Stationierung von Luftabwehrsystemen wird russische Angriffe auf kritische Infrastruktur verhindern und die Vorherrschaft in der Ostsee ermöglichen“, schreibt Cimermanis. Der Analyst macht die Gleichung auf, dass sich Luftabwehrsysteme und Tiefschlagskapazitäten ergänzen müssen. Je weniger Luftabwehr, desto mehr Tiefschlagkapazitäten, um Luftangriffe im Keim zu ersticken. Der deutsche Taurus-Marschflugkörper auf der Angriffs-Seite bildet da nur ein Puzzleteil. Die bestehenden Patriot-Batterien in der Defensive das andere.

Nato alarmiert: Bodengestützte Luftverteidigung und Raketenabwehr in Europa derzeit „sehr mangelhaft“

Die bodengestützte Luftverteidigung und Raketenabwehr in Europa sei derzeit „sehr mangelhaft“ analysiert Lydia Wachs von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Mit der European Sky Shield Initiative (ESSI) wollen Teile der Nato ihren Luftraum gegen Bedrohungen abschotten. Polen beispielsweise hat sich sehr spät entschlossen, die Balten waren schnell dabei. Die ESSI geht zurück auf die Initiative Deutschlands. Grundsätzlich zielt ESSI darauf ab, das deutsche System IRIS-T SLM (Infra Red Imaging System Tail Surface Launched Medium Range) weiterzuentwickeln. „Weitere Schritte werden dann folgen. Da zeitnah erste Ergebnisse erzielt werden sollen, liegt der Fokus zunächst auf marktverfügbaren oder bereits entwickelten Systemen“, schreibt das deutsche Verteidigungsministerium; also bleibe beispielsweise das Patriot-System noch die erste Wahl für aktuelle Käufe.

Eine „,one size fits all‘-Lösung zur Abwehr von Russlands diversen Langstreckenwaffen“ sei illusorisch, schreibt Lydia Wachs vom SWP. Sie fordert eine „integrierte Luftverteidigungs­architektur“, also eine strategisch ausgearbeitete Verknüpfung verschiedener Wirkmittel, die Sicherheit schafft über Land, über der See, in der Luft sowie im Cyber- und Weltraum. Auch Landisbergis hat im Gespräch mit Zeit Online einen unterschiedlichen Leidensdruck durch den Ukraine-Krieg der in einer Allianz zusammengeschlossenen Länder gespürt: „Ein Teil Europas lebt in einer anderen Wirklichkeit. Für ihn ist das ein Regionalkonflikt, weit weg von ihnen. Und dann gibt es Länder wie Litauen und Polen, für die der Krieg vor der Tür stattfindet und die eine sofortige Reaktion verlangen“, wie er sagt.

Die Nato wächst und kämpft: Alle Mitgliedstaaten und Einsätze des Bündnisses

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Gegründet wurde die Nato am 4. April 1949 in Washington, D.C. Zunächst zwölf Staaten unterzeichneten den Nordatlantikvertrag: Belgien, Dänemark, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Island, Italien, Kanada, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Portugal und die USA. Sie wurden zu den Gründungsmitgliedern der Nato. Hier präsentiert Gastgeber und US-Präsident Harry S. Truman das Dokument, das die Grundlage für das Verteidigungsbündnis bildet. Der erste Oberkommandeur war der US-Amerikaner Dwight D. Eisenhower, der nach seiner Zeit bei der Nato Truman im Amt des US-Präsidenten beerben sollte. © imago
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In den ersten Jahren nach ihrer Gründung stand die Nato ganz im Dienste der Abwehr der sowjetischen Gefahr. 1952 fanden in Deutschland zahlreiche Manöver der Mitgliedsstaaten statt, unter anderem überwacht vom zweiten Oberkommandeur der Nato, Matthew Ridgway (2.v.l.) und dem damaligen französischen Botschafter in Deutschland, Andre Francois-Poncet (3.v.r.). © imago
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Im Jahr 1952 traten zwei weitere Länder der Nato bei: Griechenland und die Türkei. Die Anzahl der Nato-Mitglieder stieg also auf 14. Noch im selben Jahr fanden die ersten Manöver des Verteidigungsbündnisses statt. Beteiligt waren neben Einheiten Großbritanniens und der USA auch Kampftaucher, sogenannte Froschmänner, der türkischen Marine. © imago
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Im Jahr 1954 beschlossen die Nato-Mitgliedsstaaten auch der Bundesrepublik Deutschland den Beitritt anzubieten. Der britische Außenminister Anthony Eden reiste nach Paris, um im Palais de Chaillot die Vereinbarung zu unterzeichnen. Ein Jahr später, 1955, wurde die BRD als 15. Mitglied der Nato in das Verteidigungsbündnis aufgenommen. © UPI/dpa
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Kurz nach Gründung durchlitt die Nato bereits ihre erste interne Krise. Frankreich entzog bereits 1959 seine Flotte der Nato-Unterstellung. 1966 verabschiedeten sich die Vertreter des Landes aus allen militärischen Organen des Verteidigungsbündnisses. Frankreichs Präsident Charles de Gaulle (l.), hier bei der Beerdigung John F. Kennedys, fürchtete eine Dominanz der USA in der Nato und pochte auf die Unabhängigkeit der französischen Streitkräfte. Das Land kehrte erst im Jahr 2009 wieder als vollwertiges Mitglied in die militärischen Strukturen zurück. © imago
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Im Jahr 1982 fand die nächste Erweiterungsrunde der Nato statt. Spanien wurde das 16. Mitglied des Verteidigungsbündnisses und nahm kurz darauf am Nato-Gipfel in Bonn teil. In der damaligen Bundeshauptstadt kamen die Staatsoberhäupter und Regierungschefs zusammen (v.l.n.r.): Kare Willoch (Norwegen), Francisco Balsemao (Portugal), Leopoldo Calvo-Sotelo (Spanien), Bülent Ulusu (Türkei), Margaret Thatcher (Großbritannien) und Ronald Reagan (USA). © imago
Ihren ersten Kampfeinsatz startete die Nato am 30. August 1995 mit der Operation „Deliberate Force“ gegen serbische Freischärler im ehemaligen Jugoslawien. Offiziell trat die Nato dabei nur als eine Art bewaffneter Arm der UN-Mission im Land auf. Beteiligt waren 5000 Soldaten aus 15 Ländern mit 400 Flugzeugen, darunter 222 Kampfflugzeugen. 54 dieser Maschinen, die rund um die Uhr von drei Flugzeugträgern und 18 Luftwaffenstützpunkten in Europa losflogen, waren F-16 Fighting Falcon (im Bild).
Am 30. August 1995 startete die Nato die Operation „Deliberate Force“ gegen serbische Freischärler im ehemaligen Jugoslawien. Offiziell trat die Nato dabei nur als eine Art bewaffneter Arm der UN-Mission im Land auf. Beteiligt waren 5000 Soldaten aus 15 Ländern mit 400 Flugzeugen, darunter 222 Kampfflugzeugen. 54 dieser Maschinen, die rund um die Uhr von drei Flugzeugträgern und 18 Luftwaffenstützpunkten in Europa losflogen, waren F-16 Fighting Falcon (im Bild). © DOD/USAF/afp
Bei der Operation kam es zum ersten Kampfeinsatz der deutschen Luftwaffe seit dem Zweiten Weltkrieg. 14 deutsche Tornado-Kampfflugzeuge flogen von Piacenza aus 65 Einsätze. Nach dem Abzug der schweren Waffen durch die Serben und einer Garantie für die verbliebenen Schutzzonen wurde die Luftoperation am 21. September 1995 beendet. Nato-Befehlshaber Leighton Smith (Mitte) und UN-Balkankommandant Bernard Janvier (rechts) konnten sich schon am Tag davor am Flughafen von Sarajevo als Sieger fühlen.
Am ersten Kampfseinsatz der Nato war auch Deutschland beteiligt. Die Bundeswehr schickte Tornado-Kampfflugzeuge in den Krieg in Jugoslawien. Ab Juni 1999 übernahm Deutschland die militärische Führung über einen Sektor des Kosovos im Rahmen der so genannten Kosovo-Friedenstruppe (KFOR). Zu Beginn befanden sich rund 6.000 deutsche Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr im Einsatz im Kosovo. © ANJA NIEDRINGHAUS/afp
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Es war der erste Kriegseinsatz der deutschen Luftwaffe seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. 14 deutsche Tornado-Kampfflugzeuge flogen von Piacenza aus 65 Einsätze im ehemaligen Jugoslawien. Nach dem Abzug der schweren Waffen durch die Serben und einer Garantie für die verbliebenen Schutzzonen wurde die Luftoperation am 21. September 1995 beendet. © dpa
Bereits im Jahr 1998 hatte hatte das Kabinett Kohl gemeinsam mit den Wahlsiegern der Bundestagswahl 1998, Gerhard Schröder und Joschka Fischer, den ersten Einsatz deutscher Soldaten in einem militärischen Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg beschlossen. Außenminister Fischer appellierte: „Wir haben immer gesagt: ‚Nie wieder Krieg!‘ Aber wir haben auch immer gesagt: ‚Nie wieder Auschwitz!‘“ Die Menschen in Deutschland gingen bei Antikriegsdemos gegen den Nato-Einsatz auf die Straße, so wie hier zum Beispiel am 25. März 1999 in Leipzig.
Bereits im Jahr 1998 hatte das Kabinett Kohl gemeinsam mit den Wahlsiegern der Bundestagswahl 1998, Gerhard Schröder und Joschka Fischer, den ersten Einsatz deutscher Soldaten in einem militärischen Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg beschlossen. Außenminister Fischer appellierte: „Wir haben immer gesagt: ‚Nie wieder Krieg!‘ Aber wir haben auch immer gesagt: ‚Nie wieder Auschwitz!‘“ Die Menschen in Deutschland gingen bei Antikriegsdemos gegen den Nato-Einsatz auf die Straße, so wie hier zum Beispiel am 25. März 1999 in Leipzig.  © ECKEHARD SCHULZ/Imago
Seit Anfang 2001 lieferten sich die Rebellen der UCK (Befreiungsarmee im Kosovo), die bereits im Kosovo-Krieg gegen die Serben gekämpft hatten, Kämpfe mit der mazedonischen Armee. Nach Abschluss eines Friedensabkommens stimmte die UCK ihrer Entwaffnung und Auflösung zu und übergab der Nato ihre Waffen. Insgesamt wurden 3875 Waffen der Rebellen eingesammelt und eingeschmolzen.
Seit Anfang 2001 lieferten sich die Rebellen der UCK (Befreiungsarmee im Kosovo), die bereits im Kosovo-Krieg gegen die Serben gekämpft hatten, Kämpfe mit der mazedonischen Armee. Nach Abschluss eines Friedensabkommens stimmte die UCK ihrer Entwaffnung und Auflösung zu und übergab der Nato ihre Waffen. Insgesamt wurden 3875 Waffen der Rebellen eingesammelt und eingeschmolzen. © Louisa Gouliamaki/dpa
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Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs erweiterte sich die Nato um Länder der ehemaligen Sowjetunion. Am 12. März 1999 wurden die Flaggen von Polen, Tschechien und Ungarn am Nato-Hauptquartier in Brüssel (Belgien) gehisst. Das Verteidigungsbündnis war damit auf 19 Mitgliedsstaaten gewachsen. © ATTILA SEREN/imago
Im August 2003 übernahm die Nato durch ein Mandat der Vereinten Nationen in Afghanistan das Kommando über internationale Friedenstruppen und läutete damit den ersten Einsatz des Bündnisses außerhalb Europas ein. der Einsatz der International Security Assistance Force (ISAF) war ein sogenannter friedenserzwingender Einsatz unter Verantwortung der beteiligten Staaten im Rahmen des Krieges in Afghanistan von 2001 bis 2014.
Im August 2003 übernahm die Nato durch ein Mandat der Vereinten Nationen in Afghanistan das Kommando über internationale Friedenstruppen und läutete damit den ersten Einsatz des Bündnisses außerhalb Europas ein. Der Einsatz der International Security Assistance Force (ISAF) war ein sogenannter friedenserzwingender Einsatz unter Verantwortung der beteiligten Staaten im Rahmen des Krieges in Afghanistan von 2001 bis 2014.  © SHAH MARAI/afp
Nato-Einsatz in Afghanistan
Am Nato-Einsatz in Afghanistan beteiligte sich auch die deutsche Bundeswehr. Mit gleichzeitig 5.300 stationierten Soldatinnen und Soldaten war es der größte Auslandseinsatz der Bundeswehr. Als Teil der International Security Assistance Force (ISAF) waren deutsche Streitkräfte an mindestens zehn Kampfeinsätzen beteiligt. Zwischen 2001 und 2014 wurden 59 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan getötet. © Michael Kappeler/dpa
Im Februar 2020 unterzeichnete Donald Trumps Regierung mit den Taliban das Doha-Abkommen
Im Februar 2020 unterzeichnete Donald Trumps Regierung mit den Taliban das Doha-Abkommen, das einen vollständigen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan bis Ende April 2021 beinhaltete. Trumps Nachfolger Joe Biden terminierte den Abzug der US-Truppen bis zum symbolischen Stichtag des 11. September. Die verbündeten Nato-Staaten schlossen sich an, und so begann auch die Bundeswehr mit dem Abzug ihrer letzten Streitkräfte aus Afghanistan. © Boris Roessler/dpa
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Im Jahr 2004 fand die bis dato größte Erweiterungsrunde der Nato statt. Der damalige US-Außenminister Colin Powell gab bekannt, dass das Verteidigungsbündnis sieben neue Mitgliedsstaaten auf einen Streich aufnehmen werde: Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, die Slowakei und Slowenien. Die Nato bestand damit aus 26 Mitgliedern. © BENOIT DOPPAGNE/imago
Seit Juni 2005 unterstützt die Nato die Afrikanische Union, u.a. auch die AU-Mission in Somalia (Amisom). Dort kontrolliert die mit der Terrororganisation Al Qaida verbundene islamistische Bewegung Al-Shabaab Teile des Südens und setzt die Scharia in strenger Form durch. Im Rahmen der AU-Mission in Somalia testet ein Panzerfahrer im Januar 2013 seine Lenkung, während er auf einem Stützpunkt an der Front in Lower Shabelle stationiert ist.
Seit Juni 2005 unterstützt die Nato die Afrikanische Union, u.a. auch die AU-Mission in Somalia (Amisom). Dort kontrolliert die mit der Terrororganisation Al Qaida verbundene islamistische Bewegung Al-Shabaab Teile des Südens und setzt die Scharia in strenger Form durch. Im Rahmen der AU-Mission in Somalia testet ein Panzerfahrer im Januar 2013 seine Lenkung, während er auf einem Stützpunkt an der Front in Lower Shabelle stationiert ist. © TOBIN JONES/afp
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Zu ihrem 50-jährigen Bestehen im Jahr 2009 nahm die Nato zwei weitere Mitglieder auf: Albanien und Kroatien. Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte den albanischen Ministerpräsidenten Sali Berisha bei den Feierlichkeiten rund um die Erweiterung sowie zum Jubiläum auf dem Nato-Gipfel in Straßburg und Kehl. © imago
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Am 5. Juni 2017 wird die Nato um ein weiteres Mitglied erweitert. Montenegro tritt dem Verteidigungsbündnis bei. Das Land hatte sich 2006 von Serbien unabhängig erklärt und wurde inklusive Flagge elf Jahre später in Brüssel am Nato-Hauptquartier begrüßt.  © Gong Bing/imago
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Die vorerst letzte Nato-Erweiterung fand im Jahr 2020 statt. Am 27. März trat Nordmazedonien dem Verteidigungsbündnis bei. Griechenland hatte die Aufnahme des Landes wegen eines Streits über dessen Namen jahrelang blockiert. Nachdem sich beide Länder geeinigt hatten, war der Weg frei für gemeinsame Manöver, wie hier zum Beispiel mit Einheiten der US-Armee in der Nähe von Krivolak. © imago
Im Rahmen ihrer Mission im Irak traniert und unterstützt die Nato die irakischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat. Am 9. Dezember 2021 trafen sich der irakische Sicherheitsberater Qassem al-Araji (links) und der Nato-Befehlshaber Michael Lollesgaard in der „Grünen Zone“ der Hauptstadt Bagdad. Die USA-geführte Koalition beendete damals ihren Kampfeinsatz und verlegte sich auf eine Ausbildungs- und Beratungsrolle.
Im Rahmen ihrer Mission im Irak traniert und unterstützt die Nato die irakischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat. Am 9. Dezember 2021 trafen sich der irakische Sicherheitsberater Qassem al-Araji (links) und der Nato-Befehlshaber Michael Lollesgaard in der „Grünen Zone“ der Hauptstadt Bagdad. Die USA-geführte Koalition beendete damals ihren Kampfeinsatz und verlegte sich auf eine Ausbildungs- und Beratungsrolle. © AHMAD AL-RUBAYE/afp
Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat die Nato ihre seit Jahren bestehende Mission für die Luftsicherheit der baltischen Staaten an der Ostflanke des Militärbündnisses noch einmal ausgebaut. Zur Luftraum-Überwachung setzt Frankreich vier Rafale-Kampfflugzeuge ein. Vor dem Start am 25. November 2022 bereitet ein Düsenjägerpilot in Mont-de-Marsan noch einmal sein Flugzeug für die viermonatigen Mission vor.
Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat die Nato ihre seit Jahren bestehende Mission für die Luftsicherheit der baltischen Staaten an der Ostflanke des Militärbündnisses noch einmal ausgebaut. Zur Überwachung des Luftraums setzt Frankreich vier Rafale-Kampfflugzeuge ein. Vor dem Start am 25. November 2022 bereitet ein Pilot in Mont-de-Marsan noch einmal seinen Jet für die viermonatige Mission vor.  © THIBAUD MORITZ/afp
Unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs ist im April 2023 auch Finnland der Nato beigetreten. Der Schritt ist historisch. Finnlands Präsident Sauli Niinistö bezeichnete den Nato-Beitritt als Beginn einer neuen Ära. Finnland hat eine 1340 Kilometer lange Grenze zu Russland. Das nordische Land mit seinen rund 5,5 Millionen Einwohnern hatte zuvor jahrzehntelang großen Wert auf militärische Bündnisfreiheit gelegt. Mit dem Beitritt Finnlands wächst die Nato-Außengrenze Richtung Russland nun auf mehr als das Doppelte an.
Unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs ist im April 2023 auch Finnland der Nato beigetreten. Der Schritt ist historisch. Finnlands Präsident Sauli Niinistö bezeichnete den Nato-Beitritt als Beginn einer neuen Ära. Finnland hat eine 1340 Kilometer lange Grenze zu Russland. Das nordische Land mit seinen rund 5,5 Millionen Einwohnern hatte zuvor jahrzehntelang großen Wert auf militärische Bündnisfreiheit gelegt. Mit dem Beitritt Finnlands wächst die Nato-Außengrenze Richtung Russland nun auf mehr als das Doppelte an. © JOHN THYS/afp
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Und am Horizont ist bereits die nächste Erweiterung der Nato zu sehen. Zusammen mit Finnland hatte sich auch Schweden um einen Beitritt zum Verteidigungsbündnis beworben. Der Aufnahmeprozess läuft. Im baltischen Meer fanden bereits erste gemeinsame Übungen der US Navy und der schwedischen Marine statt.  © IMAGO/U.S. Navy
Droht immer wieder mit einem Austritt aus der Nato: US-Präsident Donald Trump.
Bereits während seiner ersten Amtszeit stellte US-Präsident Donald Trump den Nutzen der Nato für die USA infrage und kritisierte die Verbündeten dafür, zu wenig in ihre Verteidigung zu investieren. Stattdessen würden sich die Staaten der Europäischen Union (EU) auf die militärische Stärke der USA verlassen. Nach seinem Sieg bei der US-Wahl 2024 erneuerte Trump seine Kritik und stellte sogar Artikel 5 des Nordatlantikvertrags infrage. Dieser besagt, dass ein Angriff auf einen Nato-Staat als Angriff auf alle Nato-Staaten gilt. © Anna Ross/Uncredited/dpa/Montage

Ukraine warnt: „Die Russen werden das Baltikum in sieben Tagen einnehmen“

Das seien auch Frontstaaten, sagt Oleksandr Merezhko gegenüber Newsweek. Sorgen seien berechtigt. Ihm zufolge, sei die wichtigste Lektion, die die Ostflanke von der Ukraine lernen sollte: „Wenn Sie überleben wollen, sollten Sie sich nur auf sich selbst verlassen“, so der Vorsitzende des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten des ukrainischen Parlaments „Die Russen werden das Baltikum in sieben Tagen einnehmen“, sagte Vadym Skibitsky in einem Gespräch mit dem britischen Economist. „Die Nato hat zehn Tage Reaktionszeit“, so der stellvertretende Leiter des ukrainischen Militärgeheimdienstes weiter. Vor rund zehn Jahren hatte der US-Thinktank RAND Szenarien durchgespielt: Denen zufolge könnte Russland die Hauptstädte Tallinn oder Riga in 60 Stunden eingenommen haben.

Seit 2017 sind multinationale Bataillonsgefechtsverbände der Nato im Baltikum permanent und im Rotationsverfahren stationiert. In Litauen sollen die Deutschen bis 2027 rund 5000 Kräfte dauerhaft präsent halten. 3500 Kräfte, größtenteils aus Kanada, stehen in Lettland. In Estland sind aktuell etwas mehr als 2000 Nato-Kräfte stationiert, den Großteil bilden britische Truppen – die wollen ihr Engagement Mitte 2025 sogar noch ausbauen, wie die britische Regierung Ende 2024 mit Estland vereinbart hat. Damit verpflichtet sich das Vereinigte Königreich im Krisenfall das 4th Light Brigade Combat Team, bekannt als die „Black Rats“ unverzüglich nach Estland zu verlegen – innerhalb von zehn Tagen soll das Kontingent der üblichen Größe einer solchen Einheit von 3000 bis 5000 Kräften an der Front stehen.

Insofern scheint möglicherweise unwesentlich zu sein, ob russische Invasionstruppen nach fünf oder sieben Tagen die Kontrolle über baltische Städte übernommen hätten. Denn ob mit den nachstoßenden multinationalen Verbänden auch US-amerikanische Truppen eingesetzt würden, bleibt fraglich, seit US-Präsident Donald Trump das Engagement seines Landes von dem der europäischen Bündnispartner abhängig macht. Nach der Zusammenstellung des Thinktanks Council von Foreign Relations ist die US-Präsenz im Baltikum überschaubar: Trotz vieler Rotationen sind dort dauerhaft lediglich 700 Kräfte in Estland stationiert und in Litauen 1000.

Ohne nukleare Teilhabe: F-35-Kampfjet wäre möglicherweise obsolet

Allerdings führen sie den multinationalen Verband in Polen an – mit 14.000 Kräften. Wie Molly CarloughBenjamin Harris und Abi McGowan zusammengetragen haben, verwalten die US-Streitkräfte ihr Atomwaffenarsenal in Europa. Zwar versteht die Nato unter atomarer Teilhabe, dass die USA keinesfalls allein über den Einsatz der Waffen im Bündnisfall entscheiden würden, dass aber ohne die USA auch keine Entscheidung getroffen werden könnte; darüber hinaus stellen die Länder die technischen Voraussetzungen zum Nuklearwaffen-Einsatz. Dazu benötigte Deutschland beispielsweise den F-35-Kampfjet. Ohne diese Aufgabe wäre er möglicherweise obsolet.

Die Atomwaffen gehören elementar zur Nato-Abschreckungsstrategie; im Rahmen dieser Abkommen hätten die Vereinigten Staaten ursprünglich fast 7.000 Atomwaffen in Europa gelagert. Dieser Bestand ist deutlich geschrumpft auf vermutlich rund 100 B16-Freifallbomben, wie die Federation of American Scientists schätzt – diese kleineren taktischen Atomwaffen sind wahrscheinlich stationiert in Belgien, Italien, den Niederlanden, Deutschland und der Türkei. Ohne sie könnte die Nato-Drohgebärde unglaubwürdig wirken.

Laut den CFR-Analysten sei offen, wie sich eine Truppenreduzierung auf die Zahl oder Verteilung der US-Atomwaffen auf Europa auswirken würde; wie sie in ihrer Analyse deutlichen machen, ist eines aber klar: „Der Abbau des sogenannten ,nuklearen Schutzschirms‘ der USA würde eine erhebliche Lücke im kollektiven europäischen Atomarsenal hinterlassen, die Russland leicht ausnutzen könnte.“

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