Schleppende Rüstungsproduktion

Do-It-Yourself-Schützenpanzer: Putin verzockt das Leben seiner Panzergrenadiere

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Lebensgefährliche Notlösung: Rekruten auf einem T-62-Panzer – nach der Amputation des Turms können die Soldaten in dem entstandenen Krater leidlich geschützt ins Gefecht transportiert werden. (Symbolbild)
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Aus der Not geboren: Weil den Russen Transporter für ihre Soldaten fehlen, amputieren sie alte Kampfpanzer. Für die Grenadiere eine tödliche Lösung.

Awdijiwka – „Ein Panzer ist besser als kein Panzer“, schreibt „whatsitallabout“ – damit kommentiert der Leser des österreichischen Standard einen Bericht über „Frankenstein-Panzer“; alte T-62-Kampfpanzer aus Sowjetzeiten, den die Ukraine umgebaut und als Schützenpanzer genutzt hat, um ihre Soldaten geschützt in den Ukraine-Krieg zu transportieren. Die Verteidiger gegen die Invasionstruppen Wladimir Putins machten damit aus der Not eine Tugend.

„Ich denke, beide Seiten würden auch T-34 etc. nehmen, wenn sie in großer Stückzahl vorhanden sind und der Preis niedrig ist. Sofern du als Soldat keine große Panzerabwehr hast, ist auch ein Panzer aus 1945 einschüchternd“, schreibt „whatsitallabout“ weiter. Offenbar denkt sich das inzwischen auch die Führung der Armee Russlands.

„Da Russland keine Spezialkampffahrzeuge mehr hat, wird es kreativ ... und verzweifelt“, kommentiert das US-Magazin Forbes das aktuelle Handeln der russischen Armee, ihrerseits T-62 zu amputieren und ohne Turm als Schützenpanzer zurück an die Front zu schicken. Russlands Reihen an Schützenpanzern sind offenbar dermaßen ausgeblutet, dass alte Kampfpanzer auf neue Weise umfunktioniert werden: Alte Kampfpanzer aus dem Kalten Krieg kommen aus dem Lager und als Do-It-Yourself-Lösung wieder an die Front – das jedenfalls wollen Militärblogger im Raum Awdijiwka beobachtet haben.

Erzwungene Kreativität: Putin schickt seine Soldaten im Golfwagen ins Gefecht

Bei einem dieser Notlösungen handelte es sich um einen T-62-Panzer aus den 1960er-Jahren, dessen Turm entfernt war und in dessen 32-Tonnen-Wanne ein freier Raum blieb, in dem sich die Infanterie verstecken konnte. Bei dem anderen handelte es sich um ein 35 Tonnen schweres BTS-2-Pionierfahrzeug, das auf einem T-54-Panzer aus den 1950er-Jahren basierte und an dem offenbar Kran und Winde weichen mussten, um geschützten Platz für Grenadiere zu schaffen.

Beide Seiten sind erfinderisch. Die Ukraine hatte bereits einen T-62-Kampfpanzer mit dem Turm eines BMP-2 gekreuzt und damit einen Transportpanzer mit einer dickeren Panzerung als üblich, einer 30-Millimeter-Bordkanone und Raum für Soldaten in den Einsatz gebracht, wie Forbes berichtet hatte.

Allerdings ist die russische Invasionsarmee in wohl noch ärgeren materiellen Nöten als ihre Gegner und hat deshalb jetzt vergleichsweise günstig mobil gemacht: mit einem golfkartartigen Fahrzeug. Nachdem sie erst vereinzelt an der Front aufgetaucht waren, rücken sie jetzt wohl massenhaft an. Bereits im November gab Moskau bekannt, mehr als 2.000 Geländefahrzeuge „Desertcross 1000-3“ werde Russland von der chinesischen Firma Shandong Odes Industry besorgen. Einkaufspreis: weniger als 17.000 Euro pro Fahrzeug. Sowohl in Saporischschja im Süden als auch in Donezk, Luhansk und Charkiw im Osten sollen die verstärkten Golfwagen fast zeitgleich aufgetaucht sein.

Gigantischer Aderlass: Putin hat allein in diesem Jahr mehr als 7.500 Panzerfahrzeuge verloren

Für den Forbes-Militär-Journalisten David Axe ein klarer Fall von materiellen Auflösungserscheinungen der russischen Invasionsarmee: „Da Golfwagen zunehmend speziell angefertigte Schützenpanzer im russischen Dienst ersetzen, stellt das gelegentliche Selbstbauen von Schützenpanzern, die einige unternehmungslustige Techniker mit einem ausgemusterten Kampfpanzer angestellt haben, tatsächlich einen Fortschritt für die immer schäbiger werdende russische Armee in der Ukraine dar.“ Der Aderlass von Putins Truppen ist tatsächlich gigantisch: Allein von Februar 2024 an soll Russland nach übereinstimmenden Schätzungen verschiedener Medien mindestens 3.500 Schützenpanzer verloren haben, weit mehr als 1.000 gepanzerte Fahrzeuge und beinahe 3.000 Kampfpanzer.

Wie in den meisten militärischen Bewegungen ist Schnelligkeit in fast jeder militärischen Gefechtslage ein entscheidender Aspekt – dafür werden die motorisierten Schützen herangeführt; ihre Bezeichnung im Westen ist Panzergrenadier. Der Panzergrenadier geht auf den deutschen Panzergeneral Heinz Guderian zurück. Der sah für sie vor, mit einem speziellen gepanzerten Fahrzeug, dem Schützenpanzer, ausgerüstet zu werden, um sowohl auf- wie abgesessen kämpfen zu können. Ihre hauptsächliche Aufgabe bestand in der Unterstützung gepanzerter Verbände, also hauptsächlich dem Schutz und der Unterstützung von Kampfpanzern. In den Armeen des Ostens ist die Bezeichnung eine andere, ihre Aufgabe ist aber die gleiche.

„Panzergrenadiere sitzen auch unter Feuer ab. Dann geht die Heckklappe auf und man steht mitten im Gefecht.“

Oberstleutnant Thomas Spranger auf der Website der Bundeswehr.

Die Golfwagen scheinen tatsächlich fast das letzte Aufgebot zu sein; Russland ist prinzipiell seit der Annexion der Krim vor zehn Jahren dabei, seine Reserven zu plündern. „Wladimir Putin hat bereits T-14 Armata Kampfpanzer bestellt, nun lässt er noch einmal 3.000 Exemplare des T-80 komplett modernisieren. Fragt sich nur: Was will Moskau mit so vielen Panzern?“ – vor acht Jahren hatte der Stern lang und breit über diese Frage sinniert; inzwischen ist die Antwort klar. Im Ukraine-Krieg schmelzen die Bestände an Kampfpanzern von Russlands Invasionsarmee rasend schnell zusammen. Und der T-80 scheint weiterhin als Arbeitspferd der russischen Armee zu gelten. Deshalb wird er jetzt wiederum revitalisiert, wie das Magazin militarywatch berichtet. Genau wie der Bestand an Schützenpanzern mit allen Mitteln aufgefüllt wird.

Schleppender Nachschub: Putin produziert weniger Neufahrzeuge als benötigt

Forbes spekuliert, dass die russische Führung zusehends verzweifelt und mit ihrer geschätzten Produktion von 30 Schützenpanzern monatlich den Verlusten hinterherhinkt. Der Schwindsucht russischer Waffenproduktion widersprach in Teilen bereits im Januar der Stern: „Der britische Geheimdienst schätzt, dass Russland jeden Monat mehr als 100 Kampfpanzer produziert. Diese Einschätzung bestätigt Aussagen von Russlands Verteidigungsminister Sergei Schoigu. Damit werden die derzeitigen Verluste kompensiert.“ Tatsächlich begründet sich der Einsatz der China-Buggies sicher im Mangel an gepanzerten Fahrzeugen, da die Golfwagen zwar neben dem Fahrer bis zu sechs Schützen an die Front transportieren können – aber das gänzlich schutzlos selbst gegen Feuer aus Handwaffen.

Mit entsprechenden Auswirkungen auf die Zahl gefallener Soldaten, wie Forbes resümiert: „Kurz vor dem 4. März griffen russische Truppen in mehreren ,Wüstenkreuzern‘ die ukrainische Garnison in Jampoliwka in der Ostukraine an – und wurden zerstört. Vier Tage später, am 8. März, identifizierten Militärblogger drei verlassene Desertcross nach einem gescheiterten Angriff russischer Streitkräfte in der Größe eines Zuges außerhalb von Awdijiwka. Sechs Tage später zählte der Analyst Andrew Perpetua weitere vier beschädigte und zerstörte Desertcross-Fahrzeuge.“

Der hohe Verschleiß an Mensch und Material auf russischer Seite lag häufig an der teilweise unzureichenden Panzerung der russischen Fahrzeuge. Roger Näbig schreibt im Magazin Internationale Politik: „Der grundsätzliche Mangel an Soldaten führte weiter dazu, dass Russlands technisch mittlerweile moderneres und leistungsfähigeres Gerät nicht sein volles Potenzial entfalten konnte. Außerdem verfügte die russische Armee nicht über genügend motorisierte beziehungsweise mechanisierte Infanterie sowie Nachrichtendienst- und Aufklärungskräfte, um ihre Verbindungslinien und Nachschubkonvois in der Ukraine effektiver zu schützen.“ Inwieweit der „Desertcross“ diese Tendenz umkehren kann, bleibt fraglich.

Tödliche Transportlösung: Putin lässt Soldaten fast ohne Deckung starten

Genauso schutzlos wie in den Golfwagen sind die russischen Soldaten in den abgespeckten Kampfpanzern. Der Krater, den der Turm hinterlässt, bietet wenig Deckung und lässt nur ein umständliches Absitzen zu.

Panzergrenadiere kämpfen auf zweierlei Arten: aufgesessen auf dem Panzer und als abgesessene Infanterie. Im aufgesessenen Kampf kommt vor allem die Bordmaschinenkanone zum Einsatz. Aber auch Bordmaschinengewehr und Panzerabwehr stehen zur Verfügung. Zusätzlich können die Grenadiere über die Bordwand kämpfen. Das heißt, sie bekämpfen oben aus den Panzerluken feindliche Infanteriekräfte mit Maschinengewehr, Sturmgewehr, Granatpistole oder Handgranaten, ohne den Schutz des Panzers zu verlassen. Das wiederum ist in einem umgebauten Kampfpanzer kaum möglich – dem fehlen schlicht die geschützten Möglichkeiten des Ausstiegs oder des gezielten Kampfes aus dem Fahrzeug heraus.

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Alles begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Öffnung der Grenzen zunächst in Ungarn leitete das Ende der Sowjetunion ein. Der riesige Vielvölkerstaat zerfiel in seine Einzelteile. Am 25. August 1991 erreichte der Prozess die Ukraine. In Kiew feierten die Menschen das Ergebnis eines Referendums, in dem sich die Bevölkerung mit der klaren Mehrheit von 90 Prozent für die Unabhängigkeit von Moskau ausgesprochen hatte. Im Dezember desselben Jahres erklärte sich die Ukraine zum unabhängigen Staat. Seitdem schwelt der Konflikt mit Russland. © Anatoly Sapronenkov/afp
Budapester Memorandum
Doch Anfang der 1990er Jahre sah es nicht danach aus, als ob sich die neuen Staaten Russland und Ukraine rund 30 Jahre später auf dem Schlachtfeld wiederfinden würden. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1994 unterzeichneten Russland, das Vereinigte Königreich und die USA in Ungarn das „Budapester Memorandum“ – eine Vereinbarung, in der sie den neu gegründeten Staaten Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien gaben.  © Aleksander V. Chernykh/Imago
Ukrainedemo, München
Als Gegenleistung traten die drei Staaten dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigten alle Nuklearwaffen von ihrem Territorium. Es sah danach aus, als ob der Ostblock tatsächlich einen Übergang zu einer friedlichen Koexistenz vieler Staaten schaffen würde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs erinnern auch heute noch viele Menschen an das Budapester Memorandum von 1994. Ein Beispiel: Die Demonstration im Februar 2025 in München.  © Imago
Orangene Revolution in der Ukraine
Bereits 2004 wurde deutlich, dass der Wandel nicht ohne Konflikte vonstattengehen würde. In der Ukraine lösten Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen den Russland-treuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Proteste  © Mladen Antonov/afp
Ukraine proteste
Die Menschen der Ukraine erreichten vorübergehend ihr Ziel. Der Wahlsieg Janukowytschs wurde von einem Gericht für ungültig erklärt, bei der Wiederholung der Stichwahl setzte sich Wiktor Juschtschenko durch und wurde neuer Präsident der Ukraine. Die Revolution blieb friedlich und die Abspaltung von Russland schien endgültig gelungen. © Joe Klamar/AFP
Wiktor Juschtschenko ,Präsident der Ukraine
Als der Moskau kritisch gegenüberstehende Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 Präsident der Ukraine wurde, hatte er bereits einen Giftanschlag mit einer Dioxinvariante überlebt, die nur in wenigen Ländern produziert wird – darunter Russland. Juschtschenko überlebte dank einer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus.  © Mladen Antonov/afp
Tymoschenko Putin
In den folgenden Jahren nach der Amtsübernahme hatte Juschtschenko vor allem mit Konflikten innerhalb des politischen Bündnisses zu kämpfen, das zuvor die demokratische Wahl in dem Land erzwungen hatte. Seine Partei „Unsere Ukraine“ zerstritt sich mit dem von Julija Tymoschenko geführten Parteienblock. Als Ministerpräsidentin der Ukraine hatte sie auch viel mit Wladimir Putin zu tun, so auch im April 2009 in Moskau. © Imago
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowitsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance.
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowytsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance. Er gewann die Wahl mit knappem Vorsprung vor Julija Tymoschenko. Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko erhielt gerade mal fünf Prozent der abgegebenen Stimmen.  © Yaroslav Debely/afp
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014
Präsident Wiktor Janukowytsch wollte die Ukraine wieder näher an Russland führen – auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, den Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Nachbarland ausüben ließ. Um die Ukraine wieder in den Einflussbereich Moskaus zu führen, setzte Janukowytsch im November 2013 das ein Jahr zuvor verhandelte Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union aus.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Maidan-Proteste Ukraine
Es folgten monatelange Massenproteste in vielen Teilen des Landes, deren Zentrum der Maidan-Platz in Kiew war. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten Oppositionsbündnis, an dem neben Julija Tymoschenko auch die Partei des ehemaligen Boxweltmeisters und späteren Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, beteiligt waren. © Sandro Maddalena/AFP
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine
Die Forderung der Menschen war eindeutig: Rücktritt der Regierung Janukowiysch und vorgezogene Neuwahlen um das Präsidentenamt. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden, und wir werden bis zum Ende stehen“, so Vitali Klitschko damals. Die Protestbewegung errichtete mitten auf dem Maidan-Platz in Kiew ihr Lager. Janukowytsch schickte die Polizei, unterstützt von der gefürchteten Berkut-Spezialeinheit. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über mehrere Monate andauerten. © Sergey Dolzhenko/dpa
Der Platz Euromaidan in Kiew, Hauptstadt der Ukraine, ist nach den Protesten verwüstet.
Die monatelangen Straßenkämpfe rund um den Maidan-Platz in Kiew forderten mehr als 100 Todesopfer. Etwa 300 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Berichte über den Einsatz von Scharfschützen machten die Runde, die sowohl auf die Protestierenden als auch auf die Polizei gefeuert haben sollen. Wer sie schickte, ist bis heute nicht geklärt. Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019, vertrat die These, Russland habe die Scharfschützen entsendet, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren. Spricht man heute in der Ukraine über die Opfer des Maidan-Protests, nennt man sie ehrfürchtig „die Himmlischen Hundert“. © Sergey Dolzhenko/dpa
Demonstranten posieren in der Villa von Viktor Janukowitsch, ehemaliger Präsident der Ukraine
Nach rund drei Monaten erbittert geführter Kämpfe gelang dem Widerstand das kaum für möglich Gehaltene: Die Amtsenthebung Wiktor Janukowytschs. Der verhasste Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt die UKraine bereits verlassen und war nach Russland geflohen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, um in der prunkvollen Residenz des Präsidenten für Erinnerungsfotos zu posieren. Am 26. Februar 2014 einigte sich der „Maidan-Rat“ auf eigene Kandidaten für ein Regierungskabinett. Präsidentschaftswahlen wurden für den 25. Mai anberaumt. Die Ukraine habe es geschafft, eine Diktatur zu stürzen, beschrieb zu diesem Zeitpunkt aus der Haft entlassene Julija Tymoschenko die historischen Ereignisse.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Ein Mann stellt sich in Sewastopol, eine Stadt im Süden der Krim-Halbinsel, den Truppen Russlands entgegen.
Doch der mutmaßliche Frieden hielt nicht lange. Vor allem im Osten der Ukraine blieb der Jubel über die Absetzung Janukowytschs aus. Gouverneure und Regionalabgeordnete im Donbass stellten die Autorität des Nationalparlaments in Kiew infrage. Wladimir Putin nannte den Umsturz „gut vorbereitet aus dem Ausland“. Am 1. März schickte Russlands Präsident dann seine Truppen in den Nachbarstaat. Wie Putin behauptete, um die russischstämmige Bevölkerung wie die auf der Krim stationierten eigenen Truppen zu schützen. In Sewastopol, ganz im Süden der Halbinsel gelegen, stellte sich ein unbewaffneter Mann den russischen Truppen entgegen. Aufhalten konnte er sie nicht. © Viktor Drachev/afp
Bürgerkrieg in Donezk, eine Stadt im Donbas, dem Osten der Ukraine
Am 18. März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Kurz darauf brach im Donbass der Bürgerkrieg aus. Mit Russland verbündete und von Moskau ausgerüstete Separatisten kämpften gegen die Armee und Nationalgarde Kiews. Schauplatz der Schlachten waren vor allem die Großstädte im Osten der Ukraine wie Donezk (im Bild), Mariupol und Luhansk. © Chernyshev Aleksey/apf
Prorussische Separatisten kämpfen im Donbas gegen Einheiten der Ukraine
Der Bürgerkrieg erfasste nach und nach immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine. Keine der Parteien konnte einen nachhaltigen Sieg erringen. Prorussische Separatisten errichteten Schützengräben, zum Beispiel nahe der Stadt Slawjansk. Bis November 2015 fielen den Kämpfen laut Zahlen der Vereinten Nationen 9100 Menschen zum Opfer, mehr als 20.000 wurden verletzt. Von 2016 an kamen internationalen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 600 weitere Todesopfer dazu. © Michael Bunel/Imago
Trümmer von Flug 17 Malaysian Airlines nach dem Abschuss nahe Donezk im Osten der Ukraine
Aufmerksam auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine wurde die internationale Staatengemeinschaft vor allem am 17. Juli 2014, als ein ziviles Passagierflugzeug über einem Dorf nahe Donezk abstürzte. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die Maschine der Fluggesellschaft Malaysian Airlines war von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Abgefeuert hatte die Rakete laut internationalen Untersuchungen die 53. Flugabwehrbrigade der Russischen Föderation. In den Tagen zuvor waren bereits zwei Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe in der Region abgeschossen worden. © ITAR-TASS/Imago
Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk
Die Ukraine wollte den Osten des eigenen Landes ebenso wenig aufgeben wie Russland seine Ansprüche darauf. Im September 2014 kamen deshalb auf internationalen Druck Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. In der belarussischen Hauptstadt unterzeichneten sie das „Minsker Abkommen“, das einen sofortigen Waffenstillstand und eine schrittweise Demilitarisierung des Donbass vorsah. Die OSZE sollte die Umsetzung überwachen, zudem sollten humanitäre Korridore errichtet werden. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht lange und schon im Januar 2015 wurden aus zahlreichen Gebieten wieder Kämpfe gemeldet. © Mykola Lazarenko/afp
Wolodymyr Selenskyj feiert seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019
Während die Ukraine im Osten zu zerfallen drohte, ereignete sich in Kiew ein historischer Machtwechsel. Wolodymyr Selenskyj gewann 2019 die Präsidentschaftswahl und löste Petro Poroschenko an der Spitze des Staates ab.  © Genya Savilov/afp
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj hatte sich bis dahin als Schauspieler und Komiker einen Namen gemacht. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“ spielte Selenskyj von 2015 bis 2017 bereits einen Lehrer, der zunächst Youtube-Star und schließlich Präsident der Ukraine wird. Zwei Jahre später wurde die Geschichte real. Selenskyj wurde am 20. Mai 2019 ins Amt eingeführt. Kurz darauf löste der bis dato parteilose Präsident das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Seine neu gegründete Partei, die er nach seiner Fernsehserie benannte, erzielte die absolute Mehrheit.  © Sergii Kharchenko/Imago
Russische Separatisten in der Ost-Ukraine
Selenskyj wollte nach seinem Wahlsieg die zahlreichen innenpolitischen Probleme der Ukraine angehen: vor allem die Bekämpfung der Korruption und die Entmachtung der Oligarchen. Doch den neuen, russland-kritischen Präsidenten der Ukraine holten die außenpolitischen Konflikte mit dem Nachbarn ein. © Alexander Ryumin/Imago
Ukraine Militär
Im Herbst 2021 begann Russland, seine Truppen in den von Separatisten kontrollierte Regionen in der Ost-Ukraine zu verstärken. Auch an der Grenze im Norden zog Putin immer mehr Militär zusammen. Selenskyj warnte im November 2021 vor einem Staatsstreich, den Moskau in der Ukraine plane. Auch die Nato schätzte die Lage an der Grenze als höchst kritisch ein. In der Ukraine wurden die Militärübungen forciert. © Sergei Supinsky/AFP
Putin
Noch drei Tage bis zum Krieg: Am 21. Februar 2022 unterzeichnet der russische Präsident Wladimir Putin verschiedene Dekrete zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donezk und Lugansk. © Alexey Nikolsky/AFP
Explosion in Kiew nach Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland
Am 24. Februar 2022 wurde der Ukraine-Konflikt endgültig zum Krieg. Russische Truppen überfielen das Land entlang der gesamten Grenze. Putins Plan sah eine kurze „militärische Spezialoperation“, wie die Invasion in Russland genannt wurde, vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollten mit einem Blitzkrieg in die Knie gezwungen werden. Moskau konzentrierte die Attacken auf Kiew. Innerhalb weniger Tage sollte die Hauptstadt eingenommen und die Regierung Selenskyjs gestürzt werden. Doch der Plan scheiterte und nach Wochen intensiver Kämpfe und hoher Verluste in den eigenen Reihen musste sich die russische Armee aus dem Norden des Landes zurückziehen. Putin konzentrierte die eigene Streitmacht nun auf den Osten der Ukraine. © Ukrainian President‘s Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei einer Fernsehansprache aus Kiew
Seit Februar 2022 tobt nun der Ukraine-Krieg. Gesicht des Widerstands gegen Russland wurde Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich zu Beginn des Konflikts weigerte, das Angebot der USA anzunehmen und das Land zu verlassen. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, sagte Selenskyj. Die sollte er bekommen. Zahlreiche westliche Staaten lieferten Ausrüstung, Waffen und Kriegsgerät in die Ukraine. Hunderttausende Soldaten aus beiden Ländern sollen bereits gefallen sein, ebenso mehr als 10.000 Zivilpersonen. Ein Ende des Kriegs ist nach wie vor nicht in Sicht. © Ukraine Presidency/afp

Auch wenn russische Soldaten weiterhin häufig auf dem Panzer sitzend ins Gefecht fahren, weil in russischen Panzern die Munition stark explosionsgefährdet ist. „Der Panzergrenadier schließt die Lücke zwischen dem klassischen Panzergefecht und dem infanteristischen Kampf“, erläutert Oberstleutnant Thomas Spranger auf der Website der Bundeswehr. „Panzergrenadiere sitzen auch unter Feuer ab. Dann geht die Heckklappe auf und man steht mitten im Gefecht.“ Der Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 371 widerspricht damit dem kommentarfreudigen Leser des österreichischen Standard – ohne konkurrenzfähiges Material sinkt die Chance auf den Erfolg des Auftrags, ganz abgesehen davon: Dann wird vor allem das eigene Überleben unwahrscheinlich.

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