Netanjahu spricht nach Evakuierungen vor Gaza-Offensive über „wunderbare Strandgrundstücke“
VonFelix Busjaeger
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Gaza-Offensive und Hamas-Attacke in Katar bringen Israel in Erklärungsnot. Netanjahu verschärft die Lage mit einer Bemerkung zum Gazastreifen.
Tel Aviv – Etwa 200.000 Menschen haben nach UN-Angaben inzwischen den Gazastreifen verlassen. Bereits am vergangenen Dienstag, dem 9. September, hatte die israelische Armee (IDF) eine Evakuierung von Gaza-Stadt in Vorbereitung auf eine neue Offensive angeordnet, inzwischen gab die Times of Israel bekannt, dass zwei neue Hilfsunterkünfte im südlichen Raum des Gazastreifens errichtet werden. Unmittelbar vor einer möglichen Eskalation wächst zugleich die Kritik an Israels Führung um Premier Benjamin Netanjahu.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
Wenige Tage nach den Angriffen auf Hamas-Strukturen in Katar erhöhte Premier Netanjahu derweil den Druck auf die Regierung des Landes. „Ich sage Katar und all den Ländern, die Terroristen Unterschlupf gewähren, entweder weist ihr sie aus oder zieht sie zur Rechenschaft. Denn wenn ihr es nicht tut, dann werden wir es tun“, ließ er sich von seinem Büro zitieren. Katars Regierung reagierte unmittelbar mit Kritik. Doch Netanjahu sorgte mit weiteren Äußerungen für Kontroversen.
Vor Gaza-Offensive: Netanjahu äußert sich zur Zukunft des Gazastreifens
Bei einer Zeremonie in der Stadt Bat Jam südlich von Tel Aviv äußerte sich Netanjahu auch zur Zukunft des Gazastreifens. Dort nahm er an der Grundsteinlegung einer Strandpromenade teil, die nach US-Präsident Donald Trump benannt wurde. Netanjahu sagte, das Gebiet müsse ein „Ort des Friedens, des Wohlstands und des guten Lebens werden“ – und sprach zugleich von „wunderbaren Strandgrundstücken“.
Auch Trump habe sich in der Vergangenheit zu Gaza geäußert. Der Republikaner hatte die Idee ins Spiel gebracht, die Kontrolle über den Küstenstreifen zu übernehmen und ihn in eine „Riviera des Nahen Ostens“ zu verwandeln. Ultrarechte Mitglieder von Netanjahus Regierung befürworten eine Wiederbesiedlung des Gazastreifens.
Auf diesem von GPO zur Verfügung gestellten Bild ist der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (M) bei der Grundsteinlegung für eine Promenade südlich von Tel Aviv zu sehen. Die Strandpromenade ist nach dem US-Präsidenten Trump benannt.
Zukunft des Gazastreifens: Israel vor Problem – wegen Hamas-Angriff in Katar
Aufgrund der Äußerungen zur Zukunft des Gazastreifens sorgen sich zahlreiche Palästinenser vor einer weiteren Welle der Flucht und Vertreibung. Durch den Angriff auf die Hamas-Spitze in Katar scheint sich die Gewaltspirale weiterzudrehen. Das Vorgehen von Netanjahu könnte allerdings auch das Verhältnis zu Trump belasten. Israels Premier bezeichnete den Republikaner zwar als den „besten Freund, den Israel je im Weißen Haus hatte“. Doch der US-Präsident soll über das Vorgehen in Doha nicht vorab informiert worden sein.
Laut Süddeutscher Zeitung sollen Trump und seine Leute wegen des Schlags außer sich sein. Er sagte am Dienstagabend vor Reportern, er sei „nicht angetan“ von der unabgesprochenen Attacke. Wie seine Sprecherin Leavitt sagte, „bedauere“ Trump den Angriff in Doha sehr. In der Folge wurde bekannt, dass Trump wohl ein „hitziges Telefonat“ mit Netanjahu geführt haben soll.
Kritik an Israel wegen Angriff in Katar: Doha berät mit arabischen und islamischen Staaten
Auch in Deutschland wächst der Unmut über Israel. Laut einer Umfrage der Forschungsagentur Verian für den Spiegel sprachen sich fast zwei Drittel der Befragten für EU-Sanktionen gegen Israel aus. Christoph Schott, Europa-Direktor der Menschenrechtsorganisation Avaaz, sagte: „Die Bundesregierung steht zunehmend isoliert da – nicht nur in Europa, sondern inzwischen auch bei den eigenen Wählern.“
Israels Angriff in Katar hat derweil ein Nachspiel. Als Reaktion hat Katar zu einem Sondergipfel mit fast 60 arabischen und islamischen Staaten eingeladen. Das Treffen der Arabischen Liga und der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) sei für diesen Sonntag und Montag geplant, berichtete die katarische Staatsagentur QNA. Mutmaßlich könnte bei dem Treffen die künftige, gemeinsame Haltung der Länder festgelegt werden. (Quellen: dpa, QNA, Süddeutsche Zeitung, Spiegel, Times of Israel) (fbu)
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