Stimmen aus Europa und der Welt

Presse über „Parlamentsdebakel“ für Kanzler Merz: „Turbulenzen“ für „Friedrich den Allerletzten“

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Erst im zweiten Versuch wurde Friedrich Merz zum Kanzler gewählt. Dieses beispiellose Ereignis erzeugte auch in der ausländischen Presse heftige Reaktionen.

Berlin – Alles war angerichtet: Friedrich Merz saß locker im Bundestag, auf der Tribüne versammelten sich seine Töchter, seine Ehefrau, die ehemalige Kanzlerin Angela Merkel oder auch der Astronaut Alexander Gerst, um die eigentlich rein formelle Prozedur der Kanzlerwahl zu feiern. Als dann aber Bundestagspräsidentin Julia Klöckner das Wahlergebnis vorlas, war die „Fassungslosigkeit“, wie ntv das nannte, Merz ins Gesicht geschrieben.

Zu wenige Stimmen aus den Reihen der CDU, CSU und SPD haben sich am Ende für Merz ausgesprochen. 310 wollten ihn als Kanzler, 316 hätte er gebraucht. Und darauf sprangen ausländische Medien auf. Die „historische Nichtwahl“, wie der Schweizer „Blick“ titelte, ist für „Merz oberpeinlich, für Europa gefährlich“, wenige Stunden später wurde dann betitelt: „Friedrich der Allerletzte im ersten Wahlgang historisch gescheitert. Deutschland kastriert sich selbst – im allerdümmsten Moment“. Letztendlich schaffte es Merz im zweiten Wahlgang, dennoch kein guter Tag für Deutschland, wie das Ausland empfand.

„Beschädigtem Kanzler“ Merz wird der „Dienstag noch länger in den Knochen stecken“

Auch in anderen Ländern war das Merz-Debakel, bei der auch die Mimik von Vorgänger Olaf Scholz eingefangen wurde, ein großes Thema. „Die Presse“ in Österreich schreibt: „Das gab es noch nie in der Bundesrepublik. Aber zumindest die Reaktion war bekannt. Denn die Abstimmungspleite zur ,Staatskrise‘ und zur ,Katastrophe für Deutschland‘ (CDU-Sozialflügel) hochzujazzen ist typisch deutsch. Ein Akt der kollektiven Hyperventilation. Sechs Stunden dauerte diese angebliche deutsche ,Staatskrise‘ letztlich, bevor Merz im zweiten Anlauf doch noch gewählt wurde. Aber selbst wenn man die vielen Übertreibungen abzieht: Dieser Dienstag wird Deutschland noch länger in den Knochen stecken. Der neue Kanzler ist beschädigt. (...)“

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Weiter heißt es bei der „Die Presse“: „Das Debakel ist eine schlechte Nachricht für Deutschland. Und für Europa. Denn die Berliner Turbulenzen kommen zur Unzeit. In der Ukraine herrscht Krieg. Amerika wendet sich von Europa ab. Zumindest auf Deutschland, das mächtigste Land Europas, sollte daher Verlass sein.“ Auch zu der Bedrohung schreibt die US-Zeitung „Wall Street Journal“: „Die politischen Zeiten sind so unruhig geworden, dass selbst das besonnene Deutschland immer wieder für Überraschungen sorgt. Am Dienstag gab es eine große Überraschung: Friedrich Merz musste bei einer Parlamentsabstimmung einen zweiten Anlauf nehmen, um neuer Bundeskanzler zu werden. Sein Humpeln über die Ziellinie erinnert daran, dass Europas größtes Land nach wie vor tief gespalten ist. (...)“

In Deutschland „brodelt politische Unzufriedenheit“ nach Merz‘ „Parlamentsdebakel“

Im Übrigen schreibt „Wall Street Journal“: „Die erste Abstimmung sollte eine Formsache sein. Offenbar brodelt politische Unzufriedenheit unter der Oberfläche. (...) Das Parlamentsdebakel vom Dienstag bringt dies auf neuartige Weise ans Licht. (...) Doch das ist kaum eine positive Bestätigung seitens der Abgeordneten, geschweige denn der Wähler. Das Kernproblem ist, dass es den etablierten Parteien nicht gelingt, den Wählern eine überzeugende Alternative zu den Erschütterungen der AfD zu bieten, um Deutschland aus seiner Krise in den Bereichen Migration, Wirtschaft und Klimapolitik zu befreien. Sollte Merz dies auch nicht schaffen, dürfte die Aufregung vom Dienstag nicht seine letzte böse politische Überraschung gewesen sein.“

Die spanische Zeitung „El País“ kommentiert die holprige Wahl von Friedrich Merz zum Bundeskanzler: „Der Christdemokrat Friedrich Merz ist mit einem Fehlstart in sein Amt als Bundeskanzler Deutschlands gestartet. (...) Die problematische Kanzlerwahl endete gut - für Deutschland und für Europa, das in seiner führenden Wirtschaftsmacht und angesichts globaler Instabilität durch Donald Trump und Wladimir Putin eine stabile Regierung braucht. Auch wenn die deutsche Politik unter Spannung geriet, funktionierte das System und ermöglichte innerhalb weniger Stunden eine zweite Abstimmung und die Wahl von Merz.“

Merz laut „El País“ nicht „verdammt eine ‚lame duck‘ zu sein“: „Europa wartet auf ihn“

„El País“ schreibt auch: „Dennoch bleiben besorgniserregende Signale. Die Koalition aus Christdemokraten und Sozialdemokraten ist fragil (...). Besorgniserregender ist dies noch in einem Parlament, in dem die zweitstärkste Kraft die AfD ist - eine Partei, die der deutsche Verfassungsschutz gerade als „rechtsextremistisch“ eingestuft hat (...)“, und weiter führt das spanische Blatt an: „Merz muss nicht von Anfang dazu verdammt sein, eine ‚lame duck‘ zu sein. Der neue Kanzler ist ein pragmatischer Konservativer, der bereits im Wahlkampf und in den Monaten danach seine Reaktionsfähigkeit unter Beweis gestellt hat - etwa mit einem Schuldenpaket von nahezu einer Billion Euro für Investitionen in Verteidigung, Infrastruktur und Umweltschutz. Auf seiner ersten Reise, die ihn am Mittwoch nach Paris und Warschau führt, muss er sein Engagement für die vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron vorangetriebene europäische Souveränität und die vom polnischen Premierminister Donald Tusk vorgelebte Wiederaufrüstung signalisieren. Europa wartet auf ihn.“

Auch auf der Insel hat man kritisch auf die Merz-Wahl geblickt. „The Guardian“ ordnet ein: „Ein politisches System, das auf Stabilität angelegt war, ist in ein unberechenbares neues Zeitalter eingetreten. Merz“ innenpolitische Kämpfe werden durch den Sturm, der über den Atlantik weht, noch zusätzlich erschwert. Die Trump-Administration stachelt die AfD ganz offen an und untergräbt damit die Bundesregierung. US-Zölle bedrohen eine angeschlagene Wirtschaft. Europa droht zudem die Aufkündigung der US-Sicherheitsgarantie.

„Schock von Dienstag zwingt Kanzler zur Neujustierung“: Auf der Insel sind sie auf Kanzler Merz gespannt

„Dieser Kontext sorgte dafür, dass die schließlich doch erfolgte Vereidigung von Friedrich Merz auch anderswo in Europa mit deutlicher Erleichterung aufgenommen wurde“, schreibt „The Guardian“ weiter: „Im besten Fall zwingt der Schock vom Dienstag sowohl den neuen Kanzler als auch die Mitglieder seiner Koalition zu einer Neujustierung. Die Überwindung von Unzufriedenheit erfordert von Merz Einfühlungsvermögen, Feingefühl und Geschick, die er erst noch aufbringen muss.“

Auch in den Nachbarländern von NRW, wo Merz aufgewachsen ist, gibt es Stimmen aus den Niederlanden und Belgien. Zur Wahl des Bundeskanzlers heißt es am Mittwoch in der niederländischen Zeitung „de Volkskrant“: „Nachdem Dissidenten in den Koalitionsparteien ihn gedemütigt hatten, schlossen sich die Reihen in CDU und SPD im zweiten Wahlgang dann doch noch. (...) Die Entschlossenheit, die Merz und die von ihm angestrebte Regierung ausstrahlen wollen, hat einen Dämpfer erhalten. Zwar hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Merz schließlich zum Bundeskanzler ernannt, doch er tritt das Amt nun mit einem Makel in seiner Vita an. (...)“

„Gefahr eines Aufstandes schwebt wie ein Damoklesschwert über Merz“: Kanzler-Aufgaben immens

„De Tijd“ meint: „Die Gefahr eines Aufstandes in der Koalition schwebt wie ein Damoklesschwert über Merz und droht, die Arbeit der Regierung erheblich zu erschweren. Merz steht vor großen Herausforderungen, denn er muss auch den Vormarsch der Rechtsextremisten stoppen. Die AfD ist bei den Wahlen im Februar auf den zweiten Platz geklettert und lag in den letzten Umfragen teils gleichauf mit der CDU/CSU. Nicht zufällig forderte die AfD-Vorsitzende Alice Weidel am Dienstag Neuwahlen. Wenn Merz nicht schnell überzeugen kann, droht eine reale politische Lähmung.“

Von Adenauer bis Merz: Die Kanzler der Bundesrepublik

Konrad Adenauer, eigentlich Conrad Hermann Joseph Adenauer,  war der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.
Konrad Adenauer, eigentlich Conrad Hermann Joseph Adenauer, war der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Seine Amtszeit dauerte vom 15. September 1949 bis zum 16. Oktober 1963 - er gilt als „Vater der Bundesrepublik“. Der Christdemokrat Adenauer war maßgeblich am Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligt. Er setzte sich für die Westbindung Deutschlands und die Versöhnung mit Frankreich ein. Hier zu sehen mit Charles de Gaulle (rechts) in Paris, nach der Unterzeichnung des Freundschaftsvertrages 1963. © ReproxAnikaxWacker/Imago
Adenauers Politik der Westintegration und des Wirtschaftsaufschwungs (“Wirtschaftswunder“) war erfolgreich.
Adenauers Politik der Westintegration und des Wirtschaftsaufschwungs (“Wirtschaftswunder“) war erfolgreich. Er stand jedoch auch in der Kritik, beispielsweise für die Bespitzelung Willy Brandts und des SPD-Parteivorstandes, die erst im Jahr 2017 nach einem Bericht im Spiegel einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde. Demnach wurden zwischen 1953 und 1962 Interna des SPD-Parteivorstandes an Adenauer durchgereicht. Auch seine Haltung in der Wiedergutmachungsfrage gegenüber Israel und den Juden wurde als zu zögerlich kritisiert. Darauf wurde auch das Attentat auf Adenauer mittels einer Paketbombe im März 1952 zurückgeführt, bei der Explosion starb ein Beamter der Polizei München. © Gemini/Imago
Konrad Adenauer wurde am 5. Januar 1876 in Köln geboren und starb am 19. April 1967 in seinem Wohnort in Rhöndorf.
Konrad Adenauer wurde am 5. Januar 1876 in Köln geboren und starb am 19. April 1967 in seinem Wohnort in Rhöndorf. Er absolvierte 1884 das Abitur in Köln und studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Freiburg, München und Bonn. Er war zweimal verheiratet und hatte aus den beiden Ehen insgesamt acht Kinder, von denen eines direkt nach der Geburt starb. Adenauer war gläubiger Katholik und sein Glaube prägte auch seine politische Haltung. Privat betätigte sich Adenauer auch als Erfinder und sicherte sich insgesamt drei Patente - unter anderem für das Verfahren zur Herstellung eines dem rheinischen Roggenschwarzbrot ähnelnden Schrotbrotes, für eine neue Tülle für Gießkannen oder eine Sojawurst. Hier zu sehen in seinem Zuhause mit seinem Sohn Georg und seiner Tochter Lotte am 1. Januar 1955. © George Munker/Imago
Ludwig Erhard war der zweite Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er amtierte vom 17. Oktober 1963 bis zum 1. Dezember 1966.
Ludwig Erhard war der zweite Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er amtierte vom 17. Oktober 1963 bis zum 1. Dezember 1966. Der zunächst parteilose Politiker und spätere Christdemokrat war zuvor Wirtschaftsminister und Vize-Kanzler und gilt als Vater des „Wirtschaftswunders“. Als Kanzler setzte er die von Adenauer begonnene Politik der Westintegration fort. Hier zu sehen noch als Vize-Kanzler mit dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer im März 1963.  © Imago
Erhard stand für eine liberale Wirtschaftspolitik und soziale Marktwirtschaft.
Ludwig Erhard stand für eine liberale Wirtschaftspolitik und soziale Marktwirtschaft. Er hatte jedoch mit wirtschaftlichen Problemen und Spannungen innerhalb der Koalition zu kämpfen. Die sogenannte „Spiegel-Affäre“ im Jahr 1962, in der die Bundesregierung versuchte, die Veröffentlichung eines kritischen Artikels zur Verteidigungsfähigkeit Deutschlands zu verhindern, schwächte seine Position. Die Anhänger hatten erwartet, dass er die Affäre hätte nutzen können, die Kanzlerschaft zu erringen und waren enttäuscht von Erhards Zögerlichkeit. Hier ein Plakat mit Erhard, dass die Saarbrücker Stiftung für Demokratie im Jahr 2002 bei einer Ausstellung gezeigt hat. © Becker&Bredel/Imago
Ludwig Erhard wurde am 4. Februar 1897 in Fürth geboren und starb am 5. Mai 1977 in Bonn.
Ludwig Erhard wurde am 4. Februar 1897 in Fürth geboren und starb am 5. Mai 1977 in Bonn. Er absolvierte nach der Volks- und Realschule zunächst erfolgreich eine kaufmännische Lehre, studierte dann von 1919 bis 1922 ohne Abitur an der damals neu gegründeten Handelshochschule Nürnberg und erwarb einen Abschluss als Diplom-Kaufmann. Anschließend absolvierte er ein Studium der Betriebswirtschaftslehre und der Soziologie an der Universität Frankfurt. 1923 heiratete Erhard die Volkswirtin Luise Schuster, aus der Ehe ging eine Tochter hervor, eine weitere Tochter brachte die Witwe mit in die Ehe. Die Familie lebte in Gmund am Tegernsee. © United Archives International/Imago
Kurt Georg Kiesinger war der dritte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er regierte vom 1. Dezember 1966 bis zum 21. Oktober 1969.
Kurt Georg Kiesinger war der dritte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er regierte vom 1. Dezember 1966 bis zum 21. Oktober 1969. Hier zu sehen beim Ablegen des Amtseides mit dem damaligen Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier (rechts). Der CDU-Politiker Kiesinger führte die erste Große Koalition aus CDU/CSU und SPD. In seine Amtszeit fiel die Einführung der Notstandsgesetze, die am 30. Mai 1968 vom Deutschen Bundestag nach zehnjähriger Debatte verabschiedet wurden. Diese räumen dem Staat in Krisenzeiten die Möglichkeit zur Einschränkung bürgerlicher Grundrechte ein. Die Gesetzesänderung war äußerst umstritten und führte zu massiven Protesten von Studenten, Intellektuellen und Gewerkschaften, die eine Gefährdung der jungen deutschen Demokratie befürchteten und auf negative Erfahrungen aus der Weimarer Republik verwiesen. Die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD verfügte über die notwendige Zweidrittelmehrheit zur Grundgesetzänderung und setzte die Notstandsgesetze trotz der Proteste durch, die ihren Höhepunkt im „Sternmarsch auf Bonn“ am 11. Mai 1968 fanden. Insgesamt war das politische Klima zu dieser Zeit bereits sehr aufgeheizt und hatte bereits am 11. April seinen traurigen Höhepunkt, als Studentenführer Rudi Dutschke auf der Straße angeschossen wurde. © Egon Steiner/dpa
Kurt Georg Kiesinger bemühte sich während seiner Amtszeit um eine Aussöhnung mit Osteuropa und setzte die von seinen Vorgängern begonnene Westbindung fort. Seine frühere Mitgliedschaft in der NSDAP sorgte jedoch immer wieder für Kritik.
Kurt Georg Kiesinger bemühte sich während seiner Amtszeit um eine Aussöhnung mit Osteuropa und setzte die von seinen Vorgängern begonnene Westbindung fort. Seine frühere Mitgliedschaft in der NSDAP sorgte jedoch immer wieder für Kritik. Er war 1933 noch als Student in die NSDAP eingetreten, hatte aber bereits seit 1934 Zweifel am Regime. Nach eigenen Angaben hätten ihm die Mordaktionen in der Folge des sogenannten Röhmputsches vom 30. Juni 1934 die Augen geöffnet. Andere Quellen deuten an, dass er Hitler treu gedient habe. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs saß er wegen seiner Mitgliedschaft insgesamt 18 Monate in verschiedenen Internierungslagern in Haft. 1946 durchlief er dann das Entnazifizierungsverfahren. Seine NSDAP-Vergangenheit trug ihm eine berühmte Ohrfeige ein: Am 7. November 1968 schaffte es die deutsch-französische Journalistin und Nazi-Jägerin, Beate Klarsfeld (Foto), sich in der Berliner Kongresshalle am Sicherheitspersonal vorbeizuschleusen und Kiesinger vor der Presse eine Ohrfeige zu verpassen. © dpa
Kurt Georg Kiesinger wurde am 6. April 1904 in Ebingen geboren und starb am 9. März 1988 in Tübingen.
Kurt Georg Kiesinger wurde am 6. April 1904 in Ebingen geboren und starb am 9. März 1988 in Tübingen. Kiesinger heiratete 1932 Marie-Luise Schneider, aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Kiesinger war promovierter Jurist und arbeitete vor seiner politischen Karriere als Rechtsanwalt. 1949 hatte er sein erstes Bundestagsmandat übernommen. Hier zu sehen in einer Talkrunde im Fernsehen zusammen mit (von links neben Kiesinger) Franz Josef Strauss (CSU), Walter Scheel (FDP) und Willy Brandt (SPD). © dpa
Willy Brandt war der vierte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Seine Amtszeit dauerte vom 21. Oktober 1969 bis zum 7. Mai 1974.
Willy Brandt war der vierte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Seine Amtszeit dauerte vom 21. Oktober 1969 bis zum 7. Mai 1974. Er war der erste sozialdemokratische Bundeskanzler und stand für eine neue Ostpolitik. Er gilt als bedeutender Staatsmann des 20. Jahrhunderts. Nach seinem Ausscheiden aus der deutschen Bundespolitik engagierte er sich weltweit für Frieden, Völkerverständigung und Abrüstung. Brandt stolperte 1974 über die Guillaume-Affäre. Der enge Mitarbeiter Brandts und Referent für Parteiangelegenheiten, Günter Guillome, stand zu diesem Zeitpunkt bereits ein Jahr unter Verdacht, ein DDR-Spion zu sein, was Brandt aber nicht ernst nahm - mit seinem Rücktritt zog Brandt daraus die Konsequenzen. Hier zu sehen, wie er am 21. Oktober 1969 vor dem damaligen Bundestagspräsidenten Kai Uwe von Hassel im Bundestag in Bonn seinen Amtseid ablegt. © dpa
Willy Brandt begann mit den Ostverträgen einen Kurs der Entspannung mit der Sowjetunion, der DDR, Polen und den übrigen Ostblockstaaten.
Willy Brandt begann mit den Ostverträgen einen Kurs der Entspannung mit der Sowjetunion, der DDR, Polen und den übrigen Ostblockstaaten. Historisch bedeutsam war sein Kniefall in Warschau (Polen). Für seine Entspannungs-Politik erhielt Brandt 1971 den Friedensnobelpreis. Innerpolitisch setzte er sich für Reformen in der Sozial-, Bildungs- und Rechtspolitik ein. Unter dem Motto „Wir wollen mehr Demokratie wagen“, das zu einem geflügelten Wort für gesellschaftlichen Aufbruch wurde. © dpa
Willy Brandt wurde am 18. Dezember 1913 als Herbert Frahm in Lübeck geboren.
Willy Brandt wurde am 18. Dezember 1913 als Herbert Frahm in Lübeck geboren. Er war als uneheliches Kind gebrandmarkt und bezeichnete seine Familienverhältnisse später selbst als chaotisch. 1933 nimmt er als 19-Jähriger den Decknamen Willy Brand an und flüchtet vor den Nazis nach Norwegen. Er starb am 8. Oktober 1992 in Unkel, wo er mit seiner dritten Ehefrau, der Historikerin und Publizistin, Brigitte Seebacher, lebte. Brandt hatte insgesamt vier Kinder aus den beiden vorhergehenden Ehen, die beide geschieden wurden. Hier zu sehen mit seinen Söhnen Lars und Peter bei einem Urlaub in Norwegen. © dpa
Helmut Schmidt war der fünfte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er regierte vom 16. Mai 1974 bis zum 1. Oktober 1982.
Helmut Schmidt war der fünfte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er regierte vom 16. Mai 1974 bis zum 1. Oktober 1982. Der SPD-Politiker prägte die Politik der Bundesrepublik in einer Zeit großer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Herausforderungen. Gemeinsam mit dem französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d‘Estaing verbesserte Schmidt die deutsch-französischen Beziehungen und trieb die europäische Integration voran. Die wichtigsten Erfolge waren die Gründung des Europäischen Rates, die Einführung des Europäischen Währungssystems mit der ECU als Vorläufer des Euro sowie die Initiierung des Weltwirtschaftsgipfels und der G7. © Fritz Fischer/dpa
Helmut Schmidts Amtszeit war geprägt von Krisen.
Helmut Schmidts Amtszeit war geprägt von Krisen. Zunächst musste er die Ölkrise managen. Dabei setzte er auf ein Investitionsprogramm, das die Nachfrage ankurbeln sollte, aber das auch die Staatsschulden in die Höhe trieb. Seine harte Haltung gegenüber dem linken Terrorismus der RAF wurden vielseits gelobt, aber von Familien der Opfer auch harsch kritisiert. In seine Amtszeit fiel auch der “Deutsche Herbst”, der Höhepunkt des RAF-Terrorismus mit der Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer und der Entführung der Lufthansa Maschine „Landshut“ 1977. Hier ist Helmut Schmidt mit Journalisten nach der Befreiung der Lufthansa-Maschine zu sehen. Kritik bekam Schmidt ebenfalls für die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland mittels des Nato-Doppelbeschlusses. Aus der Protestaktion dagegen, maßgeblich mitgeführt von Umweltschützern, ging zum Ende von Schmidts Regierungszeit 1980 die Partei „Die Grünen” hervor. © Fritz Reiss/dpa
Helmut Schmidt wurde am 23. Dezember 1918 in Hamburg geboren und starb am 10. November 2015 ebenfalls in Hamburg.
Helmut Schmidt wurde am 23. Dezember 1918 in Hamburg geboren und starb am 10. November 2015 ebenfalls in Hamburg. Vor dem Krieg hatte er ursprünglich mal Architektur und Städtebau studieren wollen, entschied sich aber nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft für ein schnelleres „Brotstudium” und studierte Volkswirtschaftslehre und Staatswissenschaften in Hamburg. Er war verheiratet mit Loki Schmidt (links), die er bereits während der Schulzeit kennenlernte, die beiden hatten eine Tochter.  © dpa
Helmut Kohl war der sechste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Seine Amtszeit dauerte vom 1. Oktober 1982 (hier beim Ablegen seines Amtseides) bis zum 27. Oktober 1998.
Helmut Kohl war der sechste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Seine Amtszeit dauerte vom 1. Oktober 1982 (hier beim Ablegen seines Amtseides) bis zum 27. Oktober 1998. Kohl war der Bundeskanzler mit der bisher längsten Amtszeit. Er war mit 5870 Tagen insgesamt 9 Tage länger im Amt als Angela Merkel. Kohl führte Deutschland durch die Wiedervereinigung. Mit den Zwei-plus-Vier-Verträgen schaffte er es gemeinsam mit Außenminister Hans-Dietrich Genscher und DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière die Wiedervereinigung samt Nato-Eintritt des wiedervereinigten Deutschlands durchzusetzen. Zudem setzte sich Kohl stark für die europäische Integration ein, er machte sich unter anderem für die Stärkung der europäischen Institutionen stark, insbesondere der des Europäischen Parlamentes.  © dpa
Helmut Kohl gilt als „Kanzler der Einheit“. Hier zu sehen mit Hans Modrow (links), dem damaligen Ministerpräsidenten der DDR, nach dem Mauerfall 1989 auf der Ostseite des Brandenburger Tores.
Helmut Kohl gilt als „Kanzler der Einheit“. Hier zu sehen mit Hans Modrow (links), dem damaligen Ministerpräsidenten der DDR, nach dem Mauerfall 1989 auf der Ostseite des Brandenburger Tores. Kohl wird für seinen Beitrag zur deutschen Wiedervereinigung und zur Einführung des Euro gewürdigt. Kritiker warfen ihm jedoch einen autoritären Führungsstil und die Verstrickung in die CDU-Parteispendenaffäre vor. Ende 1999 gab Kohl zu, dass er jahrelang CDU-Spenden in Höhe von 2,1 Millionen D-Mark nicht im Rechenschaftsbericht angegeben hatte. Aufgrund der Affäre trat er als Ehrenvorsitzender der CDU zurück. Ein Verfahren gegen ihn wurde wegen geringer Schuld gegen Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 300.000 D-Mark im Jahr 2001 eingestellt. © dp
Helmut Kohl wurde am 3. April 1930 in Ludwigshafen am Rhein geboren und starb am 16. Juni 2017 in Ludwigshafen.
Helmut Kohl wurde am 3. April 1930 in Ludwigshafen am Rhein geboren und starb am 16. Juni 2017 ebenfalls in Ludwigshafen. Bereits als Schüler ist Kohl im Jahr 1946 in die CDU eingetreten. Nach dem Abitur studierte er ab 1950 Rechtswissenschaften und Geschichte in Frankfurt. Er war verheiratet mit Hannelore Kohl, geborene Renner. Die beiden hatten zwei Söhne, Walter und Peter. Gemeinsam verbrachte die Familie viele Sommerurlaube am Wolfgangsee (Foto). 2001 nahm sich Hannelore Kohl das Leben, sie soll unter einer Lichtallergie gelitten haben. Im Jahr 2008 heiratete Kohl erneut. Seine zweite Frau Maike Richter hatte er im Kanzleramt kennengelernt, wo die Volkswirtin von 1994 bis 1998 als Beamtin in der Wirtschaftsabteilung arbeitete. © Heinz Wieseler/dpa
Gerhard Schröder war der siebte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er amtierte vom 27. Oktober 1998 bis zum 22. November 2005.
Gerhard Schröder war der siebte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er amtierte vom 27. Oktober 1998 bis zum 22. November 2005. Schröder führte die erste rot-grüne Koalition auf Bundesebene. Hier legt der im Reichstag in Berlin seinen Amtseid auf das Grundgesetz ab, das ihm der damalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) hält. Schröders Kanzlerschaft ist schwer zusammenzufassen und zu bewerten: Er verantwortete die ersten Auslandseinsätze der Bundeswehr im Kosovo und in Afghanistan. Dennoch ließ er sich im Wahlkampf zu seiner zweiten Amtszeit als „Friedenskanzler“ feiern. Mit der Vertrauensfrage löste Schröder 2005 vorgezogene Bundestagswahlen aus, bei denen die rot-grüne-Koalition ihre Mehrheit und er sein Amt verlor. Daraufhin zog sich Schröder aus der Politik zurück. © dpa
Gerhard Schröder setzte sich für eine Modernisierung Deutschlands ein, insbesondere durch die Arbeitsmarktreform Agenda 2010, die jedoch auch zu heftiger Kritik führte und bundesweit zu heftigen Protestaktionen, den „Montagsdemonstrationen” führte.
Gerhard Schröder setzte sich für eine Modernisierung Deutschlands ein, insbesondere durch die Arbeitsmarktreform Agenda 2010, die jedoch auch zu heftiger Kritik führte und bundesweit zu heftigen Protestaktionen, den „Montagsdemonstrationen” führte (im Foto eine der Demos im Mai 2003 in Potsdam). Mit seiner “Flexibilisierung des Arbeitsmarktes” wollte er die Erwerbstätigkeit steigern, und gleichzeitig die Arbeitskosten senken, um Deutschland wieder wettbewerbsfähiger machen. Der frühere DGB-Chef Michael Sommer bezeichnete die Agenda 2010 als Politik des Sozialabbaus. Schröder lehnte die Beteiligung Deutschlands am Irakkrieg 2003 ab. Er war der Überzeugung, dass man den Irak friedlich entwaffnen müsse, in dem den internationalen Waffeninspekteuren die Arbeit wieder ermöglicht würde. Mit dieser Haltung geriet er nicht nur international ins Kreuzfeuer, auch die Opposition im Bundestag ging mit ihm hart ins Gericht. © Robert Michael/dpa
Gerhard Schröder wurde am 7. April 1944 in Mossenberg geboren.
Gerhard Schröder wurde am 7. April 1944 in Mossenberg geboren. Nach einer Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann holte er sein Abitur nach und studierte in Göttingen Rechtswissenschaften. Sein Studium schloss er 1971 ab. Er war insgesamt fünfmal verheiratet. Seine Ehefrauen in der korrekten Reihenfolge sind: Eva Schubach, Anne Taschenmacher, Hiltrud Schwetje, Doris Schröder-Kopf und aktuell So-yeon Kim. Schröder selbst hat keine leiblichen Kinder, er ist aber der Stiefvater einer Tochter von Doris Schröder-Kopf, zudem haben die beiden während ihrer Ehe zwei russische Waisenkinder adoptiert. Nach seiner Kanzlerschaft war Schröder unter anderem als Berater für russische Energiekonzerne wie Rosneft tätig, was ihm viel Kritik einbrachte. 2022 legte Schröder sein Amt im Rosneft-Aufsichtsrat nieder, nachdem das Europaparlament damit gedroht hatte, ihn auf die Sanktionsliste gegen russische Oligarchen zu setzen, wenn er trotz des Ukraine-Kriegs seine Posten in dem russischen Unternehmen behalte. Heftige Kritik an Schröder gab es für seine Reise nach Moskau, wo er im Alleingang mit Putin über die Ukraine gesprochen hat.  © Michael Kappeler/dpa
Angela Merkel war die achte Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. Ihre Amtszeit erstreckte sich vom 22. November 2005 bis zum 8. Dezember 2021 und war nur neun Tage kürzer, als die Kanzlerschaft ihres CDU-Kollegen Helmut Kohl.
Angela Merkel war die achte Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. Ihre Amtszeit erstreckte sich vom 22. November 2005 bis zum 8. Dezember 2021 und war nur neun Tage kürzer, als die Kanzlerschaft ihres CDU-Kollegen Helmut Kohl. Merkel war die erste Frau in diesem Amt. Sie legte den Amtseid vor Bundestagspräsident Norbert Lammert ab (Foto). Merkel führte Deutschland durch die Finanzkrise 2008 und die Eurokrise und zuletzt durch den Anfang der Corona-Krise. Während der Eurokrise hat sie laut eigener Aussagen immer versucht, die deutschen Steuerzahler zu entlasten und gleichzeitig den Euroraum aufrechtzuerhalten. Angela Merkel wurde aufgrund ihrer DDR-Herkunft oft kritisiert und war Ziel von Verschwörungstheorien. Sie gehörte in der DDR weder der Staatspartei SED noch einer Blockpartei an, engagierte sich aber auch nicht in der Opposition. © dpa
Angela Merkel setzte sich für die europäische Integration ein und engagierte sich in der internationalen Klimapolitik.
Angela Merkel setzte sich für die europäische Integration ein und engagierte sich in der internationalen Klimapolitik. Von 1994 bis 1998 war sie im fünften Kabinett von Bundeskanzler Kohl Bundesumweltministerin, in der Legislaturperiode davor, Familienministerin. Für ihre Kehrtwende beim Thema Atomenergie nach dem Reaktor-Unglück in Fukushima, musste sie viel Kritik, vor allem vom konservativen CDU-Flügel, einstecken. Nach Fukushima verhängte Merkel ein sofortiges dreimonatiges Atom-Moratorium für sie sieben ältesten Atomkraftwerke und setze eine Expertenkommission zum Atomausstieg ein. Kritiker meinen, dass sie damit die CDU für kurz darauf anstehende Landtagswahlen in mehreren Bundesländern positionieren wollte. Ihre Bilanz zum Thema Umweltschutz: Gemessen am Zwei-Grad-Ziel sei während ihrer Kanzlerinnenschaft „nicht ausreichend viel passiert“. Während ihrer Amtszeit halbierte sich die Arbeitslosenquote von einem Rekordhoch von 12 Prozent. Prägend für die Amtszeit von Merkel ist die Raute (Foto) und ihr berühmter Satz „Wir schaffen das“, der im August 2015 fiel, als Deutschland 890.000 Geflüchtete aufnahm und eine große Welle der Hilfsbereitschaft durch das Land ging. Die anfängliche Willkommenspolitik führte jedoch zu politischen Spannungen, insbesondere mit der CSU, und stärkte die AfD. Als Reaktion darauf verschärfte sich die Asylpolitik, was sich unter anderem im EU-Türkei-Abkommen von 2016 zeigte, das darauf abzielte, die Migration nach Europa zu begrenzen. Insgesamt wurde die Kanzlerin für ihren pragmatischen Politikstil geschätzt.  © dpa
Angela Merkel wurde am 17. Juli 1954 in Hamburg geboren. Sie ist seit 1998 in zweiter Ehe mit Joachim Sauer verheiratet und kinderlos.
Angela Merkel wurde am 17. Juli 1954 in Hamburg geboren. Sie ist seit 1998 in zweiter Ehe mit Joachim Sauer verheiratet und kinderlos. Ihren Nachnamen Merkel behielt sie aus ihrer ersten Ehe mit Ulrich Merkel, die 1977 geschlossen und 1982 geschieden wurde, weil sie zum Zeitpunkt ihrer zweiten Hochzeit bereits unter diesem Namen in der Öffentlichkeit bekannt war. Merkel, die als Pfarrerstochter in der Uckermark groß geworden ist, besuchte die polytechnische Oberschule in Templin. Sie galt als “hochbegabt, ehrgeizig und schüchtern”. Nach dem Abitur studierte sie in Leipzig Physik, welches sie 1978 abschloss. Vor ihrer politischen Karriere arbeitete sie in Ost-Berlin als Wissenschaftlerin und schloss ihre Dissertation ab.  © dpa
Olaf Scholz ist der neunte und aktuelle Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er ist seit dem 8. Dezember 2021 im Amt.
Olaf Scholz war der neunte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er war vom 8. Dezember 2021 bis zum 6. Mai 2025 im Amt. Scholz führte die erste Ampelkoalition auf Bundesebene aus SPD, Grünen und FDP. Seine Regierung startete mitten in der Corona-Krise, und kurz darauf begann der Ukraine-Krieg. Die Ampelkoalition war von Beginn an sehr zerstritten, nach 1064 Tagen scheiterte sie am 6. November 2024. Neben den Herausforderungen der Corona-Krise und des Ukraine-Krieges waren es vor allem das umstrittene Heizungsgesetz von Wirtschaftsminister Robert Habeck und der vom Bundesverfassungsgericht geschasste Haushalt, der die Stimmung in der Koalition kippen ließ. Scholz stellte dann am 11. Dezember 2024 die Vertrauensfrage und machte damit den Weg frei für Neuwahlen im Februar 2025. © spa
“Zeitenwende” ist der prägende Begriff für die Kanzlerschaft von Olaf Scholz. Diesen Begriff verwendete er bei seiner Rede im Bundestag, kurz nachdem der Ukraine-Krieg am 24. Februar 2022 ausbrach.
“Zeitenwende” ist der prägende Begriff für die Kanzlerschaft von Olaf Scholz. Diesen Begriff verwendete er bei seiner Rede im Bundestag, kurz nachdem der Ukraine-Krieg am 24. Februar 2022 ausbrach. Als Reaktion auf den Kriegsbeginn kündigte er eine neue deutsche Sicherheitspolitik mit mehr Verantwortung an. Unter anderem wurde die Bundeswehr mit einem Sondervermögen von 100 Milliarden Euro ausgestattet. Obwohl einige SPD-Mitglieder von dieser Entscheidung überrascht waren, lobten viele seine Entschlossenheit. Neben der Zeitenwende ist vor allem seine Rolle im Cum-Ex-Skandal prägend für seine Amtszeit. Der Cum-Ex-Skandal betrifft illegale Geschäfte, bei denen Banken und Investoren sich Steuerrückerstattungen erschlichen haben, obwohl sie die entsprechenden Steuern nie gezahlt hatten, was dem Staat Milliarden kostete. Olaf Scholz, der damalige Erste Bürgermeister von Hamburg, steht im Verdacht, während seiner Amtszeit Einfluss auf die Rückzahlungspflicht der Warburg-Bank genommen zu haben. 2016 hatte das Hamburger Finanzamt von der Rückzahlung von 47 Millionen Euro abgesehen. Scholz bestreitet jegliche politische Einflussnahme und kann sich nicht an die Inhalte seiner Gespräche mit dem Warburg-Eigentümer erinnern, wie er unter anderem in einem Untersuchungsausschuss als Zeuge aussagte (Foto). Er tritt bei der vorgezogenen Bundestagswahl am 23. Februar 2025 erneut als Kanzlerkandidat für die SPD an. © dpa
Olaf Scholz wurde am 14. Juni 1958 in Osnabrück geboren. Bereits als Zwölfjähriger gab er als Berufsziel Bundeskanzler an.
Olaf Scholz wurde am 14. Juni 1958 in Osnabrück geboren. Bereits als Zwölfjähriger gab er als Berufsziel Bundeskanzler an. Nach dem Abitur 1977 studierte er Jura in Hamburg, das Studium schloss er 1984 mit dem Examen ab. 1998 heiratete er die SPD-Politikerin Britta Ernst (Foto), das Paar ist kinderlos. Vor seiner Kanzlerschaft war Scholz unter anderem Bundesfinanzminister und Erster Bürgermeister von Hamburg. © dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
CDU-Chef Friedrich Merz wurde am 6. Mai 2025 zum neuen Bundeskanzler gewählt. Historisches Novum: Erst im zweiten Wahlgang erhielt er die nötigen Stimmen für eine Kanzlermehrheit. Zunächst hatte er im ersten Wahlgang noch die erforderliche Mehrheit verfehlt – ein bisher einmaliger Vorgang in der Geschichte der Bundesrepublik. © Kay Nietfeld/dpa
Merz
Nach etwa dreieinhalb Jahren in der Opposition konnte Merz die Union als Kanzler somit zurück an die Macht führen. Dabei galt der 69-Jährige lange als politisch abgeschrieben, hatte sich zwischenzeitlich für eine Karriere in der Wirtschaft entschieden. Zäh und zielstrebig kämpfte sich der Sauerländer an die politische Spitze zurück. Doch das Scheitern im ersten Wahlgang war eine schallende Ohrfeige für Merz. © Odd Andersen/AFP
SPD-Bundestagsfraktionssitzung
Dem Kabinett gehören zehn Männer und acht Frauen an. CDU und SPD stellen jeweils sieben Minister und Ministerinnen, die CSU drei. Vizekanzler und damit zweitmächtigster Mann im Kabinett nach Merz ist der künftige Finanzminister Lars Klingbeil (SPD). Der Erfolg der Regierung wird maßgeblich davon abhängen, wie die beiden sich verstehen. In den Koalitionsverhandlungen hat das ganz gut geklappt.  © Kay Nietfeld/dpa

Dann führt „de Volkskrant“ wieder aus: „Deutsche Medien berichten unter Berufung auf Quellen in der CDU, dass es in der Partei eine schockierte Reaktion auf den Verlauf des ersten Wahlgangs gegeben habe. Selbst bei den Oppositionsfraktionen, die alle gegen Merz gestimmt haben, war die Überraschung groß. Die Stabilität der neu gebildeten Koalition wird infrage gestellt“, und „De Tijd“ fügt an: „Was in Berlin passiert, ist nicht nur eine deutsche Angelegenheit. Das Land bleibt die Lokomotive der europäischen Wirtschaft, auch wenn diese in letzter Zeit stottert. Deutschland wird in dieser Ära des geopolitischen Chaos auch gebraucht, um ein starkes Europa zu ermöglichen, das seinen Platz in der Weltordnung behauptet und verteidigt. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass Merz nach seinem Fehlstart schnell das richtige Tempo findet.“

Macron-Land vor Merz-Besuch: „Deutschland wird immer mehr zu einem Frankreich“

Auch der große Nachbar Frankreich hat seine Meinung zum Merz-Chaos. Die französische Zeitung „Les Échos“ am Mittwoch: „Deutschland wird immer mehr zu einem Frankreich wie alle anderen. Bundeskanzler Merz hatte es schwer, am Dienstag gewählt zu werden, unser Nachbarland ist nun bereit, mehr auszugeben, und seine Wirtschaft ist schwach... Es sind zwei Länder auf dem Drahtseil, deren Führer zuerst das deutsch-französische Tandem und dann Europa wiederbeleben müssen. (...)“, und führt aus: „Die politische Linie, die Friedrich Merz bislang vertreten hat, verspricht eine gute Übereinstimmung mit Emmanuel Macron. Obwohl es immer lange gedauert hat, bis sich ein deutsch-französisches Paar gebildet hat (...), ist dies zwischen dem derzeitigen französischen Präsidenten und Olaf Scholz nie gelungen. Der menschliche Teig zählt. Diesmal werden die Übereinstimmungen (und Meinungsverschiedenheiten) klarer sein.“

Historische Momente bei der Kanzlerwahl von Friedrich Merz

NRW-Ministerpräsident Hendrick Wüst herzte CDU-Parteichef Friedrich Merz
Vor dem ersten Wahlgang zur Kanzlerwahl im Bundestag war die Stimmung bei der Union noch bestens. NRW-Ministerpräsident Hendrick Wüst herzte CDU-Parteichef Friedrich Merz. Der wirkte entspannt und lächelte. Kurz darauf kippte die Stimmung. © RALF HIRSCHBERGER/AFP
Lars Klingbeil plauderte mit Friedrich Merz und Jens Spahn
Auch beim eigentlichen Koalitionspartner der CDU herrschte vor dem ersten Wahlgang der Kanzlerwahl im Bundestag noch eine gelöste Atmosphäre. SPD-Parteichef Lars Klingbeil plauderte mit Friedrich Merz und Jens Spahn. Klingbeil soll im schwarz-roten Kabinett unter Merz den Posten des Finanzministers übernehmen. Dafür muss der CDU-Chef aber erst einmal die Kanzlerwahl gewinnen. © TOBIAS SCHWARZ/AFP
Bundestag - Kanzlerwahl
Bei der Wahl des Bundeskanzlers waren auch Prominente anwesend. Auf der Besuchertribüne im Bundestag zu sehen waren unter anderem Altkanzlerin Angela Merkel (CDU), Astronaut Alexander Gerst (hinten) und DFB-Präsident Bernd Neuendorf (rechts). © Kay Nietfeld/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Da schien die Welt noch in Ordnung: Der designierte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gab im Bundestag bei der Kanzlerwahl seinen Stimmzettel ab.  © Michael Kappeler/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Eine erste Krisenrunde? Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU, Mitte) sprach kurz vor Bekanntgabe des Ergebnisses der ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl mit Angehörigen des Bundestagspräsidiums.  © Sebastian Gollnow/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Dann war es so weit: Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) verkündete das Ergebnis des ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl. Friedrich Merz erhielt in geheimer Abstimmung 310 von 621 abgegebenen Stimmen und damit sechs weniger als die nötige Mehrheit von 316. Die Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD haben zusammen 328 Sitze im Parlament. © Sebastian Gollnow/dpa
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner
Sie hatte sich ihren ersten wichtigen Arbeitstag als Bundestagspräsidentin sicher anders vorgestellt: Julia Klöckner leitete die Sitzung, in der das Parlament den Bundeskanzler wählen sollte. So fiel der CDU-Politikerin auch die Aufgabe zu, die Niederlage ihres Parteichefs Friedrich Merz im ersten Wahlgang der Kanzlerwahl zu verkünden. © TOBIAS SCHWARZ/AFP
Bundestag - Kanzlerwahl
Die Union hatte auf ein anderes Ergebnis gehofft: Friedrich Merz (CDU) zwischen Alexander Dobrindt (CSU) und Jens Spahn (CDU).  © Michael Kappeler/dpa
Jens Spahn und Friedrich Merz
Nachdem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner das Ergebnis des ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl verkündet hatte, unterbrach sie die Sitzung. Im Plenarsaal des Reichstags wurde es kurz hektisch. Fraktionsvorsitzender Jens Spahn kam mit Friedrich Merz und weiteren CDU-Politikern zusammen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. © TOBIAS SCHWARZ/AFP
Bundestag - Kanzlerwahl
Danach war erst einmal Pause angesagt: „Sitzungsunterbrechung“ stand nach dem ersten Wahlgang auf einem Bildschirm im Plenarsaal im Bundestag. Die Kanzlerwahl war zunächst vertagt. © Kay Nietfeld/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Im ersten Wahlgang brachten CDU, CSU und SPD die Kanzlermehrheit nicht zustande. Es galt, Fragen zu klären. Der designierte Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD, Mitte) suchte dabei auch das Unions-Fraktionsbüro auf. © Michael Kappeler/dpa
Klingbeil dabei sicher auch mit Friedrich Merz
Gesprochen hat Klingbeil dabei sicher auch mit Friedrich Merz (CDU). In der Union wurde vermutet, dass die fehlenden Stimmen aus der SPD gekommen seien. Doch aus Klingbeils Umfeld hieß es, es gebe keine Hinweise auf Abweichler in den eigenen Reihen. Darauf deute auch das Mitgliedervotum von 85 Prozent für den Koalitionsvertrag hin. „Auf uns ist Verlass.“ © Michael Kappeler/dpa
Friedrich Merz im Gespräch mit Omid Nouripour
Kurz nach seiner Niederlage im ersten Wahlgang der Kanzlerwahl befindet sich Friedrich Merz im Gespräch mit Omid Nouripour. Der ehemalige Vorsitzende der Grünen ist ebenfalls Abgeordneter des Bundestags. © RALF HIRSCHBERGER/AFP
Schloss Bellevue
Eigentlich sollte Friedrich Merz nach der Kanzlerwahl und als frisch gewählter Regierungschef ins Schloss Bellevue fahren, um sich dort von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vereidigen zu lassen. Doch die geplante Zeremonie musste nach der überraschenden Pleite von Merz im ersten Wahlgang der Kanzlerwahl zunächst verschoben werden.  © JOHN MACDOUGALL/AFP
Charlotte Merz, die Ehefrau von CDU-Chef Friedrich Merz
Charlotte Merz, die Ehefrau von CDU-Chef Friedrich Merz, verfolgte die Niederlage ihres Mannes im ersten Wahlgang der Kanzlerwahl auf der Besuchertribüne des Bundestags. Beistand erhielt sie dort von den gemeinsamen Töchtern Carola Cluesener (2.v.l.) und Constanze Merz (l.). Die Stimmung der Frauen aus der Familie Merz dürfte nach Bekanntgabe des Ergebnisses nicht die Beste gewesen sein. © RALF HIRSCHBERGER/AFP
Angela Merkel zu Gast im Bundestag
Das Amt, das Friedrich Merz anstrebt, hatte Angela Merkel ganze 16 Jahre inne. Als Bundeskanzlerin führte die damalige CDU-Chefin in dieser Zeit gleich mehrere Koalitionen. Einen ersten Wahlgang verlor sie bei der Kanzlerwahl genausowenig wie ihre Vorgänger. Das ist in der Geschichte der Bundesrepublik bislang nur Friedrich Merz gelungen. © Imago
AfD Parteichefin Alice Weidel
Selbstredend versuchte die AfD, das Ergebnis des ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl medial für sich auszuschlachten. „Herr Merz sollte direkt abtreten und es sollte der Weg geöffnet werden für Neuwahlen in unserem Land“, forderte Parteichefin Alice Weidel. Diese Forderung kommt nicht überraschend. Die AfD, die vor kurzem vom Verfassungsschutz in ihrer Gesamtheit als rechtsextremistisch eingestuft wurde, liegt in vielen aktuellen Umfragen gleichauf mit der CDU. © Christian Thiel/imago
AfD-Chefin Alice Weidel nach dem ersten Wahlgang der Kanzlerwahl mit Alexander Gauland
Noch im Plenarsaal beriet sich AfD-Chefin Alice Weidel nach dem ersten Wahlgang der Kanzlerwahl mit Alexander Gauland. Der ehemalige Vorsitzende der Rechtspopulisten ist der älteste Abgeordnete des Bundestags. Doch auch für ihn ist die Situation, dass ein Kanzlerkandidat wie Friedrich Merz seine Wahl im Bundestag verliert, neu. © IMAGO/Frederic Kern
Thorsten Frei soll im Kabinett von Friedrich Merz den wichtigen Job des Kanzerlamtsministers übernehmen
Thorsten Frei soll im Kabinett von Friedrich Merz den wichtigen Job des Kanzerlamtsministers übernehmen. Das Ergebnis des ersten Wahlgangs bei der Kanzlerwahl ließ auch den 51 Jahre alten CDU-Politiker, der als enger Vertrauter von Merz gilt, zunächst ratlos zurück. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
der Co-Vorsitzende der Linken, Jan van Aken
Beim historischen Debakel von Friedrich Merz war auch der Co-Vorsitzende der Linken, Jan van Aken, anwesend. Das Ergebnis des ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl sei aber nicht nur ein Niederlage für Friedrich Merz, sondern auch für seinen designierten Vizekanzler, SPD-Chef Lars Klingbeil. Er wisse nicht, wie es nach dieser „Klatsche für Merz und Klingbeil“ nun weitergehen würde. „Vielleicht war es nur ein Schuss vor den Bug“, mutmaßte Van Aken im Gespräch mit dem ZDF. Es sei aber auch denkbar, dass Merz sogar die eigene Partei nicht hinter sich habe bringen können. © IMAGO/Emmanuele Contini
Frankfurter Börse
Die politische Unsicherheit durch das Scheitern von Friedrich Merz (CDU) im ersten Wahlgang zum Bundeskanzler machte sich auch an der Börse bemerkbar. Der Deutsche Aktienindex (Dax) sackte nach der Bekanntgabe des Ergebnisses zunächst spürbar ab. Gegen 11.30 Uhr notierte der Index bei rund 22.900 Punkten und somit rund 300 Punkte niedriger als anderthalb Stunden zuvor.  © Arne Dedert/dpa
Kanzlerwahl - Pressestatement CSU
Nach dem Scheitern von CDU-Chef Friedrich Merz im ersten Durchgang der Kanzlerwahl warnte der CSU-Vorsitzende Markus Söder in einem Statement in München vor unkalkulierbaren Folgen für Deutschland und die Demokratie. Die Gefahr eines Scheiterns der neuen Regierung könne „ein Vorbote von Weimar sein, denn die Folgen sind unabsehbar“, erklärte Söder. © Sven Hoppe/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Die Grünen wollen Merz mit ihren Stimmen nicht zur Kanzlerschaft verhelfen. „Wir sagen ganz klar: Bündnis 90/Die Grünen werden Friedrich Merz nicht wählen“, sagte Fraktionschefin Britta Haßelmann (rechts) nach einer längeren Sitzung ihrer Fraktion im Bundestag. Co-Fraktionschefin Katharina Dröge (links) verwies darauf, dass Bundestagspräsidentin Julia Klöckner nun „Herrin des Verfahrens“ sei und einen Vorschlag unterbreiten müsse, „wie schnell es möglich ist, in einen zweiten Wahlgang einzusteigen“. © Sebastian Gollnow/dpa
Olaf Scholz bezeichnete das Ergebnis des ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl als „absurd“
523354871.jpg © Kay Nietfeld/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Trotz seiner überraschenden Pleite im ersten Wahlgang zeigte sich Merz danach entschlossen, erneut anzutreten. Dafür soll er große Rückendeckung seiner Fraktion bekommen haben.  © Michael Kappeler/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Noch am 6. Mai hat der Bundestag mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit einen zweiten Wahlgang für die Wahl des Bundeskanzlers am Nachmittag angesetzt. Die Fraktionen von Union, SPD, Grünen und Linken hatten dies nach dem gescheiterten ersten Wahlgang gemeinsam beantragt. Nach einer kurzen Debatte machten sich die Abgeordneten auf den Weg, um ihre Stimme abgeben zu können. © Sebastian Gollnow/dpa
Kanzlerwahl
Im zweiten Anlauf wurde Merz dann doch im Bundestag zum zehnten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Er erhielt in geheimer Abstimmung 325 Ja-Stimmen und damit neun mehr als die nötige Mehrheit von 316. Die Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD haben zusammen 328 Sitze im Parlament. Merz nahm die Wahl an. „Ich bedanke mich für das Vertrauen, und ich nehme die Wahl an“, sagte er auf eine entsprechende Frage von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. © Tobias Schwarrz/AFP
Kanzlerwahl
Erster Gratulant nach der Wahl war der bisherige Bundeskanzler Olaf Scholz. Jetzt steht dem Regierungswechsel ein halbes Jahr nach dem Bruch der Ampel-Koalition nichts mehr im Wege. Merz muss aber im Schloss Bellevue von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier noch die Ernennungsurkunde erhalten und ist erst dann auch rechtlich gesehen Bundeskanzler.  © Ralf Hirschberger/AFP

Zur Wahl des CDU-Politikers Friedrich Merz zum neuen Bundeskanzler schreibt die konservative Zeitung „Lidove noviny“ aus Tschechien am Mittwoch in ihrer Onlineausgabe: „Gewöhnlich verbindet man Deutschland bei uns mit dem Begriff ‚Ordnung‘. Selbst diejenigen, die kein Deutsch sprechen, wissen, was dieses deutsche Wort bedeutet - und dass es die Deutschen mit ihrer Liebe zur Ordnung mitunter übertreiben. Doch das gehört mehr und mehr zur Vergangenheit. Denn an den Grenzen gilt seit zehn Jahren keine Ordnung mehr. (...) Auch bei der Bahn sucht man seit geraumer Zeit vergeblich nach Ordnung, obwohl sie einst damit synonym war. (...).“

Merz-Wahl zum Kanzler ein „symbolisches Schlamassel“ – „Leichtsinnig und schlecht vorbereitet“

Das tschechische Blatt führt weiter aus, dass die Niederlage Merz in der ersten Runde noch nachwirken wird: „Doch nun hat die Ordnung dort versagt, wo es niemand erwartet hätte. Der CDU-Politiker Friedrich Merz, Anführer einer breiten Koalition aus Konservativen und Sozialdemokraten, ist in der ersten Runde der Kanzler-Wahl gescheitert. Damit ist Merz nicht abgeschrieben. Bereits am Nachmittag siegte er in der zweiten Runde. Doch dieses symbolische Schlamassel gleich zu Beginn wirft mit Sicherheit einen Schatten auf ihn, seine Koalition und die neue Regierung in Deutschland.“

Die norwegische Boulevardzeitung „Verdens Gang“ (Oslo) kommentiert die Wahl von Bundeskanzler Friedrich Merz: „Es brauchte zwei Versuche: Das, was Friedrich Merz‘ großer Tag werden sollte, begann mit einer demütigenden Niederlage. Eine Mehrheit der Vertreter im Bundestag sagte zunächst überraschend Nein zum neuen Bundeskanzler. Erst im zweiten Anlauf wenige Stunden später erhielt Merz die nötige Mehrheit. Ein schlechterer Start für eine neue Regierung ist kaum vorstellbar“, und prognostiziert eine schwere Zeit: „Deutschland steht vor den größten politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen seit mehr als 30 Jahren. Kein neuer Kanzler hatte in jüngerer Zeit eine anspruchsvollere Ausgangslage als Merz. Wie schwierig es wird, zeigte die erste Abstimmung mit aller Deutlichkeit.“

CSU-Politiker im Bundeskabinett seit 1949: Dobrindt, Bär und Rainer folgen Koryphäen und umstrittenen Personen

Dobrindt, Bär Rainer CSU Kabinett Merz Liste
Alexander Dobrindt, Dorothee Bär und Alois Rainer sind die drei neuen CSU-Minister im Kabinett von Merz. © Imago 3x
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-Jährige ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat. Seine Schwester, Gerda Hasselfeldt, ist hier auch in der Liste zu finden.  © IMAGO/Christian Spicker
Strauß Waigel Seehofer CSU Bundesregierung
Franz-Josef Strauß, Theo Waigel und Horst Seehofer, nur drei von vielen Ministern, die als CSU-Mitglied in der Bundesregierung als solche arbeiteten.  © Imago
Ilse Aigner Bundestag Kabinett BUndesregierung
Ilse Aigner (1964) war Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unter Angela Merkel von 2008 bis 2013. Sie war außerdem stellvertretende Bayerische Ministerpräsidentin nach ihrer Ministerzeit bis 2018. 1983 trat Aigner in die Junge Union ein, 1985 in die CSU. Seit 2018 ist sie Präsidentin des Bayerischen Landtags.  © imago stock&people
Siegfried Balke CSU Kabinett Minister Bundesregierung
Siegfried Balke (1902 – 1984) hier sitzend auf dem Stuhl beim Drücken eines Knopfes war von 1953 bis 1956 Minister für Post- und Fernmeldewesens und anschließend eben Bundesminister für Atomfragen bis 1962. Das Foto entstand 1959. Nach seiner Zeit als Minister war er Arbeitgeberpräsident. © imago stock&people
Bötsch KAbinett Regierung CSU
Wolfgang Bötsch (1938 – 2017) hatte eine besondere Aufgabe inne. Er sperrte als letzter Minister das Büro für Post und Telekommunikation zu. Er füllte das Ministeramt von 1993 bis 1997 aus. Anschließend wurden die Aufgaben auf das Finanz– und Wirtschaftsministerium verteilt, der Sektor Post und Telekommunikation privatisiert. Die CSU schreibt auf ihrer „Geschichte der CSU“, dass das Bundespostministerium als „beliebtes Ministerium“ für CSU-Minister galt. Bötsch war der letzte in der Riege. Hier auf dem Foto sitzt Bötsch mit gelb-karierter Krawatte (2. v. l.) neben Manfret Kanther (links) und Carl-Dieter Spranger (2. v. r – folgt später in der Fotostrecke) und Erika Steinbach (rechts).  © IMAGO / sepp spiegl
Alexander Dobrindt, CSU Bundestag Kabinett
Alexander Dobrindt (1970) war von 2013 bis 2017 Verkehrsminister unter Angela Merkel. Auch heute ist Dobrindt noch im Bundestag aktiv und sprach erst Ende Januar im Bundestag bei der Abstimmung zum Migrations-Gesetz am Pult als Vorsitzender der CSU-Landesgruppe. 1986 trat er in die Junge Union ein, 1990 in die CSU. Dobrindt scheiterte auch mit seiner Idee, eine PKW-Maut in Deutschland einführen zu wollen, wie auch sein Nachfolger Andi Scheuer. Der CSU-Abgeordnete ist enger Vertrauter von Markus Söder und zeigt ebenso gerne seine Abneigung gegen die Grünen. Dobrindt soll auch Urheber des Unworts des Jahres 2018 sein: „Anti-Abschiebe-Industrie“ © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Franz Josef Strauß CSU und Werner Dollinger CSU CSU Kongress in München
Werner Dollinger (1918 – 2008) hier auf dem Foto aus dem Jahr 1986 im engen Austausch mit Franz-Josef Strauß, war von 1962 bis 1966 Bundesschatzminister, kurze Zeit im Jahre 1966 Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und anschließend für Post- und Fernmeldewesen bis 69 verantwortlich. Als wäre das nicht genug, übernahm Dollinger auch noch von 1982 bis 1987 das Verkehrsministerium. Dollinger, der zwei Jahre im Zweiten Weltkrieg diente, arbeitete also unter Adenauer, Erhard, Kiesinger und Kohl. Schon 1961 erhielt der den Bayerischen Verdienstorden und saß von 1957 bis 1990 im Deutschen Bundestag. © imago stock&people
Hans-Peter Friedrich csu kabinett Bundesregierung
Hans-Peter Friedrich (1957) war von 2011 bis 2013 Innenminister und Vizepräsident des Bundestags von 2017 bis 2021. Friedrich studierte Jura, trat 1973 der Jungen Union bei. Er hatte während seiner Zeit im Bundestag eine strenge Ansicht zu Asylbewerbern und Einwanderung. Außerdem stimmte er 2021 gegen eine Impfpflicht für Angestellte für bestimmte Berufsgruppen, u. a. in Pflege- und Altenheimen. Sein verkürztes Innenministeramt ist der Edathy-Affäre geschuldet, die ihn zum Rücktritt verleiteten. Für 2025 wird Friedrich nicht erneut für den Bundestag kandidieren.  ©  via www.imago-images.de
Karl-Theodor zu Guttenberg CSU Kabinett Minister
Karl-Theodor zu Guttenberg (1971) hat deutlich mehr Vornamen, die wir nicht aufzählen, deutlich mehr hätte man auch über ihn in der deutschen Politik noch heute gehört, wäre er nicht an der Plagiatsaffäre gescheitert. Der Shootingstar der CSU übernahm das Ministeramt für Wirtschaft und Technologie von Michael Glos im Jahr 2009, ehe er zum Verteidigungsminister 2011 wurde. Die Universität Bayreuth erkannt ihm seinen Doktorgrad nach Plagiat und Urheberrechtsverletzungen ab. Seitdem war oder ist er als Berater, Lobbyist, Moderator, Podcaster und Autor tätig.  © imago sportfotodienst
Glos MInister CSU Kabinett Bundesregierung
Michael Glos (1944) war vier Jahre lang der Minister für Wirtschaft und Technologie unter Angela Merkel von 2005 bis 2009, trat aber vorzeitig aus Altersgründen zurück und überließ Theodor zu Guttenberg den Posten. Im Spiegel sprach er im Anschluss über sein Amt, dass er aus seiner Sicht überraschend bekam: „Ich wusste damals nicht mal, wo dieses Wirtschaftsministerium genau stand. Ich habe sogar in der Nähe gewohnt, aber es hat mich nie interessiert. Ich hatte kaum eine Ahnung davon, was die Aufgaben dieses Ministeriums sind, um was es sich alles zu kümmern hat.“ Auch damals kritisierte er schon das anstrengende Abgeordnetenleben. „Ein permanenter Ausnahmezustand. Ich habe Kolleginnen und Kollegen durch den Alkohol sterben sehen. Das hat auch etwas mit der Einsamkeit des Politikers zu tun.“ © imago sportfotodienst
Gerda Hasselfeldt CSU Kabinett Ministerin
Gerda Hasselfeldt (1950). Drei langjährige Politikgrößen der Union unter sich. Volker Kauder zusammen mit Angela Merkel und Gerda Hasselfeldt von der CSU. Hasselfeldt vermittelte zwischen Merkel und Seehofer in der Flüchtlingskrise. Sie war von 1989 bis 1991 Bauministerin und von 91 bis 92 Gesundheitsministerin. Hasselfeldt entstammt einer Politikerfamilie, ihr Vater und ihr Bruder waren Bürgermeister und im Bundestag. Von 1987 bis 2017 war Hasselfeldt im Bundestag. Die FAZ bezeichnete sie als „lachende Sechste“, als sie zur Landesgruppenvorsitzende der CSU wurde, als Nachfolgerin von Hans-Peter Friedrich.  © imago stock&people
Höcherl CSU Kabinett Bundesregierung
Hermann Höcherl (1912 – 1989) war zweimal Minister. Einmal Innenminister von 1961 bis 1965 und direkt im Anschluss Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Der gebürtige Oberpfälzer studierte Rechts- und Staatswissenschaften, war während des Zweiten Weltkriegs bis auf eine Unterbrechung an der Front für das Gericht tätig. Er trat der NSDAP zweimal bei, gerät einmal in amerikanische Gefangenschaft, ehe er 1949 zur CSU gelangt. Er übte sein Amt unter Konrad Adenauer und Ludwig Erhard teils unter heftiger Kritik aus. Hier auf dem Foto geht er gerade mit seinem Hund in seinem Heimatort Gassi.  © IMAGO
Richard Jaeger CSU Kabinett Bundesregierung
Richard Jaeger (1913 – 1998) war ein Jahr lang Bundesjustizminister und eher bekannt als Vizepräsident des Deutschen Bundestages über zwei Amtsperioden. Er trat 1933 in die SA ein und studierte Rechts- und Staatswissenschaften, diente kurze Zeit im Zweiten Weltkrieg und promovierte später. Die zu Tode verurteilten NS-Kriegsverbrecher hätte er laut einer Kundgebung 1951 begnadigen lassen. Auch die Todesstrafe wollte er wieder einführen, was ihm den bösen Spitznamen „Kopf-ab-Jaeger“ brachte, wie unter anderem die SZ in ihrem Artikel über „Die Stellvertreter“ im Bundestag schreibt. Mitglied in der CSU war ab 1946. Sein Amt als kurzzeitiger Justizminister von 1965 bis 66 scheiterte am Bruch mit der FDP und der darauffolgenden Großen Koalition.  © imago stock&people
Kiechle CSU Minister Kabinett
Ignaz Kiechle (1930 – 2003) war für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten von 1983 bis 1993 verantwortlich. Wem der Name was sagt, der könnte vielleicht aus dem Allgäu kommen, denn sein Sohn ist Oberbürgermeister der Stadt Kempten. Mit 23 Jahren trat Kiechle der CSU im Jahre 1953 bei. 1993 musste er von seinem Ministerposten aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten. Hier auf dem Foto (links) sitzt er neben Arbeitsminister Norbert Blüm. © imago stock&people
Hans Klein CSU Kabinett BUndesregierung
Hans Klein (1931 – 1996). Klein (links im Bild, vorne rechts Helmut Kohl) war von 1987 bis 1989 Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und danach noch ein Jahr bis 1990 für Besondere Aufgaben verantwortlich. Klein kam als Sudeten-Vertrieber nach Deutschland, arbeitete als Journalist und war Vertrauter von Ludwig Erhard und seit 1972 in der CSU. Er lebte in München und scheiterte nach seiner Zeit im Bundestag bei der Oberbürgermeisterwahl an Georg Kronawitter von der SPD. Er polarisierte einst mit Aussagen zur Waffen-SS und wurde von der damaligen Opposition scharf kritisiert. Für die Olympischen Sommerspiele 1972 in München war er als Pressechef aktiv, nach ihm ist die Verbindungsstraße zwischen Radlkoferstraße und Pfeuferstraße in München bekannt.  © Sepp Spiegl via www.imago-images.de
Dr. Gerd Müller CSU Kabinett Bundesregierung
Gerhard oder auch Gerd Müller (1955). Müller galt auch einst als „das gute Gewissen der CSU“. Er war Entwicklungsminister, oder wie es auch heißt: Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Er weigerte sich persönlich an der WM 2014 teilzunehmen und kritisierte die dortigen Umstände, auch 2022 bei der WM in Katar war er Kritiker. Er wollte die Fluchtursachen bekämpfen, hatte einen anderen Ansatz als Seehofer. Den Beinamen „gutes Gewissen der CSU“ bekam er 2016 vom Deutschlandfunk. Müller war auch für Lieferkettengesetz verantwortlich, räumte seinen Stuhl im Bundestag 2021, um den jüngeren Menschen eine Chance zu geben.  © Jürgen Heinrich via www.imago-images.de
Niederalt CSU Bundeskabinett Minister
Alois Niederalt (1911 – 2004) war ein CSU-Politiker, der ein Ministeramt bekleidete, was heutzutage etwas ungewöhnlich klingt. Er war nämlich von 1962 bis 1966 der Bundesminister für Angelegenheiten des Bundesrates und der Länder. Dieses Amt gab es nur bis 1969, sollte den Informationsfluss zwischen der Regierung mit den im Bundesrat vertretenen Ländern stärken. Zu vergleichen ist die Aufgabe heute mit der des Staatsministers. Er war Minister sowohl unter Konrad Adenauer als auch Erhard, galt aber als Gegner der Großen Koalition und schied somit 66 aus. Niederalt war ebenfalls Mitglied der NSDAP ab 1937, 1953 dann der CSU. Hier auf dem Foto aus dem Jahre 1964 hört Niederalt der kleinen Monika genauestens zu.  © imago stock&people via www.imago-images.de
Wilhelm NIklas CSU Bundestag Kabinett
Wilhelm Niklas (1887 –1957) ist der am frühest geborene ehemalige CSU-Minister in dieser Fotostrecke. Er war unter Konrad Adenauer ab 1949 der erste Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, bis 1953. Das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung hat mit der Professor Niklas-Medaille die höchste Auszeichnung, benannt nach dem ersten Minister. Niklas studierte Tiermedizin und war ab 1925 Abteilungsleiter des Bayerischen Landwirtschaftsministerium, wurde dann aber nicht als Professor berufen, weil er sich weigerte der NSDAP beizutreten. Er war Landwirt und anschließend Gründungsmitglied der CSU.  © Screenshot BMEL / Youtube-Video
Peter Ramsauer CSU Kabinett Vekehrsminister
Peter Ramsauer (1954) war vier Jahre lang Verkehrsminister bis 2013 unter Angela Merkel und auch gern gesehener Gast in Talkshows, wie hier bei Markus Lanz im Jahr 2015. Der gebürtige Münchner war von 1990 bis 2025 im Bundestag, wird aber in der nächsten Periode nicht mehr kandidieren, der Stand Februar 2025 der älteste Abgeordneter in Berlin ist. Der Vorgänger von Alexander Dobrindt konnte weder mit Stuttgart 21 noch mit dem Flughafen Berlin Brandenburg glänzen und sich nachhaltig einen positiven Statut zementieren.  © imago stock&people
Eduard OSWALD CSU zu seiner Wahl zum Bundestagsvizepraesidenten Minister Kabinett
Eduard Oswald (1947). Der Augsburger war wohl der kürzeste CSU-Minister in den Reihen der bayerischen Schwesterpartei, der CDU. Oswald führte nur für ein paar Monate 1998 als Bauminister durch die Zeit. Bekannter war Oswald, der hier auf dem Foto einen Blumenstrauß von Gerda Hasselfeldt bekommt, für sein Amt als Vizepräsident des Deutschen Bundestages. Von 87 bis 2013 war im Bundestag vertreten.  © Thomas Imo/photothek
Fritz Schäffer CSU Kabinett Bundestag
Fritz Schäffer (1888 – 1967) war der erste Ministerpräsident Bayerns nach dem Zweiten Weltkrieg, wie auch der ersten Finanzminister unter Konrad Adenauer, von 1949 bis 1957. Danach war noch vier Jahre Justizminister bis 61.  © imago stock&people
Seehofer Bundestag CSU Minister
Horst Seehofer (1949). So lange ist es gar nicht her, dass Seehofer noch aktiv Minister war. Hier noch 2021 mit einem seiner Nachfolger: Karl Lauterbach während Corona noch vorherrschte und die Maskenpflicht (so gut es eben ging), einzuhalten galt. Seehofer war unter Kohl von 92 bis 98 Gesundheitsminister, dann von 2005 bis 2008 für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zuständig, ehe er 2018 bis 2021 Innenminister wurde. Von 2008 bis 2019 war der gebürtige Ingolstädter Vorsitzender der CSU, von 2008 bis 2018 Ministerpräsident. Vor allem in der Flüchtlings- und Asylpolitik blieben umstrittene Aussagen Seehofers hängen, seine Tochter Susanne ist in der bayerischen FDP tätig.  © Frederic Kern via www.imago-images.de
Andreas Scheuer CSU Kabinett MInister
Andreas Scheuer (1974) erlangt nicht nur als Verkehrsminister unter Angela Merkel überregionale Berühmtheit, sondern war auch für das Debakel um die Maut mitverantwortlich. Als Verkehrsminister war er von 2018 bis 2021 eingesetzt. Der Passauer saß von 2002 bis 2024 im Bundestag und ist bereits zum dritten Mal verheiratet. Bei der Bundestagswahl 2025 tritt Scheuer nicht an.  © Chris Emil Janssen via www.imago-images.de
Oscar Schneider CSU Bundestag Kabinett
Oscar Schneider (1927 – 2024) war von 1982 bis 1989 Bundesbauminister. Er wuchs in Mittelfranken auf. In seiner Jugendzeit wurde er als 17-Jähriger 1944 in den Ersten Weltkrieg einberufen und wusste laut eigenen Aussagen nichts von seiner NSDAP-Mitgliedschaft, was er gerichtlich bestätigt bekam. Schneider war von 69 bis 94 Mitglied im Bundestag und starb erst kürzlich im Alter von 97 Jahren. Auf dem Foto ist er im Jahre 1986 in Bonn zu sehen.  © IMAGO / Sven Simon
Christian Schmidt CSU Kabinett Bundestag
Christian Schmidt (1957). Der Mittelfranke war von 1990 bis 2021 Abgeordneter im Bundestag. Von 2014 bis 2018 als Minister für Ernährung und Landwirtschaft und überbrückte das Amt des Verkehrsministers nach Dobrindts Rücktritt. In seiner Zeit als Minister stimmte für die Zulassung von Glyphosat und wurde später von Angela Merkel gerügt. Mittlerweile ist Schmidt Hoher Repräsentant für Bosnien und Herzegowina.  © Christoph Hardt via www.imago-images.de
Schuberth CSU Minister Kabinett
Hans Schuberth (1897 – 1976) war von 49 bis 50 für die Angelegenheiten des Fernmeldewesens und von 49 bis 53 für das Post- und Fernmeldewesens unter Konrad Adenauer verantwortlich. Er wurde im Ersten Weltkrieg schwer verwundet, vor dem Zweiten weigerte er sich der NSDAP beizutreten. Hier im Bild sieht man einen Ausschnitt aus dem NDR-Archiv mit einer Ansprache zum 1.1.1953. In der ARD-Mediathek steht: „Schuberth ist stolz, mit hohem technischen Standard ein Programm „zum Besten des deutschen Volkes“ ermöglichen zu können.“ © Screenshot ARD
Carl-Dieter Spranger CSU Bundestag Kabinett
Carl-Dieter Spranger (rechts) geboren 1939, war sieben Jahre lang Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Dazu noch ab 93 fünf Jahre mit dem Beisatz „Entwicklung“. Geboren wurde er in Leipzig, machte aber Abitur in Ansbach. Hier auf dem Foto von 1996 mit dem Bildungsminister Jürgen Rüttgers.  © imago stock&people via www.imago-images.de
Richard Stücklen CSU Minister BUndestag
Richard Stücklen (1916 bis 2002) war von 1957 bis 1966 im Post- und Fernmeldewesen als Minister tätig. Der gebürtige Mittelfranke (hier im Bild mit einem jungen Edmund Stoiber) war später auch Bundestagspräsident von 79 bis 83. Stücklen, der auch Mitglied der NSDAP war, war von 49 bis 90 im Deutschen Bundestag und sah elf Legislaturperioden. Schäuble überbot ihn 2014 und löste ihn als Rekordhalter ab.  © Sepp Spiegl
Franz Josef Strauss CSU Bayern Minister
Franz-Josef Strauß (1915 bis 1988) zählt wohl zu einer der größten CSU-Koryphäen, aber gleichzeitig auch zu einer umstrittenen Persönlichkeit. Er war von 61 bis 88 Vorsitzender der CSU, 78 bis 88 Ministerpräsident der CSU. Hier auf dem Foto mit Helmut Kohl 79 in Bonn. Er war unter Konrad Adenauer Minister für besondere Aufgaben von 53 bis 55, danach für Atomfragen bis 56. Anschließend Verteidigungsminister bis 62, bis er wegen der Spiegel-Affäre zurücktrat. Sein Comeback feierte er unter Kurt Georg Kiesinger von 66 bis 69 als Finanzminister. 1980 wollte er Bundeskanzler werden, verlor aber gegen Helmut Schmidt von der SPD. Nach ihm ist auch der Flughafen in München benannt.  © IMAGO/Hermann J. Knippertz
Waigel CSU Minister Kabinett Bundesregierung
Theo Waigel (geboren 1939) führt die wohl berühmtesten Augenbrauen Deutschlands mit sich. Die CSU-Korpyhäe war von 1989 bis 1998 unter Helmut Kohl Finanzminister. Er war in der Zeit auch CSU-Vorsitzender. Im Bundestag saß er von 1972 bis 2002. Waigel gilt übrigens als „Namensgeber des Euro“, den Vorschlag soll er 95 im Europäischen Rat eingebracht haben.  © IMAGO/Michael Bihlmayer
Warnke Bundestagswahl CSU Minister Kabinett
Dr. Jürgen Warnke (1932 – 2013) war von 1982 bis 1991 in zwei unterschiedlichen Minister-Posten unter Helmut Kohl im Amt. Erst fünf Jahre für wirtschaftliche Zusammenarbeit, dann zwei Jahre für Verkehr und dann wieder zwei Jahre wirtschaftliche Zusammenarbeit. Auf ihn folgte Carl-Dieter Spranger von der CSU. © imago stock&people
Zimmermann CSU Kabinett Bundestag
Friedrich Zimmermann (1925 – 2012) war deutscher Innenminister unter Helmut Kohl von 1982 bis 1989 und danach bis 91 Verkehrsminister. Zimmermann (hier rechts) neben FDP-Politiker Schäfer (links) im Jahr 1987. Der langjährige Freund von Franz-Josef Strauß war ehemaliges NSDAP-Mitglied und nahm am Zweiten Weltkrieg teil, danach wurde er Mitglied der CSU. Er war von 57 bis 90 im Deutschen Bundestag. Seinen Posten als Innenminister nahm anschließend Wolfgang Schäuble (89) an und seine Nachfolge als Verkehrsminister der hier in der Fotostrecke erwähnte Jürgen Warnke.  © IMAGO / bonn-sequenz

Und auch die italienische „La Stampa“ begrüßt Bundeskanzler Merz zurück im Dienst: „Willkommen zurück in der Politik, Friedrich Merz. So viele Jahre außerhalb des Parlaments und in den Kreisen der Großfinanz haben sicherlich dazu beigetragen, seine Fähigkeiten und seinen Blick zu erweitern. Aber sie haben ihn sicherlich auch jener harten Konfrontation im Tiefflug entwöhnt, ohne Rücksicht auf Benchmarks und Aktien-Portfolios, bei der keineswegs sicher ist, dass Untergebene den Anweisungen der Chefs folgen. So aber geschah es.“, und bewertet den Auftritt: „Dass Merz sich im parlamentarischen Betrieb nicht wohlfühlt, war schon bei seinen ersten Auftritten klar - etwa als das Gesetz zur Begrenzung des Migrantenzustroms nach dem Tabubruch des Bündnisses mit der AfD abgelehnt wurde. Das war nicht nur ein Scheitern in der Gesetzgebung, sondern auch in der Politik. Damals wie heute überraschte, wie leichtsinnig und politisch schlecht vorbereitet die Abstimmung war.“ (ank mit Agenturmaterial von AFP und dpa)

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