81 größere Projekte

Pistorius investiert massiv: Kampfjets, Panzer, frische Wäsche

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„Das sei ein Sprung, der notwendig sei“, so Boris Pistorius zum Anstieg seines Budgets. Putins Drohungen bedingen mehr Material für die Bundeswehr.

Berlin – „Das waren gute Beratungen“, sagte Boris Pistorius. „Sehr sachlich, sehr zielorientiert“, äußerte sich der Verteidigungsminister der SPD nach der „Bereinigungssitzung“ des Haushaltsausschusses, wie die Tagesschau berichtet. Die Minister haben darin ihre Ausgaben zu erläutern und eventuell gegen Kürzungen zu kämpfen. Laut der Tagesschau verlief die Sitzung ohne Zank; der Haushalt 2025 steht. Etwas über 62 Milliarden Euro umfasst der Verteidigungsetat – auch ohne Sondervermögen darf Pistorius neben den Ausgaben für Arbeit und Soziales am großzügigsten von allen Ressorts investieren. Der Ukraine-Krieg und Wladimir Putins Großmacht-Gelüste lassen die Wunschliste der Bundeswehr länger und länger werden: Panzer, Jets, Hubschrauber – und neue Kleidung.

Bundeswehr-Einkauf: 81 größere Projekte liste ein internes Dokument des Verteidigungsministeriums auf

Insgesamt 81 größere Projekte liste ein internes Dokument des Verteidigungsministeriums auf, berichtet das Handelsblatt: „Eine weitere Tranche an Eurofightern, Radpanzer Boxer, Schützenpanzer Puma und ein System zur KI-gestützten Überwachung großer Räume an der Nato-Ostflanke“, schreibt Handelsblatt-Autor Frank Specht. Inklusive Sondervermögen stellen die Haushälter Pistorius 86 Milliarden Euro zur Verfügung; laut dem Handelsblatt sollen Ausgaben für weitere Eurofighter-Kampfjets stärker gewichtet werden, als von Finanzminister ursprünglich abgedacht: 797 statt ursprünglicher 244 Millionen Euro. Bis Dezember will der Haushaltsausschuss über die Bestellung einer fünften Tranche des Standard-Kampfjets der Bundeswehr entscheiden. Ebenfalls über leichte Transporthubschrauber des Typs Airbus H-145M, weitere Panzer der Typen Boxer und Puma, Patria-Radpanzer sowie Flugkörper für die Luftverteidigungssysteme Iris-T und Patriot, daneben israelische Heron-Drohnen.

Vom Schützen bis zum General: Das sind die Dienstgrade der Bundeswehr

Reservisten-Kompanie der Bundeswerh in Sachsen
Wie beim Militär üblich, gibt es auch bei der Bundeswehr eine klare Hierarchie in der Truppe. Jeder Soldat und jede Soldatin erhält einen Dienstgrad, über den neben der Position in der Befehlskette und dem Verantwortungsbereich auch die Besoldung geregelt wird. Welche Dienstgrade es in der Bundeswehr gibt und wer in der Hierarchie ganz oben steht, erfahren Sie in dieser Fotostrecke. © Matthias Hiekel/dpa
Freiwilliger Wehrdienst der Bundeswehr im Heimatschutz in Burg
Grundsätzlich lassen sich die Dienstgrade bei der Bundeswehr in drei Oberkategorien einteilen. Mannschaften, Unteroffiziere und Offiziere. Auf der niedrigsten Hierarchieebene in der Bundeswehr stehen zunächst die Mannschaften. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Öffentliches Gelöbnis von Rekruten der Bundeswehr vor dem Abgeordnetenhaus.
Der niedrigste Dienstgrad von Rekruten in der Bundeswehr richtet sich in der Regel nach der Truppengattung. Mögliche Bezeichnungen für die Rekruten lauten Schütze, Flieger oder Matrose. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Ein Gefreiter und ein Obergefreiter der Bundeswehr.
Die verschiedenen Dienstgrade der Bundeswehr lassen sich zur schnellen Erkennung an den Schulterklappen der Soldaten ablesen. Auf der untersten Ebene in den Mannschaften nach dem einfachen Soldaten steht der Gefreite (r) gefolgt vom Obergefreiten (l). Die Schulterklappen zeigen einen bzw. zwei schräge Streifen. Soldaten können frühestens nach drei bzw. sechs Monaten zum Gefreiten oder Obergefreiten ernannt werden.  © Mathias Ernert/dpa
Ein Hauptgefreiter der deutschen Bundeswehr bei einer Übung auf dem Truppenübungsgelände Bergen in der Lüneburger Heide.
Als Nächstes in der Rangordnung folgt der Hauptgefreite, der Schulterklappen mit drei schrägen Streifen trägt. Im Soldatenjargon werden die Querstreifen auch „Pommes“ oder „Fritte“ bezeichnet. Die Mindestdienstzeit für die Ernennung zum Hauptgefreiten liegt bei 12 Monaten. © Chris Emil Janssen/imago-images
Ein Stabsgefreiter der Bundeswehr berät einen Interessenten
Nach drei Jahren im Dienst können Soldaten in den Rang einen Stabsgefreiten aufsteigen. Stabsgefreite steigen auch eine Besoldungsgruppe auf und tragen Schulterklappen mit vier Streifen. © Michael Gottschalk/dpa
Ein Oberstabsgefreiter der Bundeswehr bei einr Militaeruebung.
Nach einem weiteren Jahr im Dienst – also nach vier Jahren – ist die Beförderung zum Oberstabsgefreiten möglich. Bis 2021 bildete der Dienstgrad – zu erkennen an den fünf Querstreifen an den Schulterklappen – den höchsten Dienstgrad in der Laufbahn der Mannschaftssoldaten. © Juliane Sonntag/imago-images
Ein Korporal der Bundeswehr.
2021 schuf die Bundeswehr im Rahmen der „Modernisierung der Laufbahnen“ zwei neue Dienstgrade für Mannschaftssoldaten. Soldaten erhielten nach sieben Jahren im Dienst die Möglichkeit, zum Korporal aufzusteigen. Der mit der Beförderung verbundene Aufstieg in eine höhere Soldgruppe sollte auch die Laufbahn der Mannschaften attraktiver machen. Das Dienstgradabzeichen zeigt einen breiten Querstreifen. © Sebastian Wilke/Bundeswehr/dpa
Ein Oberstabsgefreiter der Bundeswehr wird zum Korporal befördert.
Der zweite neu eingeführte Dienstgrad war der des Stabskorporal, der künftig als neuer Spitzendienstgrad in den Mannschaften agiert. Soldaten können diesen frühestens nach zehn Jahren im Dienst, davon ein Jahr als Korporal, erhalten.  © Sebastian Wilke/Bundeswehr/dpa
Feierliche Vereidigung von Feldwebel und Unteroffiziersanwärtern der Bundeswehr Aufklärungsbataillon.
Die zweite Hauptgruppe der Bundeswehr sind die Unteroffiziere. „Unteroffiziere sind Spezialisten, aber auch Führer, Ausbilder und Erzieher der ihnen unterstellten Soldatinnen und Soldaten. Sie leiten und schulen das ihnen unterstellte Personal, beraten aber auch ihre eigenen Vorgesetzten“, schreibt die Bundeswehr auf ihrer eigenen Website. © imago-images
Unteroffiziere der Bundeswehr bei einer Übung.
Die Unteroffiziere gliedern sich wiederum in zwei Untergruppen. Unteroffiziere mit und ohne Portepee. Letztere vereint die ersten Dienstgrade der Laufbahn unter sich. Den Anfang macht der Unteroffizier. Dieser wird in die gleiche Besoldungsgruppe eingeteilt wie ein Stabsgefreiter. Die Schulterklappen zeigen eine nach unten offenen goldenen Bandstreifen genannt „Tresse“. Wer die Laufbahn eines Unteroffiziers ohne Portepee durchlaufen will, braucht mindestens einen Hauptschulabschluss. Das Pendant der Marine ist der Maat. © Swen Pförtner/dpa
Eine Stabsunteroffizierin der Bundeswehr mit einem Diensthund.
Stabsunteroffiziere bilden den höchsten Dienstgrad in der Gruppe der Unteroffiziere ohne Portepee. Das Dienstgradabzeichen zeigt eine geschlossene Tresse. Beim Sold liegen die Stabsunteroffiziere in der Gruppe A6 oder A7. Erstere ist auf dem Niveau der Korporale und Stabskorporale. Das Pendant der Marine ist der Obermaat. © Lars Heidrich/dpa
Eine Feldwebel der Bundeswehr hilft bei einer Teststation im Kampf gegen das Coronavirus.
Unteroffiziere mit Portepee bilden die nächsthöhere Untergruppe. Um diese Laufbahn anzustreben, brauchen Anwärter neben einem Hauptschulabschluss auch eine abgeschlossene Berufsausbildung. Nach Angaben der Bundeswehr muss sich ein Feldwebel in der Regel für acht bis 13 Jahre verpflichten. Das Dienstgradabzeichen des Feldwebels ist ein Winkel mit der Spitze nach oben in einer geschlossenen Tresse. Bei der Marine trägt der vergleichbare Dienstgrad die Bezeichnung Bootsmann. © Nicolas Armer/dpa
Ein Oberfeldwebel der Bundeswehr bei einer Gefechtsübung.
Das Dienstgradabzeichen mit zwei nach oben zeigenden Winkeln weist den Oberfeldwebel aus. Oberfeldwebel werden unter anderem als stellvertretende Zugführer oder Gruppenführer eingesetzt. In der Marine wird die Bezeichnung Oberbootsmann verwendet. © Jochen Lübke/dpa
Eine Oberfeldwebel der Bundeswehr beim Girls' Day im Bundesverteidigungsministerium.
Eine Besoldungsgruppe über dem Oberfeldwebel ist in der Bundeswehr der Hauptfeldwebel angesetzt. Das Dienstgradabzeichen zeigt einen Kopfwinkel mit der Spitze nach oben. Das Pendant der Marine ist der Hauptbootsmann. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Ein Stabsfeldwebel der Bundeswehr
Der Stabsfeldwebel zählt zu den Spitzenverdienern unter den Unteroffizieren mit Portepee (Besoldungsgruppe A9). Stabsfeldwebel werden neben ihren Aufgaben als Zugführer auch als Kompaniefeldwebel – auch „Spieß“ genannt – eingesetzt. Als solcher agiert er als Führer des Unteroffizierkorps einer Einheit und leitet den Innendienst. In der Marine lautet die Bezeichnung für den Dienstgrad Stabsbootsmann. © Juliane Sonntag/imago-images
Ein Oberstabdsfeldwebel der Bundeswehr in einem Büro.
Den höchsten Dienstgrad der Unteroffiziere mit Portepee bildet der Oberstabsfeldwebel. Er kommt vor allem in höheren Stäben und Ämtern zum Einsatz, dient aber ebenso wie der Stabsfeldwebel auch als „Spieß“ oder Zugführer. Das Dienstgradabzeichen für Oberstabsfeldwebel zeigt einen Kopfwinkel, darunter zwei Winkel. Das Pendant in der Marine heißt Oberstabsbootsmann. © Rolf Vennenbernd/dpa
Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer.
Die dritte und letzte Obergruppe bei der Bundeswehr sind die Offiziere. Die Bundeswehr bezeichnet sie auf ihrer Website als „Manager in Uniform“. Sie führen Kompanien und Bataillone, arbeiten in Stäben und dem Verteidigungsministerium. Neben einer praktischen militärischen Ausbildung absolvieren Offiziersanwärter auch ein akademisches Studium bei der Bundeswehr. Für fast alle Laufbahnen wird deswegen mindestens eine Fachhochschulreife vorausgesetzt. © Jacob Schröter/imago-images
Ein Leutnant der Bundeswehr steht vor einem Militärflugzeug.
Den Anfang in der Offizierslaufbahn macht der Leutnant. Durch seine Stellung kann er sowohl Soldaten aus der Gruppe der Mannschaften, als auch der Unteroffiziere Befehle erteilen. Der Leutnant ist in der Besoldungsgruppe A9 – auf dem Level eines Stabsfeldwebels – eingeordnet. Das Dienstgradabzeichen des Leutnants zeigt einen Stern.  © Lars Klemmer/dpa
Ein Oberleutnant der Bundeswehr bei der Nato-Großübung in Norwegen.
Eine Besoldungsgruppe weiter oben (A10) ist der Oberleutnant angesetzt. In der Regel erfolgt die Beförderung frühestens zwei Jahren nach der Ernennung zum Offizier. Das Dienstgradabzeichen zeigt zwei Sterne. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Ein Hauptmann der Bundeswehr auf einem Flugplatz.
Eine Stufe über dem Oberleutnant steht in der Rangordnung der Bundeswehr die Gruppe der Hauptleute. Diese beinhaltet die Dienstgrade Hauptmann und Stabshauptmann. Hauptleute werden häufig als militärische Führer in den Verbänden ihre Truppengattungen eingesetzt. Der Dienstgrad des Stabshauptmanns ist Offizieren des militärfachlichen Diensts vorbehalten. Die Schulterklappen zeigen drei (Hauptmann) oder vier (Stabshauptmann) Sterne. In der Marine lautet die Bezeichnung des Dienstgrads Kapitänleutnant bzw. Stabskapitänleutnant. © Achille Abboud/imago-images
Ein Major der Bundeswehr im Gespräch mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius.
Auf die Hauptleute folgt die Dienstgradgruppe der Stabsoffiziere, die in der Regel auf Stabsposten und als militärische Führer eingesetzt werden. Der erste Dienstgrad in der Gruppe ist der Major. Majore werden auch als Hörsaalleiter in Lehreinrichtungen der Bundeswehr oder in Referaten und Ministerien eingesetzt. Das Dienstgradabzeichen zeigt ein Eichenlaub und einen Stern. Das Pendant der Marine ist der Korvettenkapitän. © Bernhard Herrmann/imago-images
Ein Oberstleutnant der Bundeswehr im Gespräch mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.
Der mittlere Dienstgrad der Stabsoffiziere bildet der Oberstleutnant. Diese werden neben den anderen Anwendungsfeldern der Stabsoffiziere auch als Dezernenten oder Referenten in Ämtern oder im Verteidigungsministerium eingesetzt. Das Dienstgradabzeichen zeigt ein Eichenlaub und zwei Sterne. Das Pendant der Marine ist der Fregattenkapitän. © Revierfoto/imago-images
Ein Oberst der Bundeswehr im Gespräch mit Verteidigungsminister Boris Pistorius.
Der Oberst stellt den höchsten Dienstgrad in der Gruppe der Stabsoffiziere dar. In der Regel wird er in leitenden Positionen in Kommandobehörden, Ämtern oder im Verteidigungsministerium eingesetzt. Sein Dienstgradabzeichen zeigt ein Eichenlaub mit drei Sternen. Das Pendant der Marine ist der Kapitän zur See. © IMAGO/JOERAN STEINSIEK
Ein Brigadegeneral der Bundeswehr.
Die Speerspitze in der Hierarchie der Bundeswehr bilden die Generäle. Sie stehen in der Hierarchie ganz oben und dienen vor allem auf Stabsposten und in der Regel nicht in der kämpfenden Truppe. Der rangniedrigste General ist der Brigadegeneral. Eine Beförderung vom Oberst zum Brigadegeneral erfolgt in der Regel aufgrund der Eignung und Leistung des Offiziers und ist nicht an andere Voraussetzungen gebunden. Sein Dienstgradabzeichen zeigt ein goldenes Eichenlaub mit einem goldenen Stern. In der Marine heißt der vergleichbare Dienstgrad Flottillen­admiral. © IMAGO/Björn Trotzki
Christian Freuding, Generalmajor des Heeres der Bundeswehr, Leiter des Lagezentrums Ukraine und des Planungsstabs des Bundesministers der Verteidigung.
Auf den Brigadegeneral folgt in der Rangordnung der Bundeswehr der Generalmajor. In der Praxis erfolgt die Beförderung erst nach mehreren Jahren als Brigadegeneral. Generalmajore übernehmen leitende Funktionen in Kommandobehörden, dem Verteidigungsministerium oder Einrichtungen der Nato. So dient Generalmajor Christian Freuding (Bild) als Leiter des Lagezentrums Ukraine und des Planungsstabs des Bundesministers der Verteidigung. Das Dienstgradabzeichen des Generalmajors zeigt ein goldenes Eichenlaub und zwei goldene Sterne. Das Pendant der Marine ist der Konteradmiral. © IMAGO/M. Popow
Der Inspekteur der Luftwaffe: Generalleutnant Holger Neumann.
Der zweithöchste Dienstgrad der Bundeswehr ist der Generalleutnant. Bei Luftwaffe und Heer gibt es weniger als zwei Dutzend Offiziere mit diesem Rang, die in wichtigen leitenden Positionen eingesetzt werden. So ist der stellvertretende Generalinspekteur der Bundeswehr immer ein Generalleutnant. Auch der Inspekteur der Luftwaffe, Holger Neumann (Stand Mai 2025, Bild), ist im Rang eines Generalleutnants. Sein Dienstabzeichen zeigt ein goldenes Eichenlaub mit drei goldenen Sternen. Das Pendant der Marine ist der Vizeadmiral. © Björn Trotzki/imago-images
Der Generalinspekteur der Bundeswehr: General Carsten Breuer.
Ganz oben in der Hierarchie der Bundeswehr steht der General. Der Dienstgrad ist nur wenigen Soldaten in absoluten Führungspositionen vorbehalten. Der Generalinspekteur der Bundeswehr – höchster militärischer Repräsentant der Bundeswehr – ist General Carsten Breuer (Stand Mai 2025, Bild). Deutsche Generäle dienen auch in Führungspositionen der Nato. Das Dienstgradabzeichen zeigt ein goldenes Eichenlaub und vier goldene Sterne. Zur besseren Unterscheidung von der Dienstgruppe der Generäle wird er deswegen umgangssprachlich als Vier-Sterne-General bezeichnet. Das Pendant der Marine ist der Admiral. © IMAGO/Klaus W. Schmidt

Die einzelnen Posten werden dem Haushaltsausschuss als „25-Millionen-Euro-Vorlagen“ zur Genehmigung vorgelegt. Acht Stück solle der Ausschuss noch in diesem Jahr verhandeln, so das Handelsblatt. Eine Thema des Haushaltsausschuss seien auch zusätzliche Uniformen berichtet der Spiegel. Laut dem Nachrichtenmagazin sei eine diesbezügliche Ergänzung des Wehrressorts zum laufenden Budget dem Haushaltsausschuss zugeleitet worden. „Zur Deckung des zusätzlichen Bedarfs an Bekleidung und persönlicher Ausrüstung“, so das Papier, brauche die Bundeswehr bis 2034 deutlich mehr Geld als bisher geplant, schreibt das Nachrichtenmagazin. Der Grund liegt in der mit dem neuen Wehrpflichtgesetz einhergehenden personellen Aufstockung der Armee – wofür die entsprechende Bekleidung gestellt werden muss.

Wegen Putins Krieg: „Der Anspruch aber, wieder zu alter Bedeutung zurückzukehren, ist nicht überzogen“

Pistorius erwartet vom Haushaltsausschuss insofern eine Verpflichtungsermächtigung bis ins Jahr 2034 über insgesamt 1,8 Milliarden Euro. Mit dieser Garantie über die Zahlungen kann das Beschaffungsamt langfristige Verträge mit der Industrie schließen. „,Flugzeuge, die fliegen, Schiffe, die in See stechen, und Soldatinnen und Soldaten, die für ihre Einsätze optimal ausgerüstet sind, dazu neue Panzer, neue Jets und erstmals bewaffnete Drohnen“, habe der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) Ende 2022 den deutschen Streitkräften Ende versprochen, woran die Zeit erinnert. Dazu hatte sich Boris Pistorius als neuer Verteidigungsminister erstmals richtungsweisend ausgedrückt, indem er forderte, die Bundeswehr müsste „kriegstüchtig“ werden – und das mit einer Armee, die über viele Jahre hinweg klein gespart worden war.

„Die Eckwerte für die kommenden Jahre sehen zudem vor, dass der Einzelplan 14 in 2026 auf 82,69 Milliarden, 2027 auf 93,35 Milliarden, 2028 auf 136,48 Milliarden und 2029 auf 152,83 Milliarden Euro steigen soll.“

Boris Pistorius, Bundesministerium der Verteidigung

Die deutschen Streitkräfte hätten in der Nato ein hohes Ansehen genossen und seien ein „respektierter Gegner“ gewesen, so der in Potsdam lehrende Militärhistoriker Sönke Neitzel in seinem Buch „Deutsche Krieger“. Ihm zufolge hätten interne Bewertungen allerdings das Gegenteil ausgesagt: „Das Heer kam im gesamten Kalten Krieg nie über ein ,befriedigend‘ hinaus, die Luftwaffe erreichte immerhin zeitweise in ,gut‘“, wie er schreibt. Die Marine allerdings sei bis in die 1970er-Jahre hinein hoffnungslos veraltet und der sowjetischen Ostseeflotte deutlich unterlegen gewesen, so Neitzel. Auf einem höheren Niveau sieht Neitzel die Bundeswehr weiterhin als hinter ihren zugedachten Rolle in Europa zurückliegend, wie er aktuell gegenüber der Welt deutlich gemacht hat.

„In der Bundesrepublik gab es zur Zeit der Nato-Doppelbeschlüsse über 495.000 Soldaten. Als man Ende der 1980er-Jahre auf 425.000 reduzieren wollte, galt das innerhalb des Militärs schon als Katastrophe. Heute ringen wir um den Sprung von 180.000 auf 203.000 und wissen nicht, wie wir auf 260.000 kommen sollen“, so Neitzel. „Der Anspruch aber, wieder zu alter Bedeutung zurückzukehren, ist nicht überzogen – sondern geopolitisch notwendig.“ Gegenüber der Welt hat Neitzel bemerkt, dass die Frustration unter Soldaten stark zunähme; weil Kampfauftrag und Ausrüstung inkompatibel seien. Eine Klage, die auch Patrick Sensburg vorgebracht hat. Der Oberst der Reserve und Chef des Verbandes der Reservisten der Bundeswehr hat Anfang dieses Jahres gegenüber der Rheinischen Post (RP) Tempo und Pragmatismus angemahnt.

Kriegstüchtig gegen Russland? „Selbst aktive Soldaten müssen sich Gewehre teilen“

„Selbst aktive Soldaten müssen sich Gewehre teilen. Es gibt weder genug Standardwaffen noch genug Munition für alle aktiven Soldaten und Reservisten“, klagt Sensburg. Das führe zu Übungsszenarien von Reservisten gleichwohl wie für aktive Soldaten, die mit sogenannten Blue Guns – also Plastikgewehren – üben, weil es nicht genug echte Gewehre gibt“, wie er sagt. Und das wiederum schaffe Frust in der Truppe. Im Gespräch mit der RP appellierte der oberste Reservist der Republik daher an die aktuelle Bundesregierung „bei den Beschaffungen statt auf Prestige auf Wirksamkeit zu setzen“, wie er sagte. Der beste Kampfjet, der x-te Panzer oder die stärkste Fregatte blieben wirkungslos ohne entsprechende Besatzungen, Munition oder unterstützende Kräfte, so Sensburg in der Rheinischen Post.

Start frei für neue Kampfjets: Ein Eurofighter-Pilot grüßt vor dem Aufstieg für seinen Auftrag. Der Haushaltsausschuss wird in diesem Jahr noch über eine fünfte Tranche des Standard-Flugzeugs der Bundeswehr entscheiden. Das Geld scheint da zu sein.

Tatsächlich wird das Verteidigungsministerium demnächst auch sparen: Die Fregatte 126 bereitet Schwierigkeiten in der Abstimmung des in den Niederlanden sitzenden Generalunternehmers mit den deutschen am Bau beteiligten Werften. Die Auslieferung wird sich verzögern. Wie das Handelsblatt schreibt, sei deshalb im Sondervermögen eine Ausgabensperre von 671 Millionen Euro erfolgt. Ausgaben im Kleinen auf Kosten von Ausgaben im Großen? Ein Kurswechsel in den deutschen Beschaffungsdilemmata? Matthias Gebauer sieht das jedenfalls so: „Die Uniform-Offensive illustriert, dass Pistorius es mit den Plänen zur Vergrößerung der Bundeswehr ernst meint“, schreibt der Spiegel-Autor; Gebauer ergänzt seinen Optimismus mit dem Hinweis auf Pläne des Verteidigungsministeriums zu prüfen, wie die aktuell und künftig Dienenden adäquat unterzubringen seien.

Die Bundeswehr arbeite damit gegen ihren Ruf, ihre Soldaten zu schlecht auszurüsten und in baufälligen Kasernen unterzubringen. Der Militärhistoriker Neitzel sieht trotz aller Fortschritte noch Bedarf in einer strategischen Optimierung der Kapazitäten einer deutschen Armee – das leitet er aus den Beobachtungen des Ukraine-Krieges ab. Ein Krieg, der der Artillerie zu einer neuen Bedeutung verholfen hat, wie er bereits kurz nach Ausbruch der Feindseligkeiten angemerkt hatte. „Die Armee wird in den kommenden Jahren also ihre Feuerkraft deutlich erhöhen müssen, um für den Artilleriekrieg der Zukunft gewappnet zu sein“, wie er schreibt. Ihm fehlen in den deutschen Streitkräften Geschütze. Die scheinen auch kein Bestandteil der aktuellen Bestellungen zu sein.

Im Juni hatte das Verteidigungsministerium den Minister mit seinen künftigen Schwerpunkten zitiert: „Es gehe um Beschaffung für die Kräfte zu Lande, zu Wasser, in der Luft und im Cyberraum. Geplant sind beispielsweise deutliche Investitionen in den Bereichen, Luftverteidigung, weitreichende Präzisionswaffen, Drohnen- und Drohnenabwehrsysteme sowie Munition“, so Pistorius. Er verspricht sich eine stetige Steigerung der seinem Ressort zur Verfügung stehenden Mittel, sagt der Verteidigungsminister: „Die Eckwerte für die kommenden Jahre sehen zudem vor, dass der Einzelplan 14 in 2026 auf 82,69 Milliarden, 2027 auf 93,35 Milliarden, 2028 auf 136,48 Milliarden und 2029 auf 152,83 Milliarden Euro steigen soll.“

Rubriklistenbild: © IMAGO/Jerry Andre

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