Trotz Trumps Druck: Israels Ministerpräsident Netanjahu blockiert den Gaza-Plan weiter
VonMaria Sterkl
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Schon wieder ein Treffen zwischen Trump und Netanjahu: Gaza und der Iran sind zentrale Themen. Netanjahu braucht die US-Unterstützung.
Palm Beach – Nur wenigen Regierungschefs ist so viel Aufmerksamkeit eines amerikanischen Präsidenten gegönnt: Bereits zum fünften Mal binnen zehn Monaten kommen Donald Trump und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Montag zusammen. Während die Menschen in Israel und den Palästinensergebieten in diesen Tagen unter einem Wintereinbruch mit großen Regenmengen leiden, weilen jene Männer, die über ihre Zukunft entscheiden, drüben im sonnigen Florida.
Allzu heiter dürfte die Gesprächsatmosphäre jedoch nicht werden: Die Themen, die als Fixpunkte der Tagesordnung gelten, sind heikel und verlangen den Staatsmännern Flexibilität ab. Beide Politiker gelten jedoch als Machtmenschen, die nichts mehr verabscheuen, als wenn ihnen Durchsetzungsschwäche nachgesagt wird.
Trump plant zweite Phase vom Gaza-Deal – Israel stellt sich bisher quer
Trump will seinen Plan für Gaza umgesetzt sehen, scheitert dabei jedoch bislang an Netanjahus Widerstand. Mehrere Mitglieder in Trumps Team, darunter Sondergesandter Steve Witkoff, sollen die Geduld mit Israels Ministerpräsidenten bereits verloren haben. Eigentlich hatte Trump noch vor Weihnachten die zweite Phase seines Gaza-Deals einleiten wollen. In dieser Phase übernimmt eine internationale Stabilisierungstruppe die Sicherheitskontrolle im Gazastreifen, im Gegenzug zieht sich Israels Militär zurück.
Doch die Truppe ist immer noch nicht gebildet, da weiterhin nicht feststeht, wer ihr angehören soll. Die Türkei wäre zwar bereit, ihre Kontrolle der Geschehnisse im Nahen Osten auch im Gazastreifen zu vertiefen. Strikt dagegen ist jedoch Israel. Ob es dem US-Präsidenten gelingen wird, diesen Widerstand in Florida aufzuweichen, ist ungewiss.
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Israel hat eigene Gaza-Pläne – doch mit anstehender Wahl muss Netanjahu sich mit Trump gut stellen
Hinzu kommt, dass Israel die erste Phase des Deals nicht als abgeschlossen ansieht, solange nicht alle Geiseln von der Hamas übergeben wurden. Immer noch befindet sich der Leichnam einer israelischen Geisel in der Gewalt der Terroristen. Dass die Hamas zudem weit davon entfernt ist, ihre Waffen abzugeben, bestätigt Israel darin, die Präsenz seines Militärs im Gazastreifen als längerfristig anzusehen. Verteidigungsminister Israel Katz hatte dies vor einigen Tagen erneut bekräftigt.
„In Gaza wird Israel niemals abziehen. Innerhalb des Gazastreifens wird es eine Sicherheitszone geben, eine beträchtliche Sicherheitszone“, hatte Katz betont. Im nördlichen Teil von Gaza könnten künftig israelische Siedlungen errichtet werden, fügte er hinzu.
Netanjahu kann es sich jedoch nicht leisten, Trump nachhaltig zu vergrämen. So wie Israel ohne militärische Unterstützung der USA nicht überlebensfähig ist, ist Netanjahu auch persönlich auf Trump angewiesen – schließlich wird 2026 gewählt. Zwar steht der Wahltermin noch nicht fest, der dazugehörige Wahlkampf ist zumindest aufseiten Netanjahus längst eröffnet. Der rechtskonservative Politiker spitzt seinen Wahlkampf auf die Formel einer angeblichen „Neuordnung des Nahen Ostens“ zu. Diese sei, so erklärt er, von Netanjahu gemeinsam mit Trump eingeleitet worden.
Konflikt mit dem Iran: Trump und Netanjahu beraten wohl erneuten Angriffsplan
Ein zentrales Thema in dem Gespräch zwischen Trump und Netanjahu in Florida wird zudem die nukleare Aufrüstung des iranischen Regimes in Teheran sein. Laut israelischen Medienberichten wird Netanjahu Trump Beweise dafür vorlegen, dass der Iran an der Reform seines Raketenprogramms arbeitet. In einer Pressemitteilung vom Samstag erklärte Netanjahu, er werde Trump um grünes Licht für einen künftigen Angriff auf den Iran ersuchen.
Manche Sicherheitsexperten in Israel befürchten jedoch, dass die schon seit Monaten brodelnden Gerüchte über einen möglichen israelischen Angriff eher den Effekt hatten, den Iran in seiner Aufrüstung anzustacheln. Es sind dabei besonders die Luftabwehrsysteme, die den Expert:innen Sorgen machen: Im letzten Irankrieg hatte Israel sich die Lufthoheit über dem Iran erarbeitet. Alle israelischen Kampfpiloten waren unversehrt zurückgekehrt. Ob das jedoch auch in der nächsten militärischen Auseinandersetzung gelingen kann, ist offen.