USA und EU suchen Kompromisse

Senator warnt vor Trumps Ukraine-Friedensplan – mit Hitler-Vergleich

  • schließen

US-Präsident Trump will den Ukraine-Krieg beenden. Doch sein Plan stößt auf Widerstand in den USA. Senator Warner zieht einen radikalen Vergleich.

Washington, D.C. – US-Präsident Donald Trump will den Ukraine-Krieg mit einem 28-Punkte-Plan beenden. Dafür übt er Druck auf den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj aus. Doch die Opposition in den USA warnt vor dem Friedensplan: Der demokratische Senator Mark Warner hält ihn für eine „totale Kapitulation“ der Ukraine. Ein gewagter Vergleich unterstreicht seine Meinung.

Schwere Vorwürfe zu Trumps Friedensplan: Soll sich auf Putins „Wunschliste“ fokussiert haben (Symbolbild).

„Ich denke, es würde offen gesagt als historisch schlechter Deal in die Geschichte eingehen, vergleichbar mit Neville Chamberlains Kapitulation vor Hitler vor dem Zweiten Weltkrieg“, sagte Warner im Gespräch mit Fox News. Meint: Der Demokrat geht nicht von einem langfristigen Friedensdeal mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin aus und rechnet möglicherweise sogar mit einer nachfolgenden, größeren Eskalation.

Demokrat zieht Parallele: US-Senator sieht Risiken für Frieden im Ukraine-Krieg

Der demokratische US-Senator bezieht sich mit dem Vergleich auf das Münchener Abkommen von 1938, in dem Nazi-Deutschland ein Teil der Tschechoslowakei zugestanden wurde. Ziel des Vertrags war, Frieden zu bringen. Der damalige britische Premierminister Chamberlain hatte damals das Abkommen gelobt. Doch im Folgejahr marschierte Hitlers Armee in Polen ein – der Beginn des Zweiten Weltkriegs.

Warner warnte im Gespräch mit Fox News, dass der sogenannte Friedensplan, wenn er akzeptiert würde, womöglich auch in China Auswirkungen haben könnte. Der chinesische Anführer Xi Jinping könnte dadurch ermutigt sein, eine Invasion in Taiwan in den Blick zu fassen.

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Demokrat Warner kritisiert: „Chaotisches“ Hin-und-Her von Außenminister Rubio

US-Außenminister Marco Rubio soll laut der US-Nachrichtenseite Mediaite mehreren Senatoren gesagt haben, dass der 28-Punkte-Plan für ein Ende des Ukraine-Kriegs nicht Trumps Idee gewesen sei. Stattdessen handle es sich um eine russische „Wunschliste“, die an die Presse weitergegeben worden sei. Später ruderte Rubio zurück: Auf der Onlineplattform X schrieb er, der Plan sei „von den USA verfasst worden“, basiere allerdings auf Input von Russland und der Ukraine.

Der demokratische US-Senator Warner kritisierte das Hin-und-Her des Außenministers als „chaotisch“. Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, verteidigte Trumps Friedensplan laut Politico. Es sei „das beste Win-Win-Szenario“. Der Demokrat Warner betonte: „Wir wollen alle Frieden sehen. Aber wir wollen keinen Frieden, der Putin belohnt“.

Neue Entwicklungen: USA zeigen sich zu Kompromissen beim Ukraine-Friedensplan bereit

Offenbar zeigen sich nun auch die USA zu Kompromissen bereit. Bei Verhandlungen in Genf zu Kompromissen näherten sich die USA und die EU einander an. Auch auf Seiten der EU war der 28-Punkte-Plan in die Kritik geraten, weil er sich stark an Putins Friedensvorstellungen orientiere. Das Ergebnis der Gespräche sei ein „grundlegendes Dokument“ gewesen, welches als Grundlage für die weitere Arbeit genutzt werden soll.

In diesem Rahmen ist auch der Zeitdruck abgefallen. Trump hatte zunächst Druck auf den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ausgeübt, dem Friedensplan bis Donnerstag (27. November) zuzustimmen. Für einen gerechten und dauerhaften Frieden wolle man sich nun mehr Zeit lassen, betonte Rubio in Genf. (Quellen: Fox News, Mediaite, Politico, eigene Recherche)

Rubriklistenbild: © DREW ANGERER/AFP

Kommentare