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Die Theorien um den mutmaßlichen Tod von Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin reißen nicht ab. Nun steht Putins Nachrichtendienst GRU in den Mittelpunkt.
Moskau – Nach dem mutmaßlichen Tod von Jewgeni Prigoschin reißen die Spekulationen nicht ab. War es ein cleverer Trick von Prigoschin selbst? Oder hat Putin den Todesbefehl für den Chef der Wagner-Gruppe „persönlich erteilt“? Letzteres mutmaßt zumindest der stellvertretende Kommandant „Caesar“ von der „Legion Freiheit für Russland“ nach dem Flugzeugabsturz in der Nähe von Moskau, bei dem der Mann, der auch Putins Koch genannt wurde, ums Leben gekommen sein soll.
Während US-Geheimdienste und die russische Investigativplattform rucriminal.info den Verdacht äußern, dass eine Bombe an Bord von Prigoschins Jet zum Flugzeugabsturz der Embraer Legacy 600 geführt haben soll, gehen britische und ukrainische Geheimdienste offenbar bereits einer ganz anderen Frage nach. Nämlich viel weniger, was die Ursache für den Absturz des Privatjets vom Wagner-Chef gewesen sein könnte, sondern vielmehr, wer möglicherweise der planende Kopf hinter dem mutmaßlichen Tod von Prigoschin war.
Nach Prigoschins Tod: Russlands berüchtigte Geheimdienst-Einheit rückt in den Fokus nach Flugzeugabsturz
Nach Angaben von inews.co.uk rückt dabei die berüchtigte Geheimdienst-Einheit 29155 aus Russlands Militärnachrichtendienst GRU in den Fokus. Besonders wird in Geheimdienstkreisen in Großbritannien und der Ukraine der Name Andrei Averyanov diskutiert. Nach ihrer Ansicht könnte der Leiter der Einheit an der Organisation von Prigoschins möglichem Tod zumindest beteiligt gewesen sein.
Das britische Portal beruft sich dabei auf eine ehemalige und eine aktive britische Geheimdienstquelle, die auf die „langjährige feindliche Beziehung“ zwischen Prigoschin und Averyanov hinweisen. Die Quellen wiesen auf die Rivalität hin, die durch die zentrale Rolle des GRU-Mannes beim Vorhaben zugekommen war, Prigoschin aus Afrika zu verdrängen und die Wagner-Söldner durch 20.000 Militärangehörige aus Russland abzulösen.
Tod nach Prigoschins Flugzeugabsturz: Russlands Spezialeinheit durch Skripal-Vergiftung bekannt
Eine Quelle des ukrainischen Geheimdienstes teilte außerdem mit, dass die ukrainischen Sicherheitsdienste eine mögliche Beteiligung Averyanovs an der Explosion des Flugzeugs von Prigoschin untersuchten. Der Leiter der berüchtigten GRU-Einheit ist allerdings nicht der einzige Name, der offenbar von westlichen Geheimdiensten im Zusammenhang mit dem angeblichen Tod des Anführers der Wagner-Gruppe ins Spiel gebracht wurde.
Dennoch könnte Averyanov ein Kandidat für die Organisation des möglichen Todes von Jewgeni Prigoschin sein. Immerhin passe eine solche Aktion genau in die Vita des Geheimdienstlers. Schließlich werden der Einheit nach Recherchen von Spiegel Online, der New York Times und Bellingcat diverse GRU-Operationen zugeschrieben. Darunter befinden sich unter anderem die Vergiftung von Sergej Skripal und seiner Tochter Julia in Salisbury, die Explosion in einem Munitionsdepot in Tschechien und der Mordversuch an dem bulgarischen Waffenhändler Emilian Gebrew.
Prigoschins Flugzeugabsturz: Bombe in der Maschine vom Wagner-Chef verantwortlich?
Gesicherte Hinweise auf die Ursache des Flugzeugabsturzes von Jewgeni Prigoschins blieben bisher ebenso wenig aus wie eine offizielle Bestätigung, dass der Chef der Wagner-Gruppe bei dem Unglück ums Leben gekommen ist. Auch wenn Wladimir Putin in einer Fernsehansprache den Tod Prigoschins indirekt bestätigte, könnte der Flugschreiber nach seiner Entdeckung vielleicht mehr Aufschluss geben.
Doch während von der ursprünglichen Theorie, dass das Flugzeug durch einen Lenkflugkörper vom Boden abgeschossen worden sei, immer mehr Abstand genommen wird, halten sich die Spekulationen über eine Bombe an Bord hartnäckig. Angeblich gab es Hinweise darauf, dass im allerletzten Moment ein Geschenk in Form einer Kiste mit teurem Wein an Bord geladen wurde. Das Flugzeug selbst sei vor dem Verladen der Kiste sorgfältig und mit Spürhunden untersucht worden.
Prigoschins Tod nach Flugzeugabsturz: Kreml-Sprecher dementiert Vorwürfe als „absolute Lüge“
Weitere Spekulationen fachte die Flugbegleiterin Kristina Raspopowa an. Sie schrieb wohl ihrer Familie kurz vor dem Abflug noch, dass sich der Flug wegen einer ungeplanten Reparatur verzögern werde. Über den genauen Schaden teilte sie aber nichts mit. Möglicherweise könnte die Bombe am Kühlsystem platziert worden sein, welches bei der
Die Hinweise sind weiterhin nur Spekulationen und lassen sich genauso wenig unabhängig überprüfen, wie Spekulationen um eine mutmaßliche Beteiligung von Wladimir Putin oder des Kremls an Prigoschins Tod. Dennoch dementierte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow die Vorwürfe vehement und stempelte die Behauptung als „absolute Lüge“ ab. Ob in der Zukunft eine lückenlose Aufklärung des Vorfalls in Russland überhaupt möglich ist, scheint fraglich. Aber vielleicht kann der entdeckte Flugschreiber ein paar Antworten auf die vielen Fragen von Prigoschins Flugzeugabsturz liefern.
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