Neuer „Frankenstein“ rollt an

EU stärkt Kiews Luftverteidigung mit Frankenstein-Panzer – Skyranger und Leopard gegen Putins Drohnen

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Unten alt, oben neu: Rheinmetall baut der Ukraine einen „Frankenstein-Flakpanzer“ aus Skyranger und Leo-Chassis. Bezahlt wird mit Russlands Vermögen.

Kiew – „Die Entscheidung, das System auf dem Fahrgestell des Leopard 1, einer älteren, aber einsatzerprobten Plattform, zu montieren, spiegelt einen pragmatischen Ansatz für die Mobilität der Luftverteidigung wider“, schreibt Alain Servaes. Der Autor des Magazins Army Recognition lobt den neuen Ansatz eines „Frankenstein-Panzers“ im Ukraine-Krieg: die Kombination aus einem vorhandenen Fahrgestell mit einem neuen Turm für einen erprobten Einsatz – gegen Wladimir Putins Drohnenterror. Und der Clou: Russland zahlt die Zeche.

Ein Turm für alle Fälle: Das Skyranger-Geschütz wird jetzt in der Ukraine auf ein Fahrgestell des Leopard 1-Panzers montiert; damit soll die Luftabwehr der Ukraine für kurze Distanzen verstärkt werden. Auch die Bundeswehr soll kurz davor stehen, eine große Zahl von Skyranger-Systemen zu bestellen.

Operativ realisiert Rheinmetall den innovativen Ansatz für den Ukraine-Kieg, wie der deutsche Rüstungskonzern via Pressemitteilung veröffentlicht: Demzufolge liefere Rheinmetall Skyranger 35-Flugabwehrsysteme auf Basis des Leopard 1 an die Front – im Wert eines dreistelligen Millionen-Euro-Betrags. Produktion und Integration der Systeme übernehme Rheinmetall Italia SpA vom Stammsitz in Rom aus. „Finanziert werden die Systeme von einem EU-Land aus Erlösen eingefrorener russischer Vermögenswerte“, schreibt das Unternehmen.

1.000 Schuss pro Minute auf Russland: Deshalb ist der „Frankenstein-Flakpanzer“ sicher eine probate Lösung

„Gepard, Gepard und nochmals Gepard“, sagt Serhiy. Den ukrainischen Schützen hatte Army Recognition gefragt, was seiner Ansicht nach die drei wichtigsten Systeme zur Abwehr von russischen Drohnen seien. Im Ukraine-Krieg hat das Bundeswehr-Alteisen Wladimir Putins Invasionsarme enorme Verluste beigebracht. Jetzt tritt sein Erbe an.

Parallel hat die Ukraine die Idee verfolgt, diese Waffe unter eigener Regie nachzubauen – laut dem Defense Express „kann man zu dem Schluss kommen, dass im Falle einer Wiederaufnahme der Produktion praktisch ein neues System entstehen wird, das technisch und wahrscheinlich auch äußerlich wenig mit dem ursprünglichen Gepard-System gemeinsam haben wird“. Und das wird mehr Zeit kosten, als die Ukraine hat. Deshalb ist der „Frankenstein-Flakpanzer“ sicher eine probate Lösung. Der Skyranger verschießt 1.000 bis 1.200 Geschosse pro Minute aus einem einzelnen Rohr – abhängig von der 30- oder 35-Millimeter-Munition. Die „Leopard 1 Skyranger 35“-Version „vereint die Mobilität und den Schutz eines bewährten Kettenfahrzeugs mit der herausragenden Wirksamkeit eines kanonenbasierten Flugabwehrsystems“, so Rheinmetall.

„Die Ukraine trägt zur europäischen Sicherheit bei, indem sie militärische Ausrüstung auf dem Schlachtfeld testet, die dann von den NATO-Armeen eingesetzt werden kann.“

Alain Servaes, Army Recognition

Die Kiyv Post stellt die Frage auf, wie viele dieser „Frankensteins“ die Ukraine auf die Ketten stellen wird; beziehungsweise ob die Fahrgestelle aus dem aktuellen Bestand der Ukraine entnommen würden, oder ob neue von den NATO-Partnern kämen. „Laut der Waffenverfolgungsseite Oryx hat die Ukraine seit 2023 insgesamt 170 Leopard-1-Panzer erhalten, von denen 21 nachweislich zerstört wurden“, schreibt Kiyv Post-Autor Leo Chiu. Army Recognition wertet das als einen cleveren Schachzug: Sollten neue Fahrgestelle anrollen, wären die schnell in den vorhandenen Bestand integrierbar, fänden eine erprobte Infrastruktur vor und garantierten eine schnelle Einsatzbereitschaft, so das Magazin. Army Recognition sieht auch in diesem Fahrzeug das Potenzial zu einem „Gamechanger“.

Von Taurus bis Leopard – die Waffensysteme der Bundeswehr im Überblick

Die Bundeswehr ist zu See, an Land und in der Luft mit verschiedenen Waffensystemen präsent.
Marine, Heer und Luftwaffe können auf ein breites Angebot an militärischem Arsenal zurückgreifen. Wir zeigen in dieser Fotostrecke eine Auswahl. © dpa (3) / Boris Roessler / Moritz Frankenberg / Bernd von Jutrczenka
Ein Startfahrzeug eines Patriot-Luftabwehrsystems der Bundeswehr. (Symbolfoto)
Patriot (MIM-104): Weitreichendes Flugabwehrraketensystem zur Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen. Bekämpfungsreichweite ca. 68 Kilometer, kann mehrere Ziele gleichzeitig erfassen und bekämpfen. © IMAGO / Schöning
Ein Flugabwehrsystem Skyranger 35 von Rheinmetall, in diesem Fall auf einem GTK Boxer als Waffenplattform.
Ein Flugabwehrsystem Skyranger 35 von Rheinmetall, in diesem Fall auf einem GTK Boxer als Waffenplattform – es kombiniert Kanone und Boden-Luft-Raketen und ist spezialisiert auf Drohnenabwehr. © IMAGO / Zoonar
Die Fregatte F 222 Baden-Württemberg nimmt an der multinationalen Formationsfahrt teil auf dem Transit im Ostchinesischen Meer im Rahmen des Indo-Pacific Deployment, am 11.09.2024.
Die Fregatte „Baden-Württemberg“ ist das Typschiff der modernen F125-Klasse der Deutschen Marine und wurde für langandauernde, weltweite Einsätze mit geringer Besatzung konzipiert. Sie zeichnet sich durch hohe Automatisierung, vielseitige Einsatzmöglichkeiten und eine besondere Eignung für Stabilitätsmissionen und Kriseninterventionen aus. © Bundeswehr/Leon Rodewald
Ein Tornado-Kampfflugzeug startet während der Übung „Baltic Hunter 2023“ vom Flugplatz des Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 „Steinhoff“ in Rostock-Laage.
Der Tornado ist ein zweistrahliges Mehrzweckkampfflugzeug, das von Deutschland, Großbritannien und Italien entwickelt wurde und seit den 1980er Jahren vor allem für Tiefflugangriffe, Aufklärung und elektronische Kampfführung eingesetzt wird. Er bleibt trotz seines Alters ein wichtiger Bestandteil der Luftwaffe, insbesondere als Träger für die nukleare Teilhabe und spezialisierte Aufgaben. © Jens Büttner/dpa
Kampfpanzer Leopard 2A7 der Bundeswehr (vorne) bei einer Übung mit einem Puma-Schützenpanzer (hinten). (Archivfoto)
Der Leopard 2 ist ein deutscher Kampfpanzer, der seit 1979 das Rückgrat der Panzertruppe bildet und als Hauptwaffensystem der Bundeswehr sowie vieler Nato-Staaten gilt. Er vereint hohe Feuerkraft durch seine 120-mm-Glattrohrkanone, starken Panzerschutz und außergewöhnliche Beweglichkeit und ist speziell für den Kampf gegen gegnerische Panzerverbände konzipiert. © IMAGO/Björn Trotzki
Infanterist der Zukunft der Bundeswehr ausgestattet u.a. mit Panzerfaust 3.
Die Panzerfaust 3 ist eine moderne, tragbare Panzerabwehrwaffe der Bundeswehr, die mit einem Mehrfachscharfschuss-System und einem hochentwickelten Gefechtskopf ausgestattet ist, um gut geschützte Fahrzeuge zu bekämpfen. Sie bietet eine hohe Präzision, Reichweite von bis zu 600 Metern und kann sowohl gegen gepanzerte Fahrzeuge als auch gegen befestigte Ziele eingesetzt werden. © Björn Trotzki/imago
Drohne "Luna"
„Luna“ ist ein unbemanntes Aufklärungsdrohnensystem der Bundeswehr, das zur Echtzeitüberwachung und Zielaufklärung auf dem Gefechtsfeld eingesetzt wird. Mit einer Reichweite von bis zu 100 Kilometern liefert die „Luna“-Drohne Bild- und Videodaten zur Unterstützung von Einsatzkräften. © dpa
Wuchtig: Eine Panzerhaubitze 2000 der Bundeswehr.
Die Panzerhaubitze 2000 ist ein selbstfahrendes Artilleriegeschütz der Bundeswehr mit einer 155-mm-Kanone, das Reichweiten von 30 Kilometern mit Standard- und bis zu 40 Kilometern mit reichweitengesteigerter Munition erzielt. © IMAGO / Sven Simon
Am 28.02.22 lief das Minenjagdboot Dattelnzur Verstärkung der NATO-Nordflanke aus.
Das Minenjagdboot „Datteln“ ist Teil der Frankenthal-Klasse (Klasse 332) der Deutschen Marine und spezialisiert auf das Aufspüren und Beseitigen von Seeminen. Es nimmt regelmäßig an internationalen Nato-Einsätzen und Übungen teil und trägt so zur Sicherung von Seewegen bei. © Presse- und Informationszentrum Marine
Soldaten bei der Waffen- und Geräteausbildung mit einem Gewehr (Archivfoto aus dem Jahr 2005).
Das G36 ist seit 1997 das Standard-Sturmgewehr der Bundeswehr und zeichnet sich durch sein geringes Gewicht, die modulare Bauweise und die einfache Handhabung aus. Es verfügt über eine Feuerrate von etwa 750 Schuss pro Minute und ist mit einem integrierten Optiksystem ausgestattet. Es wird schrittweise durch das modernere G95 ersetzt. © dpa
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Die Bundeswehr nutzt aktuell die Pistole P8 als Standarddienstpistole im Kaliber 9 x 19 mm, plant jedoch deren Ablösung durch die modernere P13. Für Spezialkräfte werden bereits die neuen Walther P14 und P14K eingeführt, die speziell auf deren Anforderungen zugeschnitten sind. (Symbolfoto) © dpa (Symbolbild)
Bundeswehr in Hamburg
Der Wiesel ist ein leicht gepanzertes, luftverlastbares Kettenfahrzeug der Bundeswehr, das vor allem bei Fallschirmjägern und Spezialkräften im Einsatz ist. Es existiert in verschiedenen Varianten, etwa mit 20-mm-Maschinenkanone oder Panzerabwehrlenkwaffen, und bietet hohe Mobilität bei geringem Gewicht. © Markus Scholz/dpa
Von Kiew schon lange angefragt: der Taurus-Marschflugkörper aus Deutschland.
Der Taurus ist ein hochpräziser, weitreichender Marschflugkörper, der von Deutschland und Schweden entwickelt wurde und vor allem zur Bekämpfung stark geschützter Bodenziele aus großer Entfernung eingesetzt wird. Mit einer Reichweite von über 500 Kilometern und modernster Zielerfassungstechnologie ermöglicht der Taurus präzise Angriffe bei minimalem Risiko für das Trägerflugzeug. © IMAGO / Political-Moments
Deutsches Flugabwehrsystem Iris-T
Das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM. Es dient der Abwehr von Flugzeugen, Hubschraubern, Marschflugkörpern und Drohnen. Seit 2024 in der Bundeswehr eingeführt. © Wolfgang Kumm/dpa
Korvette läuft zu EU-Einsatz vor Libyen aus
Die Korvette „Ludwigshafen am Rhein“ ist ein modernes Kriegsschiff der Braunschweig-Klasse der Deutschen Marine, das vor allem für Küstenüberwachung, Aufklärung und Schutzaufgaben eingesetzt wird. Sie ist mit einem 76-mm-Geschütz, Flugabwehrraketen und Seezielflugkörpern bewaffnet und zeichnet sich durch hohe Wendigkeit und moderne Sensorik aus. © picture alliance / dpa
Mit dieser Ausrüstung kämpft unsere Bundeswehr
Der Mungo ist ein leicht gepanzertes Mehrzweckfahrzeug der Bundeswehr, das speziell für den schnellen Transport von Soldaten und Material, insbesondere für Spezialkräfte, entwickelt wurde. Aufgrund seiner kompakten Bauweise und Luftverlastbarkeit eignet sich der Mungo besonders für Einsätze in schwierigem Gelände und bei schnellen Operationen. © Quelle: Bundeswehr
PIONIERPANZER DACHS: Der Panzer ist ein Arbeitsgerät der Pioniere und basiert auf dem Fahrgestellt des Leopard 1. Mit seinem Teleskoparmbagger errichtet er Ein- und Ausfahrten sowie Zu- und Abfahrten an Gewässerübergangsstellen und macht den Gewässergrund befahrbar. Außerdem dient er zum Anlegen und Beseitigen von Hindernissen und Sperren auf dem Gefechtsfeld. TECHNISCHE DATEN: Motorleistung: 610 kW (830 PS); Gewicht: ca. 43 t; Baggerleistung: ca. 140 Kubikmeter/h
Der Pionierpanzer Dachs ist ein spezialisiertes Unterstützungsfahrzeug der Bundeswehr, das auf dem Leopard-1-Fahrgestell basiert und für Aufgaben wie Baggern, Räumen und Bergen eingesetzt wird. Ausgestattet mit Baggerarm, Räumschild und Seilwinde ermöglicht er Pionieren das Überwinden von Hindernissen und das Befahrbarmachen von Wegen unter Gefechtsbedingungen. © Quelle: Bundeswehr
Ein Raketenwerfer MARS II steht in der Alb-Kaserne.
Der MARS II ist das moderne Raketenartilleriesystem der Bundeswehr, das präzisionsgelenkte Raketen mit Reichweiten von bis zu 84 Kilometern abfeuern kann. Es basiert auf dem amerikanischen MLRS M270, bietet hohe Feuerkraft und Flexibilität und wird vor allem zur Unterstützung von Bodentruppen eingesetzt. © Sebastian Gollnow/dpa
Die Eurofighter sind beeindruckende Kampfjets. Zahlreiche westliche Armeen haben sie in ihrem Bestand. Fotos lassen erahnen, welche technischen Fähigkeiten sie haben.
Der Eurofighter Typhoon ist ein Mehrzweckkampfflugzeug europäischer Herkunft, das durch seine hohe Wendigkeit und vielseitige Bewaffnung sowohl Luftüberlegenheits- als auch Präzisionsangriffe ermöglicht. Er bildet das Rückgrat der Luftwaffen mehrerer europäischer Staaten und ist für Luftverteidigung, Begleitschutz sowie internationale Einsätze ausgelegt. © dpa
U-Boot der Klasse U212A
Die U-Boote der Klasse 212 A sind das Rückgrat der deutschen Marine und zählen zu den modernsten konventionellen U-Booten weltweit. Dank ihres außenluftunabhängigen Brennstoffzellenantriebs sind sie besonders leise, ausdauernd und schwer zu orten, was sie ideal für Aufklärungs- und Spezialoperationen macht. (Symbolfoto)  © picture alliance / Daniel Reinhardt/dpa
Die Bundeswehr in Afghanistan: Von dem Ausspäh-Programm "Prism" wußten die Deutschen angeblilch schon seit 2011.
Der Dingo ist ein gepanzertes Allschutz-Transport-Fahrzeug (ATF) der Bundeswehr, das vor allem für Patrouillen- und Konvoifahrten in gefährlichen Einsatzgebieten entwickelt wurde und durch hervorragenden Minen- und ballistischen Schutz vielen Soldaten das Leben gerettet hat.  © picture alliance / dpa
Bundeswehr
Das MANTIS, ehemals auch Nächstbereichschutzsystem C-RAM (NBS C-RAM), ist ein stationäres Luft-Nahbereichs-Flugabwehrsystem (engl. Short Range Air Defense, kurz SHORAD). Neben den klassischen Zielen der Flugabwehr, wie Flugzeuge und Hubschrauber, kann es sowohl gegen kleine Ziele wie Drohnen/UAVs und Lenkwaffen als auch gegen sogenannte RAM-Ziele (Raketen, Artilleriegeschosse und Mörser) eingesetzt werden. © Bundeswehr
Wiesbaden Army Airfield
Der Kampfhubschrauber Tiger ist ein deutsch-französischer, zweisitziger Mehrzweckhubschrauber der Bundeswehr, der für Panzerabwehr, Luftnahunterstützung und Aufklärung konzipiert wurde. Er ist mit modernen Waffen wie Panzerabwehrlenkraketen, Maschinengewehren und Luft-Luft-Raketen ausgestattet ist. Die Bundeswehr plant, den Tiger bis 2032 aus der Nutzung zu nehmen und schrittweise durch leichtere Kampfhubschrauber zu ersetzen. © Andreas Arnold/dpa
Militärische Fahrzeuge im Norden von Sachsen-Anhalt
Der Schützenpanzer Marder war über Jahrzehnte das Standardfahrzeug der Panzergrenadiertruppe der Bundeswehr und gilt als bewährtes, wendiges und feuerkräftiges Waffensystem. Mit seiner 20-mm-Bordmaschinenkanone, Panzerabwehrlenkwaffen und moderner Nachtsichttechnik bot er den Panzergrenadieren Schutz, Mobilität und vielseitige Einsatzmöglichkeiten – sowohl im Kalten Krieg als auch bei Auslandseinsätzen, etwa in Afghanistan. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Symbolbild: Das Panzergrenadierbataillon 112 ist mit dem Schützenpanzer Puma auf dem Weg in die Letzlinger Heide zum Gefechtsübungszentrum Heer, am 12.02.2024.
Der Puma ist der modernste Schützenpanzer der Bundeswehr und ersetzt schrittweise den Marder. Er bietet eine hochmoderne Kombination aus starker Bewaffnung, umfassendem Schutz und digitaler Vernetzung, wodurch er optimal auf die Anforderungen moderner Gefechtsführung und die Zusammenarbeit mit dem Kampfpanzer Leopard 2 ausgelegt ist. © Bundeswehr/Julia Dahlmann
Tag der Bundeswehr 2024
Der CH-53 ist der größte und schwerste Transporthubschrauber der Bundeswehr und seit 1975 im Einsatz, vor allem für den schnellen Transport von Personen, Material und bei Katastrophenhilfe sowie in Auslandseinsätzen wie Afghanistan und Mali. Aufgrund seines Alters und steigender Wartungsprobleme soll der CH-53 bis 2030 durch den moderneren CH-47F Chinook ersetzt werden. © Frank Hammerschmidt/dpa

„Seine Kombination aus Schnellfeuerpräzision, Mobilität und Aufrüstungspotenzial macht ihn zu einem Schlüsselelement des sich entwickelnden ukrainischen Verteidigungsökosystems, das zunehmend von Anpassungsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit und der effektiven Integration westlicher Technologie in die Realitäten moderner hochintensiver Kriegsführung geprägt ist“, urteilt Autor Alain Servaes. Nach verschiedenen Beobachter-Meinungen erwächst Putin die Gefahr aber nur mittelbar aus der Waffe selbst. Zwei Präzedenzen könnten Russlands Feldzug aus der Flanke heraus attackieren: Erstens die Lieferung an sich und darüber hinaus vor allem die Finanzierung. Die „Frankenstein-Flakpanzer“ zahlen Wladimir Putin beziehungsweise der russische Staat, dessen Vermögen durch die Europäische Union eingefroren worden ist. Die Waffe selbst wird in der Ukraine eingesetzt, bevor sie beispielsweise von der Bundeswehr beziehungsweise einer westlichen Armee in Dienst gestellt wird.

Skyranger-Flakpanzer in der Ukraine: Historischer Kurswechsel in der europäischen Militärfinanzierung

Die Innovation in der ukrainischen Rüstungstechnik geht in diesem Fall also vom Westen aus – und „signalisiert damit einen historischen Kurswechsel in der europäischen Militärfinanzierung“, schreibt Army Recognition. Laut einer Pressemitteilung des Europäischen Parlaments im März 2025 hätten Abgeordnete gefordert, nach dem Einfrieren russischer Vermögenswerte diese auch zu beschlagnahmen und in die Verteidigung der Ukraine zu investieren. Nach Russlands völkerrechtswidriger Invasion Anfang 2022 hätten die EU, die USA und ihre Verbündeten das Vermögen des russischen Staates in Höhe von mehr als 300 Milliarden US-Dollar zurückgehalten, so die Veröffentlichung. Offensichtlich fließt davon ein Teil in die „Frankenstein-Flakpanzer“ – oder aber lediglich aus den Zinsen.

„Das ‚Einfrieren‘ russischen Staatsvermögens bedeutet, dass Russland es nicht nutzen, auch nicht verkaufen kann, sondern weiterhin Eigentümer bleibt“, schreibt Anton Moiseienko. Rechtlich umstritten sei, inwieweit der gesamte eingefrorene Betrag inklusive der Zinserträge für die Ukraine zu investieren sein dürfe, so der Dozent für Rechtswissenschaften an der Australian National University auf dem Online-Forum Verfassungsblog. Ihm zufolge stünde die Staatenimmunität den Reparationsverpflichtungen Russlands gegenüber. Einerseits gelten Russlands Vermögenswerte international als unantastbar; andererseits wird Russland nach internationalem Recht angesehen als „verpflichtet, den durch seinen Angriffskrieg entstandenen Schaden vollständig wiedergutzumachen“, so Moiseienko. „Bisher beschränkte sich die EU darauf, die Zinsen russischer Vermögenswerte, die über Euroclear verwaltet werden, einzuklagen.“

Test im Ukraine-Krieg: Vermutlich mehr als 600 Abwehrsysteme beim Düsseldorfer Rüstungskonzern bestellt

Laut militärischen Fachmedien gilt der Skyranger als ultimative Luftabwehr auf kurze Distanz – im Fachjargon als SHORAD betitelt (Short-Range Air Defense, also Kurzstrecken-Luftverteidigung). Der Skyranger tritt damit das Erbe des Gepards an. Insofern hat der Gepard-Einsatz an der Ukraine-Front, dem Westen die Entwicklung des Skyranger quasi aufgezwungen – und das „skaliert“ die Begehrlichkeiten durch westliche Militärs: „Die Ukraine trägt zur europäischen Sicherheit bei, indem sie militärische Ausrüstung auf dem Schlachtfeld testet, die dann von den NATO-Armeen eingesetzt werden kann“, so Army Recognition. Aufgrund der Beweglichkeit, die durch die Ketten nochmals multipliziert wird, hat diese Form der Luftabwehr enorme Vorteile gegenüber stationären Systemen wie dem deutschen IRIS oder dem norwegischen NASAMS.

Das Handelsblatt beruft sich auf Informationen aus dem Verteidigungsministerium, nach denen für die Bundeswehr „noch in diesem Jahr mehr als 600 Abwehrsysteme beim Düsseldorfer Rüstungskonzern bestellt werden“. Wie das Magazin Europäische Sicherheit & Technik (ESUT) berichtet, waren für die Bundeswehr im vergangenen Jahr zunächst 19 Systeme bestellt worden – „bestehend aus einem Prototyp und 18 Serienfahrzeugen, mit einer Option auf weitere 30 Systeme“, wie ESUT-Autor Gerhard Heiming schreibt. Prinzipiell erlebt die Bundeswehr damit ebenfalls eine Zeitenwende: Sie würde sich ausrüsten mit Waffen, die sich in einem Krieg bewährt hätten und nicht dafür konstruiert worden sind, ihre Praxistauglichkeit in einem kommenden Krieg erst noch beweisen zu müssen.

Insofern könnte sich das bewährte Fahrgestell des Leopard 1 vielleicht auch als ein günstiges und erprobtes Chassis für die Zukunft erweisen. „Die ukrainische Militärerfahrung ist für die Sicherheitsgarantien der Ukraine und die Verteidigungssicherheit Europas im Hinblick auf eine mögliche künftige militärische Konfrontation mit Russland von entscheidender Bedeutung“, schreibt Taras Kuzio. Der Autor des US-Thinktanks „Jamestown Foundation“ erinnert aktuell daran, dass der Technologietransfer allerdings in beide Richtungen funktionieren kann. Rüstungsgüter der Ukraine seien möglicherweise eine Low-Budget-Lösung für High-Tech-Produkte. Wenn eine Bohdana-Haubitze als ukrainisches Produkt Russland am Dnipro in Schach hält, schafft sie das womöglich auch an der Weichsel, an der Elbe oder an der Seine.

Dem Magazin Ukraine Business News zufolge seien ukrainische Unternehmen bereit, ihre Innovationen auch auf Europa auszudehnen – „so dass 97 Prozent der privaten Rüstungsunternehmen mit dem Export von Waffen rechnen. Die meisten Hersteller bevorzugen NATO-Länder für ihre Exporte“. (Quellen: Rheinmetall, Europäisches Parlament, Jamestown Foundation, Army Recognition, Defense Express, Kiyv Post, Verfassungsblog, Handelsblatt, Europäische Sicherheit & Technik, Ukraine Business News) (hz)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Chris Emil Janssen

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