Bürgergeld-Reform erst später?

Regierungs-„Showdown“ im Kanzleramt: Merz schläft wohl im Büro – Stress zwischen Union und SPD

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Die Bundesregierung steht vor entscheidenden Wochen. Doch zu Beginn des Herbstes der Reformen herrscht bei wichtigen Themen Uneinigkeit.

Berlin – Ein langer Abend und eine kurze Nacht liegen hinter den Spitzen der Bundesregierung. Acht Stunden lang debattierte die Runde im Kanzleramt über Themen wie das Bürgergeld oder das Verbrenner-Aus. Zu welchen Ergebnissen Union und SPD gekommen sind, soll auf einer Pressekonferenz um 9 Uhr verkündet werden. Bei dieser werden sich die Parteichefs Friedrich Merz (CDU), Markus Söder (CSU), Bärbel Bas und Lars Klingbeil (beide SPD) äußern, wie unter anderem die Deutsche Presse-Agentur (dpa) schreibt.

Sahen schonmal optimistischer aus: Bundeskanzler Friedrich Merz (r.) und sein Vize Lars Klingbeil ringen um Einigungen bei wichtigen Themen.

Es wird wohl ein erster Vorgeschmack darauf, inwiefern das Motto „Herbst der Reformen“ mit Leben gefüllt werden kann. Bis drei Uhr nachts soll Schwarz-Rot getagt haben, wie die Bild berichtet. Klingbeil sei als letzter gegangen, Merz habe offenbar im Kanzleramt übernachtet. „Die Stimmung ist schei…e und zwar richtig schei…e“, habe ein nicht näher benannter Union-Spitzenmann vor der Sitzung betont: „Dem Kanzler ist klar, dass es so nicht weitergehen kann – es kann auch wirklich knallen heute Abend. Die Stimmung ist nach High Noon – also Showdown.“

Bürgergeld und Verbrenner-Aus: Union und SPD finden offenbar nicht zusammen

Weiter heißt es in dem Artikel, der ausschließlich auf Stimmen aus CDU und CSU beruht, beim Thema Bürgergeld-Reform liegen Union und SPD über Kreuz. Arbeitsministerin Bas bleibe mit ihrem Gesetzentwurf hinter den Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag zurück. Es drohe eine weitere Aufschiebung des seit Jahren diskutierten Themas, das ohnehin in zwei Etappen abgearbeitet werden sollte. Dies wäre für die Union ein GAU, heiße es aus deren Spitze.

Uneinigkeit gibt es zudem bezüglich der zuletzt auch von Merz propagierten Rolle rückwärts beim von der EU für 2035 geplanten Verbrenner-Aus. In zehn Jahren sollen nach aktuellem Stand nur noch emissionsfreie Autos neu auf den Markt kommen. Für die Union mittlerweile ein Unding. Doch die SPD lässt sich offenbar nicht so einfach überzeugen – auch wenn es bereits Stimmen gab, die mit Blick auf die Probleme der deutschen Autoindustrie Gesprächsbereitschaft signalisierten. Für diesen Donnerstag ist ein weiterer Autogipfel geplant, an dem neben Merz unter anderem auch Söder als bayerischer Ministerpräsident teilnimmt.

Soll die Bürgergeld-Reform umsetzen: Der Gesetzentwurf von Arbeitsministerin Bärbel Bas stößt in der Union offenbar auf wenig Begeisterung.

Das in Sachen Union stets gut informierte Boulevardblatt schreibt außerdem, aus der Parteispitze sei zu hören, die CDU/CSU-Bundestagsfraktion unter dem Vorsitzenden Jens Spahn (CDU) probe den Aufstand – in erster Linie gegen die SPD, aber es treffe auch Merz. Eigentlich sei die Ansage der Union gewesen, am Donnerstagmorgen müsste das Bürgergeld Geschichte, das Aus vom Verbrenner-Aus vereinbart und der Neubau von Straßen und Brücken dank des Infrastruktur-Sondervermögens beschlossen sein. Doch nun laute der Vorwurf: Die SPD blockiere bei den wesentlichen Punkten und wolle teils hinter dem Koalitionsvertrag zurückbleiben.

Union in Panik vor AfD: Bei mieser Stimmung „marschiert sie uns in den Ländern einfach durch“

Vor allem der Wirtschaftsflügel der Union sei wütend. Innerhalb der beiden Schwester-Parteien gehe die Angst um, dass in diesem Jahr keine wesentlichen Reformen mehr beschlossen werden und es damit nicht gelingen werde, die Stimmung im Land zu drehen. In der Folge werde dann miese Laune nicht nur unter den Ministern herrschen. Wirke sich das auch auf die Bürger aus, sei „das Wahljahr 2026 dann verloren, dann marschiert uns die AfD in den Ländern einfach durch“, wird in dem Bericht offenbar ein weiterer Union-Politiker zitiert.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Laut Umfragen winken der Rechtsaußen-Partei, die bereits im Thüringer Landtag stärkste Kraft ist, im kommenden September Spitzenergebnisse in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Dort erreichte sie bei Erhebungen rund ein Jahr vor den Wahlen Zustimmungswerte von 39 und 38 Prozent.

Die Lage in der Regierung scheint also nach nicht einmal einem halben Jahr der Koalition bereits extrem angespannt zu sein. Zumindest aus Union-Sicht. Mit umso mehr Spannung wird die Pressekonferenz der Partei-Vorsitzenden erwartet. (Quellen: Bild, dpa) (mg)

Rubriklistenbild: © IMAGO / dts Nachrichtenagentur

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