Drohung an „feindliche Kräfte“

Nordkoreas Kim Jong-un fordert von Armee: „Fähigkeiten zur Kriegsführung radikal verbessern“

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Während einer Sitzung der Zentralen Militärkommission der Arbeiterpartei Nordkoreas zeigt Diktator Kim Jong-un auf eine Karte des Südens.
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Neues Säbelrasseln aus Nordkorea: Diktator Kim Jong-un droht dem Süden und den USA erneut mit Krieg – und stellt Forderungen an seine eigene Armee.

München – Die Situation auf der koreanischen Halbinsel spitzt sich weiter zu. Am Mittwoch forderte Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un seine Streitkräfte auf, ihre „Fähigkeiten zur Kriegsführung radikal zu verbessern“. Bei einer Sitzung der Zentralen Militärkommission der regierenden Arbeiterpartei sagte Kim laut Staatsmedien, die nordkoreanischen Armee müsse „einen positiveren, proaktiven und überwältigenden Willen zeigen und ihre Bereitschaft, Krieg zu führen, kompromisslos perfektionieren“.

Als Grund nannte Kim Jong-un „die gegenwärtige Situation, in der die feindlichen Kräfte in ihrer rücksichtslosen militärischen Konfrontation mit Nordkorea immer unverhohlener werden“. Unter „feindlichen Kräften“ versteht das Regime in Pjöngjang zumeist die USA und Südkorea, auch wenn beide Länder von Kim nicht explizit erwähnt wurden. Nordkoreanische Medien veröffentlichten zu dem Bericht über die Sitzung der Militärkommission allerdings unter anderem ein Foto, auf dem Kim auf eine Karte von Südkorea zeigt.

Der Diktator rief den Berichten zufolge dazu auf, „aktiv Kriegsübungen durchzuführen, um die neuesten Waffen und Ausrüstungen effizient einzusetzen, damit sie im Kampf die maximale Wirkung entfalten können“. Kim hatte im vergangenen Jahr so viele Raketen wie nie testen lassen und rüstet auch in diesem Jahr weiter auf.

Nordkorea testet immer mehr Raketen – USA und Südkorea rücken enger zusammen

Im April verkündete das Regime, eine neuartige Interkontinentalrakete vom Typ „Hwasong-18“ erfolgreich getestet zu haben. Die mit festem Treibstoff betriebene ballistische Langstreckenrakete soll über eine Reichweite von 15.000 Kilometern verfügen, kann mit einem nuklearen Sprengkopf bestückt werden und das gesamte US-Festland erreichen. Experten erwarten zudem seit Längerem einen erneuten Atomtest; zuletzt hatte Kim 2017 eigenen Angaben zufolge eine Wasserstoffbombe testen lassen.

Anlässlich eines Besuchs von Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu im Juli in Nordkorea zeigten Staatsmedien neben der „Hwasong-18“ auch mehrere neuartige Kampfdrohnen. Schoigu hatte, wie auch ein Vertreter aus China, an Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag des Endes des Korea-Kriegs nach Pjöngjang teilgenommen; es war der erste Besuch einer hochrangigen ausländischen Delegation, seit Nordkorea mit Beginn der Corona-Pandemie Anfang 2020 seine Grenzen geschlossen hatte.

Wegen der zunehmenden Bedrohung durch Nordkorea sind die USA und Südkorea unter Joe Biden und dem konservativen Präsidenten Yoon Suk-yeol zuletzt wieder enger zusammengerückt. Bei einem Staatsbesuch von Yoon in Washington vereinbarten die USA und Südkorea im April eine verstärkte militärische Zusammenarbeit mit dem Ziel, das hochgerüstete Nordkorea abzuschrecken.

Nordkorea warnt vor „Atomkonflikt“ – und lässt sein Volk Hunger leiden

Zu diesem Zweck wurde unlängst zum ersten Mal seit vier Jahrzehnten wieder ein nuklear bewaffnetes amerikanisches U-Boot nach Südkorea entsandt. Ein Sprecher des nordkoreanischen Verteidigungsministeriums sprach im Zusammenhang mit der Entsendung von einer „provokativen Militäraktion der USA“, die das Potenzial habe, „dass sich die Lage auf der koreanischen Halbinsel der Schwelle eines Atomkonflikts nähert“.

Auf der Sitzung vom Mittwoch beschloss Nordkoreas Militärkommission auch „wichtige militärische Handlungsrichtlinien“ für den Einsatz der nordkoreanischen Fronttruppen und eine vorausschauende Planung für neue Kriegsübungen. Zudem wurde der Chef des Generalstabs ausgetauscht.

Für Chris Green von der US-Denkfabrik International Crisis Group deutet Kims verschärfte Rhetorik darauf hin, dass den Worten des Diktators bald auch Taten folgen könnten. Vor allem aber wolle Kim eine Botschaft an das eigene Volk senden und „ein Gefühl der Konfrontation mit Yoon und den Amerikanern aufbauen. Das soll dazu beitragen, die Gesellschaft auf Linie zu halten, Härten zu rechtfertigen und die lebenswichtige Bedeutung der militärischen Prioritätensetzung zu beweisen“, sagte Green dem Portal NK News. Berichten zufolge leidet die nordkoreanische Bevölkerung derzeit massiv unter Hunger; gleichzeitig steckt die Atommacht westlichen Schätzungen zufolge 20 bis 30 Prozent ihres Staatshaushalts in die Aufrüstung.

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