Freie Wirtschaftszone?

Neuer Donbass-Plan enthüllt: Selenskyj fürchtet perfide Putin-Strategie hinter Trumps Ukraine-Deal

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Kompromiss in den Ukraine-Verhandlungen? Die USA unter Trump schlagen eine „freie Wirtschaftszone“ für den Donbass vor. Selenskyj stellt das infrage.

Kiew/Washington, D.C. –Die USA haben nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vorgeschlagen, den noch von ukrainischen Truppen kontrollierten Teil des Donbass im Osten des Landes zu einer „freien Wirtschaftszone“ zu erklären. Der Kompromissvorschlag sehe vor, dass die Truppen von Wladimir Putin nicht in dieses Gebiet vordringen, während sich die ukrainische Armee aus Teilen der Region zurückziehen würde, sagte Selenskyj Journalisten in Kiew.

US-Präsident Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj: Washington bringt eine „freie Wirtschaftszone“ im Donbass als Teil eines Friedensplans ins Spiel – Kiew fordert Sicherheitsgarantien und einen gleichwertigen Rückzug Russlands.

Selenskyj stellte den Ansatz für ein Ende des Ukraine-Krieg laut dpa jedoch offen infrage. Der Fairness halber müsse auch Russland zu einem gleichwertigen Rückzug bereit sein. „Wenn sich die eine Seite zurückzieht, wie man es von den Ukrainern verlangt, warum zieht sich die andere Kriegspartei nicht um die gleiche Entfernung in die andere Richtung zurück?“, fragte der Präsident. Territorialfragen bleiben damit eines der zentralen Hindernisse auf dem Weg zu einer Einigung.

Plan für Ende des Ukraine-Kriegs: Trump will freie Wirtschaftszone im Donbass

Unklar ist nach Selenskyjs Darstellung insbesondere, wer eine solche Wirtschaftszone verwalten und absichern würde. Er warnte davor, schreibt CNN, dass Russland das Gebiet auch ohne offenen Vormarsch faktisch kontrollieren könnte – etwa durch verdeckte Präsenz von Soldaten oder Einflussnahme unter zivilem Deckmantel. Vergleichbare Szenarien habe es bereits in der Vergangenheit gegeben.

Nach Darstellung der britischen Zeitung The Guardian zweifelt Selenskyj zudem grundsätzlich an der Fairness des Modells, solange es keine belastbaren Garantien gibt, dass Russland die Zone nach einem ukrainischen Rückzug nicht doch übernimmt. Ohne klare Sicherheitsmechanismen sei das Risiko hoch, dass Putin schrittweise Fakten schafft.

Was bedeutet „freie Wirtschaftszone“ im Donbass?

US-Vorschlag: Einrichtung einer wirtschaftlich offenen, militärisch eingeschränkten Zone in Teilen des Donbass

Militärisch: Rückzug ukrainischer Truppen aus bestimmten Gebieten; Russland soll dort nicht einrücken („demilitarisierte Zone“)

Offene Punkte: Unklar, wer Verwaltung, Sicherheit und Kontrolle übernimmt

Ziel: Vertrauen schaffen, Investitionen ermöglichen, Verhandlungen entkrampfen

Risiko aus Sicht der Ukraine: Verdeckte russische Einflussnahme oder militärische Infiltration

Politische Hürden: Gebietsfragen dürfen laut ukrainischer Verfassung nur per Referendum entschieden werden

In Russland stößt der Vorschlag ebenfalls auf Skepsis, wie Ntv berichtet. Der Kreml beharrt darauf, den gesamten Donbass unter russische Kontrolle zu bringen. Russland betrachtet die Regionen Donezk und Luhansk sowie die besetzten Gebiete Cherson, Saporischschja und die Krim als eigenes Staatsgebiet und verlangt von Kiew deren Anerkennung. Für die Ukraine ist das nicht akzeptabel.

Ukraine-Krieg: US-Druck und europäische Gesprächsformate

Der Vorschlag ist Teil eines umfassenderen, von den USA imitiierten Friedensrahmens. Präsident Donald Trump drängt auf schnelle Fortschritte und erklärte, weitere Gespräche würden nur dann geführt, wenn reale Erfolgsaussichten bestünden. Seine Sprecherin Karoline Leavitt sagte gemäß Axios, Trump sei „äußerst frustriert“ über den schleppenden Verlauf der Verhandlungen und erwarte konkrete Ergebnisse statt weiterer Gesprächsrunden.

Laut The Guardian hat Trump den Druck auf Selenskyj zuletzt auch öffentlich erhöht. Demnach stellte er die Legitimität des ukrainischen Präsidenten infrage und drängte auf Wahlen, obwohl diese unter dem geltenden Kriegsrecht nicht möglich sind. In Washington wird dies als zusätzliches Mittel gesehen, die Ukraine zu Zugeständnissen zu bewegen.

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Parallel dazu bereiten die Ukraine und ihre europäischen Partner neue Treffen vor. Am Wochenende sollen Gespräche in Paris stattfinden, auch ein mögliches Folgetreffen in Berlin steht im Raum. Ob Vertreter der US-Regierung daran teilnehmen, blieb zuletzt offen, so Reuters. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte signalisiert, Deutschland könne eine weitere Gesprächsrunde ausrichten.

Trump für Wirtschaftszone im Donbass: Selenskyj pocht auf Volksentscheid

Für Kiew bleiben Sicherheitsgarantien der entscheidende Punkt bei den Ukraine-Verhandlungen. Selenskyj verwies laut Reuters auf frühere Zusagen, die aus ukrainischer Sicht nicht eingehalten wurden, und forderte klare Verpflichtungen der Partner für den Fall eines erneuten russischen Angriffs. Ohne solche Garantien könne es keine tragfähige Lösung im Ukraine-Krieg geben.

Zugleich betonte der Präsident erneut, dass mögliche Gebietsabtretungen nicht von der Regierung allein entschieden werden dürften. „In Form von Wahlen oder in Form eines Referendums, doch muss es die Position des Volkes der Ukraine sein“, sagte Selenskyj. Laut Umfragen lehnt eine große Mehrheit der Ukrainer territoriale Zugeständnisse an Russland ab. Die ukrainische Verfassung sieht zudem vor, dass Gebietsänderungen ausschließlich per landesweitem Referendum beschlossen werden können – solange das Kriegsrecht gilt, ist eine Verfassungsänderung ausgeschlossen.

Kiesewetter zum Ende des Ukraine-Kriegs: Trump denkt in Deals, nicht in Bündnissen

Scharfe Kritik an Trumps Außenpolitik äußerte der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter. „Trump interessiert sich nicht für Europa, sondern handelt transaktional und mit dem Fokus auf Business-Deals“, sagte Kiesewetter auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Wertebündnisse wie die NATO oder die EU interessieren ihn nicht. Er hält die Europäer für schwach und deshalb nimmt er sie nicht als Partner wahr.“ Kieswetter bezieht sich damit auch auf die neue Nationale Sicherheitsstrategie der US-Regierung, die Europa als eine Art Gegner wertet.

Nach Einschätzung Kiesewetters folgt Trump zwar der Linie früherer US-Präsidenten, Europa stärker in die sicherheitspolitische Verantwortung zu nehmen. Problematisch sei jedoch, dass es Trump primär um eigene Interessen und die Durchsetzung von Einflusssphären gehe. „Die regelbasierte Ordnung, zu der auch die NATO als Bündnis gehört, interessiert ihn nicht, weil er dies eher als Ballast sieht, denn als strategischen Mehrwert.“ Europas Konsequenz daraus sei klar: Der Kontinent müsse sich sicherheitspolitisch zunehmend auf sich selbst einstellen. (Quellen: Ntv, The Guardian, dpa, Reuters, CNN, Axios) (chnnn)

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