Sicherheit als zentrales Thema

Trump-Effekt: Umfrage zeigt bitteren Trend in Deutschland – zu Siko reisen prominente Gegner an

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Vor der Münchner Sicherheitskonferenz zeigt eine Umfrage, dass immer mehr Deutsche die USA als Bedrohung wahrnehmen. Das Vertrauen in die NATO sinkt.

Der Wert für die USA steigt und steigt. In rasantem Tempo. Es ist allerdings keine Entwicklung, auf die das Land der unbegrenzten Möglichkeiten stolz sein dürfte. Denn mittlerweile glauben 65 Prozent der Deutschen, dass von den Vereinigten Staaten in den kommenden Jahren wohl die größte Gefahr für den Weltfrieden ausgehen wird.

Das dürfte ihm gar nicht passen: Während US-Präsident Donald Trump (r.) seinen Außenminister zur Sicherheitskonferenz schickt, reist auch der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom an.

Das geht aus dem 17. Sicherheitsreport hervor, der auf einer repräsentativen Befragung durch das Allensbach-Institut im Auftrag des Centrums für Strategie und Höhere Führung beruht. 2025 lag der Wert noch bei 46 Prozent, 2024 lediglich bei 24 Prozent. Dass der Anstieg mit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus zusammenhängen dürfte, lässt sich auch anhand der Angaben aus dessen erster Amtszeit vermuten. So sahen noch 2020 satte 61 Prozent der Befragten die USA als Gefahr für den Frieden.

USA als Bedrohung für Deutschland: Nur Russland toppt den Trump-Wert noch

Damals lag der NATO-Partner sogar deutlich vor Russland (36 Prozent) und China (34 Prozent). Doch seit Kreml-Chef Wladimir Putin seinen Ukraine-Krieg startete, schoss der Wert für sein Reich in die Höhe. 2026 befürchten 81 Prozent, dass von Russland in den kommenden Jahren eine Gefahr für den Frieden ausgeht. Nur im Jahr 2023 waren es mit 82 Prozent zuletzt noch mehr.

Der Wert für China sank hingegen von zwischenzeitlich 60 Prozent in den Jahren 2022 und 2023 auf aktuell 46 Prozent. Das bedenkliche Bild, das die USA für viele Deutsche abgeben, dürfte allgemein auf Trumps aggressive Rhetorik, aber auch speziell auf den Streit mit den Europäern um eine mögliche Übernahme von Grönland zurückzuführen sein.

Schock-Momente und große Eklats: So turbulent war das Politik-Jahr 2025

Eklat im Oval Office, Demos gegen Friedrich Merz und Putin-Trump-Gipfel in Alaska: Das Politik-Jahr 2025 war von großen Aufregern geprägt.
Eklat im Oval Office, Demos gegen Friedrich Merz und Putin-Trump-Gipfel in Alaska: Das Jahr 2025 war von diesen und weiteren großen Aufregern in der internationalen Politik geprägt. Ein Rückblick in Bildern. © Imago (Montage)
Als US-Präsident vereidigt wurde Trump am  20. Januar 2025 in der Rotunde des Kapitols in Washington, D.C.
Für viele war es ein Schock, dass Donald Trump Ende 2024 zum zweiten Mal die US-Wahl gewann. Als US-Präsident vereidigt wurde Trump am 20. Januar 2025 in der Rotunde des Kapitols in Washington, D.C.  © Imago
Bei seiner Vereidigung im Januar 2025 im Beisein seiner Frau Melania und seiner Kinder sagte Donald Trump, „das ‚Goldene Zeitalter‘ von Amerika beginnt genau jetzt“
Bei seiner Vereidigung im Januar 2025 im Beisein seiner Frau Melania und seiner Kinder sagte Donald Trump: „Das ‚Goldene Zeitalter‘ von Amerika beginnt genau jetzt.“ Seitdem hält der US-Präsident nicht nur sein eigenes Land, sondern die ganze Welt in Atem: zum Beispiel mit exorbitanten Zöllen auf Importe, der Verhaftung von Migranten auf offener Straße und dem Einsatz des Militärs in seinen eigenen Städten.  © imago stock&people
für viele ein Schock und Aufreger zugleich: Trump, selbst milliardenschwerer Immobilien-Mogul, hatte die Tech-Elite und reichsten Männer der USA hinter sich versammelt. Marc Zuckerberg (Meta), Jeff Bezos (Amazon) samt Frau, Sundar Pichai (Google) und Elon Musk (Tesla, Space X).
Dieses Bild von der Vereidigung Trumps 2025 war für viele ein Schock und Aufreger zugleich: Trump, selbst milliardenschwerer Immobilien-Mogul, hatte die Tech-Elite und die reichsten Männer der USA hinter sich versammelt: Marc Zuckerberg (Meta), Jeff Bezos (Amazon) an der Seite seiner Frau, Sundar Pichai (Google) und Elon Musk (Tesla, Space X). © IMAGO/Pool/ABACA
Beim Ball, der in den USA traditionell bei Amtseinführungen von Präsidenten abgehalten wird, tanzte Donald Trump mit seiner Frau Melania.
Beim Ball, der in den USA traditionell bei Amtseinführungen von Präsidenten abgehalten wird, tanzte Donald Trump mit seiner Frau Melania. Es begann ein erstes Regierungsjahr 2025 voller Extreme, Eskalationen und Chaos. © IMAGO/Anna Moneymaker - Pool via CNP
Schock am 22. Januar in Aschaffenburg: Bei einem Messerangriff wurde ein Kleinkind und ein Mann getötet sowie drei weitere Menschen schwer verletzt, darunter ein weiteres Kleinkind.
Schock am 22. Januar in Aschaffenburg: Bei einem Messerangriff wurden ein Kleinkind und ein Mann getötet sowie drei weitere Menschen schwer verletzt, darunter ein weiteres Kleinkind. Der Täter war ein Afghane, der zu jenem Zeitpunkt ausreisepflichtig war. Eine Debatte um illegale Migration in Deutschland beherrschte fortan den Wahlkampf zur Bundestagswahl 2025.  © IMAGO/Michael Bihlmayer
Ein sichtlich erschütterter Merz erklärte bei einer aufsehenerregenden Pressekonferenz am 23. Januar 2025, er werde „von Tag 1 an“ als Kanzler ein „faktisches Einreiseverbot“ für illegale Migranten durchsetzen.
Friedrich Merz, damals noch CDU-Kanzlerkandidat, führte nach dem Attentat in Aschaffenburg die Migration in den Mittelpunkt seines Wahlkampfes. Bei einer aufsehenerregenden Pressekonferenz am 23. Januar 2025 erklärte er, er werde „von Tag 1 an“ als Kanzler ein „faktisches Einreiseverbot“ für illegale Migranten durchsetzen.  © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Florian Wiegand
Am 29. Januar 2025 trat vor der umstrittenen Abstimmung ein energischer Merz ans Rednerpult im Bundestag, hinter ihm noch die alte Regierung aus Kanzler Olaf Scholz (SPD) und Vizekanzler Robert Habeck (Grüne). ehrere Anträge zur Migration in Deutschland wollte er auf Teufel komm raus im Bundestag durchbringen – auch unter Inkaufnahme von Stimmen der AfD.
Friedrich Merz entschloss sich in der Folge zu einem drastischen Schritt im Wahlkampf: Mehrere Anträge zur Migration in Deutschland wollte er im Bundestag durchbringen – auch unter Inkaufnahme von Stimmen der AfD. Am 29. Januar 2025 trat vor der umstrittenen Abstimmung ein energischer Merz ans Rednerpult im Bundestag, hinter ihm die alte Regierung bestehend aus Kanzler Olaf Scholz (SPD) und Vizekanzler Robert Habeck (Grüne).  © IMAGO
Die AfD-Fraktion macht ein Selfie nach der umstrittenen Abstimmung zur Migration im Bundestag am 29. Januar 2025.
Die gemeinsame Abstimmung der CDU unter Merz mit der AfD war für viele in SPD, Grüne und Linke ein Schock im Jahr 2025. Auch Abgeordnete der Union saßen danach im Bundestag wie vom Donner gerührt über ihr eigenes Handeln. Allein die AfD-Fraktion lachte nach der Abstimmung: Gemeinsam mit anderen Abgeordneten machten die AfD-Chefs Alice Weidel und Tino Chrupalla ein Selfie. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Unter dem Motto „Wir sind die Brandmauer – Keine Zusammenarbeit mit der AfD“ gingen 2025 Millionen Menschen auf die Straße. Auf dem Bild zu sehen ist der „Aufstand der Anständigen“ in Berlin.
Nach dem Schock der Abstimmung von Merz‘ Union mit der AfD gab es Anfang 2025 massive Proteste in ganz Deutschland. Unter dem Motto „Wir sind die Brandmauer – Keine Zusammenarbeit mit der AfD“ gingen Millionen Menschen auf die Straße. Auf dem Bild zu sehen ist der „Aufstand der Anständigen“ in Berlin.  © IMAGO/Christian Ender
Ein Schock für alle Zuhörer war am 14. Februar 2025 die Rede von US-Vizepräsident JD Vance bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Unter den Verbündeten in Europa sorgte die Rede für helle Aufregung: Vance rechnete in der halbstündigen Rede mit Europa ab.
Ein Schock für alle Zuhörer war am 14. Februar 2025 die Rede von US-Vizepräsident JD Vance bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Unter den Verbündeten in Europa sorgte die Rede für helle Aufregung: Vance rechnete in der halbstündigen Rede mit Europa ab und attestierte ein mangelndes Demokratieverständnis. „Wenn ihr Angst vor euren eigenen Wählern habt, dann gibt es nichts, was Amerika für euch tun kann“, so ein Zitat von Vance, das 2025 in den Köpfen blieb. © IMAGO/Andreas Stroh
Beim Besuch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Oval Office am 28. Februar 2025 kam es zum Eklat. US-Präsident Donald Trump stritt öffentlich mit ihm und warf ihm mangelnde Dankbarkeit vor. Am Ende wurde Selenskyj aus dem Weißen Haus geworfen.
Zwei Wochen später kam der nächste Schock-Moment für die Europäer: Beim Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Oval Office am 28. Februar 2025 kam es zum Eklat. US-Präsident Donald Trump stritt öffentlich mit ihm und warf ihm mangelnde Dankbarkeit vor. Am Ende wurde Selenskyj aus dem Weißen Haus geworfen. Die Welt schaute fassungslos zu.  © IMAGO/JIM LO SCALZO
Bei dem Eklat im Oval Office war Trumps Vize JD Vance bei der öffentlichen Demütigung von Selenskyj ganz vorne dabei. Beobachter sprachen danach von einer bewussten Provokation der Ukraine.
Bei dem Eklat im Oval Office war Trumps Vize JD Vance bei der öffentlichen Demütigung von Selenskyj ganz vorne mit dabei. Beobachter sprachen danach davon, dass der die Ukraine bewusst provozieren wollte. Seit diesem Schock-Moment am 28. Februar zittern viele Staatschefs vor ihren Besuchen im Weißen Haus.  © IMAGO/JIM LO SCALZO
Einen Schock in der Türkei und der ganzen westlichen Welt, löste die Verhaftung des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem İmamoğlu am 19. März 2025 aus.
Einen Schock in der Türkei und der ganzen westlichen Welt löste die Verhaftung des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem İmamoğlu am 19. März 2025 aus. Wenige Tage später sollte er zum offiziellen Präsidentschaftskandidaten nominiert werden und war daher einer der gefährlichsten Gegner für Präsident Recep Tayyip Erdogan. Wegen angeblicher Korruption und Terrorismusunterstützung nahm die Polizei ihn gemeinsam mit 100 weiteren Personen fest. İmamoğlu sitzt bis heute in Haft.  © IMAGO/Tolga Uluturk
Nach der Verhaftung von İmamoğlu demonstrierten hunderttausende Menschen in der Türkei gegen Erdogans Willkür.
Nach der Verhaftung von İmamoğlu demonstrierten hunderttausende Menschen in der Türkei gegen Erdogans Willkür. Auch 100 Tage später gab es noch Proteste von zehntausenden Menschen in Istanbul.  © IMAGO/Abdullah Tepeli
Schock für CDU-Chef Friedrich Merz bei der Kanzlerwahl im Bundestag am 6. Mai 2025: Der Wahlsieger scheiterte bei der Abstimmung im ersten Wahlgang. Nach dem gescheiterten ersten Wahlgang verließ Merz fluchtartig das Parlament.
Schock für CDU-Chef Friedrich Merz bei der Kanzlerwahl im Bundestag am 6. Mai 2025: Der Wahlsieger scheiterte bei der Abstimmung im ersten Wahlgang. Zuviele Abgeordnete aus Union und SPD stimmten gegen ihn als Kanzler. Nach dem gescheiterten ersten Wahlgang verließ Merz fluchtartig das Parlament.  © IMAGO/Emmanuele Contini
Charlotte Merz, die Ehefrau von Friedrich Merz, sowie deren Kinder verfolgten das Debakel bei der Kanzlerwahl mit ausdruckslosen Mienen von der Tribüne aus.
Charlotte Merz, die Ehefrau von Friedrich Merz, sowie deren Kinder verfolgten das Debakel bei der Kanzlerwahl mit ausdruckslosen Mienen von der Tribüne aus. Sie hatten sich von dem Tag der Kanzlerwahl anderes erhofft.  © IMAGO
CDU-Chef Friedrich Merz am 6. Mai 2025 einsam und allein im Deutschen Bundestag, nachdem er im ersten Wahlgang bei der Wahl des Bundeskanzlers durchgefallen war.
Ein Bild, das von 2025 bleibt: CDU-Chef Friedrich Merz einsam und allein im Deutschen Bundestag, nachdem er im ersten Wahlgang bei der Wahl des Bundeskanzlers durchgefallen war. Der Tag sollte für ihn nach der gewonnenen Bundestagswahl 2025 eigentlich ein Tag des Triumphs werden.  © IMAGO/Emmanuele Contini
Nach stundenlangen aufgeregten Beratungen in den Fraktionen von Union und SPD gab es am 6. Mai 2025 bei der Kanzlerwahl schließlich ein Aufatmen für Merz und seine Regierung: Im zweiten Wahlgang schaffte er die Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundestag.
Nach stundenlangen aufgeregten Beratungen in den Fraktionen von Union und SPD gab es am 6. Mai 2025 bei der Kanzlerwahl schließlich ein Aufatmen für Merz und seine Regierung: Im zweiten Wahlgang schaffte er die Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundestag, danach konnte ihm endlich gratuliert werden.  © IMAGO
Am 21. Mai 2025 kam es zum nächsten Eklat im politischen Jahr: US-Präsident Donald Trump attackierte Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa vor versammelter Presse mit Vorwürfen.
Am 21. Mai 2025 kam es zum nächsten Eklat im politischen Jahr: US-Präsident Donald Trump attackierte Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa vor versammelter Presse. Trump konfrontierte seinen Gast mit Artikeln und einem Videofilm. Dies sollte nach Darstellung Trumps einen Massenmord an der weißen Bevölkerung Südafrikas belegen. Die Vorwürfe basieren auf einem Verschwörungsmythos, der in rechtsextremen Kreisen in den USA weit verbreitet ist: der sogenannte „weiße Genozid“. © IMAGO/Jim LoScalzo - Pool via CNP
Nach über drei Jahren Ukraine-Krieg wurde Russlands Präsidenten Wladimir Putin am 15. August 2025 in Alaska die Rückkehr auf die politische Weltbühne gewährt: US-Präsident Donald Trump traf ihn in Alaska.
Nach über drei Jahren Ukraine-Krieg wurde Russlands Präsidenten Wladimir Putin am 15. August 2025 in Alaska die Rückkehr auf die politische Weltbühne gewährt: US-Präsident Donald Trump traf ihn in Alaska. Für viele Menschen waren die Bilder vom Putin-Trump-Gipfel in Alaska ein Schock.  © IMAGO/Sergey Bobylev
Unvergessen vom Trump-Putin-Gipfel 2025 in Alaska bleibt der Empfang, den Trump seinem russischen Kollegen gewährte: Er sollte ihm auf dem Flugplatz den roten Teppich aus und klatschte dem russischen Despoten schon von weitem zu.
Unvergessen vom Trump-Putin-Gipfel 2025 in Alaska bleibt der Empfang, den Trump seinem russischen Kollegen gewährte: Er rollte ihm auf dem Flugplatz den roten Teppich aus und klatschte dem russischen Despoten schon von weitem mit Beifall zu.  © IMAGO/Sergey Bobylev
Die Ergebnisse des Treffens von Donald Trump und Wladimir Putin in Alaska fielen enttäuschend aus. Putin konnte auf der anschließenden Pressekonferenz die Agenda bestimmen und seine Sicht auf den Ukraine-Krieg unwidersprochen darstellen.
Die Ergebnisse des Treffens von Donald Trump und Wladimir Putin in Alaska fielen enttäuschend aus. Putin konnte zur Aufregung vieler auf der anschließenden Pressekonferenz die Agenda bestimmen und seine Sicht auf den Ukraine-Krieg unwidersprochen darstellen.  © IMAGO/Anchorage Daily News/TNS/ABACA
Ein absolutes Aufreger-Thema in der Bundespolitik war im Sommer 2025 die geplante Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin. Sie scheiterte am Widerstand der Union, die sie als zu links empfand. Der Streit um die Richterwahl brachte die Koalition unter Friedrich Merz fast an den Abgrund.
Ein Aufreger-Thema in der Bundespolitik war im Sommer 2025 die geplante Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin. Sie scheiterte am Widerstand der Union, die sie als zu links empfand. Brosius-Gersdorf zog ihre Kandidatur schließlich freiwillig zurück. Der Streit um die Richterwahl brachte die Koalition unter Friedrich Merz fast an den Abgrund.  © IMAGO/M. Popow
Mit dieser Pressekonferenz Mitte Oktober 2025 in Brandenburg begann in Deutschland eine Zeit wochenlanger Diskussionen und Proteste: Kanzler Friedrich Merz erklärte bei einem Besuch bei Ministerpräsident Dietmar Woidke, es gebe in Deutschland noch „Probleme im Stadtbild“, die Innenminister Dobrindt mit Rückführungen von Migranten zu lösen versuche.
Mit dieser Pressekonferenz Mitte Oktober 2025 in Brandenburg begannen in Deutschland wochenlange Diskussionen und Proteste: Kanzler Friedrich Merz erklärte bei einem Besuch bei Ministerpräsident Dietmar Woidke, es gebe in Deutschland noch „Probleme im Stadtbild“, die Innenminister Dobrindt mit Rückführungen von Migranten zu lösen versuche. Merz war zunächst nicht bereit, sich näher zu erklären. Er sagte stattdessen, man solle „die Töchter“ fragen, die wüssten, was er meine.  © IMAGO/Chris Emil Janssen
Die Äußerungen des Kanzlers zum Stadtbild war für vielen ein Grund, auf die Straße zu gehen: Sie warfen dem Kanzler Rassismus und die Differenzierung von Menschen nach Hautfarben vor. Unter dem Motto „Wir sind die Töchter“ gingen Tausende auf die Straße, so wie hier in Berlin.
Die Äußerungen des Kanzlers zum „Stadtbild“ waren für viele ein Grund, auf die Straße zu gehen: Sie warfen dem Kanzler Rassismus und die Differenzierung von Menschen nach Hautfarbe vor. Zudem fühlten sich viele junge Frauen durch Merz‘ Aussage, die „Töchter“ würden wissen, was er meine, instrumentalisiert. Unter dem Motto „Wir sind die Töchter“ gingen Tausende auf die Straße, so wie in Berlin.  © IMAGO/Carsten Thesing
Begleitet von heftigen Protesten gründete die AfD am 29. November 2025 ihr neue Jugendorganisation „Generation Deutschland“. In Gießen demonstrierten bis zu 30.000 Menschen gegen die AfD, dabei kam es auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei.
Begleitet von heftigen Protesten gründete die AfD am 29. November 2025 ihre neue Jugendorganisation „Generation Deutschland“. In Gießen demonstrierten bis zu 30.000 Menschen gegen die AfD, dabei kam es auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei.  © IMAGO/5VISION.NEWS
Einen schockierenden Auftritt legte Alexander Eichwald hin bei der Gründung der neuen AfD-Jugend „Generation Deutschland“ am 30. November 2025 in Gießen: Mit stark rollendem R und NS-Rhetorik erinnerte er an Adolf Hitler.
Einen schockierenden Auftritt legte Alexander Eichwald bei der Gründung der neuen AfD-Jugend „Generation Deutschland“ in Gießen hin: Mit stark rollendem „R“ und NS-Rhetorik erinnerte er an Adolf Hitler. Nach der Aufreger-Rede gab es Rätselraten, ob die Rede ernst gemeint oder Satire war. Zwölf Prozent der AfD-Jugend gaben Eichwald immerhin ihre Stimme für einen Posten im Vorstand. Er muss nun mit dem Ausschluss aus der Partei rechnen. © dpa/X
Ein Schock für Europa war die Bekanntgabe der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie der USA im Dezember 2025: Die Regierung unter Donald Trump sieht darin Europa als Gegner und will den „Widerstand“ gegen den aktuellen Kurs der EU fördern. Von vielen wird das Dokument, das den offiziellen Kurs der US-Außenpolitik darlegt, wie ein Scheidungspapier an Europa aufgefasst.
Ein Schock für Europa war die Bekanntgabe der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie der USA im Dezember 2025: Die Regierung unter Donald Trump sieht darin Europa als Gegner und will den „Widerstand“ gegen den aktuellen Kurs der EU fördern. Von vielen wird das Dokument, das den offiziellen Kurs der US-Außenpolitik darlegt, als ein Scheidungspapier an Europa aufgefasst.  © IMAGO/Pool/ABACA
Die neue Sicherheitsstrategie der USA unter der Führung von Donald Trump (M.), Außenminister Marco Rubio (l.) und Verteidigungsminister Pete Hegseth schockte auch Deutschland: Kanzler Friedrich Merz sagte danach alarmiert, dass es nun umso wichtiger sei, dass Deutschland sich auch ohne die USA verteidigen könne.
Die neue Sicherheitsstrategie der USA unter der Führung von Donald Trump (M.), Außenminister Marco Rubio (l.) und Verteidigungsminister Pete Hegseth schockte auch Deutschland: Kanzler Friedrich Merz sagte danach alarmiert, dass es nun umso wichtiger sei, dass Deutschland sich auch ohne die USA verteidigen könne. Ein Rückzug der USA aus der NATO wird immer wahrscheinlicher.  © IMAGO/CNP / MediaPunch

Dazu passt das Ergebnis einer weiteren Frage. Nur 32 Prozent gehen davon aus, dass die USA einem europäischen NATO-Partner militärisch zu Hilfe kommen würden, sollte dieser angegriffen werden. 35 Prozent sind da skeptisch, die übrigen 33 Prozent konnten sich nicht entscheiden. Die Diskussion, ob sich Trump an den NATO-Artikel 5 – den sogenannten Bündnisfall – gebunden fühlt, begleitet seine bisherige zweite Amtszeit. Gerade im Angesicht der russischen Aggressionen.

Russland als Gefahr durch Ukraine-Krieg: Weniger Menschen befürchten Angriff durch Putin

Immerhin hier gab es bei der Umfrage eine positive Entwicklung zu verzeichnen. Der Anteil der Deutschen, die einen Angriff Moskaus auf weitere Länder befürchten, sank von 46 auf 35 Prozent. Ob Putin das wohl gefallen wird? Spielt er doch immer wieder mit den Ängsten der Menschen im von ihm so verhassten Westen.

Besser dürften ihm andere Zahlen schmecken. Nur noch 55 Prozent der Befragten fühlen sich in Deutschland sicher oder sehr sicher – der niedrigste gemessene Wert. Zum Vergleich: 2021 waren es 82 Prozent. Und seit Beginn des Ukraine-Kriegs fühlen sich mittlerweile 49 Prozent persönlich bedroht durch militärische Auseinandersetzungen, in die Deutschland verwickelt ist. Nie war der Anteil höher. 2024 waren es schonmal 48 Prozent, 2021 lediglich jeder Zehnte.

Was hecken sie noch aus? Russland unter Kreml-Chef Wladimir Putin (l.) und Außenminister Sergej Lawrow wird von den Deutschen als wahrscheinlichste Bedrohung für den Frieden angesehen.

Zudem halten nur noch 42 Prozent die NATO für stark genug, um sich gegen Russland verteidigen zu können. 2025 waren noch 56 Prozent optimistisch. „Das Vertrauen der Deutschen in die NATO ist schlagartig eingebrochen“, warnt der Berater und Coach Klaus Schweinsberg, Mitherausgeber des Sicherheitsreports: „Auf die Unterstützung durch die USA im Bündnisfall hofft nur noch eine Minderheit.“ Für die Studie wurden zwischen dem 6. und 19. Januar 1077 Bürger ab 16 Jahre befragt.

USA bei der Sicherheitskonferenz: Außenminister Rubio reist nach München

Sie wurde kurz vor der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) veröffentlicht, die im vergangenen Jahr einen denkwürdigen Auftritt des damals frischgebackenen US-Vize-Präsidenten J.D. Vance erlebte. Der Trump-Stellvertreter las den europäischen Partnern vor aller Öffentlichkeit die Leviten und kritisierte den Zustand der Demokratie, weil ihm zufolge die Meinungsfreiheit zu kurz komme.

Dieses Jahr reist Außenminister Marco Rubio in die bayerische Landeshauptstadt, wie der stellvertretende Ministeriumssprecher Tommy Pigott via X verkündete. Mit Spannung wird erwartet, wie der oberste Diplomat des Landes gegenüber den Partnern auftritt und ob die unübersehbaren Gräben sogar noch tiefer werden.

Rubio trifft Orban: Trump-Minister plant Gespräche mit Putin-nahen Europäern

Nachdenklich dürfte den Westen vor allem stimmen, dass Rubio im Anschluss weiter nach Bratislava und Budapest reist, um mit Spitzen der Slowakei und Ungarns zusammenzutreffen. Laut Pigott geht es bei den Gesprächen um das gemeinsame Engagement bei der Lösung globaler Konflikte und die Zusammenarbeit in der Energiepolitik.

Dieser Auftritt wirkt nach: Bei der Sicherheitskonferenz 2025 schoss US-Vize-Präsident J.D. Vance deutlich gegen Europa.

Die Slowakei und Ungarn sind jene beiden EU-Staaten, die durch besondere Nähe zu Putin auffallen und ein gemeinsames Vorgehen zugunsten einer besseren Verteidigung der Ukraine erschweren. Während in Bratislava der linkspopulistische Robert Fico als Ministerpräsident regiert, hat in Budapest bereits seit 2010 zum zweiten Mal der rechtskonservative Ministerpräsident Viktor Orban das Sagen.

Newsom und andere Trump-Gegner in München: Sicherheitskonferenz begrüßt Demokraten-Trio

Insgesamt erwartet die MSC vom 13. bis 15. Februar mehr als 60 Staats- und Regierungschefs rund um Bundeskanzler Friedrich Merz sowie etwa 100 Außen- und Verteidigungsminister. Aber auch bekannte Oppositionspolitiker werden nach München kommen. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) schreibt, kündigte Konferenzleiter Wolfgang Ischinger bei einer Pressekonferenz in Berlin die Teilnahme von Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom, der einflussreichen Kongressabgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez und von Gretchen Whitmer, der Gouverneurin von Michigan, an.

Alle drei Demokraten hatten in der Vergangenheit mit deutlicher Kritik an Trump und dessen Methoden Schlagzeilen gemacht. Newsom, der auch beim Weltwirtschaftsforum in Davos vor Ort war, scheint sich dabei als Hauptgegenspieler des Präsidenten herauszukristallisieren. Er gilt auch als aussichtsreicher Kandidat, um das höchste Amt des Staates mit Blick auf Januar 2029 in Angriff zu nehmen, wenn Trump laut der US-Verfassung abdanken und an seinen Nachfolger übergeben müsste.

In Davos kritisierte Newsom öffentlich die devote Haltung vieler Führungspersönlichkeiten gerade aus Europa gegenüber Trump. „Es ist an der Zeit, sich zusammenzureißen, ernst zu machen und die Komplizenschaft zu beenden“, forderte der 58-Jährige: „Ich kann diese Komplizenschaft nicht länger ertragen. Alle beugen sich ihm. Ich hätte Knieschoner für alle Staats- und Regierungschefs mitbringen sollen… das ist erbärmlich.“ Die Europäer würden sich von Trump manipulieren lassen, ihre Verhandlungsversuche seien „keine Diplomatie, sondern Dummheit“.

Macron warnt EU-Partner wegen USA: „Europa in fünf Jahren weggefegt“

Wie die internationale Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, wird Merz auf der MSC sowohl mit Rubio als auch mit Newsom zusammentreffen. Ebenso werde sich der CDU-Chef mit US-Kongressmitgliedern beider Parteien austauschen. Auch ein Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sei geplant, ebenso ein sogenanntes E3-Format mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer.

Für Macron wird es die vorletzte MSC im Amt sein, denn 2027 kann er nicht erneut zur Wahl antreten. Vorher redete er den Europäern in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) sowie anderen großen europäischen Zeitungen ins Gewissen. „Wenn wir Zuschauer sein wollen, dann mündet das in eine glückliche Unterwerfung. Wir stören niemanden, wir versuchen, nett zu den Amerikanern zu sein, und mit den Chinesen machen wir weiter wie bisher. Ich sage Ihnen: Wenn wir nichts tun, ist Europa in fünf Jahren weggefegt“, warnt der 48-Jährige.

Die aktuelle Phase bezeichnet er als „Grönland-Moment“ und hält darüber fest: „Der hat den Europäern zweifellos bewusst gemacht, dass es bedroht ist. Aber es geht um mehr als nur um Grönland. Wir sind in dieser Phase ganz auf uns allein gestellt, eine große Gruppe von 450 Millionen Menschen, die immer dachte, dass man ihr hilft.“

Dieses Gefühl scheint sich auch in der deutschen Bevölkerung zu verfestigen, wie die Umfrage verdeutlicht. Die eben auch mehr und mehr Zeichen der Entfremdung von den USA offenbart, dem großen väterlichen Partner aus Übersee. Der nun für viele selbst eine Bedrohung darstellt. (Quellen: Centrum für Strategie und Höhere Führung, X, dpa, Reuters, SZ) (mg)

Rubriklistenbild: © Jose Luis Magana/dpa

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